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Sprunggelenkbruch (Sprunggelenksfraktur)

Der Sprunggelenksbruch gehört zu den häufigsten Verletzungen der unteren Extremität. Welche Symptome auftreten, wie die Therapie aussieht und wann Ärzte zu einer Operation raten

17.04.2019
Sportverletzung

Sprunggelenksbruch (Sprungglenksfraktur) - Kurz zusammengefasst

Ein Bruch des Sprunggelenkes gehört zu den häufigen Verletzungen und umschreibt einen Bruch des Außen- und/oder Innenknöchels. Betroffen sind vor allem Sportler oder ältere Menschen. Je nach Höhe des Bruchs am Wadenbein werden sie in verschiedene Formen eingeteilt (Weber-Klassifikation). Die Form und die vorhandenen Begleitverletzungen sind für die weitere Versorgung des Bruchs von Bedeutung. Sowohl bei einer sogenannten konservativen Behandlung (ohne Operation) als auch bei einer operativen Versorgung wird der Bruch für circa sechs Wochen in einer speziellen Schiene (Orthese, Vakuum-Schuh) ruhiggestellt. Während dieser Zeit ist meist nur eine Teilbelastung möglich. Der Belastungsaufbau ist unter anderem abhängig von der Bruchart sowie der Stabilität des Knochens und wird mit dem behandelnden Arzt festgelegt.

Definition: Was ist eine Sprungelenksbruch?

Ein Bruch des Sprunggelenks ist einer der häufigsten Brüche (Frakturen) des Erwachsenen. Meistens ist der Außenknöchel betroffen, seltener der Innenknöchel. Man spricht auch von einer sogenannten Malleolarfraktur, da er die Malleolengabel betrifft (siehe auch Hintergrundinformation weiter unten).

 

Sprunggelenk (Schematische Darstellung)

Hintergrundinformation - Aufbau des Sprunggelenks

Wird von einem Sprunggelenksbruch gesprochen, ist medizinisch meist das obere Sprunggelenk gemeint. Es wird gebildet vom Außenknöchel (Malleolus lateralis), dem Innenknöchel (Malleolus medialis) und dem Sprungbein (Talus). Ein komplexer Bandapparat, bestehend aus Außenband, Innenband und vorderer sowie hinterer Syndesmose stabilisiert das Gelenk. Die Funktion des Sprunggelenks besteht im Heben und Senken des Fußes.

Der Außenknöchel (Malleolus lateralis) ist der untere Teil des Wadenbeins, welcher das Sprungbein seitlich umfasst, der Innenknöchel (Malleolus medialis) ist der untere Teil des Schienbeins, welcher das Sprungbein (Talus) beininnenseitig umgreift. Man spricht auch von der sogenannten Malleolengabel. Ist ein Knöchel gebrochen, spricht man daher auch von einer Malleolarfraktur, sind Außen- und Innenknöchel betroffen, spricht man von einer Bimalleolarfraktur.

Ursache: Wie kommt es zu einem Bruch des Sprunggelenks?

Die häufigste Ursache ist eine Umknickverletzung des Fußes. Sie gilt als eine typische Sportverletzung verursacht durch Laufen auf unebenem Untergrund oder abrupte Richtungswechsel. Auch ein Sturz kann als Ursache des Bruchs infrage kommen. Dabei genügt meist schon eine geringe Fallhöhe. Deutlich seltener ist ein direktes Trauma für den Bruch verantwortlich, beispielsweise durch einen Tritt auf den Knöchel oder einen Verkehrsunfall.

Symptome: Welche Beschwerden bereitet ein Sprunggelenksbruch?

Ist man mit dem Fuß umgeknickt oder gestürzt äußert sich die Verletzung durch Schmerzen und Schwellung, auch ein Bluterguss (Hämatom) kann auftreten. Eine Bewegungseinschränkung oder Belastungsunfähigkeit kann ebenfalls bestehen. All diese Beschwerden treten aber auch bei einer Bandverletzung des Sprunggelenks auf, ohne dass ein Bruch besteht. Daher ist die weitere Diagnostik wichtig. Zeigt das Gelenk eine Fehlstellung oder finden sich Gefühlsstörungen am Fuß, ist schnellstmöglichst ein Krankenhaus aufzusuchen. Ist dieses weiter entfernt, sollte der Rettungsdienst gerufen werden. Denn wenn die Gelenkflächen gegeneinander stark verrutscht sind (luxiert), kann das zu einem schwerwiegenden Gewebeschaden, Durchblutungsstörungen und Nervenproblemen führen. Der Notarzt kann das Gelenk noch am Unfallort wieder in die richtige Position bringen (reponieren).

