Krätze: Therapie

Die Krätze kann mit Anti-Milben-Mitteln (Antiskabiosa, Akarizide oder Skabizide) zum Auftragen oder zum Einnehmen behandelt werden

aktualisiert am 22.12.2016

Zur Therapie der Krätze werden die betroffenen Hautstellen meist mit Anti-Milben-Mitteln eingecremt. Seit Mai 2016 kann auch innerlich mit Tabletten behandelt werden


Normalerweise kann die Krätze gut behandelt werden. Zur Therapie stehen mehrere Anti-Milben-Mittel zur Verfügung. Das Ziel ist, alle vorhandenen Krätzmilben in und auf der Haut abzutöten. Da manche Präparate starke Nebenwirkungen haben, wägt der Arzt sorgfältig ab, welche Medikament er einsetzt. Vor allem bei Schwangeren, Stillenden und Kindern ist besondere Vorsicht geboten. Betroffene sollten sich individuell beraten lassen und sich genau an die ärztlichen Anweisungen halten.

Häufig kommt zur Therapie der Krätze der Wirkstoff Permethrin in Form einer Creme zum Einsatz. Das Mittel wird nach Anweisung des Arztes großflächig aufgetragen und nach einem Zeitraum von acht bis zwölf Stunden gründlich abgewaschen. Trägt eine nicht betroffene Person – zum Beispiel die Mutter – das Mittel auf, sollte sie dabei Handschuhe verwenden. Die Patienten sollten im Anschluss an die Behandlung frische Wäsche anziehen und die Bettwäsche wechseln.

Oft reicht eine Therapieeinheit mit dem Wirkstoff aus. Sind nach zwei Wochen immer noch Anzeichen der Krätze vorhanden, wird der Arzt dazu raten, die Anwendung zu wiederholen. Weitere ärztliche Kontrollen finden meistens noch bis zu vier Wochen nach Therapiebeginn statt, um ein Wiederaufflammen der Erkrankung auszuschließen.

Auch wenn die Milben erfolgreich bekämpft wurden, können Juckreiz und Hautveränderungen noch einige Wochen bestehen bleiben. Der Arzt spricht dann von einem postskabiösen Ekzem, also von einer Entzündung der Haut, die im Gefolge der Skabies auftritt. Auch wenn alle Milben und Milbeneier abgetötet wurden, können Bestandteile der Parasiten in der Haut zurückbleiben und die Entzündungsreaktion des körpereigenen Abwehrsystems aufrechterhalten. Diese Hautreizung behandelt der Arzt mit antientzündlichen Salben und Cremes. Zusätzlich sollte der Betroffene für einige Wochen regelmäßig eine rückfettende Pflegecreme auftragen, damit die Haut sich schneller erholt.

Normalerweise wird Permethrin zur Behandlung der Krätze gut vertragen. In großen Mengen ist es allerdings giftig. Damit der Körper nicht zu viel von dem Medikament aufnimmt, ist es ratsam, die Haut genau nach ärztlicher Anweisung einzureiben. Soweit es möglich ist, sollte das Mittel auch nicht auf Wunden aufgetragen werden. Wenn bei Erwachsenen auch die stärker verhornten Fußflächen von der Krätze befallen sind, kann es sinnvoll sein, diese zuvor mit Hornhaut erweichenden Mitteln zu behandeln – zum Beispiel mit Salizylsäure. Ist die Haut durch die Krätze stark entzündet, kann der Arzt vor der eigentlichen Behandlung eine entzündungshemmende, meist kortisonhaltige Salbe verordnen.

Aufgrund der möglichen Nebenwirkungen sollten Kleinkinder und Säuglinge nur unter strenger ärztlicher Kontrolle behandelt werden. Aus Vorsichtsgründen ist es ratsam, Kinder nicht warm zu baden, bevor man die Salbe aufträgt. Durch die Wärme wird die Haut stärker durchblutet, wodurch größere Mengen des Wirkstoffs aufgenommen werden könnten.

