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Knieschmerzen – Ursachen: Von Sport über Arthrose bis Zyste

Die Ursachen für Knieschmerzen drehen sich entweder um das Knie selbst, oder es sind andere Krankheiten im Spiel. Was unserem größten Gelenk zusetzt und was ihm hilft

von Dr. Claudia Osthoff, aktualisiert am 20.03.2019
Knieschmerzen beim Joggen

Sport: Die Knie tragen ein Mehrfaches des Körpergewichts


Hauptursachen von Knieschmerzen: Verletzungen und Arthrose

Bei der Frage, was denn wohl die Hauptursachen von Knieschmerzen bei Erwachsenen sind, lautet die Antwort meist: Sport und Arthrose. Das ist in der Tat richtig. Das Knie steht bei vielen Sportverletzungen im Mittelpunkt. Arthrose ist eine bekannte Spätfolge.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Sport im richtigen Maß ist gesund und hilft, das Körpergewicht im Griff zu behalten.

Natürlich gibt es noch viele andere Ursachen – sowohl für Arthrose als auch für Knieschmerzen generell. Darüber informiert dieses Kapitel.

Knieverletzungen: Akut und chronisch

Da das Kniegelenk nur von Weichteilen gehalten und geführt wird, kann es leicht verletzt werden. Leider ist dann oft eine spätere Arthrose vorprogrammiert.

  • Knochenbruch: Ein Bruch kann die Gelenk"rollen" des Oberschenkelknochens (Kondylen), den Schienbeinkopf oder die Kniescheibe treffen. Eine Verrenkung führt manchmal zu einem Abscherbruch (engl. flake fracture) der Kniescheibe. Auch kombinierte Brüche sind natürlich möglich.

    Symptome:
    Ein Bruch im Kniebereich verursacht akute starke Schmerzen. Das Knie lässt sich nicht mehr bewegen. Ist der gelenknahe Schaft betroffen, kommt es zur Fehlstellung des Gelenks. Bei gebrochener Kniescheibe kann der Verletzte das Knie nicht mehr strecken. Zwischen den Bruchstücken ist eventuell ein Spalt zu tasten. Ein Bluterguss, praktisch immer vorhanden, führt zu erheblicher Schwellung.

    Therapie: Brüche der Kniescheibe ohne verlagerte Bruchstücke und ohne Streckdefizit des Knies behandeln Ärzte meist konservativ, mit Stützung durch eine Orthese. Ansonsten wird je nach Bruchart eine Stabilisierung mit Metallen wie Platten, Nägel, Drähte, im Falle der Kniescheibe mit Schrauben und/oder einer sogenannten Zuggurtung (Cerclage) angestrebt.

    Danach jeweils Stützung durch eine Orthese (dazu mehr im Kapitel "Knieschmerzen – Therapien" in diesem Beitrag). Die Behandlung mit Physiotherapie startet  frühzeitig.
  • Verrenkung (Luxation): Die seltene Knieverrenkung ist meist Folge eines schweren Unfalls mit Verletzung des Kapselbandgefüges. Dabei können auch Nerven und Blutgefäße mitverletzt werden und Unterschenkelmuskeln indirekt durch eine starke Schwellung Schaden nehmen.

    Die Kniescheibe verrenkt sich unter anderem durch Anprallverletzungen oder Verdrehen des Knies, etwa beim Sport. Ansonsten werden Verrenkungen begünstigt durch angeborene Formveränderungen der Kniescheibe oder ihres Gleitweges, X-Beine, Muskelschwäche, ungleichen Zug der Haltebänder (innen zu schlaff, außen zu fest), erbliche Bindegewebserkrankungen.

    Symptome:
    Ein verrenktes Knie – selten und meist Folge eines schweren Unfalls – schmerzt heftig, ist wegen des Blutergusses durch Einriss der gut durchbluteten Kapsel stark geschwollen und lässt sich nicht mehr bewegen. Zugleich bestehen erhebliche Weichteilverletzungen, etwa von Nerven und Gefäßen: Notfall (Notruf: 112).

    Eine verrenkte Kniescheibe verursacht zwar ebenfalls, aber nicht vergleichbar starke Schmerzen und Schwellungen (Bluterguss). Das Gelenk ist unförmig, die seitlich verlagerte Kniescheibe ist sicht- und tastbar. Hat sie sich von selbst wieder eingerenkt, ist das Knie meist noch länger schmerzhaft, besonders bei Druck auf die Kniescheibe. Begleitende Knorpel-, Knochen- und Bandverletzungen sind bei Verrenkungen weitere mögliche Schmerzquellen. Sie müssen durch geeignete Untersuchungen ausgeschlossen und operativ behandelt werden.


    Therapie:
      Eine verrenkte Kniescheibe versucht der Arzt bei maximal gestrecktem Knie zurückzuschieben. Im Anschluss wird das Knie für einige Wochen mit einer Bandage stabilisiert. Wichtig ist eine Muskelkräftigung durch Physiotherapie.

    Bei wiederholter Verrenkung der Kniescheibe, etwa wegen einer Fehlbildung oder nach einer Verletzung, ist ein korrigierender Eingriff notwendig. Dazu muss das Knochenwachstum abgeschlossen sein (betrifft Jugendliche). Es gibt verschiedene OP-Techniken, auch mittels Gelenkspiegelung (Arthroskopie).
  • Meniskusschäden: Das Kniegelenk enthält auf seiner Innen- und Außenseite je einen c-förmigen Gelenkkörper aus Knorpel, die Menisken. Gemeinsam mit den Kreuzbändern stabilisieren sie die Knie und schützen den Gelenkknorpel.

    Der größere Innenmeniskus ist mit dem Innenband verwachsen und so weniger beweglich als der kleinere, lockerer befestigte Außenmeniskus. Es kommen akute und chronische Schäden vor.

    Akuter Meniskusriss: Akute Risse, etwa bei jüngeren, sportlich aktiven Menschen, passieren zwar immer wieder mal, sind aber seltener als Risse durch Verschleiß (siehe unten). Manchmal kann der Meniskus bei plötzlichen Stopp- und Drehbewegungen des Knies reißen. Auch kombinierte Verletzungen, zum Beispiel ein Riss des Innenmeniskus plus Riss des vorderen Kreuzbands, dazu eventuell des Innenbands, sind möglich.

    Symptome:
    Das Knie beziehungsweise der Gelenkspalt schmerzt auf der betroffenen Seite – also innen oder außen, und weiter vorne oder hinten, je nach Lage und Ausmaß des Risses und betroffenen Meniskus (häufiger der Innenmmeniskus). Gehen ist zwar möglich, sportliche Belastungsintensität nicht.

    Das Knie kann durch einen Erguss anschwellen, nach ein, zwei Wochen Schonung wieder abschwellen, um bei erneuter Belastung wieder anzuschwellen. Ein Korbhenkelriss (breiterer Längsriss) zum Beispiel kann dazu führen, dass sich ein Teil des gerissenen Meniskus einschlägt (hörbares Schnappen) und das Knie blockiert. Es lässt sich dann akut kaum mehr strecken oder beugen. Die Beschwerden hängen vom Umfang der Verletzung ab.


    Chronischer Meniskusschaden (Meniskopathien):
    Eine angeborene Formstörung des Meniskus können schon im Kindesalter zu Einklemmungen im Knie führen. Bindegewebserkrankungen schwächen den Meniskus generell, ständige Überbeanspruchung dünnt ihn an kritischen Punkten aus.

    Mit der Zeit bilden sich feinste Risse (Mikrotraumen). Schon bei normalen Bewegungen wie beim In-die-Hocke-Gehen oder raschen Aufstehen reißt der Meniskus dann irgendwann ein. Risse betreffen häufig die schlechter durchbluteten zentralen Bereiche. Meniskusschäden gehören zu den anerkannten Berufskrankheiten. Prädestiniert dafür sind zum Beispiel Profifußballer oder Fliesenleger.

    Gelegentlich bildet sich bei Verschleiß beziehungsweise Riss eines Meniskus (ebenfalls häufiger am Innenmeniskus) eine Zyste, teilweise auch Ganglion genannt, eine mit zähflüssigem Inhalt gefüllte Aussackung.

    Symptome (chronischer Meniskusriss):
    Bei Belastung des Knies treten Schmerzen auf: beim Beugen je nach Ausmaß ein "wandernder" Schmerz, beim Drehen oder Hocken zunehmende Schmerzen über dem Gelenkspalt auf der betroffenen Seite.

    Außerdem ist der Gelenkspalt innen oder außen beim Tasten mit dem Finger druckschmerzhaft. Wiederholte Reizungen und Schwellungen gelten als unspezifische Zeichen, da sie bei vielen Knieproblemen vorkommen. Ein Teil des lädierten Meniskus kann sich auch verlagern, einklemmen und das Knie blockieren (siehe oben, akuter Meniskusriss).


    Eine Meniskuszyste kann, muss aber nicht, innen oder außen am Knie (am Gelenkspalt) als weiche, druckempfindliche Schwellung wechselnder Größe erkennbar sein.
    Es treten hauptsächlich Schmerzen innen am Knie bei Belastungen auf.

