Hörtest (Audiometrie)

Hörtests, in der Fachsprache auch Audiometrie genannt, können messen, ob oder wie gut das Gehör eines Menschen funktioniert. Es gibt objektive und subjektive Hörprüfungen

von Dr. Alexandra Kirsten, aktualisiert am 10.04.2017

Ist ein Hörgerät nötig, und wenn ja, welches? Hörtests helfen bei der Entscheidung


Der Gehörsinn ist einer der wichtigsten menschlichen Sinne. Er ist essentiell für die Verständigung mit gesprochenen Worten. Außerdem hilft er uns bei der Orientierung in unserer Umwelt und liefert Informationen über Vorgänge, die wir nicht sehen.

Der Gehörsinn kann aber durch verschiedene Ursachen und Krankheiten beeinträchtigt werden. Hörtests können eine Schwerhörigkeit feststellen und bei der Suche nach der Ursache helfen.

Welche Hörtests gibt es?

Dem Hals-Nasen-Ohrenarzt stehen viele unterschiedliche Höruntersuchungen zur Verfügung. Man unterscheidet zwischen subjektiven und objektiven Hörtests. Erstere sind auf die Mithilfe des Probanden angewiesen, letztere kommen ohne diese aus.

Subjektive Tests brauchen die Mitarbeit des Patienten

Einfache und grob orientierende Tests sind der Versuch nach Weber und Rinne:

Bei dem Weber-Test setzt der Arzt dem Untersuchten eine schwingende Stimmgabel auf die Stirn oder den Scheitel. Die Knochen des Schädels leiten den Ton der Stimmgabel zeitgleich in die beiden Innenohren. Ein Gesunder hat das Gefühl, den Ton in der Mitte des Kopfes zu hören. Hat der Patient aber eine einseitige Hörstörung, nimmt er den Ton zu einer Seite verschoben wahr.

Auf diese Weise kann man auch zwischen einer einseitigen Schallempfindungs- und Schallleitungsstörung unterscheiden: Bei der Empfindungsstörung liegt die Ursache im Innenohr oder im Hörnerv. Dann wird der Ton vom besser hörenden/normalen Innenohr lauter wahrgenommen. Bei der Leitungsstörung ist die Schallübertragung im äußeren Ohrbereich oder im Mittelohr Grund für die Schwerhörigkeit. Da das Innenohr intakt ist, wird der durch die Schädelknochen übertragene Ton im erkrankten Ohr lauter gehört.

Bei dem Rinne-Test wird die schwingende Stimmgabel auf das Mastoid (Warzenfortsatz) aufgesetzt, einem Knochenhöcker hinter dem Ohr. Wenn der Patient die Stimmgabel nicht mehr hört, wird sie direkt vor seine Ohrmuschel gehalten. Ein Gesunder kann den Ton jetzt noch hören, da er den Schall durch die Luftleitung lauter wahrnimmt als über Knochenleitung. Hört der Proband sie nicht mehr, deutet es auf eine Schallleitungsschwerhörigkeit hin.

Mit der heute nur noch selten angewandten Sprachabstandsprüfung, auch Hörweitenmessung genannt, wird das Ausmaß einer Schwerhörigkeit bestimmt. Mit diesem einfachen Test wird der Abstand gemessen, aus dem gesprochene Sprache gerade noch korrekt verstanden wird. Dabei sagt der Prüfer Zahlen auf, die der Patient wiederholen soll. Einmal spricht der Prüfer von verschiedenen Abständen aus in normal lauter Sprache, einmal in Flüstersprache. Für die Flüstersprache atmet der Prüfer erst normal aus und flüstert mit der dann noch verbliebenen Restluft die Zahlen.

Neben den oben genannten grob orientierenden Tests gibt es sensitivere Hörprüfungen, die im Folgenden erklärt werden:

Beim Sprachverständlichkeitstest (Sprachaudiogramm) wird die Fähigkeit eines Patienten untersucht, Sprache zu hören und zu verstehen. Über einen Kopfhörer bekommt der Untersuchte Silben, Worte und Sätze in steigender Lautstärke vorgespielt und muss das Gehörte nachsprechen.

Eines der wichtigsten subjektiven Diagnosemittel in der HNO-ärztlichen Praxis ist das Tonaudiogramm. Je nach Untersuchung hört der Proband über normale oder Knochenleitungs-Kopfhörer Töne einer bestimmten Höhe (Frequenz) in steigender Lautstärke. Sobald der Patient den Ton hört, drückt er einen Knopf. Dieser Wert ist die sogenannte Hörschwelle. Die Ergebnisse werden in einer Kurve, dem Audiogramm, getrennt für jedes Ohr aufgezeichnet. Die Nulllinie des Audiogramms entspricht der Hörschwelle eines Jugendlichen mit normaler Hörfähigkeit. Indem der Arzt die Kurve des Patienten mit der Nulllinie vergleicht, kann er Aussagen über die Art der Schwerhörigkeit machen.

