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Tollwut: Diagnose

Beweisend für eine Infektion mit dem Lyssavirus ist der Nachweis von Virusbestandteilen (Virusantigen) in verschiedenen Körperflüssigkeiten und -geweben

von Dr. Dagmar Schneck, aktualisiert am 05.06.2018
Blutproben

Tollwut-Verdacht? Laboruntersuchungen können die Diagnose bestätigen


Achtung: Es ist sehr wichtig, sofort nach einem Tierbiss einschätzen zu lassen, ob das Tier womöglich Tollwut haben könnte – und nicht erst abzuwarten, ob entsprechende Symptome auftreten. Denn dann ist es üblicherweise zu spät für eine Behandlung. Besondere Vorsicht ist beim Kontakt zu Fledermäusen geboten. Kleinere Bisse oder Kratzer können bei diesen Tieren auch unbemerkt bleiben. Im Zweifel wird immer eine Postexpositionsprophylaxe begonnen. Mehr dazu im Kapitel Therapie.

Anlass für die Suche nach Hinweisen auf eine Tollwutinfektion bei einem Menschen ist meist eine akute, auch atypische Gehirnentzündung (Enzephalitis) oder eine akute schlaffe Lähmung.

Auch wenn bei einem Patienten der Verdacht auf ein sogenanntes Guillain-Barré-Syndrom besteht, ein neurologisches Krankheitsbild, das einer Verlaufsform der Tollwut ähnelt, ist die Suche nach Lyssa-Viren sinnvoll. Manchmal können Hinweise auf einen Tierbiss fehlen (siehe Kapitel Ursachen).

Wurde ein Mensch von einem möglicherweise infizierten Tier gebissen, sollte dieses Tier beobachtet oder sogar getötet und auf eine Tollwutinfektion hin untersucht werden. Das ist hilfreich für die Entscheidung, ob eine Behandlung (Postexpositionsprophylaxe, siehe Kapitel Therapie) fortgeführt werden muss oder nicht.

Untersuchungen bei Verdacht auf Gehirnentzündung (Enzephalitis)

Zu den Routineuntersuchungen bei Verdacht auf eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) gehört meist eine Computertomografie des Gehirns, eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquors), eine Kernspintomografie und ein EEG. Diese Tests ergeben bei einer Tollwut häufig allenfalls unspezifische Veränderungen.

Bei konkretem Verdacht auf eine Tollwut-Infektion sind spezifische Tests nötig. Dazu gehört die Suche nach Abwehrstoffen (Antikörpern), die der Körper gegen den Tollwut-Erreger (das Rabies- oder Lyssa-Virus) bildet. Finden sich Antikörper gegen das Virus im Blut, spricht das dann für eine Infektion, wenn der Betroffene nicht gegen Tollwut geimpft ist. Sind die Antikörper auch im Nervenwasser vorhanden, ist eine Tollwut-Infektion auch bei geimpften Personen wahrscheinlich.

Kann der Arzt bestimmte Virusbestandteile – sogenannte Virus-RNA – in Speichel, Nervenwasser oder in einer Hautbiopsie des Nackens nachweisen, bestätigt das die Infektion. (RNA ist Träger der genetischen Information des Virus). Diese Untersuchung macht zusätzliche Aussagen über den Virustyp und damit auch über das Wirtstier möglich.

Wie wird die Tollwut bei einem Tier festgestellt?

Am besten ist es, wenn das Tier, das gebissen hat, gefangen werden konnte. (Dabei sollte natürlich kein zusätzliches Risiko eingegangen werden!). Gesunde Haustiere werden über 10 Tage in Quarantäne beobachtet. Werden sie in diesem Zeitraum krank, oder benehmen sie sich auffällig, sollten sie eingeschläfert und ihr Gehirn auf Virusbestandteile untersucht werden. Wildtiere werden üblicherweise sofort nach einem Biss eingeschläfert und auf eine Tollwut untersucht.

Welche anderen Erkrankungen kommen infrage?

Verschiedenste Virusinfektionen können eine Hirnentzündung verursachen. Dazu gehören Herpesviren, Arboviren oder auch die Masern- oder Mumps-Viren. Diese Erkrankungen unterscheiden sich jedoch in ihrem Erscheinungsbild meistens deutlich von einer Enzephalitis durch Lyssa-Viren.

Manchmal verursacht auch eine Impfreaktion nach einer Tollwutimpfung ähnliche Symptome wie die Krankheit selbst. Eine solche Impfreaktion tritt aber nur nach Verwendung von Impfstoffen auf, die aus infiziertem Nervengewebe gewonnen wurden und die heutzutage als überholt gelten.

Auch manche psychiatrische Erkrankungen können auf den ersten Blick einer Tollwut ähneln.

Die paralytische Form ("stille Wut") kann leicht mit einem Guillain-Barré-Syndrom verwechselt werden. Das ist eine neurologische Erkrankung, die mit einer Störung des peripheren Nervensystems einhergeht und ebenfalls zu einer fortschreitenden Lähmung der Extremitäten führt.