    Zum Nachlesen über Diagnose und Therapie: Ratgeber "Meniskusverletzungen".
  • Bänderriss: Gefährdet für einen Riss sind vor allem Innen- und Kreuzbänder, seltener das Kniescheibenband und die Sehne des Oberschenkelstreckmuskels (Quadrizeps-Muskel).

    Symptome:
    Das Knie schmerzt akut, Ansätze des Bandes sind beim Betasten druckschmerzhaft, etwa innen bei einer Verletzung des Innenbands. Das Gelenk ist hier bei der Untersuchung mit Druckanwendung auf der Innenseite gewissermaßen "aufklappbar". Stärkere Aufklappbarkeit deutet auf mitverletzte Kapselanteile hin. Der betroffene kann das (meist auch angeschwollenen) Knie schlecht belasten, da sofret Schmerzen auftreten.

    Bei einem Kreuzbandriss – meist geht es um das vordere Kreuzband – tritt ein heftiger Schmerz auf, der aber auch wieder nachlassen kann, gefolgt einer Schwellung des Knies (Erguss). Das Knie wirkt instabil. Wird es nicht behandelt, kann es unter Schonung zwar abschwellen, aber die Instabilität bleibt. Besonders beim Gehen knickt es dann häufig weg. Manch einer geht erst deswegen zum Arzt.

    Ist das Kniescheibenband gerissen, was eher selten vorkommt, lässt sich das Knie nicht mehr aktiv beziehungsweise gegen Widerstand strecken. Die Kniescheibe wandert beim Beugen nach oben. Die durch den Riss entstandene Lücke ist tastbar und druckschmerzhaft.

    Bei einem Riss der Oberschenkelstrecker-Sehne steht die Kniescheibe dagegen tiefer, darüber findet sich eine Delle, im Verbund mit dem Kniescheibenband und weiteren Bändern ist meist noch eine gewisse Streckleistung möglich. Es kommt jeweils zu einem Bluterguss, wodurch das Knie anschwillt.


    Weitere Informationen unter "Bänderriss".

Video: Was passiert bei Arthrose?

Kniearthrose: Plagt viele Millionen

Das Knie liegt in der Arthrose-Statistik ganz vorne. Die genaue Ursache der "Arthrose an sich" ist unbekannt, meist kommen mehrere Faktoren zusammen.

Arthrose ist nicht nur in Deutschland, sondern weltweit die häufigste Gelenkerkrankung. Und sie gehört – als Gelenkverschleiß am Knie – bei uns zu den häufigsten Anlässen für die Versorgung mit einer Knieprothese.

So erhielten im Jahre 2016 immerhin 168.898 Patienten in Deutschland ein künstliches Kniegelenk (science media center, BertelsmannStiftung). 

Die "aus sich heraus" entstehende, primäre Form der Arthrose macht sich üblicherweise in der zweiten Lebenshälfte bemerkbar. Risikofaktoren, wenn man so will, sind hier vor allem das Lebensalter und Veranlagung.

Wobei Frauen zum Beispiel an Knie- und Handarthrose häufiger erkranken als Männer. Teilweise spielt also auch das Geschlecht eine Rolle. Hinzu kommen mechanische Faktoren, vor allem Übergewicht sowie Fehlstellungen an Beinen und Hüften.

  • Von Arthrose betroffen sind vor allem die großen tragenden Gelenke: Knie und Hüften, häufig auch die Lendenwirbelsäule und Halswirbelsäule, Finger- und Zehengelenke, insbesondere der Daumen. Je nachdem, ob nur ein großes Gelenk betroffen ist oder dazu mehrere kleine an Händen und Füßen, sodann an der Wirbelsäule, gibt es also ganz unterschiedliche Erkrankungsmuster.

    Arthrose an sich (primäre Form) entsteht, wenn der Gelenkknorpel an stark beanspruchten (fehlbelasteten) Zonen im Gelenk abnutzt. Er kann sich nicht regenerieren. Vielmehr kommt es zu ungünstigen biochemischen Veränderungen, unter anderem einer Entzündung. In der Folge verdichtet sich der Knochen an den angrenzenden, verstärkt belasteten Gelenkflächen.

    Dadurch verengt sich allmählich der Gelenkspalt, was mit der Zeit zu Beschwerden führt und auch im Röntgenbild erkennbar wird. Obwohl jeder zweite Westeuropäer über 35 Jahren nachweislich Abnutzungserscheinungen an den Gelenken hat, kommt es nicht bei jedem später zu Beschwerden – und wenn, dann normalerweise etwa ab 60 Jahren.

    Letztlich ist das Wie und Wann hier nicht beeinflussbar. Ob aber zum Beispiel Faktoren wie Sport und Körpergewicht den Knorpel über Gebühr belasten, hat jeder selbst in der Hand. Natürlich ist Sport zu begrüßen. Klar ist aber auch, dass besonders Verletzungen Arthrose fördern. Gelenkschonende Techniken und sicherheitsorientiertes Verhalten beim Sport zahlen sich also aus.

    Sekundäre Arthrosen
    sind Folge spezieller Gelenkerkrankungen wie Rheuma, Bruchverletzungen oder Gelenkschädigungen durch Knochen- und Knorpelschäden (Stichwort Gelenkmaus, siehe unten, Abschnitt: Osteochondrosen, Osteonekrosen).

    Auslösend sind außerdem Verletzungen, Gelenkerkrankungen oder anlagebedingte Formabweichungen, die wiederum zu statischen Fehlbelastungen führen: Verrenkungen und Formstörungen der Kniescheibe, Verletzungen der Menisken und Bänder, Knochenbrüche, Gelenkentzündungen und -infektionen, Achsabweichungen wie X- oder O-Bein.

    Symptome: Arthrose ist meist ein langsam fortschreitender Prozess mit schleichenden Beschwerden. Anfangs besteht bei einer Kniearthrose oft nur eine Art Müdigkeitsgefühl im Bein nach vermehrter Belastung. Über längere Phasen können zudem Schmerzen im Knie nach längeren Ruhephasen auftreten, etwa im Nachtschlaf oder frühmorgens: auf der Innenseite, weiter vorne oder im gesamten Gelenk, auch mit Ausstrahlung in den Unterschenkel oder Oberschenkel.

    Das Knie kann sich dabei wie "taub" anfühlen, es will bewegt werden. Das bringt zwar Erleichterung, den Betroffenen aber auch ein Stück weit um einen erholsamen Schlaf. Mit der Zeit stellen sich schmerzhafte Steifheit morgens (meist weniger als eine halbe Stunde anhaltend) oder nach längerem Sitzen regelmäßig auch tagsüber ein.


    Die Schmerzen können auf Dauer zunehmen und die Beweglichkeit des Knies einschränken: Um es zu entlasten, bewegen sich die Betroffenen weniger oder benötigen eine Gehstütze. Auch kann es wiederholt zu akuten entzündlichen Schüben (flare up) mit starken Gelenkschmerzen und Schwellung (Ergussbildung) kommen, sodass vorübergehende Ruhigstellung unvermeidlich ist.

    Es droht ein Teufelskreis aus Schmerz, Schonung, reduzierter Belastbarkeit. Die Muskeln bilden sich bei längerer Schonung weiter zurück, die Gelenkbeweglichkeit lässt immer mehr nach. Die Gelenkkapsel um das Gelenk schrumpft, es kann sich zunehmend verformen, schließlich versteifen.

    Therapeutische Hilfen: Um es möglichst nicht soweit kommen zu lassen, sind, korrekte Diagnose vorausgesetzt, rechtzeitige Behandlungsmaßnahmen wichtig, vor allem richtig dosierte Muskelkräftigung am Knie (Physiotherapie), unterstützt durch schmerzlindernde Maßnahmen und Vermeiden von Fehlbelastungen, wozu bei Übergewicht auch eine Gewichtsreduktion gehört.

    Mehr zu Diagnose und Therapie im Beitrag "Arthrose des Kniegelenks".
Knorpelschaden an der Kniescheibe

Kniescheibe & Co.: Vorderer Knieschmerz

Dank der Kniescheibe überträgt sich die Muskelkraft ergiebig vom Oberschenkel auf den Unterschenkel – und wir strecken das Knie durch. Die Kniescheibe schützt das Knie vorne.

  • Chondromalazie (Knorpelschaden): Chondromalazie bedeutet Erweichung des Knorpels, er fasert auf und wird rissig. Dies kann die Rückseite der Kniescheibe wie auch ihre Gleitbahn am Oberschenkelknochen betreffen und das hier liegende Femoropatellargelenk stören. Bänder- und Muskelschwäche sowie vorausgegangene Verletzungen und Entzündungen des Kniegelenks gehören zu den Ursachen. Dazu kommen jene, die auch Verrenkungen der Kniescheibe begünstigen (siehe oben).

    Symptome: Beim Beugen, Treppauf- oder Treppabgehen, Aufstehen aus der Hocke, längerem Sitzen oder Schlafen mit angewinkelten Beinen schmerzt das Knie. Beugen und Strecken des Knies erzeugt ein Reiben oder Knirschen. Bei ungeschicktem Tritt auf unebenem Boden gibt das Knie plötzlich nach, dabei kann auch ein stechender Schmerz auftreten.

