Echinococcus-Infektionen: Fuchsbandwurm

Infektionen mit Echinococcus multilocularis sind selten, Risikogebiete sind in Deutschland vor allem Baden-Württemberg und Bayern. Mehr über Symptome, Diagnose und Behandlung
aktualisiert am 18.12.2017

In bestimmten Risikogebieten kommt Fuchsbandwurm öfter vor

dpa Picture Alliance / Frank Mächler

Verbreitung

Infektionen mit dem Fuchsbandwurm-Erreger sind selten. Risikogebiet sind in Deutschland vor allem Baden-Württemberg und Bayern. Jährlich diagnostizieren Ärzte in Deutschland zwischen 40 und 60 Neuerkrankungen. Insgesamt ist die Fuchsbandwurm-Erkrankung überwiegend auf der Nordhalbkugel verbreitet. In Europa gelten neben Süddeutschland die Nordschweiz, Westösterreich und Ostfrankreich als Hauptrisikogebiete. In den letzten Jahren hat sich der Parasit auch in anderen Gebieten Europas verbreitet, sodass mit dem Auftreten von Erkrankungen auch außerhalb der vormals bekannten "Kernendemiegebiete" zu rechnen ist. Die weltweit meisten Erkrankungsfälle werden aus China und Russland (Sibiren) gemeldet.

Lebenzyklus von Fuchs- und Hundebandwurm

W&B/Swen Sallwey

Lebenszyklus des Fuchsbandwurms

Der Fuchsbandwurm Echinococcus multilocularis ist zwei bis vier Milimeter groß und besiedelt den Darm von Rotfüchsen, Marderhunden sowie selten auch von Hunden. Der Fuchsbandwurm besteht aus einem Kopf (Skolex) und drei oder mehreren Segmenten (Proglottiden). Dem Kopf sitzt ein Hakenkranz auf, der dem Bandwurm zur Verankerung dient. Mit diesem Zahnkranz bohrt sich der Fuchsbandwurm in die Darmwand und ernährt sich von Blut. Der Fuchsbandwurm ist ein Zwitter, das heißt, dass in den Körpersegmenten jeweils die verschiedenen Geschlechtsorgane enthalten sind. Nach der Befruchtung reifen im hinteren Segment (Uterus) des Wurmes etwa 200 Eier heran, die der Bandwurm später zusammen mit dem entsprechenden Segment abwirft. Ein infiziertes Tier kann jeweils mit Tausenden von Bandwürmern durchsetzt sein und über den Kot die ansteckenden Eier in die Umwelt absetzen. Die Eier sind sehr widerstandsfähig gegenüber äußeren Einflüssen. So können sie überdauern, bis sie von einem geeigneten Zwischenwirt zusammen mit der Nahrung aufgenommen werden. Der Lebenszyklus schließt sich, sobald die halbausgereiften Bandwürmer zurück in ein Raubtier gelangen und dessen Darm besiedeln. Dies geschieht zum Beispiel wenn ein Fuchs ein infiziertes Nagetier erbeutet.


Ob der Verzehr von Waldpilzen das Risiko für eine Fuchsbandwurm-Erkrankung erhöht, ist nicht endgültig geklärt

Thinkstock/iStockphoto

Ansteckung und Risikofaktoren

Der Mensch kann sich mit dem Parasiten infizieren, wenn er die mit dem Stuhl von Füchsen ausgeschiedenen Eier über den Mund aufnimmt. Dies kann zum Beispiel nach direktem Tier-Kontakt oder über verschmutzte Lebensmittel erfolgen.

Folgende Faktoren können das Risiko für eine Fuchsbandwurm-Erkrankung erhöhen:

  • Aufenthalt in ländlichen Regionen
  • Landwirtschaftliche Tätigkeiten
  • Waldarbeiten
  • Haltung von Hunden und Katzen
  • direkter Kontakt zu Füchsen im Rahmen von Jagd- und forstwirtschaftlichen Tätigkeiten

Ob Fuchsbandwurm-Infektionen durch den Verzehr von Pilzen oder Beeren aus dem Wald hervorgerufen werden, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Neuste Untersuchungen deuteten darauf hin, dass dem Faktor Waldbeeren - im Vergleich zu den  anderen genannten Risikofaktoren - weniger Bedeutung beizumessen ist.

Bei einer Echinococcus-Infektion gelangen die Eier des Fuchsbandwurms in den Magen. Durch die Magensäure werden zunächst Larven (Finnen) freigesetzt, die später die Dünndarm-Wand durchdringen. So gelangen sie in Blut oder Lymphe und darüber dann in verschiedene Organe. In über 98 Prozent der Fälle befallen die Larven des Fuchsbandwurms die Leber. Dort führen sie zu einem tumorartigen Wachstum innerhalb des Lebergewebes, wobei auch naheliegende Organe und umliegende Strukturen betroffen sein können. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Hunde nach einem Spaziergang im Risikogebiet abduschen

iStock / fotoedu

Vorbeugen

Das Risiko einer Ansteckung kann durch bestimmte Maßnahmen verringert werden: 

• Hunde regelmäßig entwurmen.

• Hunde nach einer Jagd und nach Spaziergängen in Risikogebieten abduschen.

• Bei Verdacht auf eine Echinococcus-Infektion Tierkot durch Verbrennen oder Vergraben entsorgen.

• Tote Füchse nicht berühren!

• Hände vor dem Essen und der Zubereitung von Speisen immer grünlich waschen, vor allem aber nach der Gartenarbeit und dem Kontakt mit Erde.

• Gemüsebeete und Obstgärten einzäunen, um Füchse und Marderhunde abzuhalten.

