Dekubitus vorbeugen

Die richtige Lagerungstechnik und regelmäßige Hautkontrollen helfen, das Risiko für Wundliegen zu minimieren

aktualisiert am 03.03.2014
Bettlägeriger Senior

Wirksam gegen Wundliegen: Regelmäßiges Umlagern kann verhindern, dass sich ein Druckgeschwür ausbildet


Es gibt verschiedene Maßnahmen zur Vorbeugung eines Dekubitus (Dekubitus-Prophylaxe). In Krankenhäusern, Rehabilitationseinrichtungen und Pflegeheimen sollten gefährdete Patienten zu Bewegung im Rahmen ihrer Möglichkeiten motiviert und, falls nötig, auch regelmäßig umgelagert beziehungsweise umgesetzt werden, um Wundliegen zu vermeiden. Außerdem sollte ihre Haut – insbesondere an Risiko-Stellen – engmaschig auf Dekubitus-verdächtige Veränderungen hin überprüft werden (siehe Kapitel Symptome). Eine gute Hautpflege hilft zusätzlich, dem Wundliegen vorzubeugen.

Dekubitus vorbeugen: Tipps für pflegende Angehörige

Wer zu Hause selbst pflegt, steht vor einer großen Aufgabe. Es ist wichtig, die Situation realistisch einzuschätzen: Kann ich mir eine Pflege – womöglich rund um die Uhr – tatsächlich alleine zutrauen? Welche Unterstützung gibt es, beispielweise durch ambulante Pflegedienste? Was muss ich wissen, um den Pflegebedürftigen bestmöglich zu versorgen?

Hilfreiche Informationen bieten zum Beispiel Kurse für Pflegende wie sie Pflegedienste vermitteln. Darin können sich Pflegende wichtige Grundkenntnisse aneignen und bewährte Lagerungstechniken erlernen. Viele Teilnehmer empfinden es auch als große Erleichterung, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Entscheidend: Bewegung und konsequente Lagerung

Angehörige sollten den Pflegebedürftigen immer wieder ermuntern, sich möglichst viel selbst zu bewegen – soweit er das noch kann. Anregungen für mehr Aktivität bieten zum Beispiel Besuche von Angehörigen oder Bekannten, das Vorlesen aus der Zeitung oder das gemeinsame Betrachten alter Fotos. Zum Essen kann sich der Pflegebedürftige eventuell an die Bettkante setzen statt liegen zu bleiben. Wenn machbar, empfiehlt es sich, häufiger zwischen dem Liegen im Bett und dem Sitzen auf einem gut gepolsterten Stuhl zu wechseln. Anzuraten ist hier die Anpassung eines geeigneten Sitzkissens (Orthopädiefachgeschäft). Vielleicht ist es auch möglich, hin und wieder ein paar Schritte mit dem Pflegebedürftigen zu gehen. Je mehr Positionswechsel, desto besser.

Ist der Betroffene nicht mehr ausreichend in der Lage, sich zu bewegen, müssen ihn die Pflegenden unterstützen: Die wichtigste Maßnahme, einem Dekubitus entgegenzuwirken, besteht in einer konsequenten Umlagerung bettlägeriger Menschen beziehungsweise dem Umsetzen von im Rollstuhl sitzenden Personen. Solche Vorkehrungen sollen verhindern, dass einzelne Hautpartien dauerhaft zu starken Druckbelastungen ausgesetzt sind. Wie häufig die Lagerung geändert werden muss, und welche Lagerung infrage kommt, ist individuell verschieden. Arzt und professionelle Pflegekräfte können das am besten einschätzen. Mit ihnen sollten Lagerungstechniken und optimale Zeitabstände besprochen werden. Beispiele für Techniken des Umbettens sehen Sie weiter unten auf dieser Seite.

Unterstützend kommen eventuell Wechseldruck-Matratzen infrage: Solche Anti-Dekubitusmatratzen bestehen aus mehreren Luftkammern. Eine Automatik füllt diese Kammern abwechselnd mit Luft. Der Betroffene liegt also mal auf den einen, mal auf den anderen Luftkammern, was den Druck auf einzelnen Hautpartien mindert. Ein Ersatz für das regelmäßige Umlagern sind solche Matratzen aber keinesfalls. Auch spezielle Sitzringe oder Polster machen allenfalls als zusätzliche Hilfsmittel Sinn.

Optimale Pflege

Um die Entstehung eines Dekubitus zu verhindern, ist es zudem wichtig, auf eine gute Hautpflege zu achten. Schweiß, Urin (bei inkontinenten Personen) oder Wundsekrete können die Haut womöglich aufweichen und dadurch das Risiko für ein Wundliegen erhöhen. Aber auch sehr trockene Haut ist empfindlicher und damit möglicherweise anfälliger. Wie die optimale Hautpflege aussieht, besprechen Angehörige am besten mit dem Arzt oder einer Pflegefachkraft. Weniger ist oft mehr. Meist genügen eine seifenfreie, hautschonende Waschlotion und – bei intakter Haut – eine rückfettende Hautschutzsalbe ohne hautreizende Stoffe. Bei der Auswahl geeigneter Pflegeprodukte hilft auch die Apotheke. Bei der Körperpflege lieber nicht zu viel rubbeln und reiben, das könnte die Haut womöglich zusätzlich strapazieren. Auch wichtig: Auf weiche, atmungsaktive, hautfreundliche Bettwäsche achten (zum Beispiel aus Baumwolle) und die Laken möglichst faltenfrei ziehen.

Weitere Risikofaktoren für einen Dekubitus sind unter anderem Flüssigkeitsmangel, Unterernährung sowie die Einnahme bestimmter Medikamente wie Beruhigungsmittel. Um Wundliegen vorzubeugen, sollte deshalb auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine angemessene, vitaminreiche und ausgewogene Ernährung geachtet werden. Der Arzt kann zudem entscheiden, ob alle Medikamente optimal angepasst sind. Achtung: Arzneien nicht in Eigenregie absetzen. Besteht ein Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), ist auch die Blutzucker-Einstellung entscheidend. Schlechte Blutzuckerwerte erhöhen langfristig das Risiko für Hautschäden.

Pflegende sollten die Haut des Pflegebedürftigen täglich auf Wundliegen kontrollieren – vor allem an Risikostellen (siehe Kapitel Ursachen). Bei den ersten möglichen Anzeichen für Wundliegen gilt: Auf keine Fall  abwarten, sondern sofort den Arzt oder eine professionelle Pflegekraft um Rat fragen!

Beispiele für Lagerungen

Achtung: Die Grafiken dienen nur als Beispiele. Welche Lagerung im Einzelfall geeignet ist, und in welchen Abständen sie gewechselt werden muss, sollte immer mit einem professionellen Pfleger oder einem Arzt besprochen werden!

Richtig lagern

30-Grad-Lagerung

Drehen Sie den Kranken vorsichtig auf die Seite. Schieben Sie ein flaches Kissen entlang seiner Wirbelsäule in den Rücken. Ein zweites Kissen legen Sie auf der gleichen Seite zwischen die Oberschenkel. Nach der vereinbarten Zeit wechseln Sie die Seite.

Richtig lagern

Frei gelagerte Ferse

Rollen Sie ein Handtuch von beiden Seiten auf. Betten Sie den Fuß in die Mitte der Handtuchrolle. Die Ferse liegt dabei nicht auf. Eine Variante ist die Entlastung der Ferse durch einen Kinderschwimmflügel um den Knöchel.