    Therapie: Physikalische Therapie, gegebenenfalls Stabilisierung durch eine Kniebandage, ein Schmerzmittel für kurze Zeit, beispielsweise ein nicht steroidales Antirheumatikum (NSAR) gemäß ärztlicher Empfehlung, Kräftigung der Oberschenkelstreckmuskeln mittels Physiotherapie. Weicht die Kniescheibe zur Seite ab, kann der Orthopäde das äußere Halteband spalten.

    Das reguliert den Gleitweg der Kniescheibe, senkt ihren Andruck und verbessert die Ernährung des Knorpels. Kleinere Knorpeldefekte können arthroskopisch mit Bohrtechniken, die auf den Knochen unterhalb des Knorpels zielen, behandelt werden. Dadurch wird die Bildung von Knorpelersatzgewebe angeregt. Alternativ kann eine Knorpelzelltransplantation erfolgen. Ein Beinachsenfehler lässt sich operativ korrigieren.
  • Plica-Syndrom: Schmerzen durch Gelenkhautfalten im Knie / Störungen des Hoffa-Fettkörpers im Kniegelenk: Plica bedeutet Falte. Die gibt es als feinste Gebilde, die zur Gelenkinnenhaut gehören, auch im Kniegelenk: Ober- und unterhalb der Kniescheibe, seitlich und zur Gelenkmitte hin. Eine entzündete Falte kann anschwellen und auf dem Gelenkknorpel reiben. Zu der Entzündung kann es manchmal durch eine frühere Verletzung kommen, in anderen Fällen bei Überlastung durch Sport mit hohen Ausschlägen beim Beugen und Strecken, etwa Kraftsport, Radsport, Freestyling auf Buckelpisten, sodann durch eine Instabilität des Knies.

    Gelegentlich entzündet sich der in die Gelenkinnenhaut vorne eingelassene Hoffa’sche Fettkörper und kann vernarben (Arthrofibrose). Eine Narbenbildung im Knie kann allerdings noch andere Ursachen haben, zum Beispiel eine Knieoperation oder Infektion.

    Symptome: Typische Beschwerden sind ein Schnappen beim Beugen/Strecken. Außerdem kommt es immer wieder zu Schwellungen, eventuell auch zu leichten Blockierungen. Nach sportlichen Aktivitäten treten Schmerzen im vorderen Kniebereich auf. Narben im Kniegelenk können ähnliche Beschwerden bereiten.

    Therapie: Überwiegend konservativ mit den bewährten Maßnahmen: Schonung, Physiotherapie, medikamentöse Schmerzbehandlung. Falls überhaupt keine Besserung eintritt, kann die Falte eventuell arthroskopisch entfernt werden.

    Dabei lassen auch mögliche Begleitschäden am Knorpel oder auch ein vernarbter Hoffa-Fettkörper angehen. Allerdings sind hier Nutzen und Risiken sorgfältig abzuwägen, da nach solchen Maßnahmen durch Reizung des Knorpels erneute Schmerzen auftreten können. 

Abnutzung von Sehnen und Bändern

Sehnenverschleiß heißt Tendinose und Ansatz- oder Insertionstendinose, wenn der Ansatz am Knochen betroffen ist. Paradebeispiele: Springerknie und Läuferknie.

  • Springerknie (Patellaspitzensyndrom): Das Springerknie ist eines der häufigsten Schmerzprobleme im vorderen Kniebereich bei Leistungssportlern. Das Kniescheibenband ist beim Springen besonders starken, ruckartigen Zugbelastungen ausgesetzt. Prädestinierend dafür sind zum Beispiel Sportarten wie Hallentennis und Spungsport wie Basketball, Volleyball. Bei Verschleiß kommt es am Unterrand der Kniescheibe, an ihrer "Spitze", zu Schmerzen. Im Extremfall kann die Sehne reißen (siehe oben: "Verletzungen").

    Symptome: Es treten Schmerzen im vorderen Bereich des Knies unterhalb der Kniescheibe auf, eventuell auch eine Schwellung. Die Beschwerden bessern sich (ohne Riss) nach Schonung.

Mehr dazu im Ratgeber "Springerknie".

  • Läuferknie (Iliotibiales Band-Syndrom): Auch hier ist Überbelastung beim Sport im Spiel. Es geht um eine Sehnenhülle – eine Faszien- oder Bandstruktur –, die wichtige Oberschenkel- und Hüftmuskeln führt und stützt. Beim Beugen und Strecken des Knies gleitet sie über einen Höcker oben außen am Knie. Auf Überbelastung reagiert sie gereizt, oft auch der Schleimbeutel darunter.

    Das Problem kennen vor allem Langstreckenläufer, Tennissportler, Fußballspieler. O-Beine, Fehlstellungen der Füße, geschwächte Hüftmuskeln, Änderung der Beinlänge nach einer Schuhzurichtung oder Operation, viel Bergablaufen oder Laufen auf hartem oder unebenem Boden begünstigen das Beschwerdebild.

    Symptome: Nach einer gewissen Zeit treten beim Laufen Schmerzen am Knie vorne und außen auf. Sie können das Gehen, mehr noch das Laufen, behindern. Beim Pausieren lassen die Schmerzen nach, bei Fortsetzung des Laufens kehren sie zurück, vor allem beim Bergablaufen und Treppabgehen. Gelegentlich kann eine leichte Überwärmung und Schwellung fühlbar sein.

    Therapie: Schmerzlinderung durch Kühlung mit Eisbeuteln (cold packs auflegen, Haut aber schützen!), physikalische Therapie und für kurze Zeit ein Schmerzmittel (NSAR, siehe "Chondromalazie" weiter oben; lassen Sie sich auch in der Apotheke zur Anwendung des Mittels beraten).

    Unterbrechung des Laufens für gewisse Zeit, Dehnung verkürzter Hüftmuskeln am Oberschenkel, Training geschwächter Bauch-, Rücken- und Fußmuskeln, am besten mit Anleitung durch eine/n Physiotherapeuten/in. Nach Wiederaufnahme des Laufens: Wärme am Knie vor dem Laufen ausprobieren. Für Langläufer eventuell von Interesse: Überprüfen der Lauftechnik anhand einer Videoanalyse. Kontrolle beim Arzt, wenn die Beschwerden anhalten.
Ärztin untersucht Knie vom Patienten

Schleimbeutelentzündung (Bursitis) und Baker-Zyste

Schleimbeutel schützen Muskeln und Sehnen. Überbelastung zum Beispiel kann sie reizen. Das führt zu Schwellungen und Schmerzen.

  • Schleimbeutelentzündung: Scheimbeutel sind flüssigkeitsgefüllte Spalten und Hohlräume, die gelenknah – auch kniescheibennah – unter der Haut, über Knochenvorsprüngen unter Sehnen, Bändern und Muskeln liegen. Innen im Knie, zwischen dem Innenband und Sehnenansätzen von Kniebeugemuskeln am Schienbein, findet sich zum Beispiel die Bursa anserina (der "Gänsefuß-Schleimbeutel"). Weitere liegen zwischen Kniescheibe und Haut (vor der Kniescheibe = präpatellar) und unterhalb (infrapatellar) der Kniescheibe: zwischen Kniescheibenband und Haut sowie zwischen Kniescheibenband und Unterschenkelknochen.

    Überbelastung, Verletzungen, aber auch Erkrankungen wie Diabetes, Rheuma, Gicht, Immunstörungen und Infektionen können Schleimbeutelentzündungen begünstigen oder auslösen. Besonders die Schleimbeutel vor und unterhalb der Kniescheibe sind hohen Druckbelastungen ausgesetzt und entzünden sich leicht.

    Ständiges Arbeiten auf den Knien kann zum Beispiel bei Fliesenlegern eine chronische Entzündung des präpatellaren Schleimbeutels verursachen (Berufskrankheit). Auch Anprallverletzungen bei Kontaktsport, etwa Fußball, führen häufiger zur Bursitis. Die Schleimbeutelentzündung (Bursitis anserina) innen am Knie kann bei Überbelastung durch Laufsport, bei X-Beinen, Übergewicht und Arthrose entstehen.

    Symptome:
    Bei der Bursitis präpatellaris wirkt das Knie vorne "aufgetrieben", eventuell überwärmt. Die Schwellung ist bei Druck und Bewegung sehr schmerzhaft, in Ruhe nicht, Knien geht kaum. Schmerzen unterhalb des inneren Kniespalts können mit einer Entzündung der Bursa anserina zusammenhängen.


    Ausführlicher informiert Sie der Ratgeber "Schleimbeutelentzündung (Bursitis)".
  • Kniekehlenzyste (Baker-Zyste): Die Baker-Zyste entspricht meist einer Aussackung der in der Kniebeuge dünnen Gelenkkapsel. Dazu kommt es bei Reizzuständen mit vermehrter Bildung von Gelenkflüssigkeit durch die Gelenkinnenhaut im Knie. Auslösend sind eine Kniearthrose, ein Meniskusschaden oder Entzündungen wie Rheuma und Gicht, selten auch eine Knieverletzung. Solche Zysten kommen überwiegend ab dem mittleren Lebensalter vor.

