Bettwanzen: Erkennen und bekämpfen

Die Parasiten im Schlafzimmer haben nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Unser Experte erklärt, wie man das lästige Ungeziefer los wird und wann man den Kammerjäger rufen muss
von Ullrich Jackus, aktualisiert am 01.08.2016

Bettwanzen: Zwischen 4 und 6 Millimeter groß – vollgesogen sogar bis zu 9 Millimeter

Corbis/Kage-Mikrofotografie/Passage

Der Bilderrahmen vom Flohmarkt, der Rucksack des Weltreisenden – beide sind hervorragende Transportmittel für die Bettwanze. In dem neuen Zuhause macht es sich Cimex lectuarius dort bequem, wo es nicht weit bis zur nächsten Futterstelle ist: in den Ritzen des Lattenrosts, den Falten der Matratze oder hinter der Bodenleiste neben dem Bett.

Verschiedene Reaktionen auf die Stiche

Im Schutz der Dunkelheit krabbeln die flachen, meist vier bis fünf Millimeter langen, rotbraunen Insekten aus ihrem Versteck und kehren etwa doppelt so groß dorthin zurück – jetzt vollge­sogen mit dem Blut ihres ahnungslosen Opfers. Dieses wird sich kurz darauf unbewusst im Schlaf kratzen und sich am nächs­ten Tag über eine Anzahl juckender Quaddeln wundern.

"Die Stiche können sich unterschiedlich auswirken. Manche Betroffene merken nichts, andere reagieren extrem stark. Bei wieder anderen entwickelt sich eine Reaktion erst, wenn sie längere Zeit regelmäßig gestochen werden", sagt Dr. ­Carola Kuhn, die sich beim Umweltbundesamt in Berlin mit Bettwanzen und anderen Schädlingen befasst. Im "Schabenbunker" leitet sie die Zucht der Tierchen, an denen die Wirksamkeit von Bekämpfungsmitteln getestet wird.

Bettwanzen kein Zeichen für mangelnde Hygiene

Bei ersten Anzeichen für einen Befall muss dem Treiben der blutsaugenden Insekten ein Ende bereitet werden. "Aber versuchen Sie es auf keinen Fall mit Haushaltsmitteln oder im Handel erhältlichen Insektiziden", warnt Kuhn und verweist auf ein Faltblatt, das ­unter www.­­umweltbundesamt.de heruntergeladen werden kann. "In Eigenregie geht da gar nichts. Beauftragen Sie einen Schädlingsbekämpfer."

Nikolai Biebl aus Taufkirchen bei München ist einer von ihnen. Er hat in den vergangenen zehn Jahren eine ständige Zunahme von Bettwanzen beobachtet. "Das hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Die Berghütte kann genauso betroffen sein wie die Luxusvilla am Stadtrand."

Verräterische schwarze Tupfen

Die Ursache für die Ausbreitung sei vielmehr die Globalisierung. Im Vorgespräch versucht er deshalb herauszufinden, ob und wo die Betroffenen kürzlich im Urlaub waren oder ob sie Besuch von Fernreisenden hatten. Anhand der Stiche können selbst Hautärzte nicht sagen, ob Bettwanzen, Flöhe oder Mücken die Übeltäter waren. Ein angeblich für Wanzen charakteristischer Geruch, so Biebl, sei erst bei extrem starkem Befall wahrnehmbar.

"Ein relativ sicheres Indiz sind kleine schwarze Kot-Tupfen auf dem Laken oder an der Tapete." Zunächst leuchtet der Schädlings­­bekämpfer mit einer starken Taschenlampe in mögliche Verstecke. Die Vorstellung, dass er sich dann eine Druckflasche auf den Rücken schnallt und den Raum in giftigen Nebel hüllt, gehört ebenso der Vergangenheit an wie die Berufsbezeichnung Kammerjäger. Vielmehr geht Biebl mit Maske, Handschuhen und einer Einliterspritze mit amtlich zuge­lassenen Produkten gezielt zu Werk.

Meist müssen Kammerjäger mehrmals kommen

"Meistens lässt sich das Problem nicht mit nur einem Besuch aus der Welt schaffen", sagt Expertin Kuhn. "Das hat nichts damit zu tun, dass man an einen unseriösen Bekämpfer geraten ist." Und Nikolai Biebl, ­Mitglied im Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verband, erklärt: "Durchschnittlich müssen wir dreimal im Abstand von etwa zwei Wochen kommen."

Zum einen sind manche ­Wanzenpopulationen heute gegen das eine oder andere Mittel immun, zum anderen lassen sich die Eier, aus denen die nächste Generation schlüpft, nur schwer vernichten.

Keine Krankheitsüberträger

Erst wenn die letzte Wanze abgetötet ist, kehrt wieder Ruhe ein. "Schädlingsbefall bedeutet eine starke psychische Belastung für die Betroffenen", weiß Carola Kuhn. Sie hat aber auch eine gute Nachricht für die Geplagten: "Im Gegensatz zu Zecken oder Mücken übertragen Wanzen nach heutigem Forschungsstand keine Krankheiten."


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