Echinococcus-Infektionen: Hundebandwurm

Hundebandwurm-Infektionen verlaufen oft über Jahre symptomlos. Häufig heilen sie sogar ohne Behandlung wieder aus

aktualisiert am 18.12.2017
Hundebandwurm Echinococcus granulosus

Hundebandwurm: Zyste mit Larven in der Leber


Lebenszyklus des Hundebandwurms

Der ausgewachsene Hundebandwurm ist vier bis sieben Milimeter groß und lebt im Darm von Hunden und selten auch von Katzen und anderen Fleischfressern. Wie der Fuchsbandwurm besteht auch der Hundebandwurm aus einem Kopf (Skolex) und drei oder mehreren Segmenten (Proglottiden). Dem Skolex sitzt eine Hakenkranz auf, der dem Bandwurm zur Verankerung dient. Mit diesem Zahnkranz bohrt sich auch der Hundebandwurm in die Darmwand und ernährt sich von Blut. Nach der Befruchtung reifen im hinteren Segment (Uterus) des Hundebandwurms bis zu 1500 Eier heran, die der Bandwurm später zusammen mit dem entsprechenden Segment abwirft. Ein infiziertes Tier kann jeweils mit Tausenden von Bandwürmern durchsetzt sein und über den Kot die ansteckenden Eier in die Umwelt absetzen. Die Eier des Hundebandwurmes sind sehr widerstandsfähig gegenüber äußeren Einflüssen. So können sie überdauern, bis sie von einem geeigneten Zwischenwirt zusammen mit der Nahrung aufgenommen werden. Der Hundebandwurm befällt dabei Wiederkäuer, vornehmlich Schafe, Schweine und Rinder. Der Lebenszyklus schließt sich, sobald die halbausgereiften Bandwürmer zurück in ein Raubtier gelangen und dessen Darm besiedeln. Dies geschieht im Falle des Hundebandwurmes, wenn ein Hund beispielsweise infizierte Schlachtabfälle frisst.

Frau mit Hund im Bett

Übertragung

Auch die Infektion mit dem Hundebandwurm findet statt, indem der Mensch als Fehlwirt über den Stuhl von Hunden ausgeschiedene Eier über den Mund aufnimmt. Dies kann zum Beispiel nach direktem Fellkontakt und Umgang mit verschmutzen Lebensmitteln geschehen. Durch Fleischbeschau und sachgerechte Entsorgung von Schlachtabfällen gibt es in Deutschland fast keine hier erworbenen Erkrankungen mit dem Hundebandwurm. Bei praktisch allen in Deutschland auftretenden Hundebandwurm-Infektionen haben sich die Betroffenen im Ausland angesteckt.

Bei der Hundebandwurm-Erkrankung gelangen die Eier durch Aufnahme über die Umwelt in den Magen. Durch die Magensäure werden zunächst Larven (Finnen) freigesetzt, die später die Dünndarm-Wand durchdringen. So gelangen sie in Blut oder Lymphe und darüber dann in verschiedene Organe. Die Finnen des Hundebandwurms bilden besonders in der Leber, aber auch in Lunge oder anderen Organen, blasenartige Strukturen aus (Zysten, Hydatiden), die sie vor der Erkennung durch das menschliche Immunsystem schützen. Die Hydatiden sind zusätzlich von einer Kapsel aus derbem Bindegewebe umgeben. In dieser Bruthöhle wachsen weitere Bläschen heran (Knospen), die bereits Kopfstrukturen des Bandwurms enthalten und stark infektiös sind. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Koffer auf Rollband

Vorbeugen

• Fleischbeschau und sachgerechte Entsorgung von Schlachtabfällen

• Kontrollierte Viehschlachtung

• Entwurmung von Hunden

• Bei Verdacht auf eine Echinococcus-Infektion: Tierkot durch Verbrennen oder Vergraben entsorgen

 

Verbreitung

Weltweit gesehen hat der Hundebandwurm Echinococcus granulosus als Erreger der Hundebandwurminfektion eine größere Bedeutung als der Fuchsbandwurm, man rechnet global mit etwa zwei Millionen Erkrankungen. Es gibt regionale Häufungen, zum Beispiel im Mittelmeerraum, dem Balkan, außerdem im Nahen Osten, in Nord- und Ostafrika, Mittel- und Südamerika sowie Australien. Besonders in Regionen mit Schafzucht sind Echinococcus-Infektionen durch den Hundebandwurm häufig. Bei praktisch allen in Deutschland auftretenden Hundebandwurm-Infektionen haben sich die Betroffenen im Ausland angesteckt.

