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IGeL Hautscreening: Kostenpflichtige Extras

Beim Hautkrebs-Screening bieten Ärzte viele Extras an, die der Patient selbst bezahlen muss. Wir machen den Check, welche sich für Sie lohnen

von Dr. Christian Heinrich, 06.02.2020
Infografik IGel Leistungen

Genau hingesehen: Laut Studien verbessert das Auflichtmikroskop die Erkennungsrate von schwarzem Hautkrebs von 76 auf 92 Prozent


Was wird da gemacht?

Ab 35 Jahren kann man auf Kassenkosten alle zwei Jahre die Haut auf Krebs untersuchen lassen. Dermatologen oder Hausärzte mit Zusatzausbildung suchen dabei mit bloßem Auge nach Auffälligkeiten.

Folgende Extras bieten Dermatologen dabei an: Betrachtung auffälliger Stellen mit Auflichtmikroskop (Dermatoskop), einer besonders leistungsfähigen Lupe. Für eine Videodokumentation werden die Aufnahmen gespeichert, um besser beurteilen zu können, wie sich Auffälligkeiten im Lauf der Zeit entwickeln.

Meist selbst bezahlt werden müssen auch eine vorsorgliche Untersuchung außerhalb des zweijährigen Turnus sowie ein Check vor dem 35. Lebensjahr.

Auffällige Pigmentmale werden herausgeschnitten, der Mini-Eingriff erfolgt in der Regel ambulant und birgt kaum Risiken.

 

Pro

  • Die Untersuchung ist harmlos. Ein kleiner Eingriff ist nur nötig, wenn ein auffälliges Hautmal entdeckt wird.
  • Das Auflichtmikroskop verbessert die Erkennungsrate von schwarzem Hautkrebs laut einer aktuellen Studienübersicht von 76 auf 92 Prozent.
  • Eine Videodokumentation, engmaschigere Checks und deren Beginn bereits vor dem 35. Lebensjahr erhöhen die Chance auf Früherkennung – theoretisch. Professor Christoffer Gebhardt, Leiter des Hauttumorzentrums am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: "Diese Maßnahmen sind vor allem Menschen mit erhöhtem Risiko zu empfehlen." Risikofaktoren sind helle oder sonnenempfindliche Haut, schwere Sonnenbrände in jungen Jahren, früherer Hautkrebs, Fälle in der Verwandtschaft ersten Grades sowie mehr als 50 Pigmentmale.

Contra

  • Abgesehen von der Auflichtmikroskopie nutzen zusätzliche Untersuchungen Menschen ohne erhöhtes Risiko allenfalls geringfügig. Es gibt keinen Nachweis, dass diese Angebote die Zahl der Hautkrebs-Todesfälle senken.
  • Die meisten herausgeschnittenen Male erweisen sich als krebsfrei, sind also nicht bösartig. Nimmt ein Patient viele Zusatzleistungen in Anspruch, könnte das die Zahl unnötiger Operationen steigern.
  • Weil sich Menschen aufgrund der Angebote in falscher Sicherheit wiegen, sonnen sie sich eventuell sorgloser.

Kosten

Wer seine Haut ohne konkreten Anlass häufiger vorsorglich untersuchen lassen will, muss dafür rund 40 Euro zahlen, für eine Videodokumentation mindestens 60 Euro. Für den Einsatz des Auflicht­mikroskops verlangen Dermatologen 30 Euro und mehr.

Manche benutzen es standardmäßig bei jeder Untersuchung und verzichten auf das Honorar oder rechnen es bei der Abklärung von auffälligen Stellen als diagnostische Leistung mit der Kasse ab. Fragen Sie vorher bei ihrer Krankenkasse nach, welche Zusatzleistungen sie übernimmt.

Fazit

Die Zuzahlung für das Auflichtmikroskop lohnt sich, alle anderen Extras sind eher fragwürdig. Am ehesten profitie­ren Menschen mit erhöhtem Risiko. Bei selbst beobachte­ten Auffälligkeiten auf der Haut zahlt eine Abklärung ohne­hin die Krankenkasse. Deshalb immer einen Arzt auf­suchen, rät Professor Steffen Emmert, Direktor der dermatologischen Uniklinik Rostock.


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