Keuchhusten: "Lebenslangen Schutz gibt es nicht"

Erwachsene sollten sich erneut gegen Keuchhusten impfen lassen. Denn es besteht kein lebenslanger Schutz. Impf-Expertin Wiebke Hellenbrand erklärt, was zu tun ist
von Maria Haas, aktualisiert am 05.04.2016

Kleiner Pieks: Erwachsene sollten ihre Keuchhusten-Impfung auffrischen lassen

Your Photo Today/PHANIE

Frau Dr. Hellenbrand, seit 2009 empfiehlt die Ständige Impf­kommission (STIKO) Erwachsenen die Auffrischimpfung gegen Keuchhusten gemeinsam mit der Impfung gegen Tetanus und Diphtherie. Warum muss dieser Schutz erneuert werden?

Wir wissen heute, dass weder eine natürliche Infektion noch die empfohlene Grundimmunisierung im Kindesalter ein Leben lang vor der Erkrankung schützen. Die Antikörper gegen den Erreger nehmen in beiden Fällen recht schnell ab. Bei den letzten größeren Keuchhusten-Ausbrüchen in den Jahren 2007 und 2012 waren je nach Region 60 bis 80 Prozent der Erkrankten ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Dr. med. Wiebke Hellenbrand ist Expertin für Impfprävention in der Abteilung für Infektionsepidemiologie am Robert Koch-Institut in Berlin

W&B/Jonas Holthaus

Wie verläuft die Infektion bei Erwachsenen?

Charakteristisch sind Hustenattacken, die meist nachts schlimmer sind als tagsüber. Die Anfälle können so stark sein, dass die Luft wegbleibt oder man danach erbricht. Keuchhusten dauert Wochen bis Monate. Grundsätzlich verläuft die Erkrankung bei Erwach­senen weniger typisch und milder als bei Babys. Wahrscheinlich weil wir fast ­alle durch wiederholten Kontakt mit dem Erreger und durch frühere Impfungen noch einen gewissen Immunschutz haben. Deshalb wird Keuchhusten oft gar nicht erkannt.

Wie gut sind Babys geschützt?

Heute ist ein Neugeborenes fast immer ungeschützt, da schwangere Frauen nur selten Antikörper haben, die sie auf ihr Kind übertragen könnten. Die Impfung gegen Pertussis (Keuchhusten, Anm. d. Red.) wird aber erst ab einem Alter von zwei Monaten empfohlen. Für Säuglinge ist die Infektion zudem viel gefährlicher. Es drohen Kom­­pli­ka­tio­nen bis hin zum Atemstillstand. Mehr als die Hälfte der erkrankten Babys unter einem Jahr muss im Kranken­haus behandelt werden, im Alter von unter drei Monaten sind es mehr als 80 Prozent. Um den Immunschutz bei Neugeborenen zu verbessern, wird in einigen Ländern eine Pertussis-Impfung während der Schwangerschaft empfohlen. Auch die STIKO berät dem­nächst über diese Möglichkeit.

Ein besserer Impfschutz Erwachsener käme also auch Babys zugute?

Ja, es wird schon seit 2004 empfohlen, dass sich Personen impfen lassen, die engen Kontakt mit Babys haben. Aber leider wissen wir aus Untersuchungen, dass selbst in Haushalten mit Kindern unter einem Jahr nur circa zehn Prozent der Erwachsenen ausreichend geimpft sind. Der Keuchhusten-Erreger, das Bakterium Bordetella pertussis, ist aber hochansteckend. Er wird durch Tröpfcheninfektion übertragen, zum Beispiel beim Niesen oder Husten. Das heißt, wer keine ausreichende Immunität besitzt, wird nach einem Kontakt mit dem Erreger sehr wahrscheinlich auch erkranken.

Helfen Antibiotika bei Keuchhusten denn nicht?

Sie sind wirksam gegen den Erreger, lindern den Verlauf der Erkrankung ­­jedoch nur, wenn frühzeitig behandelt wird. Weil gerade bei Erwachsenen die Beschwerden so unspezifisch sind, vergehen aber meist zwei bis drei ­­Wochen bis zur richtigen Diagnose. In dieser Zeit ist die Infektion nicht nur hoch ansteckend. Bis dahin sind auch die Schleimhäute der Atemwege bereits schwer geschädigt durch die Bakteriengifte, die Bordetella pertussis produziert. Es kann Wochen bis Monate dauern, bis die Schleimhäute ­heilen, deshalb ist die Erkrankung so langwierig. Trotzdem sollte mit Antibiotika behandelt werden, solange noch Erreger in den Atemwegen vorhanden sind: meist bis etwa drei Wochen nach Beginn der Beschwerden. Das mindert zudem das Ansteckungsrisiko.

Die Impfung ist also der beste Schutz.

Ja. Doch leider sind die Quoten besonders für die empfohlenen Auf­frisch­­impfun­gen im Jugendlichen- und Erwachsenenalter unbefriedigend. Bei Babys und Kindern sind sie hoch, aber dann brechen sie ein. Jugendliche neh­men zu selten Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch, bei denen der Impfstatus geprüft wird, und gehen auch sonst nicht oft zum Arzt. Bei ­­Erwachsenen könnten die Impf­raten allmählich steigen, wenn bei der alle zehn Jahre fälligen Auffrischimpfung gegen Tetanus und Diphtherie wie empfohlen zudem gegen Keuchhusten geimpft wird. Die Immunisierung ist gut verträglich.


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