• Alles was bodennah wächst, vor dem Verzehr gründlich waschen oder abkochen. 

Der Parasit ist unempfindlich gegenüber äußeren Einflüssen. So ist das Einfrieren von Lebensmitteln bei minus 80 Grad oft nicht ausreichend, um den Erreger abzutöten. 

Symptome

Anfangs verläuft die Fuchsbandwurm-Infektion meist symptomlos. Die Zeit bis zum Auftreten von Beschwerden ist lang – sie beträgt fünf bis 15 Jahre.

Der Fuchsbandwurm befällt in über 98 Prozent der Fälle ausschließlich die Leber. Durch das tumorartig wachsende Larvengewebe wird das Organ nach und nach zersetzt. Erst nach Jahren kommt es gelegentlich zu einem Druckgefühl und Schmerzen im Oberbauch.

Durch das Larvenwachstum werden Blutgefäße oder die Gallengänge zusammengedrückt. Daher kann es als Folge der Infektion schließlich zu einem Gallestau (Cholestase) mit Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute (Ikterus) kommen. Durch eine Einengung der Pfortader kann ein Pfortader-Hochdruck entstehen, der wiederum zum Beispiel die Entwicklung von Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) begünstigen kann.

Das parasitäre Gewebe kann in seltenen Fällen auch über die Leber in die umgebenden Strukturen und Organe einwachsen. Unbehandelt kann eine Fuchsbandwurm-Erkrankung binnen zehn bis 15 Jahren tödlich verlaufen.

Zufallsfund: Fuchbandwurm wird oft bei einer Ultraschalluntersuchung der Leber entdeckt

Shutterstock/Romaset

Diagnose

Fuchsbandwurm-Infektionen entdecken Ärzte häufig zufällig im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung der Leber oder wenn erhöhte Leber- oder Entzündungswerte abgeklärt werden.

Kommt ein Patient mit dem Verdacht auf eine Fuchsbandwurm-Erkrankung zum Arzt, wird der Arzt ihn nach einer gründlichen Befragung (Anamnese) zunächst untersuchen. Er tastet dabei unter anderem den Bauch ab.

Mit einer Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) lässt sich die Leber, das am häufigsten befallene Organ, gut darstellen. Allerdings ist der Ultraschallbefund beim Fuchsbandwurm meist weniger offensichtlich als die oft großen Zysten beim Hundebandwurm. Röntgen-Untersuchungen, Computer- (CT) oder Kernspin-Tomografie (MRT) können weiterhelfen. Für die Einschätzung der Aktivität des Parasiten bietet sich ein PET-CT (Positronen-Emissions-Tomografie kombiniert mit Computertomografie) an. Neu entwickelte Klassifikationen für Ultraschall und Computertomographie helfen dabei, Ärzten die schwer zu diagnostizierende Fuchsbandwurm-Erkrankung als mögliche Erkrankung einzuordnen und standardisiert zu erfassen.

Hilfreich für den Nachweis einer Infektion ist jedoch auch eine Blutuntersuchung, die sogenannte Echinokokken-Serologie. Geeignet ist zum Beispiel der indirekte Nachweis der Erreger über die Abwehrstoffe im Blut (Antikörper), welche der menschliche Körper gegen den Parasiten bildet. Ein alleiniger positiver Bluttest ohne einen Hinweis auf eine Fuchsbandwurm-Erkrankung im Ultraschall, CT, MRT oder PET-CT entspricht aber nach aktuellen Kriterien keiner Fuchsbandwurm-Erkrankung.

Behandlung

Leider wird ein Fuchsbandwurm-Befall aufgrund der lange fehlenden oder gar nicht vorhandenen Symptome meist so spät entdeckt, dass eine Operation nicht mehr möglich ist. Da das Larvengewebe tumorartig wächst sollte nur operiert werden, wenn wie bei einem Tumor ein ausreichender Sicherheitsabstand garantiert werden kann.

Bei etwa 70 Prozent der Patienten ist dies aufgrund der fortgeschrittenen Erkrankung nicht mehr möglich. Die Therapie der Wahl ist in diesen Fällen eine meist lebenslange Behandlung mit Benzimidazolen. Aber auch nach einer Operation ist eine Nachbehandlung mit diesen Medikamenten notwendig. Sie sollen eventuell verbliebenes Parasitengewebe beseitigen.

Benzimidazole können das Wachstum des Parasiten aufhalten, ihn in den meisten Fällen jedoch nicht komplett töten. Zur Verlaufskontrolle ist eine PET-CT-Untersuchung (siehe Abschnitt Diagnose) sinnvoll. So lässt sich die Aktivität des Parasiten einschätzen. Bei fehlender Aktivität kann die Behandlung mit Medikamenten eventuell pausieren.

Benzimidazole müssen zu fetthaltigen Mahlzeiten eingenommen werden. Nicht selten kommt es zum Beispiel zu Blutbild- und Lebewertveränderungen oder zu Beschwerden wie Haarausfall. Die Therapie muss daher gut überwacht werden, regelmäßige Blutuntersuchungen sind erforderlich. Inzwischen kommt der Messung der Blutspiegel der Medikamente große Bedeutung zu. Dadurch können die Dosis der Medikamente individuell angepasst und Nebenwirkungen minimiert werden. 

Eine Schwangerschaft sollte vor Beginn der Therapie mit Benzimidazolen ausgeschlossen und eine sichere Verhütung während der Behandlung gewährleistet sein, da die Medikamente das ungeborene Kind schädigen können.

Für Patienten mit der Fuchsbandwurm-Erkrankung ergibt sich unter medikamentöser Therapie mit Benzimdazolen eine nahezu ebenbürtige Lebenserwartung wie für Nichterkrankte.


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