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Krampfadern (Varikose, Varikosis, Varizen): Therapie

Die Behandlung umfasst konservative Maßnahmen, Verödungstechniken, thermische Methoden mit Laser oder Radiowellen und verschiedene Operationen

aktualisiert am 26.06.2017
Venengymnastik

Venengymnastik stärkt die Muskelpumpe und fördert den Bluttransport


Die Entscheidung darüber, welcher Behandlungsweg individuell am besten geeignet ist, richtet sich nach der Art der Krampfaderkrankheit, dem Erkrankungsstadium, eventuellen Begleitkrankheiten und den Wünschen des Patienten.

Krampfadern: Konservative Maßnahmen können Beschwerden lindern

– Physikalische Therapie: Als begleitende Maßnahmen zur Linderung der Beschwerden empfehlen Venenspezialisten bei allen Formen des Krampfaderleidens physikalische Maßnahmen wie Kneippanwendungen, kalte Unterschenkelgüsse oder Wassertreten. Dadurch ziehen sich die erweiterten Venen zusammen. Viel Gehen, auch barfuß, Walking und Venengymnastik unterstützen die Muskelpumpenfunktion und damit den Rücktransport des Blutes zum Herz.

Mit diesen Übungen können Sie Ihre Venen fit halten:

 

Zudem gibt es einfache, aber sehr wirkungsvolle venengymnastische Übungen. Schon zehn Minuten täglich verbessern die Leistungsfähigkeit der Venen und das allgemeine Wohlbefinden. Dafür lässt sich auch an Tagen mit vollem Terminkalender meist eine Lücke finden.

Bei schwerer chronisch-venöser Insuffizienz können – nach ärztlicher Anweisung und in ausgewählten Fällen - weitere Maßnahmen zur Anwendung kommen wie manuelle oder apparative Lymphdrainagen. Damit gelingt eine Entstauung des betroffenen Beins, vor allem dann, wenn die Kompressionstherapie allein nicht ausreichend effektiv ist.

- Begleittherapie mit Venenmitteln: Venenmittel gibt es in Form von Sprays, Salben, Gels zum Auftragen auf die Haut oder als Kapseln zum Einnehmen. Sie können leicht abschwellend wirken und subjektiv die Beschwerden lindern. Venenmittel können und sollen eine notwendige Kompressionstherapie nicht ersetzen. Ihre Anwendung kann für einen begrenzten Zeitraum sinnvoll sein, wenn eine Kompressionstherapie nicht möglich ist – etwa bei Allergieneigung oder starker Hitze – und wenn subjektiv ein günstiger Effekt zu erzielen ist.

Zu den hier eingesetzten Substanzen gehören beispielsweise Rosskastanienextrakte (enthalten den Bestandteil Aescin), Extrakte aus Heilpflanzen wie Rotes Weinlaub (als pharmakologisch wirksame Bestandteile werden hier die Polyphenole genannt), Arnika (die darin unter anderem enthaltenen ätherischen Öle wirken erfrischend auf müde Beine) und Mäusedorn.

Venen

- Kompressionstherapie: Es werden verschiedene Formen von Kompressionsverbänden und -strümpfen unterschieden.

Eine konsequente Kompressionstherapie stellt eine wirkungsvolle Maßnahme bei allen Venenkrankheiten dar und ist vor allem bei schwerer Venenthrombose mit Beinschwellung sowie in den fortgeschrittenen Krankheitsstadien jedweder Entstehung unverzichtbar.

Sie kann bei akuter Thrombose die stauungsbedingten Beschwerden lindern und langfristig die Häufigkeit und Schwere eines chronischen Venenversagens oder postthrombotischen Syndroms reduzieren. Mit ihr gelingt es, Geschwüre zur Abheilung bringen, egal ob durch Krampfadern oder eine Thrombose bedingt. Die Kompression unterstützt die Arbeit der Muskelpumpen und der Venenklappen. Der wichtigste Mechanismus besteht darin, den Blutfluss zum Herzen zu verbessern, indem die Venendurchmesser von oberflächlichen und tiefen Venen eingeengt werden. Das wirkt einer Stauung im Bein sehr wirkungsvoll entgegen. 

Kompressionsverbände kommen meist bei akuten und Kompressionsstrümpfe bei chronischen Krankheitssituationen zur Anwendung. Kompressionsstrümpfe gibt es in verschiedenen Stärken und Längen. Der Arzt verschreibt sie, der Fachhändler passt sie individuell an. Nach ungefähr sechs Monaten hat ein Kompressionsstrumpf in der Regel ausgedient, weil er den erforderlichen Druck nicht mehr aufbaut. Im Anschluss an eine spezielle Behandlungsmaßnahme, etwa eine Verödung, werden die Strümpfe für wenige Stunden bis Tage getragen und nach einer Venenoperation, Laser- oder Radiowellentherapie etwa für vier Wochen (siehe weiter unten).

