Kosmetik: Vorsicht bei diesen Inhaltsstoffen

Alzheimer durch Aluminium im Deo? Krebs durch Kohlenwasserstoffe im Lippenbalsam? Inhaltsstoffe in Kosmetika geraten immer wieder in die Kritik. Nicht alle Vorwürfe sind gleichermaßen untermauert. Ein Überblick

von Nadja Katzenberger, aktualisiert am 24.11.2015

Blick auf die Inhaltsstoffe der Kosmetik: Lässt Kunden oft verunsichert zurück


Einzelne Inhaltsstoffe in Kosmetika geraten immer wieder in Verdacht, der Gesundheit zu schaden. Beispiel Parabene: Sie sollen hormonell wirksam sein, und einigen Indizien zufolge sogar Krebs verursachen. Das Problem: Nachweise für den Krebs-Vorwurf gibt es nur aus dem Reagenzglas. Wie diese Substanzen im menschlichen Organismus wirken, ist ungeklärt. Womöglich richten sie gar nichts an, weil sie nur in geringer Menge aufgetragen werden oder die Hautbarriere gar nicht überwinden. Die Problematik der hormonell wirksamen Stoffe wird in der EU-Kommission geprüft, ein Ergebnis ist nicht vor 2017 zu erwarten – dann wird der Einsatz dieser Substanzen entweder eingeschränkt oder einige verboten. Bis dahin bleibt ihr Einsatz erlaubt.

Uneinheitliche Bewertung

Die Kriterien der Europäischen Union (EU) zu Kosmetik sind in der EU-Kosmetikverordnungstreng geregelt. Trotzdem kommt es immer wieder zu Situationen, die Verbraucher verunsichern. Ein Beispiel: aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz MOAH genannt. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) stehen sie im Verdacht, Krebs zu verursachen. In Lebensmitteln sollten sie deshalb nicht vorhanden sein. Die Aufnahme aus Kosmetika über die Haut gilt jedoch derzeit nicht als riskant. Der Einsatz von MOAH in Kosmetik ist gestattet. Was aber, wenn MOAH in einem Lippenpflegestift stecken? Wer häufig Lippenstift verwendet, schluckt jedes Jahr mehrere Gramm des Pflegeprodukts. Sind die Risiken in diesem Fall mit denen von Lebensmitteln zu vergleichen? Gehören MOAH in Lippenpflege verboten? Experten diskutieren noch.

Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte auf Lippenpflege und Kosmetik mit MOAH verzichten, rät Stiftung Warentest. Allerdings sind MOAH als Inhaltsstoffe auf der Verpackung nicht explizit so ausgewiesen. Unter anderem folgende Angaben sind ein Indiz für ihr Vorhandensein: Paraffin, Paraffinum Liquidum, Petrolatum, Mineral Oil, Ozokerite, Cera Microcristallina (Microcristallina Wax).

Übersetzungshilfe für allergieauslösende Stoffe

In anderen Bereichen des Kosmetiksektors herrscht mehr Klarheit. Sehr genaue Daten existieren zu Kontaktallergien. Wissenschaftler, wie der Dermatologe Professor Axel Schnuch vom Informationsverbund Dermatologischer Kliniken in Göttingen, können sehr genau sagen, welcher Stoff die Haut mit hoher Wahrscheinlichkeit reizt und zu einem Ekzem führen kann. Wer auf bestimmte Substanzen verzichten möchte oder sogar auf eine reagiert, sollte sich die Inci-Liste eines Produkts genau anschauen – auf dieser Zutatenliste sind alle Stoffe aufgeführt, die eine Creme enthält. Diese Seite, "übersetzt" die Fachbegriffe und informiert über die Wirkung der Substanzen: www.haut.de. 

Der Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) betreibt außerdem eine App, mit der man sich über bedenkliche Stoffe informieren kann. Allerdings stützten sich diese Informationen nicht immer auf belastbare Daten und stünden im Widerspruch zu den Empfehlungen von EU-Kosmetikverordnung und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), kritisiert zum Beispiel der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel (IKW). "Es ist nicht im Sinne eines glaubwürdigen Verbraucherschutzes, wenn Interessengruppen unbegründet Ängste schüren", sagt Birgit Huber vom IKW.

Ist die Kritik an bestimmten Stoffen nun begründet oder unbegründet? Fünf dieser Substanzen haben wir uns genauer angeschaut:

5 kritische Inhaltsstoffe in Kosmetika unter der Lupe