Infantiles Hämangiom: Therapie

Oft verschwindet ein Hämangiom von selbst. In manchen Fällen muss es behandelt werden

von Dr. Angela Unholzer, aktualisiert am 15.11.2016
Mutter mit Kind beim Arzt

Nicht immer bedarf ein Blutschwamm einer Therapie. Es sollten allerdings regelmäßige Kontrollen beim Arzt stattfinden


Da sich ein infantiles Hämangiom in der Regel von selbst zurückbildet, ist bei vielen Betroffenen keine Therapie erforderlich. In besonderen Fällen ist es aber ratsam, frühzeitig zu behandeln. Dann wird das Hämangiom zumeist mit flüssigem Stickstoff vereist (Kryotherapie) oder mit einem Laser verödet. Seltener ist eine chirurgische Entfernung erforderlich. In besonders schwierigen Fällen behandelt der Arzt innerlich mit einem Kortisonpräparat (Glukokortikoid) oder mit dem Betablocker Propranolol.

Bei einem kleinen infantilen Hämangiom am Oberkörper, an einem Arm oder einem Bein kann zumeist die spontane Rückbildung abgewartet werden. Sicherheitshalber führt der Arzt regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch, um nicht ein unerwartet rasches Wachstum zu übersehen.

Auch wenn die Eltern berichten, dass der Knoten bereits aufgehört hat zu wachsen, verzichtet der Arzt in der Regel auf eine Therapie. In der Stillstandsphase verbessert eine Behandlung das zu erwartende Endergebnis nämlich nicht. Auch wenn das Kind sechs Monate alt ist, kann davon ausgegangen werden, dass das Wachstum des Hämangioms abgeschlossen ist.

In einigen besonderen Situationen muss ein infantiles Hämangiom jedoch zeitnah behandelt werden:

  • Ein Hämangiom an einer problematischen Stelle:
    • Augennähe
    • Lippen, Nase, Ohrmuschel
    • Finger
    • Analbereich, Genitalbereich
    • Hautfalten: Hals, Achselhöhlen, Leisten
    • Bei Mädchen: Brust, Dekolleté
  • Ein besonders ausgedehntes oder besonders schnell wachsendes Hämangiom
  • Ein Hämangiom, das bereits zu Komplikationen geführt hat oder bei dem akute Komplikationen zu befürchten sind

Dabei wird grundsätzlich nicht angestrebt, das Hämangiom sofort zu beseitigen. Vielmehr zielt die Therapie darauf ab, ein weiteres Wachstum zu verhindern und vorzeitig die Stillstandsphase und anschließend die Regressionsphase einzuleiten.

Ein flaches Hämangiom mit einer Oberfläche von bis zu drei Quadratzentimetern und einer Tiefenausdehnung bis zu vier Millimetern wird in den meisten Fällen vereist (Kryotherapie). Dazu kühlt der Arzt einen Stempel aus Metall mit flüssigem Stickstoff und drückt diesen anschließend für einige Sekunden auf den Blutschwamm. Bei Hämangiomen von größerer Fläche und einer Dicke von bis zu zwei Millimetern kann ein gepulster Farbstofflaser eingesetzt werden. Auch bei dickeren Blutschwämmen kann eine Vereisung oder eine Behandlung mit dem Farbstofflaser zunächst versucht werden, da in vielen Fällen die oberflächliche Behandlung auch das Wachstum des tiefen Anteils stoppt. Beide Verfahren können ohne Betäubung angewandt werden. Häufig sind mehrere Behandlungen im Abstand von einigen Wochen erforderlich.

Sehr tief reichende Hämangiome werden mit Hilfe des Neodym:YAG-Lasers verödet. Aufgrund der Schmerzhaftigkeit kann diese Behandlung bei kleinen Kindern nur in einer kurzen Vollnarkose durchgeführt werden. Speziell bei tief reichenden Hämangiomen im Bereich von Nase und Lippen kommt auch eine chirurgische Entfernung in Betracht, mit oder ohne vorherige Volumenreduktion durch den Neodym:YAG-Laser.

Ein besonders rasch wachsendes, extrem großes oder an einer problematischen Stelle befindliches Hämangiom kann für einige Wochen innerlich mit einem Kortisonpräparat (Glukokortikoid) behandelt werden. Sobald der Blutschwamm aufhört zu wachsen, reduziert der Arzt die Dosis langsam. Mit dem Betablocker Propranolol steht seit einigen Jahren eine Alternative zu Glukokortikoiden zur Verfügung. Dieses Medikament wird für einige Monate innerlich gegeben und ist bei infantilen Hämangiomen sehr gut wirksam. Allerdings ist es noch nicht offiziell für die Behandlung dieser Erkrankung zugelassen. Arzt und Eltern des betroffenen Kindes müssen also gemeinsam ausführlich besprechen, ob die Therapie im Einzelfall trotzdem infrage kommt, welche Risiken bestehen und welche Nebenwirkungen auftreten können.

Wenn sich ein infantiles Hämangiom zurückgebildet hat, bleiben gelegentlich Restzustände zurück, vor allem bei größeren Blutschwämmen. Diese Hämangiomreste sollten beseitigt werden, noch bevor das betroffene Kind eingeschult wird. Bindegewebige Lappen, insbesondere solche mit Einschlüssen von Fettgewebe, entfernt der Arzt operativ. Verbliebene erweiterte Äderchen verödet er mit Hilfe eines Lasers.