Gebärmutterentfernung (Hysterektomie, Uterusexstirpation)

Die operative Entfernung der Gebärmutter zählt zu den häufigsten gynäkologischen Operationen. Mediziner nennen sie Hysterektomie oder Uterusexstirpation

von Dr. Alexandra Kirsten, aktualisiert am 04.04.2017

Vorab wird die Gebärmutter gründlich untersucht, zum Beispiel per Ultraschall


In Deutschland werden pro Jahr um die 150.000 Gebärmutterentfernungen durchgeführt. In den USA hat sogar mehr als ein Drittel aller Frauen über 60 bereits diesen Eingriff hinter sich.

Aus welchen Gründen wird die Gebärmutter entfernt?

Es gibt viele verschiedene Gründe für eine Gebärmutterentfernung.
In ungefähr neunzig Prozent der Fälle sind es gutartige Erkrankungen, die zum Beispiel zu starken Menstruationsbeschwerden führen können: Dazu zählen Muskelgeschwülste der Gebärmutter (Myome), eine Endometriose oder ein Vorfall der Gebärmutter (Uterusprolaps). Allerdings gibt es für diese Erkrankungen oft auch schonendere Alternativen, bei denen das Organ nicht entfernt werden muss. Dazu zählt zum Beispiel eine Entfernung oder Embolisation von Myomen mit Erhaltung des Organs. Deshalb sollte der behandelnde Gynäkologe zusammen mit der Patientin sorgfältig die Vor- und Nachteile der Behandlungsmöglichkeiten abwägen.

In einigen Fällen sind schwere Verletzungen oder Entzündungen der Gebärmutter der Grund. Hin und wieder muss auch bei einer unstillbaren Blutung nach einer Geburt eine Hysterektomie durchgeführt werden. Bei Transsexuellen kann im Rahmen einer Geschlechtsangleichung von Frau zu Mann ebenfalls die Gebärmutter entfernt werden.
In circa zehn Prozent der Fälle wird die Gebärmutter wegen einer bösartigen Erkrankung entfernt. Dazu gehören Krebs des Gebärmutterhalses, des Gebärmutterkörpers oder der Eierstöcke. Hier gibt es je nach Stadium der Krebserkrankung oft keine Alternativen, die Operation kann lebensrettend sein.

Wie wird operiert?

Für eine Entfernung der Gebärmutter stehen mehrere verschiedene Verfahren zur Auswahl. Welche Methode angewendet wird, hängt von der Erkrankung, den zu erwartenden Komplikationen und auch von dem Gesundheitszustand der Patientin ab. Der Frauenarzt wird Sie vorher über die bei Ihnen möglichen Techniken aufklären.

Bei gutartigen Veränderungen der Gebärmutter ist meist die vaginale Hysterektomie das Verfahren der Wahl. Bei dieser Operation wird die Gebärmutter mit speziellen Instrumenten über die Scheide entfernt. Der Vorteil dieser Technik ist, dass sie für die Patientin schonender als ein Eingriff mit Schnitt durch die Bauchdecke ist und keine Narben an der Bauchwand hinterlässt. Für einen vaginalen Eingriff sollte die Scheide allerdings nicht zu eng sein. Bei Frauen, die keine Kinder geboren haben, kann deshalb eine Hysterektomie über die Scheide manchmal schwierig sein. Eventuell muss der Arzt auch die Gebärmutter in mehreren Teilen entfernen. Dieses Vorgehen heißt Morcellierung.

Bei bösartigen Veränderungen kommt eine vaginale Hysterektomie im Allgemeinen nicht infrage, weil der Operateur dabei den Bauchraum nicht einsehen und auf Veränderungen untersuchen kann.

Hier ist in der Regel eine abdominale Hysterektomie nötig. Bei dieser Operation entfernt der Arzt die Gebärmutter über einen Bauchschnitt. Dabei kann er das Operationsgebiet ausführlich untersuchen und, wenn nötig, die Operation erweitern. Eine Erweiterung fällt bei bösartigen Erkrankungen an, wenn sich während des Eingriffs zeigt, dass auch weitere Organe von der Erkrankung befallen sind. Beispielsweise können auch die Eierstöcke befallen sein. Auch bei Verwachsungen oder einer stark vergrößerten Gebärmutter ist diese Technik meist die bessere Alternative.

