Hautpflege bei strapaziösen Berufen

Schminke, Sonnenstrahlung oder Heizungsluft: Manche Berufe strapazieren die Haut, sie wird trocken und juckt. So können Sie vorbeugen und bereits gereizte Haut beruhigen

von Diana Engelmann, 26.03.2018

Wer seine Hände oft desinfizieren muss, sollte auf eine gute Hautpflege achten


Dachdecker, die im Sommer täglich der prallen Sonne ausgesetzt sind. Klinikpersonal, das sich mehrmals stündlich die Hände desinfizieren muss. Manche Berufe stellen für empfindliche Haut eine besondere Herausforderung dar.

Die "Stewardessen-Krankheit" gilt sogar als eigene Diagnose: periorale Dermatitis. Weil sich Flugbegleiterinnen stets schminken sollen, ist ihre Haut überpflegt. 

Gereizte Haut durch häufiges Schminken

Zu viel schminken und abschminken reizt die Haut. Flugbegleiterinnen kennen das Problem. "Der Körper wehrt sich gegen zu fettige Make-up-Produkte mit Emulgatoren", erläutert Allergologin Andrea Bauer von der Uni Dresden. Die Folge: ­Rötungen, der Teint juckt, ist trocken.

"Es bleibt ­einem nichts übrig, als auf Make-up zu verzichten und sich zur Not ein paar Tage krankschreiben zu lassen." Experten zufolge wirkt diese Null-Therapie am besten: die Haut in Ruhe lassen, für einige Zeit keine Kosmetika verwenden.

Wer das nicht aushalte, könne speziell für dieses Krankheitsbild entwickelte Zubereitungen selten und sparsam auftragen, so Bauer. Sind die Symptome abgeheilt, empfiehlt sich spezielle Kosmetik für empfindliche Haut. ­Langsam beginnen und testen, was man verträgt.

Bei trockener Heizungsluft hilft Harnstoff

Das Leben der meisten Menschen spielt sich mittlerweile überwiegend drinnen ab, vor allem im ­Winter. Dort gelten die üblichen Pflegeempfehlungen. "Morgens und abends das Gesicht gut und sanft reinigen, dann eine geeignete Hautpflege ­auftragen", sagt Dermatologin Claudia Borelli.

Wem die trockene Luft in geschlossenen Räumen ­besonders zu schaffen macht, der ist mit Produkten gut beraten, die Feuchtigkeit in der Haut halten: Cremes mit Harnstoff, Glyzerin oder Milchsäure.

Arbeit im Freien: Auf Sonnenschutz achten!

Seit 2015 sind Formen von Hautkrebs wie die aktinische Keratose und das Plattenepithelkarzinom als ­Berufskrankheiten anerkannt. Sie entstehen durch zu viel UV-Strahlung. Seitdem müssen Arbeitgeber in entsprechenden Berufen geeignete Sonnencremes bereitstellen.

Diese ausreichend zu nutzen ist das A und O. "Die Mittel müssen leicht aufzutragen, wasser- und abriebfest sowie nicht klebrig sein. Die Filter müssen hohen Lichtschutz im UV-A- und UV-B-Bereich gewährleisten", ­erklärt Ärztin Andrea Bauer – alles notwendig, wenn man in der Sonne schwer körperlich arbeitet. Im Winter schützt Cold Cream vor Kälte und Wind.

Auch Desinfektionsmittel und Schutzhandschuhe reizen die Haut

Zu viel Kontakt mit Wasser fordert jede Haut heraus. Aber auch reizende Stoffe wie Schmiere oder Desinfektionsmittel können Probleme bereiten. Oder Schutzhandschuhe – darunter schwitzt die Haut stark.

Wichtigste Maßnahme: Hautschutzmittel, am besten solche, die gleichzeitig pflegen und regenerieren. Fragen Sie in der Apotheke oder Ihren Arbeitgeber.

In manchen Branchen muss der Betrieb diese Cremes zur Verfügung stellen: "Im Friseur­­handwerk zum ­Beispiel, im Gastgewerbe, im Gesundheits­wesen, in der Nahrungsmittelindustrie, in Bauberufen oder in der Metall verarbeitenden ­­Industrie", sagt Andrea Bauer. Gegen sehr starkes Schwitzen gibt es Cremes mit Gerbstoffen.

Vorsicht bei Schwimmbad und Sauna

Sie lieben es, nach der Arbeit in der Sauna zu schwitzen oder im Schwimmbad Bahnen zu ziehen? "Patienten mit empfindlicher Haut sollten diese Aktivitäten nur in Maßen genießen", sagt Dermato­login Borelli.

Hitze und Chlor reizen sensible Haut. Danach auf jeden Fall duschen und gut eincremen.

Nur empfindliche Haut oder doch eine allergische Reaktion? 

Ein Jucken, als liefen tausend Ameisen über die Haut. Spannungen oder ­­gerötete Stellen. Manche Reaktionen von empfindlicher Haut ähneln allergischen Symptomen. Der Apotheker Christian Jung aus Hannover erklärt, wie man den Unterschied erkennt.  

  • "Eine Allergie hat immer einen ­Auslöser. Die Reaktion kommt meist schnell und heftig", erklärt Jung. Empfindliche Haut entwickelt sich allmählich, und es gibt meist meh­rere unspezifische Faktoren, die eine Rolle für den Hautzustand spielen. 
  • Auch unterscheiden sich die Hautbilder durchaus. "Bei Allergien sehe ich eher Hautrötungen mit Schwellungen und Bläschen", so Jung. Das  gebe es bei empfindlicher Haut eher nicht. "Treten diese Symptome doch einmal im Zusammenhang mit sensibler Haut auf, ist es höchste Zeit zu handeln." 
  • Bessert sich die Haut nach Einnahme eines Antiallergikums rasch, spricht dies für eine allergische Reaktion – "zum Beispiel auf ein Antihistaminikum", sagt Jung.