Warum Hunde- und Katzenbisse gefährlich sind

Wenn die geliebten Vierbeiner zubeißen, kann sich die Wunde infizieren – mit teilweise fatalen Folgen. Was Sie tun sollten, wenn die Bissstelle anschwillt und schmerzt

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 15.05.2018

Einen Kratzer holt man sich von einer Katze schnell. Ein Biss kann richtig weh tun


Seelenruhig liegt der Kater auf dem Schoß, lässt sich kraulen, schnurrt. Kurze Zeit später: Der Kater soll sein gemütliches Plätzchen verlassen. Irgendetwas passt ihm nicht. Blitzschnell beißt er zu, erwischt den Handrücken. Die Wunde blutet kaum, doch die Hand schwillt an, wird rot und schmerzt. Für den Katzenbesitzer sieht das nicht unbedingt gefährlich aus – desinfizieren, kühlen, dann wird das schon wieder.…

Katzenbisse: Bis zu 50 Prozent infizieren sich

Sehen Ärzte eine solche Bisswunde, sind sie dagegen alarmiert. Schwellung, Schmerz, Rötung und eingeschränkte Beweglichkeit bedeuten: Die Stelle hat sich entzündet. Und: Es liegt vermutlich eine Infektion vor. "Bis zu 50 Prozent aller Katzenbisse infizieren sich", sagt Dr. Christoph Heidenreich, Handchirurg und Oberarzt der Abteilung für Hand- und Unterarmchirurgie an der Unfallklinik Murnau.

Besonders tückisch: Katzenbisse an der Hand

Katzen haben spitze und relativ lange Zähne, die tief ins Gewebe eindringen können. Dabei befördern die Tiere Keime in die Wunde, die sich in ihrem Maul und Speichel befinden. "Besonders leicht infizieren sich Bisse im Bereich von Hand und Handgelenk", erläutert Heidenreich. Hier liegen Sehnen und Sehnenscheiden nahe unter der Hautoberfläche. Beißt das Haustier in diese eher schlecht durchbluteten Gewebe, können sich die Bakterien eventuell vermehren, bevor das Immunsystem eingreift. Entlang der Sehnen können die Erreger zudem in andere Körperregionen wandern und im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung führen. Durch einen Biss in die Hand können sich auch Sehnenscheiden, Knochenhäute oder Gelenke entzünden. Im schlimmsten Fall kann es – unabhängig von der Bissstelle – sogar zu einer Blutvergiftung kommen.

Hundebisse ziehen seltener Infektionen nach sich. "Nur zirka zwei bis zwanzig Prozent der Hundebisse infizieren sich", meint Experte Heidenreich. Dafür können Hunde schlimmere Verletzungen verursachen. Insbesondere für Kinder kann es sehr gefährlich werden, wenn sie in den Hals oder ins Gesicht gebissen wurden.

Was tun nach einem Hunde- oder Katzenbiss?

Liegt die Wunde im Gesicht oder am Hals, ist sie sehr groß oder tief, dann sollte man auf jeden Fall zum Arzt gehen. Wer von Hund oder Katze gebissen wurde, sollte die Wunde zunächst gründlich reinigen und mit einem Desinfektionsmittel behandeln. Über die verletzte Stelle gehört anschließend ein steriler Wundverband – am besten eine Kompresse und darüber der Verband. Wer nicht über eine innerhalb der letzten fünf Jahre aufgefrischte Tetanus-Impfung verfügt oder sich diesbezüglich nicht sicher ist, sollte einen Arzt aufsuchen, weil eine erneute Impfung nötig sein kann. Gleiches gilt, wenn man den Hund oder die Katze nicht kannte und das Tier möglicherweise nicht gegen Tollwut immunisiert war.

Lebensgefährliche Infektionen durch Tetanus (Wundstarrkrampf) und Tollwut kommen in Deutschland zwar nur noch selten vor, "spielen aber in Reiseländern wie Indien noch eine große Rolle", sagt Heidenreich. Erkundigen Sie sich deshalb auch vor dem Urlaub, welche Impfungen Sie im Reiseland benötigen. Handchirurg Heidenreich rät zudem: "Nach einem Katzenbiss sollten Sie wegen der hohen Infektionsgefahr immer einen Arzt aufsuchen." Speziell emfiehlt sich dies auch für Kinder und Menschen mit eingeschränktem Immunsystem.

Der Arzt kann die Wunde versorgen und gegebenenfalls ein Antibiotikum verabreichen. Eitert die Wunde oder ist die Verletzung keine Bagatelle mehr, wird oft eine Operation notwendig. Daher sollten Sie die Verletzung unbedingt beobachten! Schwillt der Bereich an, schmerzt und rötet sich, sollten Sie rasch zum Arzt gehen. Dies gilt erst recht, wenn Sie Fieber bekommen oder ein roter Strich von der Wunde wegzieht.

Wichtig: Verharmlosen Sie einen Hunde- oder Katzenbiss nicht. Gerade Katzenbisse sehen unauffällig aus und bluten oft kaum. Suchen Sie besser einen Arzt auf und lassen die Wunde begutachten, um böse Folgen zu vermeiden. Nehmen Sie Ihren Impfpass mit und lassen Sie den Tetanus-Impfstatus überprüfen.

 

 

Unser Experte: Dr. Christoph Heidenreich, Oberarzt der Abteilung für Hand- und Unterarmchirurgie an der Unfallklinik Murnau