Symptome

Die zystische Echinococcose betrifft in den meisten Fällen die Leber (70 Prozent), teilweise aber auch die Lunge (40 Prozent) oder andere Organe und Gewebe. Anfangs verlaufen Hundebandwurm-Infektionen zumeist über Jahre symptomlos. Die Zeit bis zum Auftreten von Beschwerden ist lang – sie kann bis zu 15 Jahren betragen. Symptome gibt es erst, wenn die durch den Bandwurm verursachte Zyste sehr stark gewachsen ist und gesundes Gewebe verdrängt. Eines der ersten Anzeichen sind oft Bauchschmerzen.

In einigen Fällen reißen die infektiösen Bläschen ein und ihr Inhalt tritt aus. Darauf reagiert das körpereigene Abwehrsystem. Allergische Reaktionen bis hin zu einem allergischen Schock können auftreten. In der Folge können die Hundebandwurm-Finnen außerdem auch in anderen Organen siedeln (sekundäre Echinococcose). Hiervon können zum Beispiel das Bauchfell (Peritoneum) oder Rippenfell (Pleura) betroffen sein, sowie Lunge, Gehirn, Herz und Knochen. Die Symptome richten sich dabei nach dem befallenen Organ.

Eher selten kommt es zur Bildung von Verbindungsgängen zwischen der Zyste und den Gallenwegen oder den Bronchien (zystobiliäre und zystobronchiale Fisteln).

Häufig heilt eine Infektion mit  dem Hundebandwurm ohne Therapie wieder aus (Spontanremission).

Blutproben

Diagnose: Hundebandwurm-Erkrankungen erkennen

Bei Infektionen mit dem Hundebandwurm kann der Arzt große Zysten in der Leber manchmal durch die Bauchdecke hindurch ertasten. Häufig fällt eine Infektion zufällig bei einer bildgebenden Untersuchung aus anderen Gründen auf. Die Zysten sind bei einer Ultraschall-Untersuchung (Sonografie), aber auch mittels Röntgen-Untersuchungen, einer Computertomografie (CT) oder Kernspintomografie (MRT) nachweisbar.

Eine Entnahme von Gewebe für die Diagnose (Biopsie) kann zum Ausstreuen der Bandwurm-Finnen führen. Kommt es zum Austritt von Flüssigkeit aus den Zysten können schwere allergische Reaktionen die Folge sein. In Einzelfällen ist aber eine gesteuerte Feinnadelpunktion, ein bestimmtes Verfahren der Gewebeproben-Entnahme mit einer sehr dünnen Nadel, möglich und sinnvoll.

Die Infektion lässt sich aber auch anhand von Blutuntersuchungen feststellen. Dazu ist zum Beispiel der indirekte Nachweis der Erreger über die Abwehrstoffe (Antikörper), welche der menschliche Körper gegen den Parasiten bildet, geeignet. Allerdings sind in bis zu 20 Prozent der Fälle trotz einer Infektion keine Antikörper gegen den Hundebandwurm nachweisbar.

Therapie

Die Hundebandwurm-Erkrankung hat meist einen gutartigen Verlauf. Stellt der Arzt einen Befall mit Hundebandwurm fest, sind verschiedene Behandlungsstrategien möglich. Sofern keine Symptome auftreten, kann Abwarten sinnvoll sein. Auch ohne Therapie kann das Immunsystem diese Erkrankung in vielen Fällen zum Stillstand bringen. Weiterhin kann mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Benzimidazole behandelt werden.

Da der Hundebandwurm meist zur Entstehung einer einzigen von einer Kapsel umgebenen Zyste in Leber oder Lunge führt, ist es oft möglich, die Bandwurm-Zyste operativ zu entfernen. Dabei wird die Zyste zusammen mit der Kapsel und Teilen der Leber entnommen. In manchen Fällen werden die Zysten zuvor mit Alkohol oder anderen sterilisierenden Mitteln ausgespült, um ein Ausstreuen der Hundebandwurm-Finnen zu vermeiden. Zu diesem Zweck bekommt der Patient auch vor und nach der Operation Benzimidazole.

Eine weitere Möglichkeit ist es, die Zyste mit einer Nadel anzustechen, den Inhalt abzuziehen und eine abtötende Substanz in die Zyste einzuspritzen, die anschließend wieder abgezogen wird. Gleichzeitig sollte allerdings immer mit Medikamenten behandelt werden.

Eine Schwangerschaft sollte vor Beginn der Therapie mit Benzimidazolen ausgeschlossen und eine sichere Verhütung während der Behandlung gewährleistet sein, da die Medikamente das ungeborene Kind schädigen können.