Hygiene: Kosmetik aussortieren

Verfärbte Cremes, klebrige Puderpinsel, schmuddelige Schmink­­taschen – damit ist jetzt Schluss. Tipps fürs Ausmisten im Bad, Schminkkoffer und Kulturbeutel

von Aglaja Adam, 29.06.2018

Wiederverwendbar: Gebrauchte Make-Up-Schwämmchen kann man mit Babyshampoo oder per Waschmaschine reinigen


Kosmetik ist nicht unbegrenzt haltbar. Wie lange sie benutzt werden kann, steht auf der Verpackung. Nur Produkte, die länger als 30 Monate halten, müssen die Hersteller nicht entsprechend kennzeichnen.

Die Zeit läuft

Auf empfindlichen Erzeugnissen ist eine Sanduhr mit ­einem Mindesthaltbarkeitsdatum abgebildet. "Dazu zählen Naturkosmetik und Cremes oder Seren mit hohem Wassergehalt", sagt der Apotheker Dr. Turhan Bastug aus dem oberbayerischen Geretsried.

Auf allen anderen Kosmetika findet sich meist das Zeichen eines geöffneten Cremetiegels mit einer Monatsangabe. "Ab Öffnung wird für den angegebenen Zeitraum die Stabilität des Produkts bei ­sachgemäßer Anwendung garantiert", sagt die Hautärztin Dr. Gerrit Schlippe, Geschäftsführerin eines Forschungsinstituts für dermato­logische Produkte. Tipp von Bastug: geöffnete Verpackungen mit ­einem Datumsaufkleber versehen, dann behält man den Überblick.

Mit allen Sinnen testen

Beim Badezimmer-Check helfen eine Geruchsprobe und genaues ­Hinsehen. "Wenn ein Produkt anders riecht, sich verfärbt oder entmischt hat, gehört es entsorgt", sagt Dermatologin Schlippe. Vielleicht sind Keime eingedrungen.

Doch nicht nur Mikroorganismen setzen Kosmetik zu und gelangen beim Auftragen auf die Haut. "Die Wirksamkeit kann zum Beispiel durch äußere Faktoren wie Kontakt mit Sauerstoff herabgesetzt ­werden", sagt Schlippe. Produkte mit komplexen Inhaltsstoffen wie Vitaminen verlieren dann möglicherweise ihre Effektivität.

Am besten ohne Licht und Luft

Generell empfehlen die Experten, Verpackungen zu wählen, die möglichst wenig Umwelteinflüsse an die Kosmetik lassen. Eine gute Sicherheit bieten Schlippe zufolge sogenannte Airless-Dispender. Bei diesen Pumpspendern gelangt kein Schmutz oder Sauerstoff ins Innere. Meist sind sie zudem undurchsichtig und schützen den ­Inhalt vor Lichteinstrahlung.

Soll es dennoch eine Dose oder ein Tiegel sein: "Vor Anwendung gut die Hände reinigen und die Creme am besten mit einem sauberen Spatel entnehmen", sagt Apotheker Bastug.

Waschgang für das Werkzeug

Flüssiges Make-up, Puder und Rouge können meist etwa zwei Jahre lang benutzt werden – sofern man sie mit sauberen Pinseln und Schwämmchen aufträgt. Wer sich mit schmutzigem Werkzeug schminkt, riskiert verstopfte Poren, Pickel und Irritationen.

Ab in die Maschine

Auf Make-up-Schwämmchen und Beautyblendern sammelt sich einiges an, ölige Reste und Hautschüppchen zum Beispiel. Die Reinigung gelingt mit mildem Babyshampoo. "Danach an der Luft trocknen", sagt Bea Lochschmidt, Dozentin an einer Gießener ­Berufsfachschule für Kosmetik. Auch eine Tiefenreinigung in einem kleinen Wäschesäckchen in der Waschmaschine bei 60 Grad ­verkraften die Utensilien, so die Expertin. Zur Desinfektion können sie regelmäßig mit 70-prozentigem Alkohol abgesprüht werden.

Babyshampoo gegen Puderreste

"Kosmetikpinsel nach jedem Gebrauch reinigen", empfiehlt Lochschmidt und erklärt auch, wie das geht: ausschütteln, einsprühen und auf einem Kosmetiktuch abreiben. Apotheker Bastug empfiehlt hierfür Hautdesinfektionssprays. Gründlich sauber wird das Werkzeug mit speziellen Pinselreinigern mit Tensiden und Alkohol. Eine günstigere Alternative: mildes Babyshampoo. Aufschäumen, die Pinsel gut ausspülen und liegend trocknen lassen.

