Husten: Wann zum Arzt?

Verschwindet Husten auch nach mehreren Wochen nicht, muss muss man handeln. Was dahinter stecken kann

von Sabine Pusch, aktualisiert am 04.02.2015
Husten

Das Abklären von anhaltendem Husten ist wichtig


Wir husten – und das ist auch gut so. Schließlich dient das explosionsartige Ausstoßen von Luft dazu, die Atemwege von Sekreten und eingeatmeten Schadstoffen zu befreien. Doch Husten ist nicht nur ein wichtiger Schutzmechanismus und kompliziert geregelter Körperreflex, sondern auch eines der häufigsten Symptome, deretwegen Menschen einen Arzt aufsuchen.

Professor Heinrich Worth, Chefarzt der Klinik für Herz- und Lungenerkrankungen in Fürth, hat täglich Patienten, die hustend zu ihm kommen. Meist ist eine gewöhnliche Erkältung der Grund dafür. "Nach acht Wochen kann man davon ausgehen, dass ein akuter Virusinfekt abgeklungen ist. Wenn jemand dann immer noch hustet, muss man nach anderen Ursachen suchen. Denn je länger der Husten andauert, desto ernster kann dieser sein", sagt Professor Worth.

Bei Husten, so der Experte, handele es sich meist nicht um eine eigenständige Krankheit, sondern um ein Begleitsymptom. Es sei daher wichtig, die eigentliche Ursache zu ermitteln.
"Der erste und wichtigste Schritt ist eine gründliche Anamnese", sagt Dr. Wolfgang Wesiack, Facharzt für Innere Medizin in Hamburg und Präsident des Berufsverbands Deutscher Internisten.

Husten ist nicht gleich Husten

Der Arzt muss zunächst herausfinden, unter welcher Art von Husten der Patient leidet. "Ich möchte wissen, wann der Husten auftritt: tagsüber oder in der Nacht? Zum ersten Mal oder schon häufiger? Wird er bei körperlicher Anstrengung stärker? Ist der Patient Raucher? Und eine besonders wichtige Frage: Ist es ein trockener Husten, ein sogenannter Reizhusten, oder ein produktiver Husten mit Schleim?"

Bereits aus der Farbe des Schleims könne man Rückschlüsse ziehen. Dicker grüner Schleim beispielsweise spreche für eine Entzündung der Bronchien oder der Lunge. Auch bestimmte Medikamente, unter anderem sogenannte ACE-Hemmer, die vor allem bei der Therapie von hohem Blutdruck und chronischer Herzinsuffizienz verschrieben werden, können einen chronischen Husten hervorrufen. "In fünf Prozent der Fälle sind diese Arzneistoffe dafür verantwortlich", so Wesiack. Auf keinen Fall solle man in Eigenregie auf ein anderes Medikament umsteigen oder gar ganz auf das verschriebene Mittel verzichten. Eine eingehende ärztliche Beratung sei unabdingbar.

Wie untersucht wird

Auf die ausführliche Anamnese folgt eine körperliche Untersuchung. Im ersten Schritt wird der Patient abgehorcht. So erhält der Arzt in vielen Fällen Hinweise, ob die Atemwege entzündet sind. Auch die Nase und die Nasennebenhöhlen werden untersucht. Ob die Atemwege überempfindlich sind, lässt sich mithilfe einer Lungenfunktionsuntersuchung feststellen. "Wenn jemand mit chronischem Husten zu uns kommt, untersuchen wir das Blut und röntgen den Brustkorb, um eventuelle Veränderungen der Lunge sehen zu können. Und danach sind wir meist schon viel schlauer", sagt Wesiack.

Mögliche Ursachen für den Husten seien auch ein gesteigerter Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre, eine chronische Bronchitis, Asthma, eine Herzinsuffizienz oder ein Lungentumor, ergänzt Professor Worth von der Fürther Klinik für Herz- und Lungenerkrankungen. Seine Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass Raucher besonders oft von chronischem Husten betroffen sind. "Es ist nur leider so, dass viele den Husten als zur Zigarette gehörig empfinden und deshalb zu spät zum Arzt gehen. Vielleicht sogar erst dann, wenn sich bereits eine COPD, eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung, entwickelt hat." 

Riskante Folgekrankheiten

Auch die psychosozialen Folgen chronischen Hustens werden oft unterschätzt. Sie schränken die Betroffenen ein und rauben ihnen einen Teil ihrer Lebensqualität. Die Patienten haben Angst, dass der Husten ein Symptom für eine unerkannte, schwere Krankheit sein könnte, vermeiden den Besuch von Veranstaltungen, ziehen sich zurück. Schlafprobleme und Müdigkeit sowie Inkontinenz und Schmerzen in der Brust infolge von Hustenanfällen sind weitere Probleme. Langes Husten kann außerdem zu Heiserkeit führen, ein extremer Anfall zu kurzer Bewusstlosigkeit. Da sich der Brustkorb beim Husten sehr schnell zusammenzieht, kommt es in seltenen Fällen sogar zu Rippenbrüchen.

Arzneitherapie

Schleimlöser und Hustenblocker: Wenn der Husten vermehrt mit Auswurf verbunden ist, werden Medikamente verschrieben, die lokal an den Hustenrezeptoren wirken. Sie verringern die Schleimproduktion und lassen die Entzündung abklingen. Hustenblocker unterbinden den Hustenreiz im Gehirn.

Codeintropfen: Diese werden oft zur Unterdrückung des Hustenreizes verordnet. Sie sollten ohne fachärztliche Diagnose nicht länger als zwei Wochen eingenommen werden.