Impfpass verloren: Was tun?

Die nächste Impfung steht an, doch Sie können das gelbe Heftchen nicht finden. Wie Sie nun am besten vorgehen
von Katharina Bauer, aktualisiert am 26.09.2017

Wer seinen Impfpass verloren hat, bekommt vom Hausarzt Ersatz

W&B/Achim Graf

Der Impfpass ist ein wichtiges, internationales Dokument. Aus ihm ist ersichtlich, welche Impfungen Sie bereits erhalten haben oder noch brauchen. Erwachsene etwa sollten zum Beispiel Impfungen gegen Tetanus und Diphterie alle zehn Jahre auffrischen, so die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin. Ab dem sechzigsten Geburtstag empfehlen die Experten zudem die Pneumokokkenimpfung und jedes Jahr eine Impfung gegen Grippe. Aber auch spezielle Immunisierungen werden in den Impfpass eingetragen – zum Beispiel Reiseimpfungen.

Haben Sie den Impfpass einmal verloren, bekommen Sie bei Ihrem Hausarzt einen neuen. Erhaltene Impfungen müssen dann nachgetragen werden. Das darf nur der Arzt, der die jeweilige Impfung gemacht und dokumentiert hat. In der Regel ist das kein Problem, denn "jeder Arzt muss alle Maßnahmen, die er vornimmt, in der Krankenakte vermerken und mindestens zehn Jahre lang aufheben", erklärt Dr. Nikolaus Frühwein, Facharzt für Allgemeinmedizin und Impfexperte aus München. Hat man sich bei einer Impfung eine Bescheinigung ausstellen lassen – zum Beispiel, weil man sein Impfheft schon einmal vergessen hatte  – so darf auch das zuständige Gesundheitsamt mithilfe dieses Nachweises die Impfungen nachtragen.

Ein verlorener Impfpass kann nach einem Arztwechsel zum Problem werden. Damit Ihr neuer Arzt Impfungen aus den Unterlagen des vorherigen Arztes nachvollziehen kann, müssen Sie diesen bitten, dass er Ihre Krankenakte oder die nötigen Informationen an die neue Praxis schickt. Denn ein anderer Arzt darf und kann Ihre Krankenakte nicht einfach so einsehen.

Was tun, wenn man Impfungen auf diese Weise nicht nachvollziehen kann?

"In der Regel schaut der Arzt dann, mit welcher Sicherheit der Patient sich an erhaltene Impfungen erinnern kann", so Frühwein. Allerdings darf der Mediziner ohne einen schriftlichen Nachweis nicht einfach die Impfungen nachtragen. Laut Dr. Britta Reckendrees, Impf-Expertin bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), gilt: "Was nicht dokumentiert ist, sollte als nicht durchgeführt gedeutet werden." Die STIKO rät in solchen Fällen, die empfohlenen Impfungen nachzuholen, um den Patienten bestmöglich zu schützen.

Eine andere Möglichkeit sind Bluttests. "Die sind aber relativ teuer und geben nicht immer über den tatsächlichen Impfschutz Auskunft", warnt Frühwein. Der Patient muss diese Antikörperbestimmungen meistens aus eigener Tasche bezahlen, es sei denn, es liegen besondere Gründe vor, zum Beispiel eine Schwangerschaft.

Schadet es, eine Impfung doppelt zu bekommen?

"Impfungen können Sie fast beliebig oft wiederholen, ohne dass eine große Gefahr besteht", erklärt Frühwein. Impfungen, die mehrere Injektionen erfordern, zum Beispiel gegen Hepatitis B, sollten auf alle Fälle vervollständigt werden. Ansonsten ist der Schutz nicht komplett aufgebaut oder hält nicht lange genug. "Impfserien kann man aber auch in längeren als den vorgegebenen Abständen vollenden, von mir aus auch erst nach zehn Jahren", so Frühwein. Jede Impfung zähle. Ist nicht sicher, wie es um den Impfstatus steht, wird mit der Immunisierung von vorne begonnen.

Mediziner Frühwein schätzt, dass etwa fünf bis zehn Prozent der Patienten zumindest zeitweise ihren Impfpass vermissen. Tipp: Legen Sie ihn zu anderen wichtigen Unterlagen wie Geburtsurkunde und Steuernummer. Dann finden Sie ihn beim nächsten Mal sicher auch ohne langes Suchen.


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