Kosmetik: Kann Nagellack schaden?

Farbe auf Finger- und Zehennägeln sieht toll aus. Aber ist die Dauerbemalung gesundheitlich unbedenklich? Und darf man damit Nagelerkrankungen überdecken?
von Anita Essig-Knop, 29.12.2017

Nagellack: Schön, aber auch eine Belastung für die Nägel

istock/Edward Derule

Nagellack ist ein Hingucker. Eine Erholung für Finger und Zehen ist er nicht. Tatsächlich enthalten herkömmliche Erzeugnisse in der Regel einige Stoffe, die als gesundheitsschädlich oder zumindest als bedenklich gelten. Formaldehyd, Toluol und Phthalate sollen dafür sorgen, dass der Lack schön glänzt, fix trocknet und nicht schon am ersten Tag splittert. Hohe Anforderungen – die ganz ohne chemische Substanzen nur sehr schwer oder gar nicht zu erfüllen wären.

Verträglichere Lacke erkennen

Allerdings gibt es inzwischen zunehmend mehr Produkte im Handel, die verträglicher sein sollen. Die Nachfrage nach natürlich hergestellter und hautfreundlicher Kosmetik boomt seit Jahren, da wollen die Nagellack-Hersteller nicht länger hinterherhinken.

Die entsprechenden Produkte sind als sogenannte 3-Free-, 4-Free- oder 5-Free-Lacke gekennzeichnet. Dabei verzichten die Firmen freiwillig auf besonders umstrittene Lösungsmittel, Weichmacher und Formaldehyd und verwenden stattdessen etwa Bioalkohol oder Schellack – eine harzige Substanz, die aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus gewonnen wird. 7-Free-Produkte sind zusätzlich vegan hergestellt. Am besten lassen Sie sich beim nächsten Kosmetikeinkauf zu den Inhaltsstoffen beraten – zum Beispiel in Ihrer Apotheke. 

Nase zu und Fenster auf

Ganz ohne Chemie gehe es aber nach wie vor nicht, sagt der Dermatologe Dr. Andreas Merkoureas aus Karlsruhe. "Prinzipiell sind alle Lacke Fremdstoffe für unsere Nägel." Deshalb gilt: Je weniger davon verwendet wird, desto besser. Zwar gibt es dem Experten zufolge keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass Nagellack der Gesundheit schadet. Trotzdem rät er dazu, die Lackdämpfe nicht einzuatmen.

Besonders aufmerksam beim Kauf von Nagellack müssen Frauen sein, die unter Kontaktallergien leiden. Merkoureas empfiehlt: "Wer allergisch auf chemische Substanzen reagiert, die beim Friseur eingesetzt werden, sollte die Inhaltsstoffe des Lacks vorsichtshalber mit seinem Allergiepass vergleichen."

Mit Pflege gegen die Austrocknung  

Gerade wenn Nägel häufig bemalt werden, benötigen sie intensive Pflege. Die Farbschicht entzieht ihnen Feuchtigkeit und macht sie brüchig. Damit sie nicht splittern, am besten vorbeugend Nagelöl oder spezielle kieselsäure- und panthenolhaltige Nagelbalsame und -tinkturen verwenden. Sie bilden eine Art Schutzschicht und erhöhen den Feuchtigkeitsgehalt des Nagels.

Aber auch das regelmäßige Einreiben mit normalem Olivenöl oder ureahaltigen Cremes pflegt und schützt die Nägel vor dem Austrocknen. Noch wirkungsvoller: Öl oder Creme großzügig auf die Oberfläche geben und über Nacht unter Baumwollhandschuhen einwirken lassen. Auch von innen lässt sich ein gesundes Wachstum unterstützen – mit ausgeglichener Ernährung oder Biotin-Tabletten.

Lack schonend entfernen und Pause einlegen

"Beim Entfernen des Lacks immer ein Produkt ohne Azeton einsetzen, da es die Nägel sehr stark austrocknet", sagt Annett Biedermann, Präsidentin des Deutschen Verbandes für Podologie (Fußpflege).

Anschließend sei in jedem Fall eine einwöchige Lackpause hilfreich, damit die Nägel sich erholen können. Biedermann: "Diese Zeit kann man dann wieder für die intensive Pflege nutzen."

Darf man Nagelerkrankungen übermalen?

"Es spricht nichts dagegen, einmal wöchentlich Behandlungslack und darüber normalen Nagellack aufzutragen", sagt Irina Rotgans, Inhaberin einer Apotheke in Hamburg. Bei akuten Bakterien- oder Pilzinfektionen sollte man die Nägel allerdings in Ruhe lassen.

Wie lassen sich ungewollte Verfärbungen verhindern?

Häufiges Lackieren macht die Nägel gelb. Rotgans: "Unsere Nägel sind wasserdurchlässig. Beim Lackieren dringen Farbpigmente ein und bewirken, dass sie sich mit der Zeit verfärben." Je dunkler der Lack, desto mehr Farbpigmente enthalte er. Damit steige auch die Wahrscheinlichkeit für unschöne Verfärbungen. Vorbeugen lässt sich am besten mit Unterlack. Oder: auf intensive Farben verzichten. Auch zarte Pastell- und Nudetöne machen etwas her.


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