    Junge Menschen und Kinder mit gesunden Knien entwickeln manchmal eine primäre Baker-Zyste. Dabei geht man von einer Verbindung zwischen dem Kniegelenk und dem Schleimbeutel in der Kniekehle aus, der sich mit Flüssigkeit aus dem Kniegelenk (Synovialflüssigkeit) füllt.

    Symptome: Vielfach beschwerdelos, mitunter wechselnde Schwellungen. Bei gestrecktem Knie, mehr noch bei voller Kniebeugung kann je nach Größe der Zyste ein leichter, ziehender oder drückender Schmerz an der Kniekehle auftreten. Hinderlich ist das Gebilde (meist lässt es sich hinten in der Kniekehle tasten) besonders dann, wenn es größer ist.

    Beugen "bis zum Anschlag" geht dann schlecht. Auch können Gefäße und Nerven behindert werden, was zu Schwellungen, Taubheitsgefühl und Durchblutungsstörungen am Unterschenkel führen kann, ähnlich einer Venenthrombose. Reißt die Zyste ein, was eher selten vorkommt, entzündet sich die Umgebung, es treten Schmerzen, eine Schwellung, Rötung und Überwärmung auf. Weitere Symptome hängen von der möglichen Grundkrankheit ab.

    Therapie: Zysten, die keine Beschwerden bereiten, kontrolliert der Arzt vom Zeit zu Zeit, denn sie können sich von selbst zurückbilden, aber auch wiederkehren. Schmerzen kann eine vorübergehende Einnahme ein entzündungshemmenden Schmerzmittels lindern. Manchmal punktiert der Arzt einen Erguss im Kniegelenk unter Ultraschallkontrolle und injiziert (nur bei dieser Diagnose) gegebenenfalls Kortison.

    Grundkrankheiten werden gezielt behandelt, was auch die vermehrte Bildung von Flüssigkeit im Knie reduzieren sollte. Die arthroskopische Entfernung der Zyste ist ansonsten vor allem zusammen mit einer weiteren sinnvollen Korrekturmaßnahme wie zum Beispiel Naht eines Meniskusrisses eine Option. Gegebenenfalls kann der Verbindungsgang einer primären Baker-Zyste bei einer Gelenkspiegelung verschlossen werden.
Sportverletzungen: Schneller wieder fit werden

Knochen- und Knorpelschäden am Knie (Osteochondrosen, Knochennekrosen)

An den Knien können mitunter belastungsabhängige Knochenschäden entstehen. In der Wachstumsphase heilen sie meist wieder aus. Leitsymptom: Schmerzen vorne am Knie.

  • Osteochondrosen im Kindes- und Jugendalter: In der Zeit des Wachstums entsteht in "Knochenkernen" an den Knochenenden und Sehnenansätzen neuer Knochen aus Knorpel. Wenn Sehnen an diesen Stellen immer wieder einen starken Zug ausüben, etwa beim Sport, kann der Knochen Schaden nehmen und sich auflösen (Osteonekrose, auch Osteolyse).

    Unter den Osteochondrosen im Kindes- und Jugendalter werden unterschiedliche, aber ähnliche Krankheitsbilder zusammengefasst. Im weiteren Sinne gehört dazu auch die sogenannte Osteochondrosis dissecans. Sie kann sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene betreffen.

    Diagnose:
    Der Orthopäde erkennt meist anhand der Angaben zu den aktuellen Beschwerden und Aktivitäten, der körperlichen Befunde, einer Sonografie und gegebenenfalls einer Magnetresonanztomografie (MRT), was vorliegt. Nur bei weiterem Abklärungsbedarf schließen sich Maßnahmen wie Blutuntersuchungen, eine Computertomografie (CT), Szintigrafie oder Gewebeentnahme (Knochen-Biopsie) an.

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    Um zum Beispiel eine Osteochondrose nicht zu übersehen, ist es empfehlenswert, anhaltende "Wachstumsschmerzen" bei Kindern sicherheitshalber vom Kinderorthopäden abklären zu lassen (siehe unten).

    Beispiele am Knie:

    Osgood-Schlatter-Krankheit: Diese Osteochondrose betrifft Kinder und Jugendliche – häufiger Jungen als Mädchen – im Alter zwischen etwa acht und fünfzehn Jahren, die viel Lauf- und Sprung-Sport treiben, zum Beispiel Tennis, Fußball oder Volleyball. Begünstigend ist oft der Wachstumsschub vor der Pubertät.

    Der wiederholte Zug des Kniescheibenbands stört die Knochenbildung aus Knorpelgewebe am Ansatz des Bands am Schienbein, unterhalb der Kniescheibe. Bei größerer Schädigung kommt es zu einer oft als "entzündlich" beschriebenen Verdickung. Selten löst sich hier ein Gewebestückchen ("Ossikel") ab und verlagert sich unter das Band. Meist heilt der Defekt, vor allem, wenn er klein ist, im wachsenden Knochen nach vorübergehender Entlastung des Knies wieder aus. An der ehemals schadhaften Stelle kann ein tastbarer "Knubbel" zurückbleiben. Manchmal sind beide Knie betroffen.

    Symptome: Es kommt zu belastungsabhängigen Schmerzen vorne in der Kniegegend: Durchstrecken und Beugen des Knies sind oft schmerzhaft, ebenso das Hinknien und Druck beim Berühren auf die erkrankte Stelle. Manche Patienten hinken. In Ruhe lassen die Schmerzen nach.

    Therapie: Normalerweise wird vorübergehend körperliche Schonung (Sportpause für etwa einen Monat)und Physiotherapie angeraten. Bei ausgeprägterer Schädigung ist auch eine vorübergehende Ruhigstellung in einer Hülse (Tutor) aus Kunststoff oder völlige Entlastung beim Gehen mit zwei Unteramstützen notwendig, damit der Schaden heilen kann. Fortbestehende Beschwerden sind eher selten, können aber im Einzelfall einen Eingriff notwendig machen.

    Sinding-Larsen-Johansson-Syndrom: Auch eine am unteren Ende der Kniescheibe duch zu starken Sehnenzug entstehende Knochenstörung (ohne Gewebeablösung) wächst sich nach Schonung und mit zunehmender Skelettreifung in der Regel wieder aus. Auch hier sind vor allem sportlich aktive Jungen betroffen. Zu den Risikofaktoren gehören überdurchschnittliche Körperlänge, Bänderschwäche, Überstreckbarkeit des Knies, dadurch vermehrte Beanspruchung der Sehne, verkürzte, kraftungleiche Oberschenkelmuskeln, ein Hohlkreuz.

    Symptome: Die jungen Patienten verspüren Schmerzen im Bereich der Kniescheibe. Es kann zu Schonhinken kommen.

    Therapie: Sportpause oder kurzfristige Ruhigstellung des Knies.

    Osteochondrosis dissecans: Veranlagung, Durchblutungsstörungen und eine Überstreckbarkeit der Knie bei zu laxen Bändern gehören zu den Faktoren, die das seltene Krankheitsbild begünstigen. Die eigentliche Ursache ist unklar. Für die Prognose und Therapie spielt das Erkrankungsalter, genauer: der Abschluss des Längenwachstums (im Schnitt mit 19 Jahren), eine Rolle. Osteochondrosis dissecans tritt meist im Alter von zehn bis 20 Jahren auf, manchmal auch später. Sie erhöht das Risiko für eine vorzeitige Arthrose.

    Beschwerden setzen häufig erstmals nach einer Verletzung oder stärkeren Belastung durch intensiven Lauf- oder Sprung-Sport ein. An einem oder beiden Kniegelenken, meist an der innenseitigen Rolle (Kondyle) des Oberschenkelknochens, geht Knochengewebe unter der Gelenkfläche zugrunde.

    Auslösend sind wiederholte Belastungen und Durchblutungsstörungen (sogenannte Minimalverletzungen, auch Mikrotraumen), seltener ein Stoß oder Schlag gegen das Knie. Es entstehen feinste Bruchlinien. In der Folge grenzt sich ein Knochen-Knorpelstückchen ab. Unter Umständen löst es sich (Gelenkmaus, auch Dissekat) und setzt sich ins Gelenk ab.

    Ärzte beurteilen den Schweregrad nach der Größe und Stabilität des Defekts, ob also das Dissekat sich teilweise oder vollständig abgelöst hat und womöglich verlagert hat. Damit einher geht auch ein möglicher Knorpelschaden. Ein freies Knochenstückchen kann das Gelenk zudem behindern.

    Symptome: Es treten spontan nicht genau lokalisierbare Schmerzen in Ruhe und bei Belastung im Knie auf, außerdem wiederholt Schwellungen durch Ergüsse. Manche Betroffenen fallen durch ein "Entlastungshinken" auf. Liegt die Gelenkmaus frei im Gelenk, kann es zu plötzlichen Blockierungen kommen, das Knie gleitet weg oder lässt sich nicht mehr strecken.

    Diagnose: Richtungsweisend sind die Angaben des Patienten über die Entwicklung der Beschwerden, sein Alter, die Untersuchungsbefunde (körperliche Untersuchung, Röntgenbilder). Falls die Röntgenaufnahmen auch in spezieller Aufnahmetechnik keinen Befund ergeben oder Unklarheiten bestehen bleiben, hilft eine Magnetresonanztomografie meist weiter.

