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Mit HIV-Selbsttests richtig umgehen

Seit Herbst sind HIV-Selbsttests auch in Deutschland frei verkäuflich. So wendet man sie zuhause richtig an

von Diana Faust, aktualisiert am 22.02.2019
Selbsttest

Laboruntersuchung für daheim: HIV-Selbsttest


Die Hürden waren bisher hoch. Wer nicht darüber sprechen wollte, wann er mit wem welchen Sex hatte, konnte sich nicht ohne Weiteres auf HIV testen lassen. Es galt: "Kein Test ohne Beratung." Will man sich beim Hausarzt, in einer Beratungsstelle oder beim Gesundheitsamt auf HI-Viren untersuchen lassen, muss man mit intimen Fragen rechnen. "In der Beratung wird in der Regel nach dem Grund der HIV-Diagnostik gefragt – um auch präventiv zu unterstützen", sagt Dr. Christoph Spinner vom Interdiszi­plinären HIV-Zentrum am Klinikum rechts der Isar in München.

HIV-Selbsttest für zuhause

Jetzt gibt es eine zusätzliche Möglichkeit. Seit Herbst vergangenen Jahres kann man seinen HIV-Status zu Hause überprüfen. Entsprechende Tests sind in Apotheken, Drogeriemärkten oder im Internet erhältlich. "Es geht darum, die HIV-Infektionskette zu durchbrechen, deswegen ist dieses niederschwellige Angebot ein enorm wichtiger Fortschritt", erklärt Erik Tenberken, Apotheker aus Köln und Vorstand des Apotheken-Netzwerks Dahka. Hier sind Apotheker organisiert, die ihren Schwerpunkt auf HIV- und Hepatitis-Beratung legen.

"Wir wissen, dass es in Deutschland einen relevanten Anteil an Menschen mit nicht diagnostizierter HIV-Infektion gibt", sagt Klinikarzt Spinner. Laut Angaben des Robert-Koch-Instituts sind es rund 12 700. Mit dem Selbsttest, so die Hoffnung vieler Experten, könnte sich diese Zahl verringern. Je mehr Betroffene von ihrer Infektion wissen, desto deutlicher sinkt das Risiko, dass sie andere aus Unkenntnis anstecken.

Erik Tenberken

Zurzeit kann man zwischen fünf verschiedenen Produkten wählen. "Sie funktionieren alle ähnlich", betont Apotheker Tenberken. Wichtig: Achten Sie darauf, dass der Test ein CE-Zeichen trägt. Diese Kennzeichnung gibt an, dass es sich um ein in Europa zugelassenes Produkt handelt.

Bedienungsanleitung für den Test

Wichtig ist auch, dass man sich nicht zu früh testet. "Vom Zeitpunkt der Übertragung bis zum sicheren Nachweis vergehen bis zu zwölf Wochen", sagt Spinner. Die gängigen HIV-Tests, auch die für zu Hause, weisen nicht das Virus selbst nach, sondern die Antikörper dagegen. Bis die sich gebildet haben, braucht es einige Zeit.

Für den HIV-Selbsttest sticht man sich mit einer Nadel in die Fingerkuppe – ähnlich wie beim Blutzucker-Check. Den Blutstropfen bringt man in ein Röhrchen oder eine Vertiefung in der Plastikoberfläche des Testkits ein und  gibt eine Trägerlösung hinzu. Nach 15 bis 30 Minuten lässt sich das Ergebnis ablesen. Ein Kontrollstreifen zeigt, ob der Test funktioniert hat. Ein weiterer Streifen erscheint, wenn eine Infektion vorliegt. Neben den Bedienungsan­leitungen in den Produkten findet man auf der Internetseite des Paul-Ehrlich-Instituts, der zuständigen Zulassungsbehörde, zu jedem Selbsttest ein Erklärvideo.
Zeigt der Test eine Infektion an, muss ein Arzt das Ergebnis überprüfen. Die Tests sind sehr empfindlich. Eventuell hat man sich gar nicht angesteckt. "Sie sind so fein eingestellt, damit möglichst viele Infektionen entdeckt werden", so Mediziner Spinner.

Kein Todesurteil mehr

Noch wichtiger ist es, bei einem entsprechenden Ergebnis nicht in Panik zu geraten. "Man muss den Leuten die Angst nehmen, erklären, dass HIV-positiv zu sein kein Todesurteil mehr ist", sagt Tenberken. Deshalb ist es sinnvoll, einen Test in der Apotheke zu besorgen. Dort wird man beraten – sehr niederschwellig.

Viele Leute wüssten laut Tenberken nicht, dass man eine HIV-Infektion heute gut behandeln kann. Die Lebenserwartung ist bei entsprechender Therapie fast so hoch wie die Gesunder. Liegt die Viruslast unter der Nachweisgrenze, sind Patienten nicht mehr ansteckend. Auch können Betroffene Kinder bekommen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und die Deutsche Aidshilfe bieten Beratungshotlines an.

Deutschland ist nicht das erste Land in Europa, in dem HIV-Tests frei verfügbar sind. Auch in Österreich und Frankreich etwa kann man sie in der Apotheke kaufen. Erfahrungen aus Australien zeigen, dass durch Selbsttests in der Tat mehr Menschen ihren HIV-Status überprüfen. So testeten sich laut einer australischen Studie im Fachblatt The Lancet HIV Männer mit hohem Risiko für eine HIV-Infektion dann doppelt so häufig.

Richtige Anlaufstelle

Sie suchen eine HIV-kompetente Apotheke?
Sie finden sie auf der Internetseite der Dahka, der Deutschen Arbeitsgemeinschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheken: www.dahka.de