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Gesunde Hände trotz intensiver Hygiene

Rötungen, Bläschen, Juckreiz: Häufiges Händewaschen, wie es jetzt als Hygienemaßnahme zum Schutz vor dem Coronavirus angezeigt ist, kann die Haut an den Händen strapazieren. Was tun?

von Ute Wild, 02.04.2020

Hautarzt Dr. Hans-Ulrich Voigt

Dr. Hans-Ulrich Voigt, Dermatologe aus München, erklärt, was die Hände schützt und bei Beschwerden hilft.

1. Häufiges und intensives Händewaschen verträgt nicht jeder. Manche Menschen bekommen davon raue Haut, andere entwickeln sogar ein Handekzem. Welche Personen sind besonders empfindlich?

Vor allem betroffen sind Allergiker, dazu gehören auch Neurodermitis-Patienten, und all jene, die sehr trockene Haut haben. Bei diesen Personen ist der natürliche Hautschutz gestört: Der Säureschutzmantel ist geschwächt, und die Haut kann ihre wichtige Barrierefunktion nicht erfüllen. Das gilt vor allem, wenn sie stark gereizt wird, wie durch sehr häufiges Händewaschen.

2. Was ist daran so schädlich?

Seife besitzt eine fettlösende Eigenschaft. Doch der Seifenschaum kann nicht nur die fetthaltige Hülle des Corona-Virus’ zerstören, sondern löst auch Hautfette. Dadurch trocknen die Hände aus. Die Haut schuppt sich, es bilden sich Rötungen, Bläschen und kleine Risse, die jucken und nässen können. Durch diese Pforten haben es Bakterien, Pilze und Viren leicht, in die Haut zu gelangen. So kommt es zu Entzündungen. Dermatologen sprechen dann von einem Ekzem.

Warum gründliches Händewaschen aber dennoch so wichtig ist, und wie es richtig geht, erklärt unser kurzes Video.

Irritatives Kontaktekzem – gar nicht so selten

Das sogenannte irritative Kontaktekzem geht zurück auf den ständigen Umgang mit reizenden oder feuchten Stoffen, in der Regel sind das Reinigungs-, Lösungs- oder Desinfektionsmitteln. Leichte Formen einbezogen, sind bis zu elf Prozent der

Bevölkerung von der Hautkrankheit betroffen. Oft sind das Personen, die im Gesundheitswesen, in der Nahrungsmittelbranche, im Kfz-Gewerbe, als Friseur oder als Reinigungskräfte arbeiten.

Die Krankheit beginnt durch eine trockene und leicht gerötete Haut. Nach einiger Zeit können juckende Bläschen auftreten, und die Haut reißt ein. Es bilden sich Schrunden, die oft stark schmerzen und nur schlecht heilen. Wenn sich wunde Stellen zusätzlich mit Bakterien oder Viren infizieren, kann es zu chronischen Entzündungen kommen. Von einem chronischen Handekzem sprechen Ärzte, wenn die Krankheit mindestens drei Monate dauert oder in einem Zeitraum von zwölf Monaten mindestens zweimal auftritt.

Infografik Haut Hautschnitt Histologie Hautschichten

3. Lässt sich dies trotz der nun notwendigen Hygienemaßnahmen vermeiden?

Wichtig ist, der Haut wiederzugeben, was man ihr entzieht. Das ist vor allem Fett. Daher sollten die Hände nach jedem Waschen auch eingecremt werden. Weil es dem einen oder anderen jedoch unangenehm sein mag, tagsüber mit fettigen Fingern überall Flecken und Abdrücke zu hinterlassen, rate ich zu einer Feuchtigkeitscreme. Abends sollte dann eine fetthaltige Handpflege aufgetragen werden. Wer möchte, kann nachts dünne Baumwollhandschuhe darüber tragen. Diese gibt es in der Apotheke oder im Sanitätsfachgeschäft.

4. Hilft es, eine besonders milde Seife zu wählen?

Als Schutz vor dem Corona-Virus macht es wenig Sinn, auf besonders sanfte Präparate auszuweichen. Um die Haut zu schonen, sollte man aber darauf achten, die Hände immer gut abzutrocknen.

