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Bettwanzen erkennen und bekämpfen

Unsere Experten erklären, wie man Anzeichen für einen Befall mit den Schädlingen findet, wann man den Kammerjäger rufen muss und wie man das lästige Ungeziefer wieder los wird

von Ullrich Jackus, aktualisiert am 07.08.2019

Der Bilderrahmen vom Flohmarkt, der Rucksack des Weltreisenden – beide sind hervorragende Transportmittel für die Bettwanze. In dem neuen Zuhause macht es sich Cimex lectuarius dort bequem, wo es nicht weit bis zur nächsten Futterstelle ist: in den Ritzen des Lattenrosts, den Falten der Matratze oder hinter der Bodenleiste neben dem Bett.

Bettwanzen können stechen

Im Schutz der Dunkelheit krabbeln die flachen, meist vier bis fünf Millimeter langen, rotbraunen Insekten aus ihrem Versteck und kehren etwa doppelt so groß dorthin zurück – jetzt vollge­sogen mit dem Blut ihres ahnungslosen Opfers. Dieses wird sich kurz darauf unbewusst im Schlaf kratzen und sich am nächs­ten Tag vielleicht über eine Anzahl gruppenweise angeordneter juckender Quaddeln wundern.

"Die Stiche können sich unterschiedlich auswirken. Manche Betroffene merken nichts, andere reagieren extrem stark. Bei wieder anderen entwickelt sich eine Reaktion erst, wenn sie längere Zeit regelmäßig gestochen werden", sagt Dr. ­Carola Kuhn, die sich beim Umweltbundesamt in Berlin mit Bettwanzen und anderen Schädlingen befasst. "Häufig tritt eine Hautreaktion auch zeitlich stark verzögert auf, so dass sie zunächst nicht mit Bettwanzen in Verbindung gebracht wird." Im Umweltbundesamt leitet sie die Zucht der Tierchen, an denen die Wirksamkeit von Bekämpfungsmitteln getestet wird. Bettwanzen sind Blutsauger, aber sie können auch monatelang ohne eine Mahlzeit überdauern. Ihre Lebenserwartung beträgt etwa ein halbes Jahr.

Ursachen: Einschleppung, nicht mangelnde Hygiene

Bei ersten Anzeichen für einen Befall muss dem Treiben der blutsaugenden Insekten ein Ende bereitet werden. "Aber versuchen Sie es auf keinen Fall mit Haushaltsmitteln oder im Handel frei erhältlichen Insektiziden", warnt Kuhn und verweist auf Informationen, die ­unter www.­­umweltbundesamt.de heruntergeladen werden können. "In Eigenregie geht da gar nichts. Beauftragen Sie einen Schädlingsbekämpfer."

Nikolai Biebl aus Taufkirchen bei München ist einer von ihnen. Er hat in den vergangenen zehn Jahren eine ständige Zunahme von Bettwanzen beobachtet. "Das hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Die Berghütte kann genauso betroffen sein wie die Luxusvilla am Stadtrand." Die Ursache für die Ausbreitung sei vielmehr die Globalisierung. Die Blutsauger werden häufig mit dem Reisegepäck eingeschleppt. Im Vorgespräch versucht er deshalb herauszufinden, ob und wo die Betroffenen kürzlich im Urlaub waren oder ob sie Besuch von Fernreisenden hatten.

Bettwanzen finden: Anzeichen für den Befall

Anhand der Stiche können selbst Hautärzte nicht sagen, ob Bettwanzen, Flöhe oder Mücken die Übeltäter waren. Ein angeblich für Wanzen charakteristischer Geruch, so Biebl, sei erst bei extrem starkem Befall wahrnehmbar.

"Ein relativ sicheres Indiz sind kleine schwarze Kot-Tupfen auf dem Laken oder an der Tapete." Zunächst leuchtet der Schädlings­­bekämpfer mit einer starken Taschenlampe in mögliche Verstecke.

Bekämpfung: Meist müssen Kammerjäger mehrmals kommen

Die Vorstellung, dass er sich dann eine Druckflasche auf den Rücken schnallt und den Raum in giftigen Nebel hüllt, gehört ebenso der Vergangenheit an wie die Berufsbezeichnung Kammerjäger. Vielmehr geht Biebl mit Maske, Handschuhen und einer Einliterspritze mit amtlich zuge­lassenen Produkten gezielt zu Werk.

"Meistens lässt sich das Problem nicht mit nur einem Besuch aus der Welt schaffen", sagt Expertin Kuhn. "Das hat nichts damit zu tun, dass man an einen unseriösen Bekämpfer geraten ist." Und Nikolai Biebl, ­Mitglied im Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verband, erklärt: "Durchschnittlich müssen wir dreimal im Abstand von etwa zwei bis vier Wochen kommen." Zum einen sind manche ­Wanzenpopulationen heute gegen das eine oder andere Mittel resistent, zum anderen lassen sich die Eier, aus denen die nächste Generation schlüpft, nur schwer vernichten. Erst wenn die letzte Wanze abgetötet ist, kehrt wieder Ruhe ein.

Manchmal wird auch eine Behandlung mit Wärme eingesetzt. Denn Bettwanzen sterben bei hohen Temperaturen ab. Geht es um die Behandlung ganzer Räume, müssen aber schon 50 bis 60 Grad Celsius über mindestens zwölf Stunden hinweg herrschen.

 

Was kann man selbst tun?

Sichtet man Bettwanzen, dann am besten zerquetschen.

Einzelne befallene Gegenstände können bei unter -18 Grad Celsius drei Tage in der Gefriertruhe gelagert werden. Vorher aber in eine verschlossene Plastiktüte verpacken, damit die Wanzen nicht fliehen können. Oder man erhitzt sie im Ofen – ebenfalls dicht verpackt – für eine Stunde auf über 55 Grad Celsius. Auch eine Behandlung im Wäschetrockner bei mindestens 60 Grad Celsius oder Waschen bei ebendieser Temperatur mit ausreichend Waschmittel und im längsten Waschprogramm kann Gegenstände von den Insekten befreien.

Beseitigt man Wanzen mit dem Sauger, den Beutel oder Auffangbehälter anschließend wie oben beschrieben tieffrieren.

Können Bettwanzen Krankheiten übertragen? Sind Sie gefährlich?

"Schädlingsbefall bedeutet eine starke psychische Belastung für die Betroffenen", weiß Carola Kuhn. Sie hat aber auch eine gute Nachricht für die Geplagten: "Im Gegensatz zu Zecken oder Mücken übertragen Wanzen nach heutigem Forschungsstand keine Krankheiten." Allerdings können sich die Stiche durch Aufkratzen entzündeun.

Wie kann man Bettwanzen vorbeugen?

  • Wer gebrauchte Gegenstände kauft, sollte sie vorher auf Befallsspuren wie Kotflecken absuchen.
  • Ist ein befallener Gegenstand in die Wohnung gelangt, sollte er luftdicht verpackt und entsorgt oder wie oben beschrieben behandelt werden.
  • Bei Übernachtungen auf Reisen das Zimmer vor Bezug am besten auf Spuren von Bettwanzen absuchen. Falls Hinweise auf einen Befall vorliegen, ein anderes Zimmer verlangen.
  • Koffer und Taschen immer verschlossen und möglichst weit vom Bett entfernt aufbewahren.
  • Nach einer Übernachtung in Räumen mit mutmaßlichem Befall, Gepäck am besten in der Badewanne auspacken. Dort entdeckt man fliehende Bettwanzen leichter.

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