Vitiligo: Therapie

Am häufigsten wird Vitiligo mit einer Licht-Therapie (Phototherapie) behandelt. Außerdem kommen Medikamente in Form von Salben oder Cremes infrage. Sie sollen die Bildung von Hautpigment (Melanin) anregen
aktualisiert am 15.11.2016

Ärzte verordnen zur Behandlung der Weißfleckenkrankheit häufig eine kontrollierte Bestrahlung mit Schmalspektrum-UV-B-Strahlen

Panthermedia/Perez Leal

Vitiligo ist nicht heilbar. Doch es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten. Sie können das Fortschreiten der Krankheit bremsen und an den weißen Hautstellen die Neubildung von Melanin fördern. Ob das gelingt und ob die neu gebildeten Pigmente dauerhaft erhalten bleiben, ist allerdings im Einzelfall nicht vorhersagbar. Bei vielen Patienten fällt der kosmetische Effekt der Vitiligo-Therapie leider unbefriedigend aus.

Patienten sollten am besten ausführlich mit ihrem Arzt besprechen, welche Behandlung im individuellen Fall am aussichtsreichsten erscheint, welche Vor- und Nachteile die Therapie haben kann und welche Kosten entstehen können. Mögliche Nebenwirkungen und Risiken müssen vor allem bei der Langzeitanwendung bestimmter Verfahren berücksichtigt werden. Genaueres zur Therapie lesen Sie weiter unten auf dieser Seite.

Leben mit Vitiligo

Der Verlauf der Weißfleckenkrankheit lässt sich kaum vorhersagen. In vielen Fällen schreiten die Hautveränderungen weiter fort; manchmal bleiben sie aber auch auf einen umschriebenen Bereich begrenzt. Vitiligo verursacht normalerweise keine weiteren gesundheitlichen Probleme. Mögliche Beeinträchtigungen kommen eher im Zusammenhang mit eventuellen Begleiterkrankungen wie Schilddrüsenstörungen vor.

Theoretisch sind Menschen mit Vitiligo in ihrem täglichen Leben also nicht eingeschränkt. Allerdings empfinden viele von ihnen die Hautveränderungen als ästhetisch störend. Wasser- und abriebfeste Abdeck-Cremes (Camouflage-Make-up mit Fixierpuder) oder Selbstbräuner helfen, die weißen Flecken zu kaschieren. Mit Selbstbräunern ist es erfahrungsgemäß deutlich schwieriger, einen gleichmäßigen Teint zu erreichen. Zur Auswahl und Anwendung passender Produkte berät die Apotheke.

Im Alltag haben Betroffene leider noch immer mit Vorurteilen in Ihrer Umgebung zu kämpfen. Die teils auffälligen Flecken können Blicke provozieren. Manche Menschen denken, es handle sich womöglich um eine ansteckende Krankheit (was nicht der Fall ist!). Der Austausch mit anderen Betroffenen, zum Beispiel über Selbsthilfegruppen kann hilfreich sein (siehe Link am unteren Seitenrand). In schweren Fällen ist eventuell eine psychologische Unterstützung sinnvoll.

Wichtig: Sonnenschutz

Verschwindet das Hautpigment (Melanin), verliert die Haut an den betroffenen Stellen ihren natürlichen Schutz gegenüber UV-Strahlen. Im Gegensatz zur gesunden Haut bräunen sich die erkrankten Hautareale nicht, wenn sie der Sonne ausgesetzt waren. Der farbliche Unterschied zur umgebenden Haut wird daher größer. Die weißen Flecken fallen also noch stärker auf als bei einem eher blassen Teint. Aus diesen Gründen ist es ratsam, auf einen ausreichenden Sonnenschutz zu achten – vor allem in den Sommermonaten bei starker Sonneneinstrahlung. Geeignet sind Cremes mit hohem UV-B-Lichtschutzfaktor und zusätzlich sehr gutem Schutz vor UV-A sowie schützende Kleidung. Längere Aufenthalte in der prallen Sonne sollte man vermeiden.