Das kann ins Auge gehen

Der Augenbereich reagiert besonders empfindlich auf Bakterien und Keime. "Irritationen, Ausschlag oder eine Bindehautentzündung drohen", sagt Dermatologin Schlippe. Sie rät, Wimperntusche nach drei Monaten auszutauschen, sie nicht mit Freundinnen zu teilen und bei Infektionen am Auge sofort zu entsorgen. Flüssiger Eyeliner kann bis zu sechs Monate verwendet werden. Besonders lang halten feste Kajalstifte.

Cremes im Check

Gesichtscremes halten bis zu zwei Jahre, Bodylotions lassen sich meist ein Jahr lang nutzen, Naturkosmetik und Seren ­dagegen oft nur sechs Monate. "Effiziente Kosmetik enthält oft Konservierungsstoffe", sagt Hautärztin Schlippe.

Zwar gelten diese als unbedenklich, empfindliche Haut kann aber auf manche der Substanzen reagieren. Die Alternative: Cremes mit natürlichen Konservierungsstoffen wie Alkohol und ätherische Öle. "Diese Produkte sind aber anfälliger für Bakterien", sagt Apotheker Bastug.

Robuste Schaumschläger

Relativ unempfindlich sind Duschgel und Shampoo. Denn ihre Grundsubstanzen – etwa Sulfate – sind wenig anfällig für Keime und Bakterien, sagt die Hautärztin. Anders sieht es bei Naturkosmetik ohne schäumende Tenside und Parabene aus. Auf der Packung steht ein Mindesthaltbarkeitsdatum.

Neustart für das Kosmetiktäschchen

Zerbröselter Puder, ausgelaufene Handcreme, zerdrückter Lippenstift: nicht unbedingt appetitlich, was sich im Lauf der Zeit in einer Schmink­tasche ansammelt. "Alle drei Monate sollte sie einer Grundreinigung unterzogen werden", sagt Kosmetik-Dozentin Lochschmidt.
Die Tasche mit einem feuchten Tuch gründlich säubern, anschließend mit einem Flächen-Desinfektionstuch auswischen und am besten umgestülpt trocknen lassen. Taschen aus Stoff können auch in die Waschmaschine: mit Kleidung der gleichen Farbe bei 40 Grad.

Am richtigen Platz

Kosmetikprodukte sollten kühl und trocken gelagert werden. Das warme Badezimmer ist deshalb nicht unbedingt ideal – vor ­allem nicht für Produkte, die keine Feuchtigkeit ziehen sollen. Dazu gehören zum Beispiel Puder oder Lidschatten.

So geht alles glatt

Auch bei der Haarentfernung ist Hygiene wichtig. Die Klinge von Nassrasierern sollte laut Lochschmidt regelmäßig ausgetauscht werden, spätestens nach drei Monaten. Nach jedem Gebrauch gründlich abspülen.

Die Halterung von sogenannten "Lock-in-Systemen" bei Damenrasierern ist oft lange in Gebrauch. Sie kann in der Spülmaschine oder über Nacht in einer Essig-­Wasser-Mischung gereinigt werden. Das löst ­Kalk­ablagerungen. "Dann lufttrocknen und mit einem ­Desinfektionstuch abreiben", empfiehlt Lochschmidt.

Die Pinzetten des Epilierers nach jedem Gebrauch mit einem Bürstchen säubern und vor dem nächsten Einsatz mit einem Alkoholspray benetzen.

Gute Reise

Für Flugreisen empfiehlt es sich, kleinere Mengen Kosmetik abzufüllen – aus Platzgründen, aber auch ­aufgrund der strengen Vorgaben für Flüssigkeiten im Handgepäck. "Am besten Tiegel aus Plastik wählen, die man drei Minuten auskochen kann", sagt Dermato­login Schlippe. Auf Desinfektionsmittel würde die Ärztin dabei verzichten. Bleiben Reste davon in dem Behälter zurück, können sie Hautirritationen hervorrufen. Doch Hygiene ist beim Umfüllen sehr wichtig. Lieber nicht die Finger dafür nehmen, sondern einen Spatel. Die abge­füllten Produkte innerhalb von 14 Tagen verbrauchen.

Temperatur-Schock

Vor allem im Sommer und im Urlaub gut zu wissen: Die meisten Kosmetikprodukte mögen keine Hitze. "Einmal am Strand aufgeheizt, können sich die Inhaltsstoffe von UV-Schutz-Cremes chemisch verändern", erläutert Dermatologin Schlippe. Der Lichtschutzfaktor setzt sich meist aus hochkomplexen Substanzen zusammen, deshalb empfiehlt die Expertin: "Sonnenmilch nach ­einer Saison entsorgen." Sonst ist die Wirkung nicht mehr gewährleistet.

Das Schminktäschchen ist auch im Schwimmbad dabei oder liegt eine Weile im heißen Auto. Werden Make-up-­Produkte wie Lippenstift oder Eyeliner weich, lassen sie sich oft noch retten: einfach über Nacht in den Kühlschrank legen.