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Erste Hilfe bei Quallenverletzungen

Der Kontakt mit dem Gift von Quallen kann sehr schmerzhaft sein und jucken. Welche Arten gefährlich sind, was gegen die Hautreizung hilft, wer ärztliche Behandlung benötigt

von Barbara Erbe, aktualisiert am 01.07.2019
Ohrenqualle

Manchmal gefährlich: Quallen in seichtem Wasser, hier im Roten Meer


Quallenverletzungen  - kurz zusammengefasst

  • Quallen können mit Hilfe von bis zu 20 Meter langen Nesselfäden, auch Tentakeln genannt, Nesselkapseln auf der Haut hinterlassen.
  • Die Nesselkapseln enthalten das Gift, mit welchem die Qualle sonst ihre Beute tötet. Es ist je nach Quallenart unterschiedlich stark.
  • Zu Vergiftungserscheinungen kommt es meist nur dann, wenn größere Hautstellen mit Tentakeln in Kontakt kommen.
  • Bei schweren Quallenverletzungen können auch tiefergehende Hautschäden entstehen, die Narben hinterlassen.
  • Mit den richtigen Sofortmaßnahmen kann man ein weiteres Ausbreiten des Giftes verhindern und die Schmerzen lindern.

Der Quallenstich: Was passiert beim Hautkontakt?

Im offenen Meer sind sie nahezu unsichtbar: Die Qualle und ihre bis zu 20 Meter langen Tentakeln werden oft erst dann bemerkt, wenn es zu spät ist. Ein heftiger, plötzlicher Schmerz an einer Extremität spricht dafür, dass man eine Tentakel gestreift hat. "Wer plötzlich und unerwartet mit brennenden Schmerzen konfrontiert wird und zudem nicht mehr richtig schwimmen kann, muss sofort geborgen werden, damit er nicht ertrinkt", sagt Professor Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrums für Reisemedizin in Düsseldorf. In den Tentakeln (Nesselfäden) einer Qualle befinden sich sogenannte Nesselzellen. Darin wiederum gibt es Nesselkapseln, die ein giftiges Sekret enthalten. Kommt der Mensch mit den Tentakeln der Qualle in Kontakt, kann es passieren, dass die Nesselkapseln platzen und das Sekret auf die Haut gelangt. Das ruft die brennenden Schmerzen und Striemen, die einer Verbrennung ähneln, hervor. Normalerweise fängt die Qualle mit diesem Mechanismus Beute oder verteidigt sich. Es verbleiben auch intakte Nesselkapseln auf der Haut. Nur gut 20 Prozent platzen sofort. Die restlichen 80 Prozent sollten schnellstmöglich mit der richtigen Methode entfernt werden.

Erste Hilfe bei einer Quallenverletzung

In Sicherheit bringen

Bei plötzlich einsetzenden, starken Schmerzen sofort das Wasser verlassen oder den Betroffenen Hilfestellung dabei bieten. Gestochene können je nach Quallenart Kreislaufprobleme bekommen und drohen dann zu ertrinken.

Abspülen

An vielen Stränden, die in gefährdeten Gebieten liegen - wie Australien - findet sich häufig Essig. Dieser eignet sich am besten um den Stich abzuspülen. Ist kein Essig zur Hand, sollte man die betroffene Haut mit Meerwasser übergießen. Die Stelle auf keinen Fall mit Süßwasser oder Alkohol behandeln, denn das würde weitere Nesselkapseln aktivieren. Die Behauptung Urin würde auch bei Quallenstichen helfen, hält sich hartnäckig, ist aber falsch.

Tentakelreste entfernen

Ist Essig vorhanden, sollte man zuerst spülen, damit werden die verbliebenen intakten Nesselzellen deaktiviert und können sich nicht mehr entladen. Kann nur mit Meerwasser gespült werden, sollte man erst die Tentakelreste per Hand entfernen. Dies ist für die Helfer ungefährlich. Danach die eigenen Hände gründlich mit Meerwasser spülen. Die Reste sollten immer entfernt werden, denn normalerweise haben sich 80 bis 90 Prozent der darin steckenden Nesselkapseln noch nicht entladen. Bei weiterem Hautkontakt könnten diese dann förmlich explodieren. Daher sollte man auch jedes Abreiben der Haut vermeiden - egal ob mit Handtuch, Messer oder Karten.

Schmerzen stillen und Hilfe rufen

Sind alle Reste der Qualle entfernt, kann Kühlung die Schmerzen lindern. Hierfür ein Kühlpack in Plastik einwickeln und in Intervallen auf die Haut legen. Auch Schmerzmittel helfen. Die Länge der Striemen auf der Haut, die die Tentakeln verursacht haben, gibt Aufschluss über den Grad der Vergiftung. Bei einer Gesamtlänge von zwei bis vier Metern bei Kindern und von über sechs Metern bei Erwachsenen besteht Lebensgefahr, und der Betroffene muss dringend in ärztliche Behandlung.

Wie sieht eine Quallen-Vergiftung aus?