Objektive Tests sind bei allen Patienten möglich

Subjektive Tests werden mitunter zum Problem, wenn die Patienten mit der Aufgabe überfordert sind. Das kann beispielsweise bei Säuglingen, Kleinkindern, aber auch bei Demenzkranken der Fall sein. Auch bei Personen, die bestehende Symptome schlimmer darstellen (Aggravation) oder eine Hörstörung simulieren wollen, kann der Arzt keine verlässliche Aussage treffen. Unabhängig von der Mitarbeit der Probanden erfassen folgende objektive Tests die Hörschwelle und den Ort der Hörstörung:

Bei der Tympanometrie wird die Impedanz gemessen, also der Widerstand im Mittelohr. Dazu führt der Arzt in den äußeren Gehörgang eine Sonde ein und schließt ihn luftdicht ab. Diese Sonde gibt einen Ton ab und registriert den zurückgeworfenen Schall. Das "Echo" des Tons ist abhängig vom Zustand des Trommelfell-Gehörknöchelchen-Apparats und gibt Auskunft über die Funktionsfähigkeit des Mittelohres.

Otoakustische Emissionen sind sehr leise Töne, die in der Hörschnecke gebildet werden. Sie können im äußeren Gehörgang mit hochempfindlichen Mikrophonen gemessen werden und entstehen spontan oder dann, wenn das Innenohr ein Geräusch wahrgenommen hat. Sie sind fast bei allen Menschen messbar und bestätigen eine intakte Funktion der Hörschnecke. Die Messung der Otoakustischen Emissionen eignet sich als Screening-Methode bei Säuglingen und Kleinkindern.

Die Hirnstammaudiometrie, auch als elektrische Reaktionsaudiometrie (ERA) bezeichnet, zeichnet die elektrischen Aktivitäten des Hirnstamms auf. Dazu bekommt der Patient über einen Kopfhörer Klicktöne vorgespielt, während ein Elektroenzephalogramm (EEG) über Elektroden, die am Kopf angebracht sind, die Hirnaktivität misst. Aus den dabei registrierten Hirnströmen kann der Arzt eine Aussage zur Hörfähigkeit machen.

Wann ist ein Hörtest nötig?

Zur Aufdeckung von kindlichen Hörstörungen sind Hörtests als Screeningmethode im Rahmen der Routineuntersuchungen notwendig. Hörtests können bei jedem Menschen und in jedem Alter durchgeführt werden. Hat der Patient oder seine Umwelt das Gefühl, dass er schlecht hört, ist rasch eine Untersuchung nötig. Werden Hörschäden zu spät behandelt, kann das unter Umständen Folgen zum Beispiel für das Sprachvermögen haben. Hörtests sind auch bei Menschen in regelmäßigen Zeitabständen notwendig, die beruflich Lärm ausgesetzt sind.

Wer zahlt einen Hörtest?

Hat ein Patient Probleme beim Hören, bezahlt die Krankenkasse den Hörtest beim Arzt. Seit einigen Jahren wird bei Neugeborenen bereits im Krankenhaus ein Hörscreening durchgeführt und erstattet.
Als Vorsorgeuntersuchung übernimmt die Kasse die Kosten für den Hörtest allerdings nicht.

Beratender Experte: Professor Dr. Friedrich Bootz ist Hals-Nasen-Ohrenarzt. 1991 habilitierte er sich. Ab 1995 war er Universitätsprofessor und Klinikdirektor in Leipzig und anschließend ab 2002 an der Universität Bonn. Im Jahre 2007 war er Präsident und von 2009 bis 2012 war er Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. 2010 wurde ihm von der Universität Timisoara in Rumänien die Ehrendoktorwürde verliehen, seither hat er dort auch eine Gastprofessur inne.

Quellen:
1.    Lehnhardt E, Laszig R (Hrsg): Praxis der Audiometrie, 8. Auflage, Stuttgart Thieme Verlag 2011
2.    Ernst A, Battmer RD: Audiometrie und Funktionsdiagnostik in der HNO, Norderstedt Books on Demand Verlag 2011
3.    Probst R, Grevers G, Iro H (Hrsg): Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, 3. Auflage, Stuttgart Thieme Verlag 2008
4.    Homepage des Universitätsklinikum Bonn. Abteilung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Online: www.hno.uniklinik-bonn.de/patienten/diagnostik/index.html (Abgerufen am 11.11.2013)
5.    Zahnert T: Differenzialdiagnose der Schwerhörigkeit, Deutsches Ärzteblatt, Jg. 108, Heft 25, Juni 2011

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.