    Therapie: Konservativ bei leichten, stabilen Formen: Entlastung mit Unterarmgehstützen, Schonung, eventuell Ruhigstellung mit einer Schiene oder Bandage über eine gewisse Zeit. Ausheilung ist im Kindes- und Jugendalter meist gut möglich, sofern das Dissekat sich nicht gelöst hat. Ein Eingriff ist daher nur im Ausnahmefall notwendig.

    Erwachsenen empfehlen Orthopäden bei ungünstiger Lage eines Osteochondrose-Defektes am Knie zeitnah einen Eingriff mittels Gelenkspiegelung (Arthroskopie). Eine nicht wieder fixierbare Gelenkmaus entfernt der Operateur und versorgt den Defekt. Dazu kommen verschiedene Verfahren infrage. 

Mutter mit Kind

! Achtung: Nur "Wachstumsschmerzen"?

Bei bis zu 18 Prozent aller Schulkinder treten sogenannte Wachstumsschmerzen auf (mehr dazu im entsprechenden Beitrag auf unserem Partnerportal www.baby-und-familie.de). Betroffen sind häufiger Mädchen als Jungen, meist um die elf Jahre. Die Spannweite reicht von drei bis 12 Jahren.
"Wachstumsschmerzen" sind harmlos. Warum es zu den Beschwerden kommt, ist unklar. Teilweise gibt es eine familiäre Veranlagung. Mit Wachstumsvorgängen hat das Problem aber wohl wenig zu tun und sollte sicherheitshalber immer abgeklärt werden.

Symptome: Die Schmerzen treten typischerweise nachts, in Ruhe, vorne, oberhalb oder unterhalb beider Knie,in Erscheinung. Die Kinder – häufiger betrifft das sportlich aktive – wachen auf und klagen über Beinschmerzen.

Allerdings sind sie nicht immer vorhanden, tagsüber fehlen sie meist. Auch andere Auffälligkeiten wie Schwellung oder Rötung der Knie oder Allgemeinsymptome sind kein Thema.

Diagnose: Wenn die Beschwerden nicht abklingen, wird der Kinderarzt sich die Knie nochmals genauer anschauen und bei Bedarf auch einen Kinderorthopäden hinzuziehen.

  • Spontane Knochenschäden bei Erwachsenen: Osteonekrosen

    Ein Beispiel am Knie:

    Ahlbäck-Krankheit:
    Eine neuere Bezeichnung für das Krankheitsbild lautet "spontane Osteonekrose des Knies", kurz SPONK. Den Knochenschaden (Osteonekrose) erleiden häufiger Frauen ab dem mittleren oder im höheren Lebensalter. Im anfälligen Oberschenkelknochen an der Gelenkrolle (Kondyle) entstehen feinste Brüche, er wird schlechter durchblutet. Gewebe geht zugrunde, der Knochen sintert, die Gelenkfläche verformt sich. In der Folge entwickelt sich in dem Bereich eine Arthrose. Betroffen ist in der Regel ein Knie, meist auf der Innenseite. 

    Symptome:
    Wenn die Gelenkfläche die ersten Schädigungen erlitten hat, setzen plötzlich bei Belastung – etwa beim Tragen von Gewichten oder beim Treppensteigen – Schmerzen innen am Kniegelenk ein. Es kann zu einem Steifigkeitsgefühl morgens kommen, ähnlich wie bei einer Arthrose. Die Krankheit verläuft manchmal recht schnell, bis hin zu einer Gelenkfehlstellung, worunter die Beweglichkeit des Knies weiter leidet. Damit verbunden sind zunehmende  Schmerzen, auch in Ruhe und nachts.

    Therapie:
    Eine milde SPONK behandeln Orthopäden mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln, physikalischen Therapien wie Kälteanwendung und Physiotherapie. Manchmal ist es sinnvoll, das Knie vorübergehend durch Unterarmstützen oder eventuell eine Schuhaußenranderhöhung zu entlasten. Später kann eine Operation notwendig sein. So kann unter Umständen eine Neuausrichtung der Gelenkachse  (Umstellungsosteotomie) schadhafte Bereiche entlasten. Oder es kommt eine Teilprothese infrage. Der Zeitpunkt für den Einsatz einer Vollprothese lässt sich so häufig hinausschieben.

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    Knochennekrosen kommen mitunter auch unter Einnahme von Kortison, bei Gefäßerkrankungen und bei Alkoholmissbrauch vor; teilweise sind die Patienten hier jünger. Es können beide Kniegelenke in verschiedenen Bereichen sowie andere Gelenke Schaden nehmen. Die Behandlung berücksichtigt dann auch die erkennbaren Ursachen.
Untersuchung von Knie und Hüfte

Rheuma – die chronische Entzündungskrankheit

Rheuma ist deutlich seltener als Arthrose, jedoch eingreifender, da andere Organe miterkranken können. An den betroffenen Gelenken kommt es zu entzündlichen Schmerzen, unbehandelt auch zu Verformungen.

  • Rheumatische Erkrankungen im engeren Sinn sind chronische Autoimmunerkrankungen. Autoimmunität bedeutet, dass das Immunsystem "irrtümlich" körpereigenes Gewebe angreift. Im Gelenk entzündet sich zuerst die Innenhaut. Dann werden der Gelenkknorpel und -knochen angegriffen.

    Die häufigste entzündliche Rheumaform ist die rheumatoide Arthritis. Sie betrifft Erwachsene und Kinder. Außerdem gehören Gefäßkrankheiten vom Typ der Immunvaskulitis dazu, ferner Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen) wie der systemische Lupus erythematodes. Da häufig noch andere Organe erkranken und Beschwerden auftreten, die über die Gelenke hinausreichen, sprechen Mediziner von Systemerkrankungen.

    Auch bei den rheumatischen Gelenkerkrankungen gibt es verschiedene Muster. Das reicht von mehreren kleinen, auf beiden Körperseiten erkrankten Gelenken (rheumatoide Arthritis) bis zum Befall von wenigen großen Gelenken (Oligoarthritis) mit seitenungleicher Verteilung, oder beides. Das Knie beispielsweise erkrankt häufiger bei einer sogenannten juvenilen idiopathischen Arthritis. Sie beginnt vor dem sechsten Lebensjahr und betrifft vorzugsweise Mädchen. Kommt es dabei auch zu Augenentzündungen, weist das auf einen schweren Verlauf hin.

    Bei der Bechterew-Erkrankung stehen die Kreuzbein-Darmbein-Gelenke mit dem Leitsymptom Kreuzschmerzen im Vordergrund. Zusätzlich können Schmerzen an Gliedmaßengelenken wie dem Knie auftreten. Eine sogenannte enteropathische Arthritis bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und eine reaktive Arthritis nach einem Darm- oder Harnwegsinfekt (siehe weiter unten: Abschnitt "Gelenkschmerzen nach Infektionen") machen sich ebenfalls öfter am Kniegelenk bemerkbar. Ausschlaggebend sind hier bestimmte genetische Konstellationen, die krankhafte Immunreaktionen begünstigen.

    Symptome: Leitsymptome eines rheumatischen Gelenkes sind Morgensteifigkeit und Kraftlosigkeit. Anders als bei Arthrose geht die Steifigkeit manchmal erst nach einigen Stunden zurück und hält als solche über mehrere Wochen an. Mindestens so lange Zeit sind die entsprechenden Gelenke schmerzhaft geschwollen. Die Gelenkschmerzen treten auch in Ruhe und nachts auf. Die Beschwerden können sich schubartig wiederholen. Zugleich sind Allgemeinsymptome möglich wie leichtes Fieber, Nachtschweiß, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Schmerzen an Sehnensatzstellen, mitunter ein Hautausschlag. In seltenen, schweren Fällen erkranken auch innere Organe. So kann es zum Beispiel zu einer Rippenfellentzündung kommen. Verdächtig darauf: Atemnot, Brustschmerzen, ein schneller Puls, deutliches Fieber.

Knieschmerzen bei Stoffwechsel- und Blutkrankheiten

An den Knien können auch Stoffwechselstörungen und Blutkrankheiten ihre Spuren hinterlassen: Gicht, Pseudogicht, zu hohes Cholesterin, die Eisenspeicherkrankheit und die Bluterkrankheit.

  • Gicht – Rheuma und Stoffwechselkrankheit in einem: Bei der Gicht sammelt sich zu viel Harnsäure im Körper an. Er reagiert mit Entzündungen. In Gelenken zum Beispiel kann es zu hoch schmerzhaften Gichtanfällen kommen. Betroffen ist vor allem das Großzehengrundgelenk, bei etwa jedem Zehnten das Kniegelenk. Zugrunde liegt häufig eine erbliche Ausscheidungsschwäche der Nieren. Erhöhte Harnsäurespiegel können kann aber auch Folge anderer Krankheiten oder Medikamentenwirkungen sein.

    Bei Männern ist die Gicht ähnlich häufig wie die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2). Sie erkranken meist ab 40, viele sind übergewichtig. Frauen haben seltener und meist erst nach den Wechseljahren damit zu tun. Bei aller Erblichkeit ist die Gicht auch eine Frage des Lebensstils. Als grenzwertig gelten Harnsäure-Spiegel bis zu 6 mg/dl bei Frauen und bis 7 mg/dl bei Männern. Darüber, bis etwa 9 mg/dl (im Blutplasma) nimmt das Anfallsrisiko zu, oberhalb davon steigt es drastisch.