Sind größere Giftmengen in den Körper gelangt, kann das Beschwerden auslösen. Dazu gehören:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Atem- und Herz-Kreislaufbeschwerden
  • Schock
  • Herzversagen

Wer diese Symptome beobachtet, sollte sofort den Notruf alarmieren.

Bei bleibenden Schmerzen

Klingt die Hautreizung nach einigen Stunden nicht ab, rät Reisemediziner Tomas Jelinek, vorsichtshalber ärztliche Hilfe aufzusuchen. In leichten Fällen kann eine Antihistamin- oder Kortisonsalbe die Hautreizungen lindern. Großflächige Verletzungen sollten über einige Tage ärztlich überwacht werden.

Gefährliche Quallenarten

Je nachdem, von welcher Quallenart die Verletzung stammt, ist ein Arztbesuch aber auch sofort angezeigt. Hier sind einige Quallenarten aufgelistet nach ihrer Gefährlichkeit:

Harmlosere Quallen

  • Ohrenqualle (Aurelia aurita, in Ost- und Nordsee ansässig)
  • Lungenqualle (Rhizostoma pulmo)
  • Spiegelqualle (Cotylorhiza tuberculata), beide im Mittelmeer beheimatete Arten

Sie alle verursachen lediglich Hautreizungen, die nach einigen Stunden von selbst wieder abklingen.

Gefährliche Quallen

  • "Feuerqualle", die korrekte Bezeichnung lautet gelbe Haarqualle (Cyanea capillata - in Atlantik, Ärmelkanal sowie Nord- und Ostsee zuhause)
  • Kompassqualle (Chrysaora hysoscella, zu finden in Atlantik, Mittelmeer, Nordsee und Kattegat)
  • Leuchtqualle (Pelagia noctiluca, im Mittelmeer und im tropischen Atlantik verbreitet)

Sie rufen mit ihrem Gift Hautreizungen hervor, aber darüber hinaus auch Übelkeit, Erbrechen und möglicherweise Bewusstlosigkeit.

Lebensgefährliche Quallen

  • Portugiesischen Galeere (Physalia physalis, im Englischen: Man-o-War, anzutreffen im Pazifik, tropischen Atlantik und in der Karibik)
  • Würfelqualle, auch Seewespe genannt (Chironex fleckeri, englisch: Box Jellyfish, findet sich vor allem im westlichen Pazifik und an der Küste Australiens)

Die Seewespe ist weltweit das giftigste Meerestier. Im Extremfall kann sie sogar plötzliches Herzversagen auslösen.

Nicht selten leiden Patienten noch Monate nach einer Quallenverletzung durch diese Quallenarten unter Juckreiz und Sensibilitätsstörungen.

Bei aller begründeten Sorge über mögliche Unfälle ist aber die Wahrscheinlichkeit einer solch gefährlichen Begegnung trotzdem sehr gering. In Europa hat es in den vergangenen Jahrzehnten keine tödlichen Quallenunfälle gegeben. Selbst in riskanten Regionen wie etwa im Pazifik wird die Wahrscheinlichkeit, mit einer gefährlichen Qualle zusammenzustoßen, insgesamt als niedrig eingstuft. Es ist also Vorsicht angebracht, aber keine Panik.

Kann ich einen Quallenstich verhindern?

Quallen schwimmen im offenen Meer und ihre Tentakeln sind dabei nahezu unsichtbar, es gibt daher keine sichere Maßnahme, sich vor den Stichen zu schützen - außer an Land zu bleiben. Es gibt aber Vorsichtsmaßnahmen: Um Begegnungen mit Quallen zu vermeiden, sollte man sich den Strand vor dem ersten Baden bei Ebbe ansehen. Ist eine Vielzahl angeschwemmter Quallenkörper zu sehen, kann man davon ausgehen, dass auch im Meer viele anzutreffen sind. Sie treten üblicherweise in Schwärmen auf. Da Quallen sich gern in aller Ruhe im Wasser treiben lassen, meiden sie Gebiete mit tosender Brandung oder starker Strömung und bevorzugen – zum Leidwesen der Badenden – die ruhige See.

Auch nachts lassen sich die Nesseltiere, die so gut wie blind sind, mit Vorliebe treiben. Deshalb sollte man, wo Quallen vorkommen, kein abendliches Bad im Dunkeln nehmen.

Wichtig: "Beachten Sie örtliche Warnhinweise, baden Sie nicht an einsamen Stränden, und schwimmen Sie nicht in trübem Wasser oder dicht über Sand", sagt Reisemediziner Tomas Jelinek. In Australien werden zum Beispiel ganze Badestrände seeseitig eingezäunt, Badende gehen mit einem nesselsicheren Tauch-, Surf- oder Quallenschutzanzug ins Wasser. Es gibt zudem Essigdepots am Strand und Quallennetze im Wasser.

Quellen:

1. Australian Resuscitation Council Guideline 9.4.5 Envenomation - Jellyfish Stings

2. UpToDate; Erin N Marcus, MD, MPH, FACP Geoffrey K Isbister, MD: Jellyfish Stings, Jun 2019