Diagnose: Wie wird ein Sprunggelenksbruch festgestellt?

Neben der Krankengeschichte und Erfassung des Unfallhergangs (Anamnese) erfolgt zunächst eine körperliche Untersuchung. Dabei tastet der Arzt das Sprunggelenk ab und achtet darauf, wie groß der Bluterguss und die Schwellung sind und ob sich Nervenschäden feststellen lassen. Anschließend wird ein Rötgenbild vom Sprunggelenk angefertigt. Ergibt sich der Verdacht auf einen sogenannten "hohen" Bruch des Wadenbeins (hohe Fibulafraktur, Maisonneuve-Fraktur) wird zusätzlich der Unterschenkel mit Knie geröntgt. Deutet das Röntgenbild auf einen Trümmerbruch mit vielen Knochenstücken hin oder ist der Befund unklar wird zusätzlich eine Computertomographie-Untersuchung (CT) des Sprunggelenks durchgeführt. Auch zur Operationsplanung kann ein CT hilfreich sein. Eine Magnetresonanztomographie-Untersuchung (MRT) kann Weichteilschäden und Bandverletzungen sicher darstellen und wird bei entsprechender Fragestellung angewandt.

Einteilung des Sprunggelenkbruchs (Sprunggelenksfraktur)

Eine Sprunggelenksfraktur lässt sich nach der Weber-Klassifikation einteilen. Hierfür entscheidend ist die Bruchhöhe am Wadenbein und ihr Bezug zur sogenannten Syndesmose. Die Syndesmose ist eine feste Bandverbindung zwischen Wadenbein und Schienbein. Es gibt eine vordere und eine hintere Syndesmose.

Zusätzlich zum Wadenbeinbruch, also bei allen Weber-Formen kann auch der Innenknöchel gebrochen oder das Innenband gerissen sein.

Der Arzt teilt die Frakturen auch nach der sogenannten AO-Klassifikation zusätzlich ein.

Einteilung nach Weber-Klassifikation

Therapie: Wie wird ein Sprunggelenksbruch behandelt?

Für die Wahl der Therapie ist einerseits der vorhandene Weichteilschaden (offener oder geschlossener Bruch, Mitverletzung von Nerven oder Blutgefäßen, Stellung der Bruchenden zueinander) und andererseits die Einteilung nach Weber von Bedeutung.

Weber-A-Frakturen werden meist konservativ, also ohne Operation behandelt.

Weber-B-Frakturen werden meist operativ behandelt.

Weber-C-Frakturen werden immer operativ behandelt.

Voraussetzung für eine Operation ist die Operationsfähigkeit des Patienten. Diese ist unter anderem abhängig vom Allgemeinzustand, Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahme und wird vorab immer individuell geprüft. Entscheidend ist auch der Stand der Bruchenden zueinander. Ist der Bruch ohne deutliche Verschiebung und ohne Riss der Syndesmose, kann auch bei Weber-B-Frakturen eine konservative Behandlung in Betracht gezogen werden. Letztendlich ist die Therapiewahl immer individuell mit dem Arzt zu klären.

  • Konservative Behandlung:

Allgemein kommt eine konservative Behandlung nur bei gutem Stand der Bruchenden zueinander in Betracht. Bei der sogenannten konservativen Behandlung erfolgt bei noch stark geschwollenem Sprunggelenk zunächst eine Ruhigstellung in einem gespaltenen Unterschenkelgips oder einer Schiene. Kühlen, Hochlagern und eine begleitende Schmerztherapie gerhören ebenfalls zur Akutbehandlung. Ist die Schwellung nur (noch) gering, erfolgt die Anlage einer speziellen Gehschiene (Spunggelenksorthese oder Vakuum-Schuh). Diese muss über circa sechs Wochen getragen werden. Eine Belastung des Fußes ist nach Absprache mit dem Arzt erlaubt. Solange keine sichere Vollbelastung des Fußes mit normalem Gangbild möglich ist, sollte eine Thrombose entweder durch  tägliches Spritzen von niedermolekularem Heparin in die Unterhaut oder durch sogenannte direkte orale Antikoagulantien (DOAK) in Form von Tabletten vorgebeugt werden (Thromboseprophylaxe).