In bestimmten Situationen, etwa bei einer diabetischen peripheren Neuropathie, muss die Kompressionsbehandlung besonders fachkundig gehandhabt werden, um Druckschäden der Haut und der Nerven zu vermeiden. In Ausnahmefällen kommt eine Kompressionsbehandlung nicht infrage, etwa bei fortgeschrittener Arteriosklerose der Beingefäße oder einer entgleisten Herzschwäche.

Hilfen bei Komplikationen

- Krampfaderentzündung (Varikophlebitis): Auch bei einer oberflächlichen Beinvenenentzündung ist die Kompressionstherapie (siehe oben) von zentraler Bedeutung, da sie die Beschwerden meistens sofort lindert. Sie kann mit einem Verband aus elastischen Binden oder mit einem Kompressionsstrumpf erfolgen. Eventuell verschreibt der Arzt kurzfristig einen Entzündungshemmer, ein sogenanntes nicht steroidales Antiphlogistikum beziehungsweise Antirheumatikum.

Ein in einer Hautvene tastbares Blutgerinnsel kann nach lokaler Betäubung über einen winzigen Schnitt aus der Vene herausgepresst werden. Das bringt sofort Erleichterung. Anschließend wird ein Wundverband angelegt. Um die Durchblutung zu fördern, sollten die Betroffenen sich genügend bewegen. Kühlende Umschläge und Verbände mit Heparinsalben werden oft als lindernd und angenehm empfunden.

Ist ein Patient nicht mobil genug, um das Bein ausreichend zu bewegen, oder befindet sich das Blutgerinnsel nahe an der Mündung in das tiefe Venensystem, benötigt er eine gerinnungshemmende Substanz (zum Beispiel niedermolekulares Heparin oder Fondaparinux subkutan) als Thromboseschutz. Ziel dieser Behandlung mit Spritzen unter die Haut ist es, zu verhindern, dass das Gerinnsel in die Tiefe hinein wächst. Eventuell ist für eine bestimmte Zeit die Fortsetzung der Gerinnungshemmung (Antikoagulanzientherapie, "blutverdünnende Behandlung") subkutan oder mit Tabletten zum Einnehmen, also oral, angezeigt.

- Beingeschwür (Ulcus curis): Hierbei ist die fachgerechte Kompressionsbehandlung die wichtigste Maßnahme überhaupt, um die Schmerzen am Bein zu lindern und das Geschwür zur Abheilung zu bringen. In der Regel bleibt der Patient in Bewegung, lagert aber im Ruhezustand das Bein hoch.

Die konservative Wundbehandlung erfolgt nach modernen Grundsätzen: Die Wunde soll nicht austrocknen, der Verbandwechsel schonend vorgenommen werden, das Verbandmaterial nicht hautreizend sein. Dieses und die übrigen Maßnahmen richten sich nach dem Zustand der Wunde. Bei einer Infektion beispielsweise wird sie mit Kochsalzlösung gespült und mit gut verträglichen keimtötenden Lösungen desinfiziert. Wichtig ist eine jeweils geeignete Abdeckung, um die Wunde feucht zu halten.

Heute verwendet man häufig Verbände aus Polyurethanschaum oder hydrokolloidalem Material. Gegebenenfalls ist es notwendig, ein Antibiotikum, das der Arzt gezielt nach Keimbestimmung im Wundabstrich verordnet, einzunehmen. Falls das Bein ruhig gestellt werden muss, erhält der Patient vorübergehend einen Thromboseschutz, zum Beispiel mit Heparinspritzen. Meistens lassen sich die Geschwüre mit den konservativen Maßnahmen allein zum Abheilen bringen. Mitunter ist eine chirurgische Wundreinigung (Débridement) notwendig.

Infografik Krampfadern

Invasive (eingreifende) Therapieverfahren

Optisch störende Besenreiser oder Aussackungen der Venen lassen sich nicht mit Medikamenten beheben. Wenn die Stammvenen sozusagen "überlaufen", weil die Venenklappen nicht mehr richtig arbeiten, so ist das letztlich nur durch Ausschalten oder Entfernen der erkrankten Venen behandelbar.

Welche Methode im Einzelfall am besten geeignet ist, entscheidet sich im ärztlichen Gespräch nach den vorher erhobenen Untersuchungsergebnissen und in Abstimmung mit den Wünschen des Patienten. Dabei werden Vor- und Nachteile der einzelnen Behandlungsverfahren gegeneinander abgewogen. Auch ist zu klären, ob ein Eingriff dringlich vorgenommen werden muss (zum Beispiel bei einer Varikophlebitis mit Einwachsen in das tiefe Venensystem) oder ob der geeignete Zeitpunkt in Ruhe gewählt werden kann.

