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Wie die Wechseljahre die Haut beeinflussen

Durch abfallende Hormonspiegel kann sich die Haut verändern. Wie Sie mit Pflege gegensteuern, welche Mittel nützlich sind, und auf welche Weise das Gesicht gereinigt werden sollte

von Angelika Brodde, 17.10.2019
Hautveränderungen in den Wechseljahren haben oft hormonelle Ursachen. Allerdings wirken auch der Lebensstil und eine schonende Pflege auf das Hautbild

Hautveränderungen in den Wechseljahren haben oft hormonelle Ursachen. Allerdings wirken auch der Lebensstil und eine schonende Pflege auf das Hautbild


Wenn Kunden Ina Bartels auf Hormone und Haut ansprechen, dann stehen vor der Apothekerin aus Hannover meist besorgte Mütter pickelgeplagter Teenager. Frauen mittleren Alters, die bei sich selbst eine Hautveränderung bemerken, fragen zwar nach Anti-Aging-Pflege – aber das Stichwort Hormone äußern sie dabei fast nie. "Dass die Probleme mit dem abfallenden Östrogenspiegel zusammenhängen, wissen wenige Kundinnen", sagt Bartels.

Doch genau das ist der Fall. Östrogen – wie viele andere Hormone ein Motor für Zellwachstum – leistet einen erheblichen Beitrag zum Aufbau der Haut, etwa bei der Bildung straffender Kollagenfasern oder der hauteigenen Feuchtigkeitsversorgung. Sinkt der Östrogenspiegel in den ­Wechseljahren, wird die Haut unweigerlich dünner, verliert an Elastizität und Feuchtigkeit und kann vermehrt Pigmentflecken bilden. Was können Frauen tun, die das nicht hinnehmen wollen?

Verschreibungspflichtige Hormoncremes oder pflanzliche Hilfe?

Das fehlende Östrogen von außen – also durch Cremes – zu ersetzen würde helfen. "Man weiß, dass östrogenhaltige Salben sich positiv auf die Haut auswirken, wenn ein Mangel vorliegt", erklärt Professor Matthias Weber, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

Entstehen durch den Mangel etwa Beschwerden aufgrund einer trockenen Scheidenschleimhaut, hält der Experte spezielle, verschreibungspflichtige Hormoncremes für sinnvoll. Für frei verkäufliche Anti-Aging-Kosmetik sind diese Wirkstoffe allerdings nicht zugelassen.

Die Kosmetikindustrie baut deshalb auf sogenannte Phytoöstrogene, die oft aus Soja oder Yams-Wurzeln ­gewonnen werden. "Dabei handelt es sich um pflanzliche Substanzen, die unter anderem über die Östrogen­rezeptoren der Hautzellen eine Wirkung auslösen können", sagt Weber.

An der Effektivität solcher Produkte zweifelt der Experte aber: "Über die Wirksamkeit von Phytoöstrogenen liegen keine standardisierten Daten vor, weil der Wirkstoffgehalt bei Pflanzenextrakten schwankt."

Alles eine Frage der Pflege

Dabei kann Kosmetik auch ohne Hormonersatz viel ­­bewirken. "Wir sehen immer wieder, wie gute Pflege den Hautzustand in den Wechseljahren verbessert", sagt Ina Bartels. In ihrer Apotheke können Kundinnen bei einer Kosmetikerin prüfen lassen, wie es um die Haut bestellt ist.

Häufig zeigen sich Mängel in der Pflege, etwa durch falsche Reinigung. "Oft wird zu viel ­­gereinigt, zum Beispiel mit ­alkoholischen Tonics, die reife Haut zu stark entfetten", so Bartels. Sie empfiehlt Mizellen­produkte, die nur eine schwach entfettende Wirkung haben, die Haut jedoch von Verunreinigungen befreien.

Gesicht einer Frau

Noch häufiger zeigen sich Mängel bei der Feuchtigkeitsversorgung. Früher wurde Pflege für reife Haut gleichgesetzt mit sehr fetthaltigen Produkten, häufig beworben mit dem Prädikat "reichhaltig". Heute weiß man: Reife Haut verträgt zwar Fette meist gut, braucht in erster Linie aber wasserbindende Substanzen. Die optimale Lösung bestehe in einer Baukastenpflege, erklärt Bartels.

Reinigung, Serum, Tagespflege

Nach der Reinigung trägt man zunächst ein Serum auf, das in die Haut einzieht. Meist reicht ein reines Feuchtigkeitsprodukt, etwa mit Hyaluronsäure. Im Einzelfall kommen auch andere Präparate infrage, zum Beispiel mit Vitamin A, einem der wenigen Stoffe, deren hautstraffende Wirkung zweifelsfrei belegt ist. Oder eben mit Phytoöstrogenen. Selbst Pigmentflecken können mit solchen Seren abgemildert werden, wenn man die aufhellenden Präparate dauerhaft zweimal täglich anwendet.

Nach dem Serum empfiehlt die Apothekerin eine schützende Tagespflege, bei der in der Regel ebenfalls Feuchthaltefaktoren am wichtigsten sind, nicht Fette. Dazu eine kühlende Augencreme und – wer mag – Make-up: Mehr sei nicht erforderlich.

Hautfreundlich leben

Das beste Mittel gegen Hautalterung und Wechseljahresbeschwerden haben Frauen selbst in der Hand: ihren Lebensstil. "Schönheit kommt von innen", sagt Pharmazeutin Bartels. Wenn man gesund ­esse, sich viel bewege und UV-Schutz benutze, sehe die Haut gut aus – unabhängig vom Hormonstatus. Mediziner Weber bestätigt: "Ausgewogene Ernährung und Sport haben in den Wechseljahren einen ­deutlich positiven Effekt, das ist zweifelsfrei belegt."

Dem neuen Lebensabschnitt mit Gelassenheit zu begegnen ist ebenfalls wichtig für die Haut. "Eine lange anhaltende Stressbelastung stört das hormonelle Gleichgewicht und kann zu stärkeren Unreinheiten führen", erklärt Weber.

Chronischer Stress schwäche zudem die Immunabwehr, Pickel oder Herpes könnten die Folge sein. Je besser die Abwehr funktioniert, desto ­ungehinderter arbeiten auch Hautzellen – was langfristig straffe Konturen, glattere Haut und rosigen Teint fördert.