    Symptome - akut: Das erkrankte Gelenk ist extrem schmerzhaft, geschwollen, blaurot verfärbt, überwärmt, stark berührungsempfindlich. Auch die Umgebung des Gelenks schwillt an. Mögliche Begleitsymptome sind Fieber, schneller Herzschlag, Übelkeit.

    Vorboten: Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden. Anfallsauslöser: Stress, eine Operation oder Reise, Alkoholgenuss und / oder ein üppiges Essen, aber auch das Gegenteil, nämlich Fasten. Der Anfall klingt nach Stunden, Tagen oder Wochen wieder ab. Besser ist es, ihn mit einem entzündungshemmenden Medikament, Kühlung und Entlastung zu durchbrechen.

    - Chronisch: Es stellen sich wiederholte, eventuell wandernde Gichtanfälle oder auch Dauerschmerzen betroffener Gelenke ein. Harnsäurekristalle können sich außer in Gelenken auch in Schleimbeuteln, Sehnenscheiden, unter der Haut (sichtbar als "Gichtperle") und in inneren Organen wie den Nieren niederschlagen.

    Wiederholte Entzündungen schädigen die betroffenen Organe. An Gelenken drohen mit der Zeit Verformungen. Die Depots in den Nieren können zu Nierenkoliken durch Grieß oder Steine, zu Nierenbeckenentzündungen und bei Nierenschäden auch zu Bluthochdruck führen. Alles dies lässt sich vermeiden mit einer purinarmen wie auch das Gewicht regulierenden, ausgewogenen Diät, bei Bedarf außerdem mit Medikamenten zur Senkung der Harnsäure.


    Mehr dazu im Ratgeber "Gicht".
  • Pseudogicht: Ihren medizinischen Namen Chondrokalzinose verdankt die Pseudogicht der Tatsache, dass es hier schwerpunktmäßig zu Kristallablagerungen im Gelenkknorpel kommt. Im Gegensatz zur Gicht erkranken hauptsächlich Menschen über 60 Jahren.

    Oft haben sie noch eine weitere Stoffwechselstörung wie Diabetes mellitus Typ 2, die Gicht (!), eine Unterfunktion der Schilddrüse oder eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen, vielleicht auch die Kupferspeicherkrankheit. Betroffen sind vor allem die Knie-, Hand- oder Wirbelgelenke. Ursächlich wird ein erblicher Stoffwechselfehler angenommen.

    Symptome: Die Pseudogicht führt zu ähnlichen Beschwerden wie die Gicht (siehe oben). Häufig leidet zuerst das Kniegelenk an den Kristallablagerungen. Es entzündet sich akut, schmerzt,  schwillt an und lässt sich schlechter bewegen. Die Haut im Bereich des Knies ist gerötet und überwärmt.

    Auch Schulter-, Hand- oder Fußgelenke können sich entzünden. Andere Patienten sind dagegen beschwerdefrei. Manchmal ergeben sich dann eher zufällig Hinweise auf die Krankheit, zum Beispiel in Röntgenbildern aus anderem Anlass.


    Der Ratgeber "Pseudogicht" informiert Sie ausführlich.
  • Familiäre Hypercholesterinämie, Gefäßverschlüsse: Ein erhöhter Blutspiegel des Cholesterins heißt Hypercholesterinämie. Diese ist ein Risikofaktor für Arteriosklerose und damit für Herz und Gefäße. Ein erhöhter Cholesterinspiegel wird durch einen ungesunden Lebensstil begünstigt und tritt häufig zusammen mit anderen Stoffwechselstörungen (Metabolisches Syndrom), bei anderen Erkrankungen sowie im Rahmen erblicher Fettstoffwechselstörungen auf. Selten sind im letzteren Fall bei ausgeprägten erblichen Formen auch die Gelenke beteiligt.

    Bei den Betroffenen finden sich häufig sogenannte Xanthome, gelbliche cholesterinhaltige Fettknötchen an der Haut und an Sehnen. Ursache der Gelenkschmerzen sind Entzündungen an Gelenken durch Ausfällung kleinster Kristalle aus Fettsäuren und Cholesterin. Die Haut- und Gelenkerscheinungen können manchmal die ersten Anzeichen der Fettstoffwechselstörung sein.

    Symptome: Die auftretenden Gelenkschmerzen wechseln und variieren stark: von Gelenk zu Gelenk, von mäßig bis heftig oder anfallsartig wie bei Gicht (siehe oben). Dann können sich auch Schwellungen, Überwärmung und Rötung einstellen. Manchmal halten die Schmerzen länger, durchaus bis zu einen Monat an, schädigen aber die Gelenke offenbar nicht nachhaltig. Vermutlich entzündet sich nicht die  Gelenkinnenhaut, sondern eher die Gelenkkapsel.

    Weiteres im Ratgeber "Familiäre Hypercholesterinämie".

    Bei einer Arteriosklose können Beinschmerzen auf einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit beruhen.

    Andere Arten von Gefäßverschlüssen, ebenfalls mit möglichen Beinschmerzen, betreffen das Venensystem.
  • Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose): Bei dieser überwiegend erblich bedingten Stoffwechselerkrankung kommt es zu einer schädlichen Eisenüberladung im Körper. Das Eisen wird verstärkt aus der Nahrung aufgenommen. Es lagert sich in inneren Organen, in der Haut und in Gelenken ab.

    Ursache sind bestimmte Genveränderungen (Mutationen) im Eisenstoffwechsel, aber auch erblich bedingte Blutkrankheiten, zum Beispiel manche Formen von Blutarmut. Männer sind im Prinzip häufiger von der Hämochromatose betroffen, weil Frauen im gebährfähigen Alter während der Menstruation regelmäßig Eisen verlieren. Es ist wichtig, die Eisenüberladung früh zu erkennen und zu behandeln, um bleibende Schäden zu vermeiden.

    Symptome: Schmerzhafte Schwellungen an den Fingergrundgelenken können ein Frühzeichen sein. Meistens erfassen die Schwellungen auch größere Gelenke, zum Beispiel die Knie. Zahlreiche weitere Symptome sind möglich. So kommt es zu einem dunkleren Teint, vor allem im Bereich der Achselhöhlen, an den Vorderseiten der Arme und Hände, am Hals, im Gesicht und in der Genitalgegend.

    Es vergrößert sich die Leber – bei unbehandelter Hämochromatose entwickelt sich im Laufe der Zeit eine Leberzirrhose –, und es kann ein Diabetes mellitus auftreten. Auch Herzsymptome und psychische Veränderungen sind möglich.


    Mehr zu dem Krankheitsbild, insbesondere auch zur Therapie, im Ratgeber "Hämochromatose".
  • Bluterkrankheit (Hämophilie): Bei Hämophilie fehlen Gerinnungsfaktoren oder sie sind weniger aktiv. Entsprechend kann die Blutungsneigung unterschiedlich stark erhöht sein. Unter den beiden Formen Hämophilie A und B überwiegt erstere bei weitem. Die vermehrte Blutungsneigung wird geschlechtsgebunden vererbt.

    Immunologisch bedingt ist die sogenannte Hemmkörperhämophilie. Sie kann unter anderem im Laufe der Behandlung mit Gerinnungsfaktoren (siehe unten) entstehen.

    Symptome: Bei milder Hämophilie sind zum Beispiel bei einer Operation Nachblutungen möglich. Ansonsten kann sie unbemerkt bleiben. Spontane Blutungen, erst Recht unstillbare bei Verletzungen, sind Zeichen einer schweren Hämophilie. Sie zeigen sich meist schon im Kleinkindalter durch auffällige Blutergüsse (Hämatome) an Druck- oder Stoßstellen.

    Ein Problem sind zum Beispiel spontane Blutungen in großen Gelenken wie den Knien. Das Gelenk schwillt an, schmerzt stark, ist überwärmt, gerötet und eingeschränkt beweglich. Bei wiederholten Gelenkblutungen entzündet sich die Gelenkinnenhaut, Eisen lagert sich ab und schädigt den Gelenkknorpel. Unbehandelt können sich die Gelenke verformen und versteifen, es kommt zu Muskelschwund und Gehbehinderung. Andere Organe sind ebenfalls blutungsgefährdet, Verletzungen gehen mit lebensbedrohlichen Blutungen einher.

    Vorbeugung des Bluterknies, Therapie: Die Ersttherapie und langfristige Kontrollen finden vorzugsweise in einem Hämophilie-Zentrum statt. Die Behandlung besteht in der Gabe des fehlenden Gerinnungsfaktors über die Blutbahn – als Dauerbehandlung bei schwerer und als Bedarfsbehandlung bei leichter Hämophile.

    Um bleibende Gelenkschäden bestmöglich zu verhindern, soll bei behandlungsbedürftigen Kindern die Langzeittherapie so früh wie möglich beginnen, Sie lernen, sich den Faktor selbst in die Vene zu spritzen (Infusionsbehandlung).

