Formen von Herzklappenfehlern

Von Aortenklappenstenose bis Mitralklappeninsuffizienz – ein Überblick über die verschiedenen Klappenfehler
aktualisiert am 14.10.2014

Mitralklappe, Aortenklappe, Trikuspidalklappe: Die drei Herzklappen sehen Sie in der Grafik

W&B/Szczesny

Die Erkrankung einer Herzklappe führt entweder zu einer Verengung (Stenose) oder einer Undichtigkeit (Insuffizienz) oder zu einer Kombination (kombinierter Herzklappenfehler) beider Funktionsstörungen der Klappe. Besteht eine Stenose, wird der Blutdurchfluss behindert. Das Blut staut sich vor der verengten Klappe und muss mit erhöhtem Druck durch die Verengung gepumpt werden. Bei einer Klappeninsuffizienz fließt Blut zurück entgegen der regulären Strömungsrichtung.

Sowohl die erhöhte Druckbelastung (bei einer Stenose) als auch die erhöhte Blutmenge (Volumenbelastung bei einer Insuffizienz) führen zu Veränderungen in der Muskulatur der betroffenen Herzkammern. Diese Veränderungen bestehen in einer Verdickung der Herzmuskulatur (Herzmuskelhypertrophie) und Erweiterung der Herzkammern. Beide Veränderungen sind Wegbereiter einer Herzschwäche. Die häufigsten, mit Beschwerden einhergehenden Herzklappenfehler betreffen die Klappen der linken Herzhälfte, also die Aorten- und Mitralklappe. Erkrankungen der Pulmonal- und Trikuspidalklappe spielen demgegenüber eine eher untergeordnete Rolle.

Aortenklappenstenose

Als Aortenklappenstenose (kürzer: Aortenstenose) bezeichnet man eine Verengung der Aortenklappe. Sie befindet sich zwischen linker Herzkammer und dem Ursprung/Anfang der großen Körperschlagader (Aorta). Die Klappe hat die Aufgabe, den Rückfluss des Blutes in die linke Herzkammer zu Beginn der Erschlaffungsphase (Diastole) des Herzens zu verhindern. Während eine gesunde Aortenklappe im geöffneten Zustand (während der Systole) eine Öffnungsfläche von 3-4 cm² hat, beträgt die Öffnungsfläche bei einer höhergradigen Aortenklappenstenose weniger als 1,0 cm². Infolgedessen kann der Druckgradient an der Aortenklappe – das ist der Druckunterschied zwischen dem Spitzendruck in der linken Herzkammer und dem Spitzendruck in der aufsteigenden Aorta – von 0 mmHg bei normaler Klappe auf über 100 mmHg bei verengter Klappe ansteigen.

Die Ursachen, die zu einer Aortenklappenstenose führen können, haben sich im letzten Jahrhundert deutlich verändert. Früher waren entzündliche Erkrankungen, insbesondere das akute rheumatische Fieber, führende Ursache für eine sich später entwickelnde Aortenklappenstenose. Heute sind bei der Aortenklappenstenose älterer Menschen Verschleißerscheinungen (Verkalkung der drei halbmondförmigen Taschenklappen) die hauptsächliche Ursache. Die Aortenklappenstenose ist in Europa mit 43 Prozent die häufigste Klappenerkrankung. Sind von Geburt an nur zwei Taschenklappen angelegt (bikuspide Klappe), kann dies später im Leben auch zu einer Klappenstenose führen.

Aortenklappeninsuffizienz

Eine Aortenklappeninsuffizienz bedeutet eine Undichtigkeit der Aortenklappe. Was heißt das? Zu Beginn der Erschlaffungsphase (Diastole) des Herzens strömt das Blut in der Körperschlagader zurück Richtung Aortenklappe – dort wird es nicht mehr ausreichend aufgehalten, da die Klappe nicht mehr dicht schließt.

Man unterscheidet vier Schweregrade der Aorteninsuffizienz. Ursache der Undichtigkeit ist entweder eine Erweiterung des Aortenklapperings (eine sogenannte degenerative aortoannuläre Ektasie des Außenrands der Klappe) oder eine entzündlich (bakteriell oder rheumatisch) bedingte Zerstörung der Taschenklappen. Auch eine angeborene bikuspide Aortenklappe kann zur Ursache einer Klappeninsuffizienz werden. (Dabei sind nur zwei von drei Taschenklappen angelegt).

Der Blutrückstrom in die linke Herzkammer führt zu einer Volumenüberlastung, sie erweitert sich und eine Herzschwäche ist die weitere Folge.