Verödende (sklerosierende) Maßnahmen

- Sklerotherapie: Durch Injektion eines Verödungsmittels in die Vene  wird künstlich eine Venenentzündung erzeugt, sodass die Venenwände von innen miteinander verkleben. Mit der Zeit vernarben sie. Zur Behandlung von kleinen Adern (Besenreiser, retikuläre Varizen) spritzt der Arzt das Verödungsmittel in flüssiger Form ein, bei großen Adern (Stammvenen, Seitenäste, siehe auch Kapitel "Krampfadern: Früherkennung, Diagnose") als Schaum. Im Anschluss daran erfolgt eine Kompressionstherapie für einige Stunden bis wenige Tage.

In der Regel sind mehrere Therapiesitzungen notwendig. Da die Anlage zu Krampfadern bestehen bleibt, muss das Verfahren meistens nach ein oder zwei Jahren wiederholt werden. Zu den Gegenanzeigen gehören unter anderem eine bekannte Allergie auf das Verödungsmittel, akute Venenthrombosen, Ödeme, Infektionen im Verödungsgebiet und eine arterielle Verschlusskrankheit.

Thermische Verfahren (endovaskulär, endoluminal)

Beispielhaft seien hier nur die beiden Verfahren aufgeführt, mit denen die größten Erfahrungen vorliegen: Lasertherapie und Radiowellentherapie. Endoluminal (oder endovaskulär) bedeutet, dass die Krampfader über eine eingeführte Sonde von innen behandelt wird.

- Lasertherapie: Laserenergie "verkocht" (koaguliert) das Blut und wird zur Venenwand geleitet, die sich daraufhin erhitzt und verschließt. Die Methode eignet sich zur Behandlung von nicht sehr stark ausgeprägten Krampfadern der Stammvenen mit relativ geradlinigem Verlauf. Der Eingriff findet meistens ambulant in örtlicher oder regionaler Betäubung statt. Über einen kleinen Einschnitt am Bein wird eine dünne Lasersonde (Diodenlaser) unter Ultraschallkontrolle in die betroffene Krampfader eingeführt.

Nachsorge: Nach dem Eingriff tragen die Patienten für vier Wochen einen Kompressionsstrumpf. Eine kurzzeitige Behandlung mit Heparinspritzen hilft eine überschießende Blutgerinnselbildung zu vermeiden.

Laserenergie – allerdings mit einem ganz anderen Gerät (Neodym-Yag-Laser) – findet auch zur Behandlung von kleinsten, oberflächlich gelegenen, rötlich-violetten Besenreisern am Bein Verwendung. Bei Gefäßerweiterungen im Gesicht nehmen Hautärzte eine solche Behandlung vor.

- Radiowellentherapie: Radiowellen sind ebenfalls in der Lage, eine Stammvarize von innen her durch Abgabe von Hitze zu verschließen. Über eine Punktion am Bein führt der Arzt eine dünne Sonde, die durch Radiowellen erwärmt wird, unter Ultraschallkontrolle in die Krampfader ein. Meist ist auch dieser Eingriff ambulant in örtlicher Betäubung möglich. Die Nachsorgemaßnahmen entsprechen denen der Lasertherapie (siehe oben).

Laser- und Radiowellentherapie werden vorzugsweise bei einer leichten Varikose der Stammvenen eingesetzt. Die unmittelbare Ausschaltung des behandelten Gefäßes gelingt in über 90 bis 95 Prozent der Fälle. Das erkrankte Gefäß wird bei diesen Verfahren nicht entfernt, sondern verbleibt an Ort und Stelle. Im Laufe von Wochen wird es soweit abgebaut, dass es auch im Ultraschall überhaupt nicht mehr zu sehen ist.

Operative Behandlungsmethoden (Krampfaderoperation)

– Stripping / Teilstripping: Die komplette oder teilweise Entfernung von Krampfadern hat zum Ziel, die Funktion der verbleibenden Venen zu erhalten beziehungsweise zurückzugewinnen. Der Eingriff wird minimal invasiv vorgenommen, das heißt mit wenigen und kleinen Schnitten.

Hauptsächliches Anwendungsgebiet sind krankhaft veränderte Stammvenen. Die Stripping-Operation führte 1907 der Chirurg Babcock ein. Er hat damals noch die gesamte große Rosenvene von der Leiste bis zum Knöchel herausgenommen (zu den hier und nachfolgend genannten Venennamen siehe nochmals Kapitel "Krampfadern: Früherkennung, Diagnose").