Weitere Wirkstoffe wie Crotamiton oder Benzylbenzoat können ebenfalls zur äußerlichen Behandlung der Krätze eingesetzt werden.

Seit Mai 2016 ist in Deutschland mit Ivermectin erstmals eine Substanz zur innerlichen Therapie der Krätze offiziell zugelassen. Wie die äußerliche Behandlung wird auch die Therapie mit Ivermectin-Tabletten einmalig durchgeführt. Dabei richtet sich die Dosierung nach dem Körpergewicht des Patienten. Falls 14 Tage nach der Einnahme weiterhin Krankheitszeichen bestehen, kann die Behandlung wiederholt werden. Vorteilhaft kann die innerliche Behandlung mit Ivermectin bei Patienten sein, bei denen eine äußerliche Behandlung der Skabies bereits versagt hat oder von vorneherein nicht viel Erfolg verspricht. Dies ist beispielsweise bei Menschen der Fall, die im Sinne einer Borkenkrätze mit hunderten von Milben befallen sind. Bei besondes schwer betroffenen Patienten kann der Arzt sogar eine Kombination aus innerlicher und äußerlicher Behandlung verordnen. Die innere Therapie kann auch dann angebracht sein, wenn nicht gewährleistet ist, dass die skabizide Creme mindestens acht Stunden auf der Haut einwirken kann – zum Beispiel aufgrund einer geistigen Behinderung. Patienten mit Krätze sollten mit ihrem Arzt besprechen, welche Therapie in ihrem individuellen Fall am besten geeignet ist.

Tritt die Krätze in der Schwangerschaft oder Stillzeit auf, ist die Behandlung schwieriger. In Deutschland ist bislang kein Mittel gegen Krätze bei Schwangeren oder Stillenden offiziell zugelassen. Der Arzt wägt daher im Einzelfall gründlich ab, welches Medikament er gegen die Krätze verordnet.

Allgemeine Maßnahmen

Zusätzlich sollte die medikamentöse Therapie durch allgemeine Maßnahmen ergänzt werden. Insbesondere Wäschestücke, die intensiv mit der Haut in Kontakt kommen (Bettwäsche, Handtücher, Unterwäsche), stellen eine potenzielle Ansteckungs-Quelle dar. Wäscht man sie bei 60 °C, werden normalerweise alle noch vorhandenen Skabiesmilben abgetötet. Textilien, die nicht gewaschen werden dürfen, am besten über vier Tage bei Raumtemperatur in einem Plastiksack verstauen, bis die Milben abgestorben sind. Von Polstermöbeln geht üblicherweise keine Gefahr mehr aus, wenn sie gründlich abgesaugt und vier Tage lang nicht benutzt werden.

Meistens besteht schon acht bis zwölf Stunden, nachdem das Anti-Milben-Mittel aufgetragen wurde, keine Ansteckungsgefahr mehr. Das bedeutet, Kinder können nach dieser Zeit wieder in den Kindergarten und die Schule gehen, Erwachsene wieder ihre Arbeit aufnehmen.

Nur sehr selten führt die Krätze zu Komplikationen. In den meisten Fällen können die Krätzmilben durch eine geeignete Behandlung abgetötet werden. Ein geschwächtes Immunsystem erhöht jedoch die Gefahr komplizierter Verläufe von Krätze. In solchen Fällen ist es wichtig, dass der Gesundheitszustand durch den Arzt engmaschig überwacht wird. In schweren Fällen bildet sich eine Wundrose (Erysipel). Gelangen Bakterien in die Blutbahn, kann es schlimmstensfalls zur Blutvergiftung (Sepsis) kommen.

Der Krätze lässt sich vorbeugen, indem man auf eine gründliche Körperhygiene achtet, engen Körperkontakt zu Betroffenen vermeidet und auf Reisen auf Übernachtungen in ungepflegten Billig-Unterkünften verzichtet. Manchmal ist es auch sinnvoll, enge Kontaktpersonen mitzubehandeln. Ob das im individuellen Fall ratsam ist, entscheidet am besten der behandelnde Arzt.