Infantiles Hämangiom: Komplikationen

Tritt ein Blutschwamm an bestimmten Körperstellen auf, etwa am Auge oder am Mund, kann es unter Umständen ernste Folgen haben

von Dr. Angela Unholzer, aktualisiert am 15.11.2016
Blutschwamm an der Lippe

Ein Hämangiom am Mund kann die Lippen verformen


In bestimmten Bereichen des Körpers kann ein infantiles Hämangiom zu ernsten Komplikationen führen. So kann ein großer Blutschwamm in der Nähe des Auges auf den Augapfel drücken, diesen verformen und eine einseitige Kurzsichtigkeit verursachen. Wird der Augapfel aus seiner ursprünglichen Lage verdrängt, schielt das Kind. Dann unterdrückt das Gehirn die störenden Bilder, und die Gehirnstrukturen, die für das Sehen auf dem betroffenen Auge erforderlich sind, können sich nicht richtig entwickeln. Die Folge ist eine einseitige funktionelle Erblindung (Amblyopie). Diese bleibt auch dann bestehen, wenn der ursächliche Blutschwamm sich bereits wieder zurückgebildet hat. Auch eine Sichtbehinderung durch ein großes Hämangiom am Augenlid kann zur Amblyopie führen.

In der Nähe des Mundes kann ein Blutschwamm die Lippen verformen, das Trinken erschweren und zusätzlich Anomalien der Unterkiefer- und der Zahnstellung verursachen. Etwa 50 Prozent der Kinder mit einem Hämangiom an Unterlippe, Kinn, Hals oder Brust leiden gleichzeitig an einem Blutschwamm im Bereich der oberen Atemwege oder der Luftröhre. Dieser kann ebenso wie ein Hämangiom an der Nase die Atmung behindern. Außerdem kann ein Blutschwamm an der Nase das Nasenskelett verformen, und während der Rückbildungsphase lagert sich hier besonders häufig Fettgewebe ein. An der Ohrmuschel kann ein Hämangiom den Ohrknorpel verändern. An der Fingerspitze kann es den Tastsinn beeinträchtigen. Im Anal- und Genitalbereich sowie in Regionen, in denen Haut auf Haut liegt (Leisten, Achselhöhlen, Halsfalten) wird ein Blutschwamm gelegentlich wund gescheuert. Dann kann es zu Schmerzen, Blutungen und Infektionen kommen.

Von einer Hämangiomatose spricht man, wenn an der Haut zahlreiche kleine knotige Blutschwämmchen bestehen. Dann liegen häufig auch innerhalb der Leber, der Milz und der Bauchspeicheldrüse kleine Hämangiome vor. Riesenhämangiome von mehr als zehn Zentimetern Größe können hingegen das Herz überlasten und im Laufe der Zeit zu einer Herzschwäche führen. Insbesondere in großen infantilen Hämangiomen vom kavernösen Typ bleibt der Blutfluss oft stehen, sodass das Gerinnungssystem aktiviert wird. Gerinnungsfaktoren und Blutplättchen (Thrombozyten) werden verbraucht, und es drohen spontane Blutungen in inneren Organen.