Katheterablation korrigiert Herzrhythmus

Als Katheterablation bezeichnen Herzspezialisten eine Therapie von Herzrhythmusstörungen, bei der sie krankhafte Bereiche im Herzmuskelgewebe gezielt veröden
von Dr. med. Dagmar Bischoff, aktualisiert am 04.04.2017

Katheterablation an der Universitätsklinik in Kiel

Caro/Michael Ruff

Die Katheterablation kann bestimmte Formen von Herzrhythmusstörungen dauerhaft beheben. Anfänge dieser Behandlungsmethode gibt es seit den achtziger Jahren. Seither hat die Technik enorme Fortschritte gemacht. Heutzutage führen zahlreiche kardiologische Abteilungen das Verfahren durch.

Wie funktioniert eine Katheterablation?

Um das Prinzip der Katheterablation zu verstehen, sind einige grundlegende Kenntnisse über die Funktionsweise des Herzens nötig: Das Herz besteht aus vier Herzhöhlen, zwei Vorhöfen und zwei Hauptkammern. Das Schlagen des Herzens wird durch elektrische Impulse erzeugt, die an einem speziellen Ort im rechten Vorhof entstehen. Von diesem sogenannten Sinusknoten breiten sich die elektrischen Impulse über die Vorhöfe und den Atrioventrikularknoten (AV-Knoten) auf die Herzkammern aus und bewirken das Zusammenziehen des Herzmuskels (Reizleitungssystem siehe auch Grafik).

Einführen des Katheters in den rechten Vorhof für eine Ablation. Das Reizleitungssystem ist gelb eingezeichnet

Mauritius/Phototake

Gibt es zusätzliche fehlerhafte Leitungsbahnen oder Stellen im Herzmuskelgewebe, die weitere Erregungen auslösen, kommt anfallsweises oder auch anhaltend unregelmäßiges Herzjagen vor. Dieses können Ärzte durch die sogenannte Katheterablation behandeln. Dabei veröden die Ärzte je nach Ursache entweder den Ausgangspunkt der zusätzlichen Herzschläge oder die abnormen Leitungsbahnen.

Wann kommt eine Katheterablation zum Einsatz?

Bei den meisten Formen von Herzrhythmusstörungen versucht der Arzt zunächst, diese mit Medikamenten zu behandeln. Versagt diese Therapie, kann bei bestimmten Arten von Rhythmusstörungen die Katheterablation den Patienten dauerhaft von seinen Beschwerden befreien:

Beim Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom) besteht eine angeborene Leitungsbahn als Kurzschluss zwischen den Vorhöfen und den Kammern. Über die Kurzschlussverbindung erreichen die Erregungen vorzeitig die Kammern. Es kommt zum anfallsweisen Herzrasen. Nach der Katheterablation, bei der der Experte die zusätzliche Leitungsbahn verödet, ist die Herzrhythmusstörung in über 95 Prozent der Fälle verschwunden.

Bei der AV-Knoten-Reentry-Tachykardie kreisen die elektrischen Impulse im AV-Knoten. Dadurch wird Herzrasen ausgelöst. Die Katheterablation ist bei dieser häufigen Herzrhythmusstörung die Therapie der ersten Wahl und in über 95 Prozent der Fälle erfolgreich.

Bei der atrialen Tachykardie ("Vorhoftachykardie") gehen die elektrischen Impulse nicht vom Sinusknoten, sondern von anderen Orten im rechten Vorhof aus. Die Erfolgsaussichten der Katheterablation sind bei der atrialen Tachykardie etwas geringer als beim WPW-Syndrom und bei der AV-Knoten-Reentry-Tachykardie.

Beim typischen Vorhofflattern liegt ebenfalls eine kreisende Erregung im rechten Vorhof vor. Da sich die Herzrhythmusstörung durch die Katheterablation in 95 Prozent der Fälle dauerhaft heilen lässt, ist sie der medikamentösen Therapie eindeutig überlegen.

