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Kosmetik bei kühler Witterung

Bei niedrigen Temperaturen brechen auch für die Hautpflege neue Zeiten an. Worauf es jetzt ankommt

von Ulrike Kleiner, 27.12.2018
Frau im Winter

Bei Kälte sollte man sich nicht nur warm einpacken, sondern auch die Hautbarriere stärken


Serum fürs Gesicht

Die Haut spannt, rötet sich? Das liegt an den niedrigeren Temperaturen, welche unsere Hülle stärker beanspruchen. Die Herausforderung im Winter lautet: die Hautbarriere stärken, aber nicht überfetten.

Gehen Sie die Gesichtsreinigung etwas sanfter an. "Gut eignen sich feste oder flüssige Syndets, die den Säureschutz der Haut nicht stören, oder Reinigungslotionen", sagt Professorin Sigrid Karrer, Dermatologin am Uniklinikum Regensburg. Bei eher trockener Haut rät sie zu Reinigungscremes mit rückfettenden Stoffen.

Auch Tages- und Nachtcreme dürfen ab sofort reichhaltiger ausfallen. Spannt die Haut tagsüber nicht, ist eine fetthaltige Nachtpflege genug. Achten Sie darauf, dass das Gesicht nicht permanent glänzt. Wird die Haut überpflegt, kann es zu Entzündungen um den Mund, später auch auf Augenlidern oder Wangen kommen. Für fettige Haut empfiehlt Dermatologin Karrer wasserhaltige Pflege mit weniger Fett.

Afsaneh Azizi, Kosmetikerin in einer Apotheke in Hannover, würde ein Feuchtigkeitskonzentrat als Serum oder Ampulle unter der Tagespflege auftragen, um der Haut die Umstellung von Sommer auf Winter zu erleichtern. Alternativ kann man auch einmal pro Woche Gesicht und Hals mit einer Feuchtigkeitsmaske verwöhnen.

Sonne auf der Haut

"Um vorzeitiger Hautalterung und chronischen Lichtschäden vorzubeugen, sollten Sie das ganze Jahr auf UV-Schutz achten", so Karrer. Vor allem, wenn Sie in den Bergen wandern oder Ski fahren: Sonnencreme nicht vergessen. Für den Weg zur Arbeit kann man von Oktober bis März auf Extra-UV-Schutz verzichten.

Im November können selbst Menschen mit heller Haut mittags ungeschützt zwei Stunden in der Sonne verbringen. Genauso lange dauert es auch, bis sich die ausreichende Tagesdosis Vitamin D über die Haut von Gesicht, Händen und Armen gebildet hat. Im Dezember und Januar kann in unseren Breiten diese nahezu kein Vitamin D mehr produzieren. "Bei einem nachgewiesenen Mangel nehmen Sie lieber Vitamin-D3-Tabletten ein, als sich möglicherweise vergebens lange Zeit der Sonne auszusetzen", rät Karrer.

Tipp

Schuppige Schienbeine, raue Ellenbogen? "Verwenden Sie bei der Körperpflege Waschcremes und Duschöle", sagt Kosmetikerin Azizi. Cremen Sie sich nach der Reinigung mit einer Bodylotion mit rückfettenden Inhaltsstoffen ein. Oder massieren Sie ein Körperöl, etwa Sanddornöl, in die noch leicht feuchte Haut.

Frau mit Ohrschützern

Honig auf den Lippen

Der Eigenschutz unserer Lippen ist äußerst gering. Sie besitzen weder Schweiß- noch Talgdrüsen, produzieren weder Feuchtigkeit noch Fett. Auch ihre Hornschicht ist kaum ausgeprägt. In kalter, trockener Umgebung wird die Haut daher schnell rau, spröde und rissig. Süße Hilfe: Geben Sie Honig pur auf spröde Lippen, und tupfen Sie nach zehn Minuten die Reste ab.