Phototherapie – mit und ohne Medikamente

Wenn die Weißfleckenkrankheit zahlreiche Hautareale an ganz unterschiedlichen Körperstellen betrifft, kann eine kontrollierte Phototherapie in der Hautarztpraxis sinnvoll sein. Dabei bestrahlt der Arzt die erkrankten Hautstellen über mehrere Monate wiederholt mit UV-Licht bestimmter Wellenlänge. Meistens kommen sogenannte Schmalspektrum-UV-B-Strahlen zum Einsatz. Im Vergleich zu Breitspektrum-UV-B-Strahlen ist das Risiko eines Sonnenbrands dabei geringer.

Besonders gute Chancen, auf die Phototherapie anzusprechen, haben diejenigen Patienten, die bereits vor Beginn der Behandlung über eine teilweise Wiederkehr des Pigments nach Aufenthalten an der Sonne berichten können.

Leider kehrt das Melanin-Pigment nur bei wenigen Patienten vollständig wieder. Der Arzt spricht bereits dann von einem "Ansprechen auf die Behandlung", wenn kleine Hautareale wieder eine Pigmentierung entwickeln. In diesen Fällen besteht aber weiterhin ein Farbunterschied zwischen noch erkrankter und benachbarter gesunder Haut. Ein Ansprechen auf die Phototherapie bedeutet also nicht automatisch, dass der Betroffene mit dem Ergebnis zufrieden ist! Im ungünstigen Fall können die weißen Flecken sogar noch stärker auffallen als vor der Behandlung, weil die übrige Haut gebräunter ist.

Zu den neueren Phototherapien bei Vitiligo gehört die Behandlung mit dem Xenon-Chlorid-Excimer-Laser. Hier wird die Haut mit Licht einheitlicher Wellenlänge bestrahlt. Ziel der Lasertherapie wie auch der konventionellen UV-B-Therapie ist es, die Bildung von neuem Hautpigment anzuregen. Der Vorteil der Behandlung mit dem Xenon-Chlorid-Excimer-Laser besteht darin, dass dabei die Lichtstrahlung ganz gezielt nur auf die erkrankten Hautareale einwirkt. Allerdings ist die Behandlung nicht bei allen Patienten wirksam, zeitaufwändig und wird von der gesetzlichen Krankenversicherung üblicherweise nicht bezahlt.

Eine weitere Behandlungsmethode bei Vitiligo ist die PUVA-Therapie (Psoralene plus UV-A-Licht). Dabei wird die Haut mit einer Substanz eingecremt, die die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöht. Anschließend erfolgt die ärztlich kontrollierte Bestrahlung mit UV-A-Strahlen.

Weitere Medikamente

Auch Wirkstoffe wie Kortison, Calcipotriol oder Pseudokatalase (auch kombiniert mit einer Klimatherapie am Toten Meer) finden Anwendung bei Vitiligo. Sie werden meist in Form von Cremes auf die Haut aufgetragen und können teilweise auch mit einer Phototherapie kombiniert werden.

Da eine überschießende Reaktion des Immunsystems bei der Vitiligo eine Rolle zu spielen scheint, kommen in schweren Fällen theoretisch auch Mittel in Betracht, die das Abwehrsystem beeinflussen (sogenannte Immunsuppressiva, zum Beispiel Tacrolimus). Allerdings ist die Wirksamkeit dieser Therapie bei Vitiligo noch nicht abschließend wissenschaftlich untersucht. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen ist sie bei Patienten mit Vitiligo nicht allgemein zu empfehlen.

Sonstige Behandlungs-Möglichkeiten

In einigen auf Vitiligo-Therapie spezialisierten Zentren verpflanzen Ärzte patienteneigene gesunde Haut auf die erkrankten Hautareale. Oder die Ärzte setzen an den weißen Hautstellen Melanozyten aus normaler Haut des Patienten ein, die vorher im Reagenzglas gezüchtet wurden. Langzeit-Erfahrungen mit diesen Methoden stehen noch aus. Daher können sie ebenso wenig allgemein empfohlen werden wie das Bleichen der gesunden Haut.


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