Mitralklappeninsuffizienz

Die Mitralklappe besteht aus einem vorderen und einem hinteren Klappensegel. Diese öffnen sich in der Diastole zur Herzkammer hin und schließen sich, wenn die Herzkammer sich zusammenzieht (Systole), sodass kein Blut mehr in die linke Vorkammer zurückfließen kann. Sehnenfäden zwischen Papillarmuskeln in der linken Herzkammer und den Klappensegeln verhindern wie die Streben eines Schirmes das Durchschlagen der Klappensegel in den linken Vorhof.

Ist die Mitralklappe undicht, besteht eine Mitralklappeninsuffizienz (kurz: Mitralinsuffizienz). Es gibt mehrere Ursachen für eine Mitralinsuffizienz: Wenn Teile des hinteren oder vorderen Mitralklappensegels während der Systole in den linken Vorhof gedrückt werden, spricht man von einem Mitralklappenprolaps. Ursache des Prolapses ist meist eine Bindegewebserkrankung, welche Klappensegel und Sehnenfäden betrifft. Je nach Schweregrad der Veränderungen am Klappensegel und den Sehnenfäden, kann es zu beträchtlicher Mitralinsuffizienz kommen. Die Mitralklappeninsuffizienz ist heute der am zweithäufigsten operierte Herzklappenfehler; Ursache ist sehr oft der Mitralklappenprolaps. Eine Erweiterung des Mitralklappenrings infolge Vergrößerung der linken Herzkammer (zum Beispiel bei Herzinsuffizienz) kann ebenso wie eine Verkalkung des Mitralklappenrings zur Schlussunfähigkeit der Klappe führen.

Stirbt ein Papillarmuskel durch einen Herzinfarkt ab, leidet die Funktion der von ihm ausgehenden Sehnenfäden und damit wiederum die Schlussfähigkeit der Klappe. Etwas seltener geworden ist heute die Mitralklappenerkrankung als Folge des rheumatischen Fiebers. Die akut sich entwickelnde Mitralklappeninsuffizienz kann durch einen Sehnenfaden- oder Papillarmuskelabriss oder durch eine infektiöse (bakterielle) Herzklappenentzündung (Endokarditis) verursacht sein.

Mitralklappenstenose

Bei der Mitralstenose ist die Öffnung der Klappensegel mehr oder weniger hochgradig eingeschränkt. Bei fortgeschrittener Mitralstenose kann die Klappenöffnungsfläche so stark reduziert sein ("Knopflochstenose"), dass sich Blut vom linken Vorhof bis in die Lungenvenen zurückstaut. Die Blutüberfüllung der Lunge führt zu Atemnot, dem Hauptsymptom der Mitralstenose. Durch den Blutrückstau und die Druckerhöhung erweitert sich die linke Vorkammer.

Ursache der Mitralstenose ist meist eine rheumatisch bedingte Verdickung, Verkalkung und Verklebung der Klappensegel. Der Klappenfehler ist in den westlichen Industrieländern seltener geworden, da Streptokokkeninfekte (Ursache der rheumatischen Klappenerkrankung) heute rechtzeitig mit Antibiotika behandelt werden.

Trikuspidalinsuffizienz

Die Trikuspidalklappe befindet sich zwischen rechtem Vorhof und rechter Herzkammer. Das venöse, sauerstoffarme Blut fließt durch sie vom rechten Vorhof in die rechte Herzkammer. Die Klappe hat drei Klappensegel. Häufigste Ursachen einer bedeutsamen Undichtigkeit der Trikuspidalklappe sind die akute infektiöse (bakterielle) Entzündung der Klappe (Endokarditis), der Lungenhochdruck und die Erweiterung der rechten Herzkammer.

Trikuspidalstenose

Sehr selten vorkommender Klappenfehler mit Einengung der Klappenöffnungsfläche und Behinderung des Blutstroms von der rechten Vorkammer in die rechte Hauptkammer. Der Klappenfehler tritt meist in Kombination mit einem Mitralklappenfehler auf.

Pulmonalstenose

Die Pulmonalklappe befindet sich zwischen rechter Herzkammer und Lungenstrombahn und hat, wie die Aortenklappe, drei halbmondförmige Klappentaschen. Sie verhindern in der Diastole den Rückfluss des Blutes in die rechte Herzkammer. Eine Verengung der Pulmonalklappe tritt meist nur als angeborener Herzklappenfehler auf. Neben der Klappenstenose kommen auch Verengungen unterhalb (subvalvulär) und oberhalb (supravalvulär) der Pulmonalklappe vor.

Pulmonalinsuffizienz

Eine Undichtigkeit der Pulmonalklappe, die mit spürbaren Symptomen einhergeht, ist selten. Eine Pulmonalinsuffizienz findet man bei Lungenhochdruck oder bei Erweiterung der Lungenschlagader (Idiopathische Dilatation der Pulmonalarterie).


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