Bänderriss im Knie: Therapie

Ein Bänderriss im Knie wird operiert oder konservativ – ohne Operation – behandelt. Welche Therapie im Einzelfall die richtige ist, hängt unter anderem vom Ausmaß der Verletzung ab
aktualisiert am 15.03.2017

Schlüsselloch-Operation am Knie: Ärzte reparieren gerissene Bänder meist im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie). Bei dieser Technik genügen minimale Schnitte, um die OP-Instrumente zum Ort der Verletzung zu bringen

W&B/Szczesny

Beim Sport oder einem Unfall kam es zu einer Bandverletzung im Knie? Dann ist rascher ärztlicher Rat gefragt.

Bis dahin greifen die üblichen Maßnahmen der Ersten Hilfe: Das Knie ruhig halten und hoch lagern, das Gelenk kühlen, zum Beispiel mit Kühlkompressen aus der Apotheke. (Eis aber nicht direkt auf die Haut legen, sonst drohen Erfrierungen!). Manchmal lassen sich die Verletzungsfolgen durch solche Erstmaßnahmen deutlich abmildern. Eine schmerzhafte Gelenkschwellung fällt dann zum Beispiel nicht so stark aus.

Bänderriss: Welche Therapie ist die richtige?

Ein Bänderriss kann konservativ, also ohne operativen Eingriff, behandelt werden. Oder die Verletzung wird operativ versorgt. Das geschieht üblicherweise im Rahmen einer Gelenkspiegelung (siehe Grafik oben). Ob ein Bänderriss operiert werden sollte oder nicht, kann nur im Einzelfall gemeinsam mit dem Arzt entschieden werden. Punkte, die eher für eine Operation sprechen, sind:

  • Das Kniegelenk hat keine ausreichende Stabilität mehr
  • Die Verletzung ist kompliziert oder ausgedehnt, betrifft zum Beispiel noch weitere Gelenkstrukturen oder den Knochen
  • Der Patient ist noch jung und kann einen Eingriff voraussichtlich sehr gut überstehen
  • Der Patient übt einen Sport oder einen Beruf aus, der seine Knie stark beansprucht

Handelt es sich um eine (ältere) unkomplizierte Bandverletzung bei einem älteren Patienten, der von seinen Knien keine Höchstleistungen mehr fordert, und hat das Knie weiterhin eine ausreichende Stabilität, kann eine konservative Behandlung durchaus zufriedenstellende Ergebnisse bringen.

Es gibt aber keine allgemeine Altersgrenze für eine Operation. Wer also seine Knie trotz fortgeschrittenen Alters noch intensiv beanspruchen will oder muss, kann sich durchaus für einen Eingriff entscheiden – vorausgesetzt, es spricht sonst nichts dagegen.

Therapie ohne Operation

Die konservative Therapie besteht hauptsächlich in einer Ruhigstellung des betroffenen Kniegelenks. Dazu verordnet der Arzt zum Beispiel eine (bewegliche) Schiene, eine sogenannte Orthese, oder Gehstützen. Meist dauert die Behandlung mehrere Wochen.

Medikamente können Symptome lindern. Der Arzt empfiehlt dazu schmerzlindernde, entzündungshemmende und abschwellende Arzneien.

Ganz wichtiges Therapieelement ist die anschließende Kräftigung der Beinmuskulatur. Sie verleiht dem Gelenk zusätzliche Stabilität. Denn nicht jedes Band wächst von alleine wieder zusammen. Seine Funktion müssen dann andere Bänder und Muskeln zumindest teilweise übernehmen.

Wie wird ein Bänderriss operiert?

Die Operation am Knie erfolgt üblicherweise minimalinvasiv, in "Schlüssellochtechnik"– das bedeutet: Der Arzt setzt sehr kleine Schnitte. Durch diese führt er dünne optische und Operationsinstrumente in das Gelenk (siehe Grafik oben). Der Eingriff kann stationär oder ambulant erfolgen.

Im Rahmen einer solchen Gelenkspiegelung (Arthroskopie) können die Ärzte das Gelenk genau inspizieren. Sie ersetzen das Band durch ein neues aus körpereigenem oder sehr selten aus körperfremdem Material. Beispielsweise entnehmen sie (in einem offenen Eingriff) Teile gesunder Sehnen aus der Beinmuskulatur des Patienten oder aus der Kniescheibensehne (Patellasehne) und formen daraus einen Ersatz für das gerissene Band im Knie. Eine solche Bandplastik kommt vor allem bei Kreuzbandrissen (Kreuzbandrupturen) zum Einsatz.

Bei dem Eingriff versorgen die Ärzte außerdem eventuelle Verletzungen an Knochen, Gelenkkapsel oder Meniskus.

Eventuell gehen Ärzte auch in Etappen vor: Zunächst untersuchen sie zum Beispiel das verletzte Gelenk per Gelenkspiegelung, entfernen dabei gleich die Bandstümpfe des gerissenen Bandes, nähen den abgerissenen Meniskus wieder an oder entfernen ihn teilweise. Der Patient erhält anschließend über einige Wochen Physiotherapie, bis das Gelenk ganz abgeschwollen ist. Dann erfolgt – per erneuter Arthroskopie – die eigentliche Reparatur des Bandes. Die Operation sollte nur stattfinden, wenn das Gelenk nicht überwärmt oder gerötet und wieder normal beweglich ist.

Unterstützt die Heilung: Krankengymnastik

An die – konservative oder operative – Versorgung eines Bänderrisses im Knie schließt sich in der Regel eine Physiotherapie an. Diese Anschlussbehandlung soll die Heilung unterstützen und beschleunigen, die beeinträchtigte Stabilität des Knies möglichst rasch wiederherstellen. Wichtigstes Element sind gezielte Übungen zum Muskelaufbau (Krankengymnastik).

Auch Koordinationstraining ist wichtig. Es versetzt Patienten in die Lage, ungünstige Bewegungen besser abzufangen, die das Knie gefährden könnten. Zudem hilft es, Defizite auszugleichen, die durch den Verlust eines "natürlichen" Bandes entstanden sind. Denn gesunde Bänder geben dem Körper über eingebaute Messfühler jederzeit Rückmeldung über die genaue Position der Gliedmaßen. Fehlt diese eingebaute Kontrolle, muss sich der Organismus erst auf die neue Situation einstellen.

Das Kniegelenk wird ganz allmählich wieder an wachsende Belastungen gewöhnt. Es kann bis zu einem Jahr vergehen, bis das Kniegelenk nach einem Bänderriss wieder die volle Sporttauglichkeit erreicht hat. Wann das Knie im individuellen Fall wieder voll einsatzbereit ist, weiß der behandelnde Arzt.

Eine Bänderverletzung kann zu einem vorzeitigen Verschleiß des Kniegelenks führen – vor allem, dann wenn sie nicht richtig ausheilt. Insbesondere Kreuzbandrisse (Kreuzbandrupturen) begünstigen eine spätere Knie-Arthrose.


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