Er gilt als entzündungshemmend. Zuverlässig vor Wind und Wetter schützen Pflegestifte mit Sheabutter, Carnauba- und Bienenwachs sowie Dexpanthenol, das die Wundheilung fördert. Lippencremes dagegen enthalten viel Wasser und können bei ­Kälte die Lippenhaut zusätzlich austrocknen. Tipp für Skifahrer: Denken Sie beim UV-Schutz auch an die Lippen.

Frau mit Creme im Gesicht

Balsam für die Augen

Pflege, die im Sommer guttut, kann im Winter schaden. Stark wasserhaltige Augengele zum Beispiel kühlen im Sommer, in der kalten Jahreszeit jedoch können sie diese sensible Region regelrecht trockenlegen. "Wechseln Sie spätestens beim ersten Frost zu einer fetthaltigeren Augencreme. Oder Sie tragen erst das gewohnte Gel auf und geben die Creme darüber", rät Kosmetikerin Azizi und empfiehlt, bei einer Produktlinie zu bleiben. "Die Produkte aus einer Pflegeserie sind in Aufbau und Wirkstoffen optimal aufeinander abgestimmt."

Ein guter Schutzschild ist Augenbalsam mit Jojoba- und Bienenwachs. Klopfen Sie ihn von außen nach innen ein, und zwar mit der Fingerbeere der Ringfinger. So schonen Sie das Bindegewebe und aktivieren gleichzeitig die Mikrozirkulation.

Tipp

Ihre Augen brauchen eine Extrapflege? Für zwischendurch eignen sich mit Hyaluronsäure getränkte Augenpads. Praktisch sind wiederverwendbare Wirkstoffträger.

Creme ins Haar

Die herbstliche Witterung entzieht den Haaren Feuchtigkeit. Sie werden häufig stumpf, die Kopfhaut spannt, juckt und schuppt sich. In erster Linie hilft dann: möglichst schonend waschen. Danach lauwarm föhnen und vor Wind und Kälte mit Mütze oder Kappe schützen.
Tipp: Damit die Haare nicht in alle Richtungen abstehen, sobald Sie die Mütze abnehmen, geben Sie beim Styling etwas Haaröl in die Längen.

Sind Sie unterwegs, behelfen Sie sich mit ein wenig Handcreme, um die fliegenden Spitzen zu bändigen. In den Händen verteilen und damit sanft über die Haare gleiten. "Vor allem wenn die Haare nicht glänzen oder coloriert sind, sollten Sie wöchentlich eine Haarpackung auftragen", rät Kosmetikerin Azizi. Um die Haarwurzeln optimal zu versorgen, vor der Wäsche ein Konzentrat mit ätherischem Orangen- und Lavendelöl in die Kopfhaut einmassieren und zehn Minuten einwirken lassen.

Tipp

Die Hände sind rau, die Nägel spröde? Reiben Sie die Handflächen und -rücken mit einem Zucker-Öl-Peeling glatt. Massieren Sie hinterher mit einem Wattestäbchen Mandel- oder Olivenöl in die Nagelhaut ein, und tragen Sie extradick Handcreme auf. Ziehen Sie Baumwollhand­schuhe über und lassen Sie die Pflege über Nacht einwirken.

Frau cremt sich die Hände ein

Achtung, Hautprobleme

Bei Menschen mit sehr trockener und empfindlicher Haut wie bei Neurodermitis verschlechtern sich die ­Symptome häufig im Herbst und Winter. Trockene Kälte draußen und trockene Heizungsluft drinnen entziehen der ohnehin schon leicht reizbaren, entzündeten Haut zusätzlich Feuchtigkeit.

Um diesen Effekt abzumildern, braucht es jetzt vor allem reichhaltige Pflege. Emulsionen mit hohem Lipidanteil eignen sich dafür. Sie sind ­besonders rückfettend und speichern gleichzeitig Feuchtigkeit. Auch Produkte mit Harnstoff (Urea) haben sich bewährt. Sie binden Wasser in der Haut und er­höhen so ihren Feuchtigkeitsgehalt. Das macht sie wider­stands­­fähiger. Auch sollten Kosmetikprodukte nur wenige Inhaltsstoffe enthalten. Das lindert das Risiko, allergisch auf die Pflege zu reagieren.