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Stichkunde: Welche Insekten wie zustechen

Mücken, Fliegen, Bienen, Wespen: Im Sommer ist Hochsaison für alle möglichen Insekten. Viele davon stechen für eine Blutmahlzeit oder zur Abwehr. Lesen Sie hier, vor welchen Insekten Sie auf der Hut sein sollten

von Sonja Gibis, 03.08.2018
Mücke

Gleich juckt's: Im Sommer werden wir von zahlreichen Insekten gepiesackt. Nicht alle davon sind ungefährlich


Mücke

Von der Stechmücke gibt es hunderte verschiedener Arten

Wenn eine Stechmücke ihren hauchfeinen Rüssel in die Haut versenkt, spürt das ihr Opfer zunächst kaum. Das unangenehme Jucken kommt erst danach. Ausgelöst wird es durch den Mückenspeichel. "Dieser enthält einen Gerinnungshemmer, der verhindert, dass das Blut den Mückenrüssel verstopft", erklärt Professor Tomas Jelinek, Leiter des Berliner Centrums für Reise- und Tropenmedizin. Das Immunsystem startet seine Abwehr, eine Quaddel bildet sich. ­Stechen können übrigens nur die Mückenweibchen. Um Eier zu legen, brauchen sie eine Blutmahlzeit.

Hinter Gelsen, Staunsen oder Schnaken, wie die Tiere je nach Gegend genannt werden, verbirgt sich in Deutschland nicht nur Culex pipiens, die Gemeine Stechmücke – es gibt etwa 100 verschie­dene Arten. Darunter auch tropische wie beispielsweise Anopheles- und Tigermücke.

"Krankheiten wie das Denguefieber und Malaria übertragen sie hierzulande aber nicht", beruhigt Jelinek. Doch ­jucken gerade die Stiche der kleinen Tigermücke oft heftig. "Da helfen Salben mit Antihistaminika oder leichte Kortisoncremes", rät Stefan Weidinger, Apothekeninhaber in Eschenbach (Oberpfalz).

Wadenstecher

Der Wadenstecher sieht aus wie eine Stubenfliege, sticht aber zu

Nicht unbemerkt bleibt der Stich des Wadenstechers. Der Schmerz zeigt dem Opfer, dass die vermeint­liche Stubenfliege an der Wade ihr fieser Zwillingsbruder ist – eine Stechfliege. "Wer genau hinblickt, der sieht den langen Saugrüssel, der waagerecht aus dem Kopf ragt", sagt der Münchner Zoologe Professor Gerhard Haszprunar.

Der Wadenstecher setzt seinen Rüssel vor allem im Spätsommer und Herbst ein, um Blutgefäße anzuzapfen. Da er gerne öfter zusticht, können dabei Bakterien übertragen werden. Zum Glück greifen Stechfliegen meist nur Pferde und Kühe an. 

Kriebelmücke

Kriebelmücken ritzen schmerzhafte Wunden in die Haut

Bloß eine kleine, harmlose Fliege – dafür kann man eine Kriebelmücke leicht halten, wenn sie lautlos auf dem Arm landet. Doch schon Sekunden später spürt man schmerzhaft, worauf es das Insekt abgesehen hat. "Kriebelmücken sind Poolsauger", erklärt Zoologe Haszprunar. Mit ihren Mundwerkzeugen ritzen sie die Haut an und schlürfen auf, was sich an Blut und Lymphflüssigkeit in der Kuhle ansammelt. Zurück bleibt eine kleine Wunde, die übel juckt und sich leicht infiziert. "Man sollte die Stiche desinfizieren, zum ­Beispiel mit einem Spray", rät Apotheker Weidinger.

Bremse

Kleine Wunden hinterlassen auch die Stiche einiger anderer Blutsauger. Bremsen etwa ritzen mit ihren groben Mundwerkzeugen richtige Löcher in die Haut, die mitunter sogar bluten. Angst, dass sie Borreliose übertragen, muss man laut Jelinek aber nicht haben.

Gnitze

Nicht unterschätzen sollte man auch die Stiche der winzigen Gnitzen. Der Stechrüssel der Insekten dringt beim Saugen zusammen mit dem Kopf tief in die Wunde ein, bevorzugt an Hautstellen nahe von Kleidungsrändern. Die blutsaugenden Weibchen treten abends und nachts gern in Schwärmen auf.

Wespe

Wespen: Pheromone machen auch die Artgenossen aggressiv

Gefährlich sind Wespen nicht nur im Limonadenglas oder auf der Kuchengabel. Vor allem, wenn man ihrem Nest zu nahe kommt, werden sie stechwütig. "Greift eine Wespe an, gibt sie Pheromone ab", erklärt Haszprunar. Die Duftstoffe machen ihre Genossinnen ebenfalls aggressiv. Die Tiere können zudem öfter zustechen.

Hornisse

Zu den Wespen gehören auch die Respekt einflößenden Hornissen. Über ihr Gift sind viele Legenden im Umlauf. Tatsächlich wirkt es auf den Menschen weniger stark als das einer Biene. "Doch haben die Brummer etwa acht Mal so viel Gift wie eine kleine Wespe", erklärt Haszprunar. Letztlich sind die Stiche von Bienen und Hornissen für den Menschen ähnlich schmerzhaft und giftig.

Biene

Bienen lassen ihren Stachel in der Haut und sterben nach dem Stich

Für eine Biene bedeutet ein Stich meist den Tod. Ihr Stachel bleibt in der Haut. "Man sollte ihn mit einer Pinzette entfernen", rät Weidinger. Am feststeckenden ­Stachel lässt sich erkennen, was zugestochen hat – wichtig für Al­lergiker. Denn wer auf Bienengift reagiert, tut das nicht unbedingt auch auf Wes­pengift. Allergiker sollten immer ein Notfallset bei sich tragen. Weidinger: "Dazu gehören: ein Antihistaminikum, Kortisontropfen und eine Adrenalin-Notfallspritze."

Hummel

Hummeln: Erst laut brummen, dann stechen

"Nicht jede Hummel kann stechen", erklärt Zoologe Haszprunar. Anders als bei den Honigbienen fliegen bei den Hummeln auch die Männchen von Blüte zu Blüte. Stechen können aber nur die Weibchen, und auch sie durchdringen kaum die menschliche Haut. Fühlt sich eine Hummel bedroht, dreht sie sich erst mal auf den Rücken, präsentiert ihren Stachel und brummt laut.    

So schützen Sie sich vor Insektenstichen

Der Basisschutz gegen Mücken ist lange Kleidung aus dicht gewebtem Stoff. Dieser sollte nicht zu dunkel sein, da das manche Mücken anzieht. "Insekten fliegen außerdem besonders auf Gelb", sagt Zoologe Haszprunar.

Am besten wirken Repellents, wie Insektenabwehrmittel auch genannt werden, die DEET, Icaridin oder IR3535 enthalten.

Als natürlicher Wirkstoff hat sich Para-Menthan-3,8-Diol (PMD) bewährt, das aus Zitroneneukalyptus gewonnen wird. Allerdings sind natürliche Substanzen meist weniger wirksam als chemische Repellents.