Knieschmerzen – Diagnose

Bei der Diagnose von Kniebeschwerden stehen Bewegungstests und bildgebende Untersuchungen wie Röntgen, Ultraschall oder CT des Knies im Mittelpunkt

von Dr. Claudia Osthoff, aktualisiert am 04.09.2017
Knie

Kernspin- (links) und Röntgenbilder stützen bei Knieproblemen die Diagnose


Ausgangspunkt der Diagnose ist die Krankengeschichte (Anamnese). Der Patient berichtet dabei über die aktuellen Beschwerden, wo genau am Knie es schmerzt (was teilweise Rückschlüsse auf die Ursache zulässt, siehe Kapitel "Knieschmerzen: Überblick"), und über mögliche Verletzungen oder zurückliegende Eingriffe.

Anschließend folgt die eingehende körperliche Untersuchung, die natürlich in erster Linie auf das Bewegungssystem mit den Knien im Vordergrund zielt. Dies gilt insbesondere bei einer Verletzung. Dabei tastet der Arzt das Knie nach Schmerzpunkten und Schwellungen ab. Er prüft, wie gut die Kniescheibe verschiebbar ist – das kann man auch selbst am gestreckten Knie ausprobieren – und ob die Knie- und Hüftgelenke ausreichend beweglich sind.

Arzt untersucht Knie

Der Orthopäde nutzt zudem eine Reihe von Bewegungstests, mit denen er verschiedenste Krankheitsbilder erkennen kann. Nicht zuletzt misst er bei der Erstuntersuchung die Umfänge und Länge der Beine und überprüft die Beinachsen- und Fußstellung, Muskelreflexe und Gefäßpulse an den Beinen – stets im Seitenvergleich, versteht sich.

Bildgebende Verfahren und Gelenkspiegelung des Knies

Wichtige Informationen über das Knie geben bildgebende Verfahren wie Ultraschall (Sonografie), Röntgen, Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie), in speziellen Fällen auch eine nuklearmedizinische Untersuchung (Szintigrafie). Eingreifender ist da schon eine Gelenkpunktion, mehr noch eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie). Beide dienen auch therapeutischen Zwecken. Bei sehr speziellen Fragestellungen kann eine Röntgenuntersuchung von Gefäßen oder eine Gewebeentnahme (Biopsie) aus dem Knochen notwendig sein. Bei Bedarf schickt der Arzt eine Probe aus dem Blut, Urin oder der Gelenkflüssigkeit des Patienten zur Untersuchung in ein labormedizinisches Institut.

Röntgenaufnahmen können Brüche, abgebrochene Knochen-Knorpelstückchen oder andere krankhafte Veränderungen an den Knochen (Bruch, Verdünnung, Verdichtung, Verformung) sichtbar machen. Außerdem können Röntgenbilder zur Bestimmung von Achsabweichungen wie zum Beispiel X-und O-Bein dienen.

In Ultraschallbildern lassen sich die Menisken sehr gut erkennen, außerdem Veränderungen an der Gelenkkapsel, Sehnenansätzen, Bändern, Muskeln und der Gelenkinnenhaut (Weichteile), sodann Flüssigkeitsansammlungen (Gelenkerguss). Bei einer unklaren Schwellung beispielsweise ist die Sonografie unverzichtbar.

Die Magnetresonanztomografie (MRT) vermittelt detaillierte Einblicke ins Gelenkinnere. Aber auch die gelenkumgebenden Weichteile sind in den MRT-Aufnahmen sehr gut zu sehen. Dies kann auch nützlich sein, um einen Eingriff exakt zu planen.

Bei der Computertomografie (CT) scannt eine um den Körper rotierende Röntgenröhre das im Fokus liegende Organ oder den Körperbereich Schicht für Schicht. Die Bilder werden dann digital aufgebaut. Die Computertomografie hat bei speziellen Fragen in der Kniediagnostik ihren Platz, außerdem bei der Operationsplanung. Beispielsweise kann ein komplizierter, gelenknaher Bruch einschließlich benachbarter Blutgefäße und Nerven dreidimensional rekonstruiert werden. Der Chirurg kann dann sicherer vorgehen.

Bei mutmaßlicher Thrombose am Bein untersucht der Arzt je nach Beschwerdebild die entsprechenden Gefäße. Venen lassen sich heute mittels Dopplersonografie darstellen. Schlagadern lassen sich nach Einspritzen eines Kontrastmittels in Röntgenaufnahmen abbilden (Angiografie). Dabei muss eine Arterie punktiert werden. Die Gefäßdarstellung ist inzwischen ohne direkte Arterienpunktion als Angio-CT oder Angio-MRT möglich. Röntgenuntersuchungen einschließlich CT, insbesondere auch Angiografie und Angio-CT, sind jedoch mit einer nicht unerheblichen Strahlenbelastung verbunden und stehen bei Knieschmerzen meist nicht im Vordergrund.

Eine Szintigrafie kann bei der Suche nach einer Entzündung oder eingehenden Fragen zur Knochenstruktur- und -aktivität weiterhelfen, ist aber am Knie eher selten notwendig.

Gelenkpunktionen führt der Arzt nur bei besonderen Fragestellungen durch. Im Akutfall kann es notwendig sein, ein Knie von einem Erguss zu entlasten. Das ist dann eine therapeutische wie diagnostische Maßnahme, denn die entnommene Flüssigkeit – das Punktat – wird in der Regel im Labor nach Beimengungen wie Blut, bestimmten Zellen, Kristallen oder Erregern untersucht. Finden sich etwa "Fettaugen" und Blut darin, ist das ein Hinweis auf eine Verletzung von Knorpel-Knochengewebe, etwa bei einem knöchernen Bandabriss oder Knochen-Knorpelbruch. Ein Restrisiko für eine Infektion besteht trotz zwingend steriler Arbeitsweise bei einer Gelenkpunktion immer. Eine entzündlich verdickte Gelenkinnenhaut, die von einem Erguss begleitet werden kann, ist primär kein Grund für eine Gelenk-Punktion.

Arthroskopie

Auch eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) dient der Diagnose und Therapie. Dabei wird der Gelenkinnenraum durch ein Arthroskop beziehungsweise die entsprechende Bildschirmprojektion betrachtet. Es können feinste Instrumente eingeführt werden. Sie dienen dazu, das Gelenkinnere mit Instrumenten abzutasten, Risse zu nähen oder Bänder wieder aufzubauen (Bandplastik). Zielstrukturen sind insofern vor allem die Menisken (Teilmeniskektomie) und die Bänder. Die Arthroskopie  erfolgt in örtlicher Betäubung, Leitungs-Anästhesie (Regionalanästhesie) oder Vollnarkose.

Knieschmerzen: Welcher Facharzt ist der richtige?

Wenn beispielsweise der Verdacht auf eine Rheuma-Erkrankung besteht, ist der Internist / Rheumatologe oder der rheumatologische Orthopäde gefragt. Bei einer mutmaßlichen Nervenerkrankung wird man sich an einen Neurologen wenden. Er kann auch feststellen, ob die Ursache eines schmerzhaften Gelenkproblems und /oder begleitender Störungen der Muskulatur eventuell in einer neuromuskulären Erkrankung begründet ist. Neuromuskulär steht für das Zusammenspiel von Nerv und Muskel.

Bei Hinweisen auf einen akuten Nervenschaden, zum Beispiel Taubheitsgefühl, oder andere, schwere Verletzungen wie ein Knochenbruch, Sehnen- oder Bänderriss, eine Durchblutungsstörung, Blutung oder schwere Infektion wird der Arzt den Betroffenen sofort in eine Klinik einweisen.