EKG-Kurve bei Vorhofflimmern

W&B/Jörg Neisel

Vorhofflimmern kann durch elektrische Impulse aus den Lungenvenen verursacht werden. Wenn das Vorhofflimmern Beschwerden wie Atemnot oder Herzschwäche auslöst, versuchen Ärzte per Katheterablation, die Lungenvenen elektrisch zu isolieren. Dadurch sollen die Störimpulse nicht mehr die Vorhöfe erreichen. Der Eingriff dauert mehrere Stunden. Bisher ist er bei anfallsweisem Vorhofflimmern in ungefähr 70 Prozent der Fälle erfolgreich. Bei chronischem Vorhofflimmern liegt die Erfolgsquote etwas über 50 Prozent. Deshalb kommt die Katheterablation erst zum Einsatz, wenn Medikamente den Herzrhythmus nicht normalisieren können. Oft muss der Patient nach der Ablation weiterhin Medikamente einnehmen. In manchen Fällen muss die Katheterablation wiederholt werden.

Wenn auch die Isolierung der Lungenvenen nicht möglich ist, bleibt noch die Möglichkeit der AV-Knoten-Ablation. Durch die Verödung des AV-Knotens werden die Vorhöfe und Kammern des Herzens elektrisch vollständig voneinander getrennt. Der Patient benötigt dann einen Herzschrittmacher. Daher kommt die AV-Knoten-Ablation nur als Notlösung in Betracht.

Wie läuft eine Katheterablation ab?

Die Katheterablation erfolgt in der Regel im Rahmen einer elektrophysiologischen Untersuchung (EPU) im Krankenhaus. Das Standardverfahren ist die Hochfrequenzablation. Deren Prinzip besteht darin, dass die Katheterspitze punktgenau Hitze an das Gewebe abgibt. Andere Ablationsverfahren arbeiten mit Kälte (Kryoablation).

Die stationäre Aufnahme erfolgt in der Regel einen Tag vor dem Eingriff, damit die Krankengeschichte aufgenommen, das Aufklärungsgespräch durchgeführt und notwendige Voruntersuchungen gemacht werden können.

Die Katheterablation wird wie ein Herzkatheter oder eine EPU in örtlicher Betäubung durchgeführt. Der Patient ist bei Bewusstsein. Bei Bedarf verabreicht der Arzt Schmerz- und Beruhigungsmittel. Zunächst untersucht der Arzt genau die Herzrhythmusstörungen und deren Entstehungsort in der EPU. Dann setzt er im Herzgewebe über den Ablationskatheter gezielt kleine Narben von einigen Millimetern, um die Entstehung oder Weiterleitung der Herzrhythmusstörung zu unterbinden. Nach der Verödung testet der Arzt gegebenenfalls, ob sich die Herzrhythmusstörung noch durch elektrische Impulse auslösen lässt.

Die Dauer des Eingriffes ist sehr variabel und lässt sich kaum voraussagen. Er kann zwei bis sechs Stunden oder in Einzelfällen noch länger dauern. Der Ablauf nach dem Eingriff ähnelt der Nachbehandlung bei der EPU: Der Arzt entfernt die Katheter aus dem Herzen. Um eine Nachblutung zu verhindern, versorgt er die Einstichstelle mit einem Druckverband, der dort 6 bis 12 Stunden verbleiben soll. Während dieser Zeit muss der Patient strenge Bettruhe einhalten, damit der Verband nicht verrutscht. Meist kann er nach wenigen Tagen wieder seinem Beruf nachgehen.

Was sind die Risiken und Nebenwirkungen einer Katheterablation?

In den allermeisten Fällen verläuft der Eingriff ohne Komplikationen. Die Komplikationen, die bei einer Katheterablation auftreten können, entsprechen im wesentlichen denen der EPU. Der Arzt bespricht sie mit dem Patienten in einem Aufklärungsgespräch vor der Untersuchung.

Prof. Wolfram Delius

W&B/Bernhard Huber

Beratender Experte: Professor Dr. med. Wolfram Delius ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Er habilitierte sich an der medizinischen Universitätsklinik Uppsala, Schweden, und hatte anschließend eine außerordentliche Professur für Medizin an der Technischen Universität München inne. Der Herzspezialist war lange Zeit als Chefarzt tätig, zuletzt zwei Jahrzehnte an der Abteilung Kardiologie/Pneumologie am Städtischen Krankenhaus München-Bogenhausen (Akademisches Lehrkrankenhaus).

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Partnersuche im Internet

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren  »

Frau krümmt sich vor Schmerzen

Alle Krankheiten von A bis Z

Alphabetisch sortiert finden Sie hier Informationen zu zahlreichen Krankheiten »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages