Dekubitus: Wie vermeidet man Wundliegen?

Durch langes Liegen oder Sitzen können hartnäckige Wunden entstehen. Diese wundgelegenen Stellen werden als Dekubitus bezeichnet und heilen oft nur langsam. Das sollten Patienten und pflegende Angehörige wissen

von Silke Droll, 10.09.2018
Pflegefall

Die richtige Lagerung ist bei bettlägerigen Patienten sehr wichtig, um wunde Stellen zu vermeiden


Wie kommt es zu den Dekubitus-Wunden?

Wer ständig liegt oder sitzt, ohne sich zu bewegen, belastet bestimmte Körperstellen mit viel Druck. Das Gewebe wird gequetscht, verformt, kann absterben. Dann entstehen offene, tiefe Wunden, die schmerzhaft sind und schwer wieder heilen.  

Wer ist gefährdet, einen Dekubitus zu entwickeln?

Alle Menschen, die permanent in der gleichen Position verharren. Meistens sind es pflegebedürftige Senioren, die sich kaum oder gar nicht mehr bewegen können. "Auch querschnitts­gelähmte Rollstuhlfahrer haben ein hohes Dekubitus-Risiko durch das dauerhafte Sitzen", sagt Dr. Jan Kottner, Pflegewissenschaftler an der Charité Berlin.

Oder Frauen, die nach der Anästhesie bei einem Kaiserschnitt kein Gefühl mehr in Beinen und Füßen haben. "Sie merken dann nicht, wie lange sie aufliegen, und bekommen eventuell Wunden an den Fersen." Bei Menschen, die sehr dünn sind und hervorstehende Knochen haben, entstehen die Druckwunden besonders leicht.  

Welche Körperstellen sind oft vom Wundliegen betroffen?

Vor allem Fersen, Steißbein, Kreuzbein, Ellenbogen und Schultern. Aber auch an der Wirbelsäule, dem Hinterkopf, am unteren Rücken, an den Ohrmuscheln, Hüftknochen und Fußknöcheln können Wunden entstehen.

Besonders gefährdete Stellen bei Dekubitus

Wie erkennen Angehörige einen Dekubitus?

Wer einen Bettlägerigen pflegt, sollte regelmäßig dessen Haut nach Rötungen absuchen. Als Test kann man dann mit einem Finger daraufdrücken. "Wenn die Rötung bleibt und die Stelle nicht weiß wird, ist bereits ein Dekubitus entstanden", sagt Björn Jäger, Pflegetherapeut und Vorstandsmitglied der Initiative Chronische Wunden.

Der Pa­tient muss sofort so positioniert werden, dass die Stelle keinen Druck mehr bekommt. Es kann aber auch zu einem Dekubitus kommen, ohne dass die Haut sich rötet, etwa an der Ferse.   

Welche Folgen sind durch das Wundliegen möglich?

Wird nicht sofort gehandelt, bildet sich in der Regel eine dunkle, bläulich-fahle Verfärbung – unter zunächst noch intakter Haut. "Das deutet darauf hin, dass in tieferen Haut- und Muskelschichten bereits Gewebe abgestorben ist", sagt Kottner. Fachleute sprechen von Nekrose.

Im schlimmsten Fall weiten sich die Nekrosen aus, immer mehr Gewebe stirbt ab. "Irgendwann bricht totes Gewebe durch die Haut nach außen. Dann hat man ein Loch, den Dekubitus: eine runde, tiefe, chronische Wunde", so Kotter.  

Wie lässt sich einem Dekubitus vorbeugen?

Vorbeugung ist sehr wichtig. Experten meinen, dass die meisten Fälle verhindert werden könnten. "Der Patient sollte ständig anders positioniert werden, damit auf keine Körperstelle auf Dauer Druck ausgeübt wird", erklärt Jäger. So raten Fachleute oft zur 30-Grad-­Schräg­lage: Der Patient wird mithilfe von ­Kissen oder Decken halb auf die Seite gebettet, sodass eine Gesäßseite be­lastet, die andere entlastet wird.

Um  die Druckverhältnisse zu verändern, reichen häufig Kleinigkeiten. "Ein Kissen unter der Wade entlastet die Ferse, ein zusammengerolltes Handtuch unter dem Gesäß das Steißbein", erkärt Jäger. Wie oft die Liegeposition variiert werden muss, lässt sich schwer sagen. "Das sollten die Angehörigen mit einem Pflegeexperten besprechen", so Jäger. Mitunter spielen andere Erkrankungen eine Rolle, die bestimmte Liegepositionen nicht erlauben. Angehörige sollten sich deshalb in alle Pflegemaßnahmen sorgfältig einweisen lassen.  

Patientenlagerung: Wo finden pflegende Angehörige Hilfe?

Der Pflegedienst kann Angehörigen zeigen, wie sie den Patienten im Bett am besten bewegen und lagern können und welche Hilfsmittel es gibt. Die Kasse bezahlt bei Pflege­grad 1 bis 3 zweimal jährlich eine Beratung vor Ort. Bei einem höheren Pflegegrad kann dieser Beratungstermin sogar alle drei Monate stattfinden.

Eine gute Gelegenheit, um Fragen zum Wundliegen zu klären. "Wir gehen das ganz praktisch durch am Bett und mit dem Patienten", erläutert Zeynep Babadagi, die in Duisburg einen Pflegedienst leitet. Für Ange­hörige bieten Kliniken, Volkshochschulen oder Krankenkassen außerdem Kurse an. 

Welche Hilfsmittel gibt es?

Sobald sich ein Patient kaum mehr selbst bewegt, sollte er auf einer Weichlagerungsmatratze liegen. Das Material passt sich dem Körper an. "So ergibt sich eine viel größere Kontakt­fläche mit der Auflage, und es wirkt pro Körper­areal weniger Druck", erklärt Experte Kottner. Eine solche Matratze, gege­benenfalls auch ein Pflegebett, kann man auf Rezept des Hausarztes im Sanitätsfachhandel bestellen.

Kommt ein Patient bettlägerig aus dem Krankenhaus nach Hause, sollten die notwendigen Hilfsmittel schon vorhanden sein. "Das muss die Klinik organisieren", sagt Babadagi. Ist das Dekubitus-­Risiko besonders groß, macht eine teurere Wechseldruckmatratze Sinn. Sie hat einzelne Kammern, die mit mehr oder weniger Luft gefüllt sind. Mithilfe eines Motors wird die Luft umverteilt. "Wichtig ist, dass die Angehörigen die Matratze auch bedienen können", betont Kottner. Das Hilfsmittel muss optimal eingestellt werden. 

Wie heilen die Dekubitus-Wunden wieder?

Die Versorgung offener Dekubitus-Wunden können Angehörige alleine nicht leisten. "Das sollte ein Profi machen", sagt Kottner. Also ein Wund­­experte, -manager oder Pflegetherapeut. Die meisten Pflegedienste haben solche speziell ausgebildeten Mitarbeiter im Team.

Je nach Ausprägung der Wunde und der Phase der Heilung gibt es unterschiedliche Strategien. "Wenn etwa viel Flüssigkeit abgesondert wird, braucht man spezielle, stark saugende Auflagen", erklärt Babadagi. Ist schon viel Gewebe abgestorben, sollte ein Chirurg es entfernen. 

Was können Angehörige bei einer Wunde tun?

Der Bereich muss möglichst steril gehalten werden. "Bei einer Wunde im Kreuzbeinbereich ist zum Beispiel darauf zu achten, dass beim Stuhlgang nichts unter den Verband kommt", sagt Babadagi. Zum Thema Hautpflege kann der Apotheker informieren. Von Hausmitteln wie Babypuder oder Melkfett ist abzuraten. Wundexperte Jäger: "Die Haut weicht auf, wird noch anfälliger für Verletzungen."