UV-Schutz im Urlaub: Fragen und Antworten

Egal ob am Meer, in der Stadt oder in den Bergen: Im Urlaub sollte man die Haut vor UV-Strahlen schützen. Tipps für eine Reise ohne Sonnenbrand

von Margit Hiebl, 02.08.2018
Frau im Urlaub

Wer im Sommer die Natur genießt, sollte gut gerüstet sein mit Sonnenhut und Sonnencreme


Was ist speziell am Meer wichtig?

Die UV-Strahlung ist dort stärker als zum Beispiel in der Stadt. Der Grund: die Reflexion von Wasser und hellem Sand. Auch beim Schwimmen darf man die Sonne nicht unterschätzen: 60 Prozent der UV-B- und 85 Prozent der UV-A-Strahlen dringen bis zu 50 Zentimeter weit unter die Wasser­oberfläche und wirken, als würden wir uns in der prallen Sonne befinden. Deshalb wasserfeste Cremes ver­wenden.

Doch auch bei diesen Produkten geht beim Baden und Abtrocknen Schutzwirkung verloren. "Danach am besten neu eincremen", rät Sabine Supp, Apothekerin aus Auerbach. Wichtig zu wissen: Das Nachcremen erneuert zwar den Schutz, verlängert ihn aber nicht.

Was muss ich beim Cremen beachten?

Idealerweise cremen sich Bade­nixen bereits im Hotelzimmer ein. Erstens weil der Sonnenschutz seine volle Kraft entwickeln kann, bis man am Strand oder Pool ist. Zweitens, weil man meist zu wenig aufträgt, wenn man mit der Creme zu nah an den Bikini oder das T-Shirt kommen könnte. Aber genau in den Randbereichen kommt es häufig zu Verbrennungen. Auch unter der Badekleidung gilt: sorgfältig eincremen, weil sie häufig nicht UV-dicht ist.

Besonders gut sollten die "Sonnen­terrassen" geschützt werden, also die Stellen, auf die das Licht direkt auftrifft: Fußrücken, Knie, Dekolleté, Schultern, Stirn, Nase und – die Ohrenspitzen. "Sie sind eine der häufigsten Stellen für hellen Hautkrebs", sagt die Kölner Dermatologin Dr. Ina Hadshiew. Sie stehen bei kurzen Haaren oder Pferdeschwanz ständig unter UV-Beschuss und werden beim Eincremen oft vergessen.

Frau cremt sich die Nase ein

Wie viel Sonnencreme braucht man?

Fakt ist: Die meisten nehmen zu ­wenig. Damit Cremes oder Sprays ihren vollen Lichtschutz entfalten, gilt nach dem internationalen Standard als optimale Dosis: zwei Milli­gramm pro Qua­dratzentimeter Haut. Das entspricht etwa 200 Milliliter Sonnencreme pro Person und Urlaubswoche. Und viele Hersteller empfehlen: Tragen Sie auf jede ­Körperregion einen dicken Strang Sonnenschutz auf, gemessen von der Spitze des Mittelfingers bis zur Handwurzel.

Für Sprays gilt: 15 Sprühstöße pro Region. Sprühen allein genügt übrigens nicht, um lückenlosen Schutz zu haben. Die Lotion muss zusätzlich gut mit der Hand verteilt werden.

Genügt ein Schirm als Schutz?

Nein, denn Schirme sind in der Regel nicht UV-dicht. "Auch von den Seiten wird das Sonnenlicht reflektiert. Wer da nicht aufpasst, hat sich schnell verbrannt", warnt Dermatologin Hadshiew. Dennoch raten Experten, sich lieber ein Plätzchen im Schatten zu suchen. Allerdings sollte man deshalb keinen geringeren UV-Schutz­filter wählen. Rund 40 Prozent der Strahlen gelangen trotzdem in die Haut.

Auch Wolken schützen übrigens kaum. Bis zu 90 Prozent Strahlen dringen durch. Auch wer schon gebräunt ist, sollte einen hohen Filter beibehalten. Ärztin Hadshiew: "Viele werden am letzten Urlaubstag unvorsichtig. Sie glauben, dass so kurz vor dem Abflug nichts mehr passiert – und kommen dann mit Sonnenbrand heim."

Was bringt UV-Schutz-Kleidung?