Bald wieder heile Hände

  • Nicht kratzen oder reiben
  • Therapie nach Verordnung des Arztes befolgen
  • Keine Ringe oder Armbänder tragen
  • Nach jedem Waschen eine rückfettende Pflegecreme oder Salbe benutzen
  • neben dem Händewaschen den Kontakt mit aggressiven Substanzen wie Reinigungsmitteln, Waschmitteln oder Politur möglichst meiden
  • Ist der Umgang mit hautreizenden Stoffen unvermeidlich, Handschuhe anziehen. Unter Gummi- oder Latexhandschuhen Baumwollhandschuhe tragen
  • Auch nach Abheilen des Ekzems gilt: Weiterpflegen! Die Widerstandskraft der Haut ist noch einige Monate geschwächt

5. Einige Menschen benutzen nach dem Händewaschen noch ein Desinfektionsmittel. Ist das nötig?

Mittel zur Handdesinfektion enthalten Alkohol. Dieser trocknet die Haut zusätzlich aus. Wer seine Hände gut wäscht – mindestens 30 Sekunden intensiv einschäumen – braucht keine zusätzliche Desinfektion. Sinnvoll sind solche Mittel aber für zwischendurch und unterwegs, wenn es keine Gelegenheit zum Händewaschen gibt.

6. Einige Menschen tragen inzwischen in der Öffentlichkeit Handschuhe, zum Beispiel beim Einkaufen. Was gilt es dabei zu berücksichtigen?

Um die Hände rein zu halten, sind dünne Einmalhandschuhe am besten geeignet. Sie sollten jedoch nur für eine kurze Dauer getragen werden. Unter der Gummihülle bildet sich nämlich Feuchtigkeit. Dadurch quillt die Haut zunächst auf und trocknet anschließend aus. Wer Gummihandschuhe nutzt, sollte die Hände nach dem Tragen immer eincremen. Um sich vor dem Coronavirus zu schützen gilt übrigens auch mit Handschuhen: Fassen Sie sich nicht ins Gesicht!

7. Viele Menschen möchten zurzeit lieber keine Praxis besuchen. Welche Hausmittel helfen, wenn die Haut geschädigt ist?

Die beste Hilfe ist, die Haut reichlich mit Fett zu verwöhnen. Dazu sind Ölbäder gut geeignet. Man gibt auf eine Schale lauwarmes Wasser zwei Esslöffel Öl, zum Beispiel Olivenöl aus der Küche. Darin die Hände zehn Minuten baden, anschließend sanft abtupfen und zusätzlich eine Handcreme auftragen. Erste Entzündungen sollten so nach ein paar Anwendungen abklingen. In leichten Fällen eines Handekzems helfen auch Salben mit 0,05% Cortison, die es ohne ärztliches Rezept in der Apotheke gibt.

8. Betroffene leiden oft unter starkem Juckreiz. Wie lässt sich Kratzen vermeiden?

Bläschen und Risse sollten möglichst nicht durch Reiben und Kratzen mit den Fingernägeln zusätzlich gereizt werden. Wer sich schwer tut, das zu lassen, sollte die Hände eincremen und Baumwollhandschuhe darüber ziehen, bis der Juckreiz abklingt.

9. Wann raten Sie dazu, einen Termin beim Arzt zu vereinbaren?

Wenn es offenen Stellen gibt, die nässen oder gar bluten, sollten Betroffene ihren Haut- oder Hausarzt konsultieren. Krankheitserreger nutzen diese Eintrittspforten, um in den Organismus einzudringen. Es besteht ein Risiko für schwere Komplikationen. Zurzeit gilt: Rufen Sie in der Praxis an! Der Arzt kann Sie telefonisch oder per Videosprechstunde beraten und Ihnen das Rezept zuschicken. In der Regel wird er ein Cortisonpräparat verordnen, damit die Haut abheilen kann. Das kann eine Creme zum Auftragen auf die einzelnen Stellen sein. In schwereren Fällen gibt es auch Mittel zur inneren Anwendung in Tablettenform. Cortison sollte aber immer nur kurzzeitig eingesetzt werden, um der Haut die Chance zu geben, ihre Barriere wieder herzustellen. Dann sind pflegende Maßnahmen wichtig.

10. Können auch die Nägel geschädigt werden?

Häufiges Händewaschen kann auch die Schichten der Fingernägel angreifen. Auch hier helfen rückfettende Handcremes und Ölbäder.


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