Seit 1981 erfolgt die stadiengerechte Operation nach Hach (Teilstripping). Dabei werden nur die erkrankten Venenabschnitte entfernt, die gesunden bleiben erhalten und stehen gegebenenfalls für eine spätere Umgehungsoperation (Bypass) an arteriellen Gefäßen, zum Beispiel den Herzkranzgefäßen, zur Verfügung.

Im Prinzip wird eine biegsame Sonde über einen kleinen Hautschnitt in der Leiste in die erweiterte Vene eingeführt, bis zum "Anschlag" vorgeschoben und dort wieder herausgeführt, die Krampfader an beiden Enden durchtrennt und über die Sonde herausgezogen.

Eine Variante dieses Verfahrens ist die Kältetherapie (Kryomethode): Das Strippingmanöver erfolgt dabei mithilfe einer Kältesonde, an der die Krampfader anfriert und sich dann leicht entfernen lässt.

Stripping-Operationen erfolgen in der Regel ambulant und meistens in Teilnarkose.

Erweiterte Verbindungsvenen (Perforansvenen) werden über einen kleinen örtlichen Schnitt in dem Bereich entfernt, entweder als alleiniger Eingriff oder mit Stripping beziehungsweise einem endoluminalen Verfahren in gleicher Sitzung.

- Miniphlebektomie: Sie zielt auf die Entfernung von erweiterten Seitenästen, die über sehr kleine Schnitte mit einer "Häkelnadel" herausgezogen werden. Die Methode kann allein oder in Kombination mit der Stripping-Operation und den endoluminalen Techniken (siehe oben, Abschnitt "Thermische Verfahren") durchgeführt werden.

- CHIVA-Methode: CHIVA ist eine französische Abkürzung und bedeutet so viel wie "ambulante, venenerhaltende, den Blutfluss korrigierende Behandlung von Krampfadern". Bei dieser Methode lokalisiert der Arzt unter örtlicher Betäubung krankhaft veränderte Venenabschnitte per Ultraschall und bindet sie dann ab. Nach einiger Zeit bilden sich diese zurück und veröden. Das Verfahren ist für stark ausgeprägte Krampfadern nicht zu empfehlen.

- Externe (extraluminale) Valvuloplastie (EVP): Auch hier wird nichts entfernt. Vielmehr verengt der Arzt den Mündungsbereich der großen Rosenvene (Vena saphena magna) in der Leiste von außen, indem er unter örtlicher Betäubung eine kleine Manschette aus Polyester einnäht. Der verkleinerte Umfang der Vene macht die Mündungsvenenklappe wieder funktionstüchtig.

Nach der Korrektur kann sich die erweiterte Ader wieder "erholen", die Vene somit erhalten bleiben und für eine eventuell später nötige Operation am Herzen (Bypass, siehe oben) komplett verwendet werden. Das Verfahren eignet sich aber nur für sehr leichte Fälle, das heißt eine kaum erweiterte Stammvene mit defekter Mündungsklappe.

Operationsrisiken, Nachbehandlung, Rezidivvarikose

Risiken nach der Operation (postoperativ) wie Nachblutungen, Blutgerinnselbildung und Ansammlungen von Lymphflüssigkeit (Lymphzysten) lassen sich durch die Kompressionstherapie minimieren. Diese erfolgt in der Regel für vier Wochen und meistens von Anfang an mit einem Kompressionsstrumpf. Bei einer Behandlung erweiterter Verbindungsvenen (Perforansvenen) wird der Bereich zusätzlich über mindestens zwei Wochen bandagiert.

Auch nach einer operativen oder endoluminalen Behandlung ist ein Patient nicht vor neuen Krampfadern geschützt. Dieselbe Ader kann natürlich nicht wiederkommen, die Veranlagung bleibt aber bestehen, weshalb vorbeugende Maßnahmen (siehe Kapitel "Krampfadern: Vorbeugen und Selbsthilfe") weiterhin sinnvoll sind, ebenso wie regelmäßige Nachuntersuchungen beim behandelnden Facharzt (Gefäßspezialisten).

Es gibt in der Tat Patienten, die in dem operierten Gebiet eine neue Krampfader (Rezidivvarikose) entwickeln. Meistens sind das Seitenastvarizen. Oft sind diese so klein, dass sie keine Behandlung benötigen oder nur eine Verödung.

Manchmal können sich aber auch größere Varizen bilden. Oder ein zweiter Gefäßstamm in der bereits operierten Region, der ursprünglich normal war, wird im Laufe von Jahren varikös. Das kann eine erneute Operation nach sich ziehen (Rezidivoperation). Die Indikation stellen vorzugsweise erfahrene Fachärzte nach genauer Abwägung.