Nesselsucht (Urtikaria): Therapie

Eine Urtikaria lässt sich oft mit Antihistaminika behandeln. Teilweise ist es auch wichtig, den auslösenden Reiz zu meiden

von Dr. Angela Unholzer, aktualisiert am 28.12.2016

Da juckende Quaddeln auf der Haut durch den körpereigenen Stoff Histamin ausgelöst werden, können Antihistaminika – etwa als Tablette – die Beschwerden lindern


Eine akut spontane Urtikaria klingt innerhalb einiger Wochen von selbst wieder ab. Bis dahin lässt sich die Quaddelbildung durch ein Antihistaminikum in Form von Tabletten unterdrücken. Wird die Nesselsucht durch einen akuten Infekt ausgelöst, verschwindet sie spätestens zwei bis drei Wochen nach Abheilung des Infekts. Ein Antibiotikum kann hilfreich sein, wenn es sich um eine bakterielle Infektion handelt. Wichtig: In jedem Fall sollten Ursache und individuell passende Therapie beim Arzt abgeklärt werden.

Bei einer chronisch spontanen Urtikaria steht die ursächliche Therapie im Vordergrund: Falls ein chronischer Infekt nachweisbar ist, kann der Arzt ihn mit einem Antibiotikum behandeln. Im Falle einer chronischen oder chronisch wiederkehrenden Entzündung der Rachenmandeln (Tonsillitis) oder der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) kommt auch eine Operation in Betracht. Nach erfolgreicher Therapie des Infekts dauert es zwei bis drei Wochen, bis die Nesselsucht abheilt oder zumindest deutlich in ihrer Intensität abnimmt.

Eine Intoleranzurtikaria bessert sich oder verschwindet, wenn der Betroffene bestimmte Lebensmittel-Inhaltsstoffe beziehungsweise Medikamente meidet. Schmerzmittel und Entzündungshemmer wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Diclofenac können eine Intoleranzurtikaria auslösen, aber auch eine bereits bestehende Urtikaria verschlechtern. Daher sollten Patienten mit Nesselsucht mit ihrem Arzt besprechen, ob sie auf diese Medikamente verzichten können. Als Alternative zu diesen Substanzen kommt zum Beispiel Paracetamol in Betracht. Achtung: Medikamente nicht in Eigenregie absetzen oder wechseln, sondern nur nach Rücksprache mit dem Arzt!

Immer wieder kommt es vor, dass ein Patient mit der zugelassenen Dosis von einer Antihistaminikum-Tablette pro Tag nicht beschwerdefrei wird. In diesen Fällen können nach Rücksprache mit dem Arzt bis zu vier Tabletten pro Tag eingenommen werden. Allerdings sind Antihistaminika in dieser Dosierung nicht offiziell für die Behandlung der Urtikaria zugelassen. Arzt und Patient müssen also gemeinsam ausführlich besprechen, ob die hochdosierte Antihistaminika-Therapie im Einzelfall infrage kommt und welche Risiken bestehen. Die häufigste Nebenwirkung ist Müdigkeit. In solchen Fällen kann der Arzt die Behandlung auf ein anderes Antihistaminikum umstellen, denn die Wirksamkeit und die Verträglichkeit dieser Wirkstoffe sind individuell unterschiedlich.

Bei einer besonders schweren akut spontanen Urtikaria muss der Patient unter Umständen zu einer Infusionsbehandlung mit einem Antihistaminikum für einige Tage ins Krankenhaus.

Im Falle einer ausgeprägten chronisch spontanen Urtikaria setzt der Arzt normalerweise keine Glukokortikoide (Kortisonpräparate) ein. Stattdessen verabreicht er in schweren Fällen zusätzlich zu einem Antihistaminikum die Wirkstoffe Ranitidin und Montelukast. In extrem schweren Fällen, insbesondere bei einer autoreaktiven Urtikaria, kommt eine Kombination aus einem Antihistaminikum mit Dapson, Chloroquin oder Ciclosporin in Betracht. Allerdings sind die genannten Arzneimittel nicht offiziell für die Behandlung der Urtikaria zugelassen. Arzt und Patient sollten ausführlich besprechen, ob die Therapie im Einzelfall infrage kommt, welche Risiken bestehen und welche Nebenwirkungen auftreten können.

Wenn diese Behandlung nicht ausreicht, um die Quaddelbildung bei einer chronisch spontanen Urtikaria zu unterdrücken, verordnet der Arzt zusätzlich Spritzen mit dem Wirkstoff Omalizumab. Dabei handelt es sich um einen Antikörper gegen körpereigene Eiweißsubstanzen der Klasse Immunglobulin E (IgE). Letztlich hemmt das Medikament die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen aus Mastzellen. Während der Therapie mit Omalizumab wird die Behandlung mit Tabletten fortgesetzt.

Ein Angioödem mit ausgeprägter Schwellung der Zunge, des Rachens oder des Kehlkopfes kann im Extremfall zu einer Verlegung der Atemwege führen. Daher injiziert der Arzt in solchen Fällen ein Antihistaminikum und ein Glukokortikoid in eine Vene. Anschließend legt er eine Dauerinfusion mit einem Antihistaminikum und lässt den Patienten stationär überwachen.