Reife Haut: Was gegen Pickel hilft

Auch bei reifer Haut sprießen mitunter lästige Pickel. Was Experten raten, um das Problem in den Griff zu bekommen
von Ulrike Kleiner, aktualisiert am 10.10.2016

Sanft pflegen: Hormone, Stress und Pflegefehler können zu Pickeln führen

W&B/Fancy

Welche Unreinheiten können bei reifer Haut auftreten?

"Im Alter ist die Haut weniger fettig und zeigt weniger Mitesser. Dafür sitzen Entzündungen tiefer", sagt Dr. Birgit Kunze, Dermatologin und Akne-Spezialistin in Hamburg.

Was verursacht sie?

Auslöser sind in den meisten Fällen Hormone. Androgene, die in der
Pubertät eine entscheidende Rolle spielen, sind aber nur indirekt beteiligt. "Die eigentlichen Pickelverursacher sind Stresshormone, welche die Wirkung der männlichen Hormone verstärken", so Kunze. Aber auch keimbelastete Finger können Entzündungen auslösen. Keime sind allgegenwärtig. Sie können zum Beispiel von einer Tastatur über die Finger ins Gesicht gelangen. Von innen können Medikamente wie manche Antibio­tika, aber auch scharfes ­Essen und Zitrusfrüchte Pickel sprießen lassen. Weil reife Haut Hornschüppchen nicht mehr so gut abstößt, können ebenfalls einzelne Poren verstopfen.

Handelt es sich bei mir um Stresspickel oder Vorboten der Wechseljahre?

Das lässt sich rein optisch nicht feststellen. Dermatologin Kunze: "Hormonell bedingte Unreinheiten sind in der Regel hartnäckiger und treten eher an den Wangen auf." Stresspickel dagegen entstehen häufig an Hals und Haaransatz.

Kann auch falsche Pflege zu Unreinheiten führen?

Ja. Am meisten schaden Sie Ihrer Haut, wenn Sie sie zu scharf mit Tensiden wie Natriumlaurylsulfat reinigen. Diese stecken auch in Zahnpasta und können eine Erklärung für Pickelchen im Mundbereich sein. Bei einer solchen sogenannten ­perioralen Dermatitis hilft nur, den Auslöser zu finden und wegzu­lassen.

Auch häufiges Peelen ­­beeinträchtigt den Eigenschutz der Haut. "Schützende Hornschicht­lipide ­werden ausgewaschen, der Säureschutzmantel, der Bakterien abwehrt, wird zerstört", warnt Haut­ärztin Kunze. Ist die Haut erst einmal empfindlich geschrubbt, ­reagiert sie verstärkt auf Konservierungsmittel, Farb- und Duftstoffe sowie Emulgatoren. Ein weiterer Pflegefehler: die Haut mit Wirkstoffen zu überfüttern.

Ist meine Tagespflege zu reichhaltig für mich?

Waschen Sie das Gesicht morgens mit klarem Wasser, und cremen Sie es dann ein. "Glänzt die Haut nach fünf Minuten noch, enthält die Tages­­pflege zu viel Fett", sagt Kunze.

Die Pickel blühen bereits. Was kann ich tun?

Als Erste-Hilfe-Maßnahme sollten Sie die entzündeten Stellen keimfrei machen: "Sprühen Sie Hautdesinfektionsmittel auf ein Wattepad und lassen es 20 Minuten lang auf dem Pickel wirken", sagt Birgit Kunze. Nadeschda Astapov, Kosmetikerin in einer Apotheke in Kassel, rückt den eitrigen Pünktchen mit einem minzehaltigen Spezialtupfer zu Leibe und kaschiert die Stelle hinterher mit einem Abdeckstift mit Salizylsäure. Es gibt auch zweiseitige Roll-on-Stifte, die desinfizieren und abdecken. Ein Anti-Pickel-Aktivgel mit Salbei, Zitronengras und Weidenrinde entzieht Pickeln ebenfalls den Nährboden.

Wie muss ich anspruchsvolle Haut pflegen, damit Pickel erst gar nicht entstehen?

Das Wichtigste ist, mild zu reinigen, etwa mit einem Produkt mit Glyzerin und Bisabolol. Eine Lotion mit Thermalwasser oder eine Milch mit Hyaluronsäure ist gut bei trockener Haut, milder Waschschaum mit Glutaminsäure empfiehlt sich bei eher öliger Haut. "Ein Tonic mit Panthenol und Hamamelis hilft, den Säureschutz wieder aufzubauen", so Astapov.

"Bei trockener Haut sollte es keinen Alkohol enthalten." Verstopften Poren vorbeugen lässt sich mit einem sanften Peeling, das Milchsäureperlen oder Enzyme enthält. Verwenden Sie es aber nicht zu häufig. Hinterher eine Feuchtigkeitsmaske einwirken lassen oder eine Feuchtigkeits­­­creme auftragen. Statt zu peelen, können Sie hornhautlösende Creme verwenden, etwa mit zehnprozentiger Fruchtsäure. Gegen tief sitzende Unreinheiten hilft eine ölfreie Pflege mit Glyzerin, Niacinamid und Zink, die gleichzeitig als Make-up-Unter­lage funktioniert.

Darf ich nach der Pflege Make-up auftragen?

Ja, aber die Grundierung sollte die Poren nicht verschließen. Make-up mit antibakterieller Wirkung erstickt Entzündungen im Keim. Astapov empfiehlt ein leichtes Make-up-Fluid und transparenten Mineral- oder Mosaikpuder.


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