Rasieren: So schützen Sie die Haut

Weich soll Männerhaut nach der Rasur sein. Stattdessen ist sie oft gereizt. Wie Sie Irritationen vermeiden

von Julia Weidner, 11.02.2011

DAS PROBLEM

Mit 55 Jahren hat ein Mann schon etwa 3500 Stunden seines Lebens mit Rasieren verbracht. Ob dabei Lust oder Frust aufkommt, hängt davon ab, ob sich die Rasiertechnik für die Haut- und Haarbeschaffenheit eignet. Grundsätzlich gilt: Egal ob nass oder trocken – jede Rasur stresst die Haut. Etwa 0,1 Millimeter der oberen Hornschicht werden abgetragen, und selbst sanfteste Schersysteme oder Rasierklingen verletzen die Haut.

DIE URSACHE

Eine robuste Haut kann die kleinen Wunden schnell selbst reparieren. Sensible Haut dagegen bleibt gereizt. Sie trocknet aus, brennt, und Flecken oder Pickel bilden sich. Kommt sie jetzt noch mit den falschen Pflegeprodukten in Berührung, die sie beispielsweise austrocknen, kann obendrein ihr natürlicher Säureschutzmantel verloren gehen.

Aber auch robustere Haut reagiert manchmal empfindlich. Stumpfe Rasierklingen etwa schneiden die Barthaare nicht ab, sondern zerren sie aus dem Schaft, was vorübergehend zu unschönen Papeln führen kann. "Entzündete Haarbälge, die häufig mit eitrigen Pickeln einhergehen, entstehen zudem oft durch schlecht gereinigte Rasierer oder wenn etwa Pickel angeschnitten werden", sagt der Münchner Hautarzt Dr. Thomas Hebel. "Auch eingewachsene Haare können diese sogenannte Rasurfollikulitis auslösen."

Bei stark verhornter Haut legen sich die Haare unter der Haut zuweilen quer, wachsen dort weiter und bilden kleine Papeln. Werden sie beim Rasieren aufgeschnitten, gelangen möglicherweise Krankheitserreger in den Haarbalg und lösen eine Entzündung aus. Auch Männer mit kräftigen, gekräuselten Barthaaren leiden häufig unter entzündeten Haarbälgen: Wenn die Haare länger werden, machen sie kehrt und wachsen nicht selten wieder in die Haut hinein.

DIE LÖSUNG

Am wichtigsten ist die Entscheidung: nass oder trocken? Vorteil der Nassrasur: Sie ist ein erfrischendes Morgenritual, und die modernen, ausgefeilten Klingensysteme passen sich optimal der Gesichtsform an. Weil das Barthaar durch warmes Wasser und Rasierschaum oder Gel aufquillt, lässt es sich leichter kappen. Außerdem gleitet der Rasierer besser – auch das schont Haut und Klinge. Nachteil: Bei zu viel Druck auf die Klinge begünstigt die Nassrasur Schnittwunden und Entzündungen sowie langfristig trockene Haut.

Bei feuchtigkeitsarmer Haut empfiehlt Dermatologe Hebel die Trockenrasur: "Sie ist in diesem Fall schonender, weil die Haut nicht direkt mit der Klinge in Berührung kommt. So wird die Verletzungsgefahr minimiert, was auch bei Akne von Vorteil ist." Außerdem ist die Trockenrasur eine unkomplizierte Angelegenheit. Ein Wermutstropfen: So gründlich wie die Klinge entfernt sie die Stoppeln nicht.

WAS DER APOTHEKER RÄT

Für ein angenehmes, zartes Hautgefühl nach dem Rasieren spielen auch die Inhaltsstoffe der Pflegeprodukte eine wichtige Rolle. Dr. Cyrus Ehtechami, Apotheker in München, rät: "Bei empfindlicher und trockener Haut sollten Sie keine alkoholhaltigen Schäume und After- Shaves verwenden. Sie reizen die Haut und trocknen sie zusätzlich aus. Besser sind alkoholfreies Rasiergel und After-Shave-Balsam mit entzündungshemmendem Thermalwasser. Das Gel bildet einen Film, der hilft, den natürlichen Schutzmantel der Haut zu erhalten. Regenerierendes Allantoin pflegt und beruhigt, Lipo-Hydroxy-Säure peelt die Haut sanft und sorgt so für einen glatten Teint.

Ideal bei eingewachsenen Haaren und entzündeten Pickeln: eine glycerolhaltige Creme, die am Abend aufgetragen wird und so gleichsam im Schlaf die Hornschicht löst. Urea hält die Haarbälge offen, Kupfer- und Zinksulfat beugen Infektionen vor. Nach der Rasur bremst ein beruhigendes After-Shave-Fluid mit Kürbiskern-Extrakt die Talgbildung. Alpha-Bisabolol desinfiziert, Glyzerin und Färberdistelöl schützen vor dem Austrocknen."

 

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