Dazu existieren verschiedene Ansichten. Am sinnvollsten ­erscheinen diese Materialien wohl im Wasser, etwa beim Schnorcheln. Am besten besorgt man sich die Funktionskleidung bei Sport- oder Surfausstattern, dann ist sie meist zusätzlich atmungsaktiv und schnelltrocknend.

Was ziehe ich beim Städtetrip an?

Je mehr, desto besser. Kleidchen mit Spaghettiträgern bringen in puncto Sonnenschutz nichts. Stattdessen die Schultern bedecken, vielleicht sogar lange Ärmel wählen, wenn man länger unterwegs ist. Eine Alternative: große, leichte Tücher, die man sich bei Bedarf über die Schulter legt.

Welchen UV-Schutz brauche ich beim Sightseeing? 

Immer Sonnenschutzfaktor 50, rät Dermatologin Hadshiew. Und davon reichlich. "Wenn man nur dünn cremt, nimmt auch der Lichtschutz ab – statt Faktor 50 hat man dann vielleicht nur noch 25", so die Expertin. 

Faktor 50 heißt: Man kann 50-mal länger in der Sonne bleiben, als es der Eigenschutz der Haut eigentlich erlaubt. Klingt zunächst viel, ist aber abhängig von Hauttyp und UV-Intensität. Wer sehr helle Haut hat und schon nach fünf Minuten rot wird, hat mit Lichtschutzfaktor 50 etwa 250 Minuten Schutz, also um die vier Stunden. Dermatologen raten, dieses Limit nur zu zwei Dritteln auszureizen.

Übrigens: Sorgen wegen gelber Verfärbungen am weißen T-Shirt oder hellen Kleid sind mittlerweile meist unnötig. Zunehmend mehr Sonnencremes lassen sich gut auswaschen und machen keine Flecken.

Wie kombiniere ich Sonnenschutz und Make-up?

Sonnenpflege als Basisschutz auftragen, am besten gleich morgens. Wer dabei ein passendes Produkt für seinen Hautzustand wählt, kann laut Dermatologin Hadshiew auf die übliche Tagescreme verzichten. Darüber kommt dann das Make-up. Foundation mit Lichtschutzfaktor allein reicht nicht aus. Häufig verfügt sie nur über LSF 20 bis 30 und bietet zudem keinen ­zusätzlichen UV-A-Schutz. Außerdem wird Make-up meist nicht an allen ­­Stellen dick aufgetragen.

Warum ist Bergsonne so gefährlich? 

"Je höher man kommt, desto intensiver die Sonneneinstrahlung", sagt Dermatologin Hadshiew. Pro 1000 Höhenmeter steigt sie um circa 20 Prozent. Das gilt auch bei Nebel oder bewölktem Himmel. Hadshiew: "Viele bedenken nicht, dass sie in Gebirgsorten bereits auf einem Berg sind." ­­Davos zum Beispiel liegt auf 1600 Meter Höhe.

Empfehlenswert ist wasserfester Sonnenschutz. Beim Wandern und Mountainbiken kommt man ins Schwitzen und wischt sich die Stirn ab. Hadshiew rät allen Bergfexen zudem: früh losgehen, damit man die sonnenintensiven Mittagsstunden zwischen 11 und 15 Uhr im Schatten der Hütte verbringen kann.

Worauf muss ich besonders achten?

Schnell einen Sonnenbrand holen sich Nacken, Kopf und Ohren. Eine breitkrempige Kopfbedeckung schirmt diese Bereiche ab. Außerdem am Berg gefährdet: Hals und Brust bei offenem Hemd, die Waden bei hochgekrempelten oder kurzen Hosen sowie Hände und Unterarme! Apothekerin Supp rät zudem, die Lippen durch einen Pflegestift mit UV-Filter zu schützen.

Schadet Sonne meinen Augen?

"Gehen Sie nie ohne Sonnenbrille in die Berge, UV-A-Strahlung schädigt die Linse", sagt Hautärztin Hadshiew. Auch die Bindehaut kann Sonnenbrand kriegen. Wenn dann die Augen tränen, wird der Arzt kortisonhaltige Tropfen verordnen. Die Sonnenbrille sollte einen Rundumschutz gegen einfallende Strahlen bieten – auch von der Seite. Solche Modelle mit hoher Tönung gibt es beim Optiker oder im Outdoor-Fachgeschäft.