Sind Hautkorrekturen per Laser riskant?

In Deutschland darf jeder mit ­Lasergeräten der höchsten Gefährdungsklasse hantieren. Warum das problematisch ist und bleibende Schäden verursachen kann

von Dr. Reinhard Door, 27.06.2017

Ein Arzt entfernt einen Schönheitsmakel per Laser (Simulation)


Das Muttermal stört schon lange. Altersflecken sollen für immer verschwinden, die Haare an den Beinen sowieso. Die Besenreiser auf den Schenkeln sind auch kein Hingucker – und längst bereut man das Tattoo mit dem Namen der Ex. Diese Spuren auf der Haut können durch leistungsstarke Geräte beseitigt werden: vor allem mit Lasern, in manchen Fällen mit Blitzlampen. So werden im Tattoostudio Tätowierungen ausgebleicht, und im Kosmetiksalon wird fleißig epiliert.

Alles kein Problem? Doch, findet die Bundesregierung, von den Grünen im Bundestag zum Thema befragt. Besonders beim Entfernen von Tattoos werde mit Lasern der höchsten Risikoklasse gearbeitet, es drohten Verbrennungen und bleibende Narben, bei mangelhaftem Augenschutz sogar Schäden an der Netzhaut.

Bisher keinerlei Qualifikation vorgeschrieben

Trotz des immensen Gefährdungspotenzials kann sich jeder ein Lasergerät kaufen und anwenden, der sich dazu berufen fühlt. Selbst für das Wegbrennen von Altersflecken oder Muttermalen ist keine Qualifikation vorgeschrieben, schon gar keine medizinische Fachkenntnis, obwohl sich hinter einem "Leberfleck" auch mal ein bösartiger Hautkrebs verbergen kann.

"Mit Laserstrahlen kann man sehr großen Schaden anrichten", sagt Professor Philipp Babilas, Leiter des Hautzentrums Regensburg. Babilas hat viele Gutachten für Gerichte angefertigt, die sich mit Verbrennungen durch den gebündelten Lichtstrahl befassten.

Löcher in der Haut durch Laser

"Zum Teil ging es um regelrechte Löcher in der Haut", sagt der Dermatologe. Genauso sehr beunruhigt ihn der Einsatz der Technik bei Muttermalen. Dieser sollte aus diversen Gründen generell tabu sein. Zum einen, weil er keinen kosmetischen Vorteil bringt: Entweder die Strahlen dringen nicht tief genug in die Haut ein, dann kommt der "Leberfleck" wieder. Oder er wird vollständig verbrannt, was aber eine Narbe hinterlässt – eine viel hässlichere, als sie möglicherweise beim Herausschneiden des sogenannten Naevus zurückbleibt.

Vor allem aber kann das Verbrennen des Hautmals eine Krebsdiagnose verhindern. Im entnommenen Hautstück können Pathologen nach bösartigen Zellen fahnden, im verbrannten Areal ist das kaum möglich.

Außerdem gibt es Indizien dafür, dass die Bestrahlung eines unerkannten Melanoms dessen Wachstum verändern kann. Auch wenn der endgültige Beleg fehlt, dass dieser Tumor dadurch schneller Metastasen bildet: Vorsicht ist allemal geboten. Dasselbe gilt für die Laser-Epilation lästiger Haare. Ist der Haarwuchs ungewöhnlich stark, liegt das eventuell an einer bei Frauen häu­­figen Stoffwechselstörung.

Durch Bestrahlung von Tattoos kann Gift entstehen

Auch das Entfernen einer Tätowierung ist nicht ohne Risiken. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat untersucht, welche Spaltprodukte beim Weglasern des meistverwendeten blauen Farbstoffs entstehen. Darunter fanden sich einige Substanzen in so hohen Mengen, dass sie Zellschäden verursachen können, berichtet die Behörde. Auch Narben und allergische Reaktionen sind möglich. Allerdings wurden die Risiken der Tattooausbleichung kaum untersucht. Das BfR rät nicht generell davon ab, empfiehlt aber, sich dafür geschultes Personal zu suchen.

Damit bleibt sich der Verbraucher freilich selbst überlassen. Denn strenge Vorgaben zur Ausbildung oder zu den verwendeten Farbstoffen gibt es nicht. Mancher Betreiber eines Studios, der das Entfernen von Tattoos anbietet, hat sich gründlich mit den technischen und physikalischen Grundlagen seiner Gerätschaft befasst. Manch anderer nimmt es nicht so genau. Es bestehe häufig ein Qualifikationsproblem, stellt die Strahlenschutzkommission fest, die das Umweltministerium berät.

Empfehlungen zu den Anforderungen in Arbeit

Im vergangenen Jahr überarbeitete die Kommission ihre "Empfehlungen zum Gefährdungspotenzial" durch Laser und Blitzlampen. Darin formulierte sie detaillierte Anforderungen, die jeder Anwender erfüllen sollte – auch ein medizinischer Laie. Zumindest bevor diese umgesetzt werden, sollte sich besser jeder, der eine kos­metische Hautbehandlung wünscht, an einen Arzt wenden.

Auch die Bundesregierung sieht es in ihrer Antwort auf die Grünen-Anfrage als erforderlich an, die "Anforderungen im Hinblick auf Fach- und Sachkunde (...) zu konkretisieren".