UV-Strahlen: Sechs unvermutete Fallen

Um Hautkrebs vorzubeugen, reicht Sonnencreme nicht aus. Selbst in Situationen, in denen man sich sicher fühlt, bekommt man leicht zu viel UV-Strahlung ab
von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 07.06.2016

Unterm Sonnenschirm: Selbst hier kommt bis zur Hälfte der UV-Strahlung an

Strandperle/Alexandre

Die starke Sonnenstrahlung im Sommer hat Licht- und Schattenseiten. Eine gewisse Dosis an UV-Strahlung benötigt der Mensch. Mithilfe der kürzerwelligen UV-B-Strahlung bildet die Haut das Knochenvitamin D. Außerdem wirkt Sonnenlicht stimmungsaufhellend und beeinflusst das Immunsystem. Andererseits verursacht eine zu hohe Dosis UV-B einen Sonnenbrand. Die längerwellige UV-A-Strahlung wiederum lässt die Haut altern. Generell kann UV-Strahlung das Erbgut in den menschlichen Zellen schädigen. Die Folge: Hautkrebs. Grund genug, zu hohe UV-Dosen zu meiden. Studien zum Hautkrebsrisiko zeigen, wie wichtig es ist, nicht nur Sonnencreme zu verwenden, sondern hohen Dosen von UV-Strahlung generell aus dem Weg zu gehen.

Unvermutete UV-Fallen

Allerdings erreichen uns die UV-Strahlen an vielen unvermuteten Stellen. Hautarzt Professor Eggert Stockfleth, Direktor der Dermatologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum, deckt die UV-Fallen auf:

Prof. Eggert Stockfleth

W&B/Privat

Unter dem Sonnenschirm

"Im Schatten unter dem Schirm bekommt man noch bis zu 50 Prozent der UV-Strahlung ab", sagt Stockfleth. Die genaue Dosis hänge von der Reflexion des Bodens ab, und davon, wie UV-durchlässig der Sonnenschirm ist. "Ist der Stoff des Sonnenschirms nicht dicht genug, dringt ein großer Anteil der UV-Strahlung durch. Wer lange genug dort sitzt, kann sich also durchaus einen Sonnenbrand zuziehen." Sicherer ist der Schatten, den zum Beispiel ein solides Gebäude wirft. Denn dort trifft den Menschen kein direktes UV-Licht, sondern nur noch reflektiertes – je nach Umgebung bis zu 30 Prozent der UV-Strahlung in der Sonne.

Durch die Kleidung

Je dunkler und dichter der Stoff ist, desto weniger UV-Strahlung kann ihn durchdringen – dementsprechend kleiden sich auch Wüstennomaden, die sich in dicke schwarze Tücher hüllen. "Bei dünnen, weißen T-Shirts kommt aber noch fast die Hälfte der UV-Strahlung auf der Haut an", sagt Stockfleth. Inzwischen haben einige Hersteller darauf reagiert und verkaufen Kleidung, bei der sie den Lichtschutzfaktor angeben. Allerdings kann dieser durch mehrmaliges Waschen abnehmen.

Hinter Autofenstern

"Viele Scheiben schützen nur vor UV-B, aber nicht vor UV-A, das vor allem für die Hautalterung verantwortlich ist", erklärt Stockfleth. Das sieht man zum Beispiel an langjährigen Taxifahrern und LKW-Fahrern, bei denen der linke Arm am Seitenfenster deutlich älter aussieht als der rechte Arm. "Scheiben, die sowohl für UV-B als auch für UV-A undurchlässig sind, bauen Autohersteller meist nur als Sonderausstattung ein."

Durch die Sonnenbrille

Viele billige Sonnenbrillen – oder auch Fälschungen von Markensonnenbrillen – haben keinen UV-Schutz. Deshalb sind sie sogar gefährlicher für die Augen, als wenn man gar keine Sonnenbrillen aufsetzt: Durch die Verdunkelung öffnen sich nämlich die Pupillen weiter, so dass die UV-Strahlen leichter ins Innere der Augen gelangen. "Gerade bei Kleinkindern, denen man keine teuren Sonnenbrillen anvertrauen will, ist das ein Problem", so Stockfleth. Im Zweifelsfall können viele Optiker den UV-Schutz von Sonnenbrillen nachmessen.

Im Wasser

"Dreißig Zentimeter unter Wasser bekommen Sie sowohl noch UV-A als auch UV-B ab", sagt Stockfleth. Besonders heimtückisch dabei: Beim Schwimmen bleibt die Haut durch das Wasser kühl, obwohl die Sonnenstrahlen sie erreichen. Weil sie sich frisch fühlen, fühlen sich viele Badende auch fälschlich sicher und vergessen weitere Schutzmaßnahmen.

Trotz Solariumbräune

Im Solarium kräftig vorbräunen, um Sonnenbrand vorzubeugen? "Das ist Quatsch", erklärt Stockfleth. "Solariumbräune entsteht vor allem durch UV-A, das mehr in die Tiefe geht, während Sonnenbrand in der oberen Hautschicht durch UV-B entsteht." 

Vorteile der Sonne sichert man sich ganz schnell

Aber welche Dosis an UV-Strahlung tut dem Menschen gut? Wie viel braucht man, um von den positiven Effekten zu profitieren und ausreichend Vitamin D zu bilden? Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung reicht es in Deutschland während der warmen Hälfte des Jahres aus, Gesicht, Hände und Teile von Armen und Beinen täglich für 5 bis 25 Minuten der Sonne auszusetzen – je nach Jahreszeit und eigenem Hauttyp.

Bei Kindern besonders auf den UV-Schutz achten

Für Kinder gelten noch strengere Regeln für den Sonnenschutz als für Erwachsene. Denn ihr Körper hat noch weniger Schutzmechanismen entwickelt, als der von Erwachsenen. Zudem ist Kinderhaut deutlich dünner. Es hat sich gezeigt, dass die Anzahl der Sonnenbrände in der Kindheit eng mit einem erhöhten Hautkrebsrisiko verbunden ist. Deshalb empfiehlt Stockfleth, Kinder eine halbe Stunde, bevor sie draußen spielen gehen, gründlich mit Kindersonnenschutzcreme einzuschmieren und ihnen Hut und geeignete Kleidung anzuziehen. Babys im ersten Lebensjahr sollten gar nicht in die pralle Sonne.


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