Passende Hautpflege bei Krankheiten

Manche Erkrankungen und Medikamente verändern die Haut. Wie Sie Ihre Pflege am besten auf Diabetes, Kortison-, Hormon- und Krebstherapie abstimmen
von Margit Hiebl, 28.12.2017

Ausgeglichen: Hautfreundliche Produkte sorgen für Balance

Getty Images/Dylan Ellis/Photodisc

Wird jemand krank, sieht man ihm das nicht unbedingt an. Manchmal verändert eine Erkrankung aber auch das Aussehen. Akne zum Beispiel kann die Folge einer Kortisonbehandlung sein, Ausschlag die Begleiterscheinung einer Chemotherapie.

Wenn Betroffene Veränderungen an Haut, Haaren oder Nägeln bemerken, die mit einer Therapie in Zusammenhang stehen können, sollten sie sich zunächst an den behandelnden Arzt wenden und die Ursachen abklären lassen. Was Patienten für die Pflege tun können, ist individuell unterschiedlich. Die ein­zige Regel, die fast immer gilt: die Haut nicht zusätzlich reizen.

Veränderungen bei Diabetes

Sind die Blutzuckerwerte häufig stark erhöht, kann das Folgen für die Haut haben. "Typisch ist eine vermehrte Anfälligkeit für Hautinfektionen und ­­damit ein erhöhtes Risiko für Pilz- und bakterielle Erkrankungen", erklärt die Münchner Dermatologin Dr. Patricia Ogilvie. Die positive Nachricht: "Ist Diabetes gut eingestellt, können die damit verbundenen Hautprobleme weitestgehend verhindert werden."

Gefahrenpunkt bleibt jedoch die sogenannte diabetische Neuropathie, durch die die Schmerzempfindlichkeit abnimmt – besonders an den Füßen. Ogilvie: "Kleine Wunden werden nicht mehr rasch ­bemerkt und so zur Eintrittspforte für Infektionen." Durchblutungsstörungen führen außerdem dazu, dass Wunden schlecht heilen und Gewebe absterben kann. Wichtig: die Füße regelmäßig auf kleinste Verletzungen untersuchen und auf ihre optimale Pflege achten.

Pflegetipps bei Diabetes

"Oberstes Ziel ist zunächst die Aufrechterhaltung einer intakten Hautbarriere", sagt Susanne Egerer, Apothekerin in München. Sie empfiehlt Präparate, die Urea enthalten und deshalb Feuchtigkeit gut binden. Bei kleinen juckenden Stellen oder für unterwegs gibt es auch Produkte in praktischer Stiftform.

  • Gegen Juckreiz helfen rückfettende Ölbäder, in manchen Fällen auch kurzfristig Kortisoncremes.
  • Lassen Sie sich zu Konzentration und Anwendung beraten. Bei anhaltendem Jucken, Nässen, Brennen oder wenn sich die Haut in kleinen Schuppen ablöst, sollte man einen Arzt aufsuchen. Sind Hautfalten – etwa unter Brust oder Achsel – betroffen, kann es sich um ein Ekzem handeln. Auch Pilzinfektionen können auftreten.
  • Für die Füße gibt es spezielle Dia­betiker-Produkte – etwa Pflegeschaum. Mindestens so wichtig wie die richtige Produktwahl ist die tägliche Begutachtung der Füße einschließlich der Sohlen. In ungünstigen Fällen verschlimmert sich eine kleine Wunde innerhalb kurzer Zeit so gravierend, dass mitunter eine Amputation nötig sein kann.
  • Ein Thema, das Diabetiker besonders berücksichtigen sollten, ist zudem der Sonnenschutz – vor allem, wenn sie ein Sulfonylharnstoff-­Präparat einnehmen. Es kann die Lichtempfindlichkeit erhöhen.

Effekte bei der Hormon-Therapie

Zur Verhütung, in den Wechseljahren und auch in der Onkologie kommen Hormone in der Therapie zum Einsatz. Auf die Haut wirken die Botenstoffe ­­individuell sehr verschieden. Das weibliche Geschlechtshormon Östrogen ­­etwa ist unter anderem für die Aktivierung der Talgproduktion verantwortlich.

"In der Menopause führt der Wegfall des Östrogens zu einem Rückgang des Kollagens in der Haut und zu ­einem rapiden Verlust der Spannkraft", sagt Ärztin Ogilvie. Bei einer Hormon­ersatztherapie kann Östrogen zu Rötungen oder celluliteartigen Neben­wirkungen führen – muss es aber nicht. Doch auch eine Verbesserung des Hautbildes ist möglich. Plötzliche Veränderungen sollte man immer mit dem Arzt besprechen, die Pflege muss entsprechend angepasst werden.

Pflege-Tipps zur Hormon-Therapie

Bei akneartigen Veränderungen rät Dermatologin Ogilvie, auf eine leichtere Pflege umzusteigen und des­infizierende Syndets zu benutzen. Der pH-Wert dieser Mittel ist dem der Haut angeglichen. Deshalb gelten Syndets als besonders hautfreundlich. Wenn das nicht hilft, kann der Arzt auch eine medikamentöse Therapie einleiten.