    Zur Behandlung bei schweren Formen der Hämophilie A ist eine neue Substanz (Emicizumab) verfügbar, die Betroffene sich selbst beziehungsweise Eltern ihren Kindern unter das Unterhautfettgewebe (subkutan) injizieren können. Das Mittel eignet sich auch für Patienten, die bereits Antikörper gegen den Gerinnungsfaktor VIII entwickelt haben. Genaue Hinweise zur Anwendung und Spritztechnik erhalten Betroffene in ihrem Hämophiliezentrum.

    Bei einer Gelenkblutung sind nur bestimmte Schmerzmittel erlaubt, aber sie sind in der Regel nötig. Das Gelenk wird vorübergehend ruhiggestellt. Die Betroffenen empfinden Kühlung oft als angenehm. Der Bluterguss kann unter Gerinnungsschutz punktiert werden. Die Mobilisierung beginnt behutsam. Das Knie darf anfangs nicht belastet werden.
Streptokokken und Antikörper

Knieschmerzen infolge von Infektionen

Kommt ein Gelenk mit einem Erreger in Kontakt, entzündet es sich leicht (infektiöse Arthritis). Neben Gelenkschmerzen sind weitere Beschwerden und Folgeschäden möglich. Verantwortlich: in erster Linie Viren und Bakterien, seltener Pilze.

  • Gelenkentzündungen durch Viren: Viren können die Innenhaut eines Gelenkes gezielt oder im Zuge einer Allgemeininfektion befallen. Es können mehrere kleine oder einzelne größere Gelenke betroffen sein. Das Knie ist häufig mit dabei. Mal kommt es nur ganz allgemein zu Gliederschmerzen, wie man das beispielsweise von der Grippe kennt. Mal entwickeln sich Gelenkschmerzen im engeren Sinn bis hin zu Gelenkentzündungen als Komplikation. Weitere Symptome hängen von der Art der Infektion ab.

    Infrage kommen außer Grippe auch Infektionen wie Hepatitis B, Hepatitis C, Mumps, eine Erkrankung durch das Parvovirus B19, Röteln und verschiedene andere Viruserkrankungen bis hin zu einer HIV-Infektion, die Ursache von Aids. Bei manchen "Kinderkrankheiten" sind Komplikationen wie Gelenkentzündungen eher typisch für Erwachsene, die bei zu schwacher Immunabwehr durchaus an diesen Infektionen erkranken können.

    Auch nach einer Impfung mit einem Lebendimpfstoff wie zum Beispiel gegen Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken können Gelenke manchmal mit vorübergehender Reizung, seltener mit stärkerer Entzündung reagieren.

    Symptome: Die Schmerzen springen mitunter von einem Gelenk zu einem anderen oder konzentrieren sich eher auf ein größeres Gelenk, darunter die Knie, Sprung- gelenke, Ellbogen- und Schultergelenke. Diese Phase kann sich über Wochen hinziehen. Hinzukommen oft Allgemeinbeschwerden wie Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen, erhöhte Körpertemperatur oder Fieber. Manchmal kann ein Gelenk auch akut sehr heftig schmerzen.

    Therapie: Eventuell ist für kurze Zeit körperliche Schonung sinnvoll. Weitere Maßnahmen hängen von den Begleitsymptomen und der Art der Infektion ab. Gegen Gelenkschmerzen hilft Einnahme eines entzündungshemmenden Schmerzmittels.

    Vorsicht: Eine Hepatitis ist hier jedoch wegen möglicher Leberschädigung eine Gegenanzeige. Eine chronisch gewordene Hepatitis B oder Hepatitis C und die HIV-Infektion werden mit speziellen virushemmenden (antiviralen) Medikamenten behandelt.
  • Gelenkentzündungen durch Bakterien: Eine bakterielle Gelenkentzündung muss zügig erkannt und behandelt werden, damit der Gelenkknorpel nicht zerstört wird (Notfall, Klinikaufnahme!).
    ! Achtung: Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen und / oder ein Gelenk angegriffen haben, darunter Rheuma, können bakterielle Gelenkentzündungen begünstigen. So können sie zustande kommen:

    - Von außen bei einem Eingriff oder einer Verletzung, zum Beispiel einem offenen Bruch oder Biss. Dabei können verschiedenste Keime eingeschleppt werden, vor allem Staphylokokkus aureus, Mischkeime oder, nach einer Bissverletzung auch Erreger, die auf der Mundschleimhaut leben. In der Regel ist ein einzelnes, größeres Gelenk betroffen (Monoarthritis).

    - Akut auf dem Blutweg bei einer Infektion oder einem Eiterherd im Körper oder ausgehend von einer Infektion in der Nachbarschaft (Knochen, Weichteile). Im letzteren Fall erkrankt meist ein einzelnes Gelenk, am häufigsten das Knie. Bei der Ausbreitung über den Blutstrom können auch mehrere Gelenke betroffen sein (Polyarthritis). Mögliche Keime hier: wiederum Staphylokokken, Streptokokken und andere. Bei jungen Menschen kommt gegebenenfalls auch der Erreger der Gonorrhoe infrage. Im Säuglingsalter können Knochenvereiterungen leicht in ein Gelenk einbrechen, weil die Wachstumsfuge noch keine Barriere zum gelenkbildenden Knochenende darstellt.

    - Chronisch über das Blut, zum Beispiel bei einer Tuberkulose, Borreliose, ferner bei einer Infektion mit Chlamydien oder bei Syphilis.

    Symptome: akut bakteriell: Im Vorfeld einer "septischen" Arthritis, also bei einer "Blutstrominfektion", kann es zu flüchtigen Gelenkschmerzen kommen. Unabhängig, auf welchem Weg die Keime letztlich eingedrungen sind: Das betroffene Gelenk reagiert mit starken Schmerzen, Überwärmung, Schwellung. Es zeigt sich durch den entzündlichen Erguss beziehungsweise Eiter im Gelenk und die entzündlich verdickte Gelenkkapsel stark verformt. Die Beweglichkeit ist eingeschränkt. Weitere mögliche Symptome: Fieber, Schüttelfrost, starkes Krankheitsgefühl und Beschwerden durch die Grundkrankheit.

    Chronisch bakteriell, zum Beispiel bei einer Lyme-Arthritis (Borreliose): Vor allem die Kniegelenke, eventuell einzelne andere große Gelenke schmerzen wiederholt in der Spätphase der Erkrankung – mitunter Jahre nach der Erstinfektion. Bei einem Teil der Betroffenen können die Gelenkschmerzen allmählich von alleine abklingen, bei anderen fortschreiten. Dies lässt sich bei klarer Diagnose durch eine ausreichend lange Therapie mit einem geeigneten Antibiotikum eindämmen.
  • Als akute Immun- oder Autoimmunreaktion:

    - Rheumatisches Fieber: Akute, wandernde Entzündungen und Schwellungen großer Gelenke; Ursache ist eine allergische Immunreaktion auf Bakteriengifte aus Streptokokken Typ A; kommt bei uns kaum noch vor.

    - Purpura Schoenlein-Henoch: Ebenfalls selten, die allergische Erkrankung betrifft neben anderen Organen auch verschiedene Gelenke, darunter die Sprunggelenke. Sie tritt meist nach einem Atemwegsinfekt, zum Beispiel Grippe, auf.

    - "Darm-Arthritis" (enteropathische Arthritis): Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Crohn-Krankheit; hier können sich mehrere, auch kleinere, Gliedmaßengelenke entzünden, außerdem die Kreuzbein-Darmbein-Gelenke tief im Kreuz.

    - Reaktive Arthritis: Letztlich genetisch bestimmte Autoimmunreaktion nach einer bakteriellen Infektion.
    Symptome Reaktive Arthritis: Sie tritt wenige Wochen nach einem Darminfekt (zu den Erregern gehören Campylobacter jejuni, Salmonellen und andere sogenannte Enteritiskeime) oder nach einem Harnwegsinfekt (typisches Krankheitsbild: Gonorrhoe oder eine Chlamydien-Infektion) auf.

    Die Variante Reiter-Syndrom betrifft häufig junge Männer. Gelenkschmerzen gehen dabei meistens vom Knie aus, werden aber eventuell auch an den Fuß- und Sprunggelenken oder im Kreuz verspürt. Verräterische, aber nicht immer sämtlich vorhandene Begleitsymptome: eine Augen-, Harnröhren- und Mundschleimhautentzündung sowie ein Hautausschlag.
  • Pilzinfektionen: Pilzbefall von Gelenken kommt ausgesprochen selten vor und wird nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Als Erreger sind verschiedene Pilzarten bekannt, darunter Candida (Hefepilze). Infektionsquellen können Verletzungen oder Eingriffe am entsprechenden Gelenk sein, Injektionen in die Blutbahn – Risikogruppen sind unter anderem Drogenabhängige –, oder Streuung über das Blut bei bestehender Pilzinfektion. Für dieses schwere, lebensbedrohliche Krankheitsbild sind vor allem Patienten mit chronisch zehrenden Erkrankungen gefährdet. Das Knie ist hier nur ein Aspekt.

