Mit Kontaktlinsen richtig umgehen

Über drei Millionen Deutsche benutzen Kontaktlinsen. Sind weiche oder harte besser? Welche Vorteile und Risiken haben sie? Tipps für einen Alltag mit Durchblick
von Stephan Soutschek, aktualisiert am 20.10.2015

Es braucht ein wenig Übung, um eine Kontaktlinse sicher ins Auge einzusetzen

Thinkstock/Goodshot

Welche Schlange hat die schlechtesten Augen? Natürlich die Brillenschlange! Leidgeplagte Brillenträger können über diese Scherzfrage gar nicht lachen. Ständig ein Gestell auf der Nase tragen zu müssen, das manchmal sogar richtig stört – da kann man schon mal seinen Sinn für Humor verlieren.

Kontaktlinsen sind eine mögliche Lösung. Sie verschwinden fast unsichtbar im Auge und behindern nicht beim Sport. Unproblematisch sind sie allerdings nicht. "Das Tragen von Kontaktlinsen stellt immer ein gewisses Risiko dar", sagt Dr. Gerald Böhme, Leiter des Ressorts Kontaktlinsen beim Berufsverband der Augenärzte in Deutschland.

Kontaktlinsen liegen im Auge auf der Tränenflüssigkeit auf, die die Hornhaut vor Austrocknung oder Infektionen schützt und Fremdkörper aus dem Auge entfernt. Kontaktlinsen können den Fluss der Tränenflüssigkeit behindern und die Sauerstoffzufuhr der Hornhaut beeinträchtigen.

Weiche und harte Kontaktlinsen

Wie groß das Risiko für die Augen ist, hängt unter anderem von der Art der Linse ab. Weiche Linsen passen sich elastisch der Augenoberfläche an. Bei ihnen gelangen daher weniger Tränenflüssigkeit und Sauerstoff an die Hornhaut. "Der Großteil der Augenschäden, die durch Kontaktlinsen verursacht werden, stammt von weichen Linsen", sagt Böhme.

Formstabile (harte) Kontaktlinsen sind in der Regel kleiner als weiche. Sie bedecken daher meist einen geringeren Teil der Hornhaut. Die Tränenflüssigkeit kann bei ihnen besser fließen.

Wie lange darf man sie tragen?

Für das tägliche Tragen rät Böhme deshalb auf jeden Fall zu harten Linsen. Wenn sie vom Augenarzt gut angepasst sind und die Hinweise zur Pflege beachtet werden, ist das Risiko von Augenschäden gering. Weiche Kontaktlinsen eignen sich eher für Menschen, die die Linsen lediglich ein paarmal in der Woche tragen. Bei allen Kontaktlinsenarten sollte man auf jeden Fall die Angaben zur Höchsttragedauer einhalten.

"Eine gut angepasste, formstabile Linse kann man ruhig einmal 18 bis 24 Stunden ohne Unterbrechung tragen", erklärt Böhme. Grundsätzlich gilt: Alle Linsenarten vor dem Schlafengehen herausnehmen. "Auch solche, die vom Hersteller als zum Schlafen verwendbar gekennzeichnet sind", empfiehlt Böhme. Ebenfalls raus aus dem Auge sollten die Linsen, wenn Beschwerden auftreten.

Augen regelmäßig untersuchen lassen

Auch wenn viele sich darüber gar nicht im Klaren sind: Kontaktlinsen sind ein medizinisches Produkt. Deshalb sind für Kontaktlinsenträger regelmäßige Untersuchungen beim Augenarzt wichtig. Bei weichen Linsen ist alle sechs Monate eine Untersuchung sinnvoll, bei harten einmal im Jahr.

Diese Termine sollten auch dann eingehalten werden, wenn der Träger keine spürbaren Beschwerden hat. "Gerade bei weichen Linsen kann es zu Veränderungen im Auge kommen, ohne dass ein Betroffener sie bemerkt", sagt Böhme.

Im Zweifelsfall auf Kontaktlinsen verzichten

Bei den ersten Anzeichen von Irritationen dürfen die Kontaktlinsen auf keinen Fall weiter getragen werden. Also: Bei Rötung oder einem Schmerz am Auge, aber auch einer  spürbaren oder plötzlichen Veränderung der Sehstärke raus mit den Linsen und unbedingt den Augenarzt aufsuchen.

Wer Kontaktlinsen zum ersten Mal ausprobieren möchte, sollte das keinesfalls auf eigene Faust machen, sondern nur nach Absprache mit dem Augenarzt. Dieser prüft im Vorfeld, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind und nicht etwa eine Erkrankung dagegen spricht. Erst danach kann der Arzt den richtigen Linsentyp auswählen und die Linsen den Augen des Trägers individuell anpassen.

Bestimmte Hygienemaßnahmen sind für Kontaktlinsenträger sehr wichtig, um Infektionen zu vermeiden. Dazu gehört, die Linsen sorgfältig zu pflegen, sie nach jedem Tragen zu reinigen und zu desinfizieren. Außerdem sollte man sich vor dem Einsetzen und Herausnehmen gründlich die Hände waschen.

Fazit: Kontaktlinsen sind nicht zwangsläufig schädlich für die Augen. Wer sich an bestimmte Regeln hält, kann sie meist problemlos tragen. Und für alle, die nicht gut mit Kontaktlinsen zurecht kommen: So lästig sind Brillen nun auch wieder nicht. Ihre Augen werden es Ihnen danken.


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