Bei zunehmend trockener Haut gilt: morgens und abends eincremen. Und auf Cremes und Lotionen umsteigen, die nicht nur Feuchtigkeit enthalten, sondern auch Fette. Denn dann bleibt die Feuchtigkeit dort, wo sie gebraucht wird, und verflüchtigt sich nicht schon nach kurzer Zeit.

Kortison-Behandlung kann dünnhäutig machen

Die gute Nachricht zuerst: Kortison-Zubereitungen, die heute als Sprays, Salben oder Cremes örtlich eingesetzt werden, haben weitaus weniger Nebenwirkungen auf die Haut als früher. Vor allem das Dünnerwerden der Haut, die sogenannte Atrophie, macht immer noch vielen Patienten Angst. Wichtig ist deshalb die Auswahl des richtigen Präparats.

Auch die Ausbildung von ­erweiterten Äderchen oder chronische Rötungen sind seltener geworden. So gut wie keine Nebenwirkungen haben schwach wirksame Hydrokortison-­­Cremes. Generell gilt: Bei kurzfristiger und sachgemäßer Anwendung sind Probleme äußerst selten.

Pflege-Tipps bei der Kortison-Therapie

Wird Kortison zur Behandlung von Hautproblemen – etwa Ekzemen – verwendet, sollte die begleitende und anschließende Pflege immer mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Wichtig: Produkte verwenden, die frei von Duftstoffen und Konservierungsmitteln sind.

Vorbeugend gegen das Dünnerwerden der Haut wirken reichhaltige Lotionen und rückfettende Duschprodukte. Inhaltsstoffe wie Urea, Hyaluronsäure, Traubenkern- oder Nachtkerzensamenöl helfen, die Hautbarriere zu stärken. Dünnhäutige Partien wie Hände, Schienbeine oder Unterarme bei Bedarf öfter eincremen. Nur lauwarm duschen; heißes Wasser kann die Haut zusätzlich austrocknen.

Hautveränderungen bei der Krebstherapie

Medikamente und Therapien, die Tumorzellen bekämpfen sollen, setzen manchmal auch Haut, Haaren oder ­Nägeln zu. Ein Effekt, der bei der Chemotherapie auftreten kann, ist etwa ein akneartiger Ausschlag. Auch starke Trockenheit wird eventuell durch die Medikamente ausgelöst.

Andere Mittel machen die Haut möglicherweise sensibel und lichtempfindlich. Besondere sogenannte zielgerichtete Therapien können auch die Nägel in Mitleidenschaft ziehen. Weiterhelfen kann der behandelnde Arzt oder ein Dermatologe. Denn auch wenn sich die Veränderungen nach Ende der Therapie meist zurückbilden, belasten sie Betroffene unter Umständen stark.

Pflege-Tipps begleitend zur Krebstherapie

"Bei einer Strahlentherapie unterscheidet man in der Hautpflege
Maßnahmen zur Prophylaxe und zur Therapie", sagt Apothekerin Egerer. Vor und nach der Bestrahlung sollten mechanische Belastungen vermieden werden. Also keine Peelings machen (die Hautschüppchen schützen die darunterliegende Haut), nicht zu lange duschen, vorsichtig trocken tupfen oder mit einem Föhn auf Kaltstufe trocken pusten.

Dann eine mit dem Arzt abgesprochene Hautpflege auftragen. Je weniger Inhaltsstoffe, umso besser. Bewährt haben sich dünnflüssige Lotionen, die schnell einziehen und leicht kühlen. "Unbedingt aufpassen, dass sich Markierungen, die bei der Strahlentherapie aufgebracht werden, nicht ablösen", sagt Egerer.

Bei einer Chemotherapie muss die Pflege der jeweiligen Phase angepasst werden. Treten akneartige Erscheinungen auf, die Haut mit ­Gelen reinigen, rückfettende Pflege meiden. Entzündliche Stellen können in Absprache mit dem Arzt mit lokalen Antibiotika behandelt werden, um weitergehende Infektionen zu vermeiden. Bei Juckreiz kommen gegebenenfalls Antihistaminika oder Kortison zum Einsatz.

Sehr wichtig, so Apothekerin Egerer: Kleine Verletzungen, etwa beim ­­Aufkratzen von Pickeln, umgehen. In der dritten Phase der Therapie ist die Haut sehr sensibel, trocken und lichtempfindlich. Mittel der Wahl sind beruhigende Pflegeprodukte mit Wirkstoffen wie Dexpanthenol oder Urea. Auch nötig: hoher UV-Schutz.

Achtung, Licht!

Sonnenschutz sollte eigentlich für alle ein Thema sein. Doch Arzneien machen die Haut bisweilen noch empfindlicher für die Strahlen.

Manche Präparate gegen Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder auch Allergien können zu Fotosensi­bilität führen. ­Betroffene sollten sich an ihren Arzt wenden. Die Apothekerin Susanne ­Egerer empfiehlt, einen ­Lichtschutz mit ­hohen UV-A- und ­UV-B-Filtern aufzu­tragen. Entsprechende Kleidung und ein Sonnenhut ergänzen den Schutz.


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