Nesselsucht (Urtikaria): Diagnose

Der Arzt befragt den Patienten nach der Vorgeschichte und nach möglichen Auslösern für die Quaddelbildung. Anschließend untersucht er die Haut mit dem bloßen Auge
von Dr. Angela Unholzer, aktualisiert am 28.12.2016

Blutentnahme: Bestimmte Blutwerte geben Auskunft über mögliche Ursachen einer Urtikaria

Panthermedia/Josef Müller

Der Arzt fragt den Patienten, wie lange die aktuellen Beschwerden bestehen, ob bereits früher Quaddeln aufgetreten sind und ob zu irgendeinem Zeitpunkt eine Gesichtsschwellung bestanden hat. Er erkundigt sich, ob der Betroffene einen Zusammenhang mit einem äußeren Auslöser festgestellt hat und ob Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt sind. Außerdem fragt er nach inneren Erkrankungen, akuten und chronischen Infekten sowie nach der Einnahme von Medikamenten. Dabei interessiert ihn besonders die Anwendung von Schmerzmitteln und Entzündungshemmern. Anschließend untersucht der Arzt die Haut mit dem bloßen Auge.

Bei einer akut spontanen Urtikaria sind weitere Untersuchungen in der Regel nicht notwendig. Lediglich wenn die Angaben des Patienten eine Allergie vom Soforttyp vermuten lassen, führt der Arzt allergologische Hauttests sowie Blutuntersuchungen auf spezifische Antikörper vom IgE-Typ durch.

Wann ein Blutbild wichtig ist

Bei einem Patienten mit chronisch spontaner Urtikaria lässt der Arzt das Blutbild sowie die Entzündungswerte, Leberenzyme und Schilddrüsenhormone im Blut bestimmen. Auch lässt er nach Antikörpern fahnden, die gegen Hepatitis-Viren oder gegen bestimmte Bakterien, wie Streptokokken, gerichtet sind. Solche Antikörper können auf chronische Infektionen mit diesen Erregern hinweisen. Ergänzend kann der Arzt den Patienten zum Zahnarzt und HNO-Arzt schicken. Außerdem lässt er abklären, ob eine Infektion des Magens mit dem Bakterium Helicobacter pylori vorliegt. Letzteres ist durch einen Atemtest oder alternativ durch eine spezielle Stuhluntersuchung möglich. Schließlich lässt der Arzt im Stuhl des Patienten nach krank machenden Bakterien wie Shigellen, Salmonellen und Yersinien sowie nach Würmern und anderen Parasiten fahnden.

Vermutet der Arzt eine Intoleranzurtikaria, empfiehlt er dem Patienten eine vierwöchige pseudoallergenarme Diät. Dabei meidet der Betroffene künstliche Lebensmittel-Zusatzstoffe sowie natürliche Substanzen, die die Quaddelbildung fördern können. Wenn sich die Nesselsucht während der Diät bessert, spricht dies dafür, dass eine Unverträglichkeit (Intoleranz) gegenüber diesen Stoffen die Urtikaria ausgelöst oder zumindest verschlechtert hat. Eine solche Diät sollte aber nicht in Eigenregie, sondern nur in Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Autologer Serumtest bei Verdacht auf autoreaktive Urtikaria

Wenn bei einem Patienten mit einer chronisch spontanen Urtikaria kein Infekt nachweisbar ist und auch eine pseudoallergenarme Diät nicht zur Besserung führt, kann eine autoreaktive Urtikaria vorliegen. Um dies abzuklären, führt der Arzt einen autologen Serumtest durch. Dazu entnimmt er dem Patienten etwas Blut und zentrifugiert dieses. Das so gewonnene Serum injiziert er in die Haut. Eine Quaddel an der Injektionsstelle zeigt, dass das Blut des Betroffenen mastzellaktivierende Stoffe enthält. Am häufigsten sind dies Antikörper der Klasse IgE.

Im Fall einer induzierbaren Urtikaria sichert der Arzt die Diagnose durch einen Provokationstest mit dem entsprechenden auslösenden Reiz. Bei Patienten mit einer Kälteurtikaria oder einer Urticaria factitia sucht er – ebenso wie bei Betroffenen mit einer chronisch spontanen Urtikaria – nach Infekten. Bei den anderen Formen der induzierbaren Urtikaria ist eine Durchuntersuchung nicht erforderlich.


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