Die laparoskopisch assistierte Hysterektomie gehört zu den neueren Operationsverfahren. Durch diesen minimal-invasiven Eingriff kann eine zunächst nicht vaginal entfernbare Gebärmutter unter Umständen doch noch über die Scheide entfernt werden. Dafür löst der Operateur zuerst die Gebärmutter mit Hilfe einer Bauchspiegelung, damit sie anschließend auf vaginalem Weg abtransportiert werden kann. Ein großer Bauchdeckenschnitt ist dabei nicht nötig, es reichen kleine Schnitte, um die Instrumente einzuführen.

Bei manchen Patienten kann auch eine laparoskopisch assistierte suprazervikale Hysterektomie durchgeführt werden. Hier wird wieder die Vorarbeit über die Bauchspiegelung geleistet, aber im Anschluss die Gebärmutter nicht über die Scheide, sondern in Stücken über die kleinen Schnitte in der Bauchdecke entfernt. Bei dieser Operationstechnik bleibt der Gebärmutterhals erhalten. Deshalb können weiterhin Periodenblutungen auftreten, und sogar die Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs ist noch möglich.

Welche Form von Betäubung ist nötig?

Die vaginale Hysterektomie kann unter Vollnarkose oder regionalen Anästhesieverfahren, wie der Spinalanästhesie, durchgeführt werden. Die abdominelle Gebärmutterentfernung geschieht meistens in Vollnarkose. Laparoskopische Verfahren müssen normalerweise ebenfalls in Vollnarkose erfolgen, weil bei dieser Operation Kohlendioxid in die Bauchhöhle eingebracht wird, was die Atmung behindern kann.

Welche Komplikationen können auftreten?

Wie bei jeder Operation können bei der Hysterektomie Komplikationen wie stärkere Blutungen, Verletzung von Nachbarorganen und Narkoseprobleme auftreten. Nach der Operation besteht das Risiko von Nachblutungen, Infektionen, Wundheilungsstörungen und Verwachsungen. Die Risiken sind für jede Patientin und jeden Eingriff unterschiedlich. Der behandelnde Gynäkologe wird sie in ihrem Fall genau darüber aufklären.

Nebenwirkungen der Hysterektomie

Unabhängig davon, wie die Gebärmutter entfernt wird, kommt es nach dem Eingriff zu Veränderungen: Die Patientin wird keine Regelblutung mehr haben und kann nicht mehr schwanger werden.

Wird mindestens einer der beiden Eierstöcke erhalten, produziert dieser weiterhin genug Geschlechtshormone. Die Patientin wird dann voraussichtlich keine Symptome durch fehlende Hormone haben.

Werden jedoch zum Beispiel aufgrund einer bösartigen Erkrankung beide Eierstöcke entfernt, können keine Geschlechtshormone mehr gebildet werden. Bei Frauen, die noch vor den Wechseljahren waren, treten nach der Entfernung beider Eierstöcke typische Wechseljahresbeschwerden auf. Dazu gehören zum Beispiel Hitzewallungen. Entsprechende Hormonpräparate können die Beschwerden jedoch lindern oder beseitigen.

Eine Hysterektomie hat im Normalfall kaum Einfluss auf das sexuelle Empfinden. Allerdings kann die Entfernung der Gebärmutter psychologische Belastungen für die Patientin mit sich bringen. Nicht zuletzt daher sollte der Gynäkologe die Patientin vor der Operation gründlich und einfühlsam aufklären. Auch eine psychologische Beratung kann helfen, Ängste und Befürchtungen vor der Operation abzubauen und sich mit den Folgen der Operation auseinanderzusetzen.

Beratender Experte: Dr. med. Günter Raab ist Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe und Privatdozent an der TU München. Neben seiner Praxistätigkeit im Zentrum für Frauenmedizin im Schäfflerhof, München, arbeitet er als Belegarzt in der WolfartKlinik in Gräfelfing. Neben allgemeiner Gynäkologie und Geburtshilfe sind seine Spezialgebiete die operative Gynäkologie und Brusterkrankungen.

Quellen:
1. Gätje R, Eberle C, Scholz C, Lübke M, Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe, 1. Auflage, Stuttgart Thieme Verlag 2011
2. Die laparoskopische suprazervikale Hysterektomie (LASH), Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Endoskopie (AGE), AWMF-Leitlinien-Register Nr. 015/064, Stand: 3/2008
3. Diagnostik und Therapie des Endometriumkarzinoms, Interdisziplinäre Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), AWMF-Leitlinien-Register Nr. 032/034, Stand: 1/2008
4. Müller A, Thiel FC, Renner SP et al. Hysterectomy—A Comparison of Approaches, Dtsch Arztebl Int 2010; 107(20): 353-359
5. Thill M, Hornemann A, Fischer D et al., Vaginale und abdominale Hysterektomie, Der Gynäkologe 2008; 41(5): 328-336

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.