Sonnenschutz im Beruf

Eine Form von hellem Hautkrebs und ihre Vorstufen sind seit 2015 als Berufskrankheit anerkannt. Wie sich Menschen schützen können, die tagsüber draußen arbeiten

von Diana Engelmann, 19.07.2018
Sonne und Arbeit

Menschen, die berufsbedingt viel Sonnenstrahlung ausgesetzt sind, haben ein höheres Risiko für Hautkrebs


Die Sonne brennt. Auf der Baustelle am Straßenrand schuften die Arbeiter. Ihre nackten Rücken glänzen vom Schweiß. Solch eine Szene ist nicht ungewöhnlich – doch genau das sollte sie sein. Denn für Menschen, die im Freien arbeiten, hat das Thema Hautkrebs eine ganz andere Bedeutung als für Menschen, die über das Maß an UV-Strahlung in ihrer Freizeit selbst entscheiden können.

Deutlich erhöhtes Hautkrebsrisiko beim Arbeiten im Freien

"Wenn sich jemand fünf Tage in der Woche acht Stunden lang täglich draußen aufhält, ist das Risiko für Hautkrebs deutlich erhöht", sagt Professor Hans Drexler, Direktor des Instituts und der Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin an der Universität in Erlangen. Das hat auch der Gesetzgeber erkannt.

Seit dem Jahr 2015 gelten Plattenepithelkarzinome und ihre Vorstufen als Berufskrankheit. Schwarzer Hautkrebs und Basaliome nicht, weil diese Tumorarten nicht häufiger bei Menschen auftreten, die draußen arbeiten. So lautet die Begründung des Gesetzgebers.

Für Basaliome sei das Risiko bei Außenarbeiten zwar erhöht, aber es liege nach heutigem Wissensstand keine erheblich höhere Gefährdung vor, sagt Drexler.

UV-Schutz: Wie Sonnencreme funktioniert und was man beim Eincremen beachten sollte, erklärt Sabine Pusch in unserem Video

Im Hautkrebsfall springt bei Outdoorberufen die gesetzliche Unfallversicherung ein

Betroffen sind alle, die im Freien arbeiten, etwa Bauarbeiter, Dachdecker, Bademeister, Mitarbeiter der Müllabfuhr und Landwirte. Für diese Berufsgruppen bedeutet der Status von Hautkrebs als Berufskrankheit vor allem, dass sie besser versorgt werden, sollten sie erkranken.

"Dann muss der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung mit allen geeigneten Mitteln entgegenwirken", erklärt Drexler. Das heißt: ­Betroffene erhalten eine bessere Behandlung als im Leistungskatalog der Krankenkassen vorgesehen. Meistens kommen die Berufsgenossenschaften für die Kosten auf – laut Experte Drexler "quasi die Haftpflichtversicherung der Arbeitgeber".

Auch Angehörige werden finanziell unterstützt

Ist die Krankheit weiter fortgeschritten, steht den Betroffenen und ihren Angehörigen finanzielle Unterstützung zu, eine Art Schmerzensgeld. Das Geld kommt von der Berufsgenossenschaft oder einer anderen Unfallversicherung. Drexler: "Das können je nach Schwere der Erkrankung ein paar Hundert Euro im Monat sein."

Damit im besten Fall erst gar kein Tumor entsteht, muss der Arbeitgeber Maßnahmen zum Schutz seiner Angestellten ergreifen, zum Beispiel für Schatten sorgen, wo das möglich ist. "Sonnensegel bieten sich an", sagt Drexler.

Mittagszeit meiden

Außerdem muss der Arbeitgeber die Arbeitszeit so organisieren, dass die Risiken durch UV-Strahlen minimiert werden. Er sollte also seine Angestellten nicht der besonders gefährlichen Mittagssonne aussetzen.

Auf Autobahn-Baustellen etwa wird in zwei Schichten gearbeitet. "Die eine könnte um elf Uhr enden, die andere um 15 Uhr beginnen", sagt Drexler. Morgens und abends könne man seinen Job relativ bedenkenlos draußen erledigen.

Helme und lange Ärmel als Schutz

Zuletzt muss der Chef Arbeitskleidung zur Verfügung stellen, die bestmöglich vor Sonne schützt. Also langärmelige Hemden sowie Helme mit Nackenschutz und breitem Rand, damit auch die Ohren bedeckt sind.

Sonnencreme kommt nur ins Spiel, wenn kein Schatten gespendet werden kann. "Sie schützt kaum vor Hautkrebs", sagt Claus Garbe vom Hauttumorzentrum Tübingen. "Bereits relativ geringe Mengen UV- Strahlen, die Sonnenschutzmittel nicht komplett abfiltern, können Mutationen auslösen." Auch könne man gar nicht so viel Creme auftragen, wie nötig, um den angegebenen LSF zu erreichen. Der wird nämlich unter Idealbedingungen getestet.