  • Operative Therapie

Weber-B-Frakturen und Weber-C-Frakturen müssen meist operiert werden. Über den Zeitpunkt der Operation entscheidet unter anderem die Schwellung. Da diese in den ersten Stunden nach dem Ereignis meist noch gering ist, wird eine operative Versorgung innerhalb von circa sechs Stunden nach dem Bruch angestrebt. Ist die Schwellung schon zu stark, muss abgewartet werden bis diese wieder abgeklungen ist. Unterstützt wird dies durch Ruhigstellung in einem gespaltenen Gips oder einer Schiene, Hochlagerung und Kühlung des Sprunggelenks. Bei starker Instabilität oder einem Trümmerbruch wird die Fraktur zunächst zwischenzeitlich operativ von außen über einen sogenannten Fixateur externe stabilisiert.

Die endgültige operative Versorgung erfolgt meist über eine sogenannte Plattenosteosynthese am Wadenbein. Der Operateur befestigt dabei eine Metallplatte mit Schrauben am Wandenbein nachdem die Bruchenden zuvor passend zueinander eingestellt worden sind. Außerdem näht er gerissene Bänder. Ein Innenknöchelbruch wird meist durch Schrauben fixiert.

Auch nach einer Operation ist für circa sechs Wochen nur eine Teilbelastung möglich, diese wird mit dem behandelnden Arzt festgelegt. Eine Orthese ist auch nach der Operation notwendig, damit der Bruch und die gerissenen Bänder gut ausheilen können. Solange keine sichere Vollbelastung mit normalem Gangbild möglich ist, sollte eine Thrombosevorbeugung (siehe oben) erfolgen.

Weiterbehandlung: Wie geht es nach der Erstversorgung weiter?

Das weitere Vorgehen besteht in der zunehmenden Wiederaufnahme der Bewegung, gegebenenfalls begleitet von einer Physiotherapie. Der Belastungsaufbau ist unter anderem abhängig von der Bruchart, der Stabilität und der Knochenqualität und ist daher immer mit dem behandelnden Arzt zu klären. Regelmäßige Röntgenkontrollen werden durchgeführt, um den korrekten Heilungsverlauf festzustellen. Rutscht eine zunächst stabile Fraktur (ein Bruch, bei welchem die Bruchenden gut zueinander standen) ab, ist dies ebenfalls im Röntgenbild sichtbar und erfordert dann gegebenenfalls eine Operation. Eine Vollbelastung ist - ebenfalls abhängig von der Bruchart - meist erst nach sechs Wochen möglich. Sowohl die Belastungsgrenze als auch Maßnahmen zur Vorbeugung von Thrombosen müssen mit dem behandelnden Arzt geklärt werden.

Sportliche Aktivitäten sind nach circa drei bis sechs Monaten wieder möglich.

Wurde der Bruch operativ versorgt, kann das verwendete Material (Schrauben, Platten) frühestens nach vollständiger Knochenheilung (knöcherner Konsolidierung) wieder entfernt werden. Dies ist von mehreren Faktoren wie beispielsweise Alter des Patienten, Aktivitätsgrad und den Beschwerden abhängig und wird individuell mit dem Arzt geplant.

Dr. Martin Engelhardt

Unser beratender Experte:

Prof. Dr. Martin Engelhardt, Facharzt für Orthopädie, ist Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie am Klinikum Osnabrück. Er war viele Jahre Präsident der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) und leitender Orthopäde der Deutschen Olympia-Mannschaft. In jüngeren Jahren war Engelhardt selbst aktiver Leistungssportler im Schwimmen und im Triathlon.

Quellen:

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), Leitlinie Unfallchirurgie, Sprunggelenkfraktur, Stand 05/2015. Online: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/012-003l_S2e_Sprunggelenkfraktur_2016-02.pdf (abgerufen am 18. Februar 2019)
  • Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Sprunggelenksfraktur (=Sprunggelenkbruch). Online: https://www.dgu-online.de/patienteninformation/haeufige-diagnosen/sportler/sprunggelenksfraktur.html (abgerufen am 18. Februar 2019)
  • Deutsches Ärzteblatt, Frakturen des Oberen Sprunggelenkes - Diagnostik und Therapieoptionen, H. Goost et al. (2014). Online: https://www.aerzteblatt.de/archiv/160099/Frakturen-des-oberen-Sprunggelenkes#comments (abgerufen am 18. Februar 2019)

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.