Infektionen: So lange ist man ansteckend

Manchmal wissen Sie noch gar nicht, dass Sie einen Infekt haben, sind aber schon ansteckend. Oder Sie fühlen sich wieder gesund, können aber trotzdem andere Menschen infizieren. So schützen Sie sich

von Konstanze Faßbinder, 09.04.2018

In Asien eher üblich: Per Mundschutz andere Menschen vor Infektionen schützen


Oft breitet sich bereits ein Krankheitserreger im Körper aus, und man merkt gar nichts davon (Inkubationszeit). So sind etwa Ringelröteln längst ansteckend, obwohl noch kein Ausschlag zu sehen ist.

Mitunter fühlt man sich nach einer Krankheit schon viel besser, trägt die Viren aber immer noch in sich – und kann sie auf andere Menschen übertragen. Wie also lässt sich das Ansteckungsrisiko minimieren? Dr. Anja Meurer, Spezialistin für Infektionskrankheiten, klärt auf:

Infektionen vermeiden

So manch eine Ansteckung ließe sich vermeiden, wenn grundsätzliche Hygieneregeln wieder mehr beachtet würden, sagt Meurer.

Die Ärztin rät, nach dem Heimkommen, dem Toilettengang, dem Naseputzen sowie vor dem Kochen stets die Hände zu waschen. Flächen und Gegenstände, die von vielen Menschen angefasst werden, regelmäßig säubern.

Wer bereits krank ist, sollte in seinem Aufenthaltsraum regelmäßig lüften, um die Keimlast zu reduzieren, und nur in den Ärmel und nicht in die Hand niesen. In Stoffen können sich Keime nicht vermehren.

Bei Virusinfektionen rät Expertin Meurer, zusätzlich ein Desinfektionsmittel einzusetzen, das Viren abtötet.

Grippaler Infekt (Erkältung)

Schnupfenviren greifen die Atemwege an und verursachen neben einer laufenden Nase auch Husten und Halsschmerzen. Die Symptome zeigen sich spätestens fünf Tage nach der Infektion und bleiben in der Regel nicht länger als eine Woche. In dieser Zeit sind die Patienten ansteckend. Sie übertragen die Viren durch Tröpfchen, die sich beim Husten oder Niesen verteilen.

Warum sind wir vor allem im Winter erkältet? Die Kälte begünstige, dass Viren sich vermehren, da die Schleimhäute schlechter durchblutet und trockener würden, sagt Meurer. Zudem halte man sich häufiger mit anderen in geschlossenen Räumen auf, gebe Erreger leicht weiter.

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Echte Grippe

Grippeviren vermehren sich im Nasen-Rachen-Sekret und breiten sich durch Niesen, Husten oder Sprechen über die Luft aus. Atmet ein anderer Mensch die Viren ein oder gelangen sie auf seine Hand und von dort zum Mund oder Auge, können die Erreger über die Schleimhäute auch in dessen Körper eindringen.

Ein bis zwei Tage nach der Infektion bricht die Krankheit aus. Betroffene fühlen sich plötzlich schwach, leiden oft unter Fieber, Halsschmerzen und trockenem Husten, Muskel-, Glieder- und Kopfschmerzen. Sie sind mindestens so lange ansteckend, wie sie Symptome haben.

Rotaviren

Sie sind die häufigsten Verursacher von Magen-Darm-Infekten – bei Kindern und auf Reisen. Die Viren greifen vor allem zwischen Februar und April um sich. Nach der Infektion vergehen ein bis drei Tage, bis die Krankheit ausbricht. Betroffene leiden unter plötzlich einsetzendem, wässrigem Durchfall, ­­Erbrechen und Bauchschmerzen, hinzu kommen leichtes Fieber sowie Husten und Schnupfen.

Rotaviren sind hochansteckend. Schon kleinste Spuren von Stuhlresten reichen aus, um andere zu infizieren. Erkrankte geben die Erreger mit den Händen weiter. Über den Mund gelangen sie dann in den Verdauungstrakt der nächsten ­Person. Aber auch durch verunreinigte Toiletten oder Armaturen können Rotaviren übertragen werden. Zwar klingen die Beschwerden nach ein paar Tagen ab, die Erreger werden aber noch bis zu acht Tage mit dem Stuhl ausgeschieden.

Noroviren

Durchfall, Übelkeit und Erbrechen für zwölf bis 48 Stunden: Infektionen mit den Viren verlaufen meist kurz, aber heftig. Von Dezember bis März treten sie gehäuft auf. Die Patienten scheiden die Erreger massenhaft mit dem Stuhl und mit Erbrochenem aus; schon etwa zehn Partikel reichen für eine Infektion.

Hohe Ansteckungs­gefahr besteht also, sobald die Symptome auftreten. Auch wenn es ihnen besser geht, scheiden Patienten die Viren oft noch aus – in der Regel sieben bis 14 Tage.

Scharlach

Die bakterielle Infektion wird von A-Streptokokken verursacht. Sie gilt als klassische Krankheit des Kindesalters, kann aber auch Erwachsene treffen. Meist sitzen die Erreger im Rachen und ­gelangen über Speicheltröpfchen zu anderen Personen. Typischerweise bricht Scharlach ein bis drei Tage nach der Ansteckung aus.

Die Krankheit äußert sich mit Kopf- und Halsschmerzen, Schüttelfrost und schnell steigendem Fieber. Nach ein bis zwei Tagen kommen ein nicht juckender Hautausschlag hinzu und die typische pinkfarbene sogenannte Himbeerzunge. Wird Scharlach mit einem Antibiotikum behandelt, ist der Betroffene schon nach 24 Stunden nicht mehr ansteckend.

Bindehautentzündung

Fünf bis zwölf Tage nach der Infektion macht sich die sogenannte Augengrippe bemerkbar. Meist werden beide Augen rot, jucken, die Lider schwellen an. Die Patienten sind lichtscheu und haben oft das Gefühl, als hätten sie einen Fremdkörper im Auge. Wird die Entzündung bakteriell verursacht, entsteht zudem ein eitriger gelber Schleim. Er verklebt morgens die Lider.

Mit den Symptomen haben Betroffene bis zu vier Wochen lang zu kämpfen, in dieser Zeit sind sie hochansteckend. Sie sollten auf strikte Hygiene achten und Kontakt zwischen Händen und Augen vermeiden. Vor allem sollten sie Augentropfen, Handtücher oder Waschlappen nie mit anderen teilen.