    Auch Behandlungen, die das Immunsystem unterdrücken, Implantate und Gefäßkatheter im Körper sowie Übertritt von Erregern aus infiziertem Knochengewebe in Gelenknähe gehören zu den möglichen Infektionsquellen, insbesondere wenn das Immunsystem schon angeschlagen ist. Sofortige gezielte Behandlung mit pilztötenden Medikamenten ist unerlässlich.
Frau mit Knie Arthrose

Knieschmerzen: Weitere Ursachen

Bänderschwäche, erbliche Gelenkveränderungen, Geschwülste, chronische Schmerzkrankheiten wie das Fibromyalgiesyndrom: Die Liste von Knieschmerzursachen ist wirklich lang.

  • Überbewegliches Gelenk: Knieschmerzen beruhen nicht selten auf einer Lockerung der Bandkonstruktion. Zum Beispiel entsteht mitunter nach einem vorderen Kreuzbandriss das Gefühl eines "Wackelknies". Neben Verletzungen sind auch Gelenkerkrankungen oder Veranlagung mögliche Ursachen.

    Anlagebedingte Überweglichkeit führt besonders bei Frauen zu deutlicher Bindegewebsschwäche. Unter dem zu lockeren Bandapparat leiden besonders bandgeführte Gelenke wie das Knie ("Schlotterknie"). Die Neigung zu Verrenkungen, wiederholten Reizzuständen und Arthrose ist deutlich erhöht.

    Leichtere Formen werden oftmals erst bei chronischen Kniebeschwerden festgestellt. Rechtzeitiges Muskeltraining kann die Gelenkfunktion und damit die Beschwerden bessern. Manchmal führt aber erst ein korrigierender Eingriff zu einem zufriedenstellenden Ergebnis.

    Bei einigen Erbkrankheiten sind überbewegliche Gelenke nicht das einzige Problem. Es kann auch zu Verformungen des Skeletts und anderen körperlichen Störungen kommen. Ein Beispiel hier: das Ehlers-Danlos-Syndrom, eine erbliche Bindegewebserkrankung mit verminderter Reißfestigkeit der Haut und überbeweglichen Gelenken. Die Tendenz zur Verrenkung der Kniescheibe (siehe weiter oben: "Verletzungen") entwickelt sich im Laufe des Wachstums und betrifft beide Knie.
  • Fortgeleiteter Schmerz am Knie: Bei Hüftproblemen, im Kindesalter etwa bei der Perthes-Krankheit, und bei älteren Menschen zum Beispiel bei einem Bruch oder einer Hüftarthrose, können die Beschwerden von der Hüftgegend oder Leiste ins Knie ausstrahlen oder sich vor allem dort bemerkbar machen.

    Bei der Perthes-Krankheit, einer Osteochondrose (siehe Abschnitt weiter oben: "Knochen- und Knorpelschäden am Knie")  des Hüftgelenks, nimmt Knochengewebe im Hüftkopfbereich Schaden. Das Gewebe wird schlechter durchblutet und kann zugrunde gehen. Der Arzt wird daher bei Knieschmerzen immer auch die Hüftgegend, außerdem die Füße wegen auch dort vorkommender Osteochondrosen mit untersuchen.
  • Gut- und bösartige Geschwülste (Tumoren): Tumoren des Knochen- und Weichteilgewebes, zum Beispiel der Muskeln, Sehnen, Gelenkinnenhaut, treten in der Kniegegend nicht ganz selten auf. Insgesamt kommen sie aber eher selten vor. Sie können gut- oder bösartig sein. Deshalb sollten Knieschmerzen, auch "Wachstumsschmerzen" bei Kindern (siehe oben), mit der gebotenen Aufmerksamkeit kontrolliert werden, ohne jedoch gleich in Panik zu verfallen.

    Knienahe Geschwülste – ob gut- oder bösartig – gehen als primäre, ortständige Tumoren vor allem vom Knorpel- und Knochengewebe sowie von der Gelenkinnenhaut (Membrana synovialis) aus. Es kommen auch Knochentumoren als Tochtergeschwülste (Absiedlungen oder Metastasen) bösartiger Tumoren anderer Organe vor, zum Beispiel bei Lungen- oder Brustkrebs. Knochentumoren bilden sich manchmal auf einer erblichen Grundlage oder im Zusammenhang mit einer anderen Knochenerkrankung wie zum Beispiel dem Morbus Paget.

    Allgemeine Symptome bei gelenknahen Tumoren: Schmerzen am Kniegelenk oder in seiner Umgebung – unabhängig von Bewegung oder Belastung, nachts – können ein Hinweis auf eine Geschwulst sein. Das Knie kann durch einen Reizerguss schwellen. Eventuell ist es stellenweise verdickt, verformt und schlechter beweglich. Allgemeinsymptome wie Fieber und Gewichtsverlust kommen nur bei einer Ewing-Sarkom genannten Sonderform von Knochenkrebs vor. Diese tritt aber nicht typischerweise in Gelenknähe auf, sondern vor allem am Schaft langer Knochen wie zum Beispiel am Oberschenkel.

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    Achtung: Die Gefahr, dass es ohne stärkere Gewalteinwirkung zu einem Knochenbruch kommt, ist möglicherweise erhöht. Daher sollten fortbestehende Schmerzen – ob mit oder ohne leichte Verletzung – eines Gelenkes oder einer Gliedmaße zügig vom Arzt untersucht werden.

    Therapie:
    Sie richtet sich nach der Art – gut- oder bösartig –, den Gewebemerkmalen und der Ausprägung der Geschwulst sowie nach dem Alter des Patienten. Bei Kindern spielt zum Beispiel das noch zu erwartende Skelettwachstum eine Rolle. Auch die Frage der Gelenkstabilität ist wichtig. Bei manchen gutartigen Tumoren genügen bis auf weiteres ärztliche Kontrollen von Zeit zu Zeit. Operiert werden sie, wenn Beschwerden auftreten oder wenn sie kosmetisch stören.

    Bei bösartigen (primären) Geschwülsten ist die Operation dagegen in aller Regel zwingend. Das kann auch zur Folge haben, dass ein Kunstgelenk eingesetzt werden muss. Häufig wird vor und nach der Operation zusätzlich eine Chemotherapie durchgeführt. Auch die Strahlentherapie hat ihren Platz. Zum Beispiel sind sekundäre bösartige Tumoren, also Metastasen, häufiger strahlenempfindlich.

    Wegen der vielen hier zu beachtenden Aspekte werden bösartige Tumoren des Bewegungssystems interdisziplinär – von Ärzten verschiedener Fachrichtungen – nach speziellen Richtlinien und Protokollen in entsprechenden Tumorzentren behandelt.
  • Fibromyalgiesyndrom (FMS): Der Begriff bedeutet wörtlich übersetzt Faser-Muskel-Schmerz. Die Betroffenen (Erwachsene) haben Schmerzen in vielen Körperbereichen – an Muskeln, Sehnen und Gliedern von den Knien bis zum Nacken. Es kommt jedoch per se nicht zu Gelenkentzündungen. Außerdem leiden die Patienten an vielfältigen anderen körperlichen und psychischen Beschwerden.

    Bei dem Krankheitsbild spielen offenbar Schädigungen kleiner Nervenfasern eine Rolle. Das heißt, es liegt eine sogenannte neuropathische Störung vor. Die genaue Ursache ist noch unklar. Nicht selten entwickeln sich im Verlauf auch psychische Symptome wie zum Beispiel Depressionen, Ängste, sozialer Rückzug. Sie haben aber kiene ursächliche Bedeutung.

    Symptome:
    Im Vordergrund stehen chronische Muskel- und Gliederschmerzen, die an vielen Stellen des Körpers auftreten oder von Ort zu Ort wechseln können. Hinzukommen Müdigkeit, Erschöpfbarkeit, Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Herz- und Atembeschwerden, vermehrtes Frieren oder Schwitzen und viele andere (vegetative) Symptome. Die Beschwerden können wechselhaft ausgeprägt sein und zeitweise ganz fehlen.

    Mehr erfahren Sie im Ratgeber "Fibromyalgie.Syndrom".
  • Chronisches Erschöpfungssyndrom: Nicht immer leicht abzugrenzen von der Fibromyalgie ist das chronische Erschöpfungssyndrom (engl. chronic fatigue syndrome, CFS), auch gutartige myalgische Enzephalomyelitis (ME). Über die Ursache wird noch spekuliert. Eine Rolle spielen möglicherweise Infektionen mit Viren oder Bakterien, belastende Lebensereignisse, genetische Faktoren, Depressionen. Die Diagnose beinhaltet, ausgehend von den jeweiligen Beschwerden, den Ausschluss möglicher körperlicher und psychischer Krankheiten.

    Symptome: Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Erschöpfbarkeit stehen im Vordergrund. Begleitsymptome wie Muskel- und Gelenkschmerzen, Fieber, schmerzhafte Lymphknoten am Hals oder im Achselhöhlenbereich, Halsschmerzen, Kopfschmerzen und Bauchschmerzen, Schwindel, Depressionen und andere Beschwerden können wochenlang anhalten und zu erheblicher Leistungsminderung führen. Aktivität verschlechtert die Beschwerden, Schonung bewirkt allerdings keine Besserung

    Therapie: Lebensstiländerung, Schlaf"hygiene", also den Schlaf verbessernde Maßnahmen (Tipps: siehe nachfolgende Info-Box), dosierte Bewegungstherapie, psychologische Therapien wie Verhaltenstherapie, eventuell Antidepressiva.