Acanthosis nigricans: Warnzeichen am Hals

Eine grau-braune Färbung im Nacken oder entlang von Gelenkbeugen? Das kann typbedingt sein. Die Verfärbung kann aber auch auf Krankheiten hinweisen. Warum Betroffene zum Arzt sollten

von Dr. med. Roland Mühlbauer, 24.09.2015
Dreckiger-Hals-Syndrom

Am liebsten verstecken: Verfärbungen am Hals


Hat die Haartönung mit der Haut reagiert? Färbt der Kragen des neu erworbenen Hemdes ab? Manchmal geben schmutziggraue Flecken am Hals den Betroffenen Rätsel auf. Vor allem, wenn sie sich trotz intensivem Waschen und Bürsten nicht wegrubbeln lassen. Dieselben Flecken können auch in den Achseln oder Leisten auftreten, überall dort, wo Haut an Haut reibt. Obwohl der Anblick stört, halten ihn die wenigsten für einen Anlass, den Arzt aufzusuchen. Das wäre aber wichtig, um Krankheiten auszuschließen, die diese Verfärbung bewirken können.

"Oft kommen die Patienten aus einem anderen Grund zu uns, und ich finde die Verfärbung zufällig als Nebenbefund", erzählt Professor Eggert Stockfleth, Direktor der Hautklinik der Ruhr-Universität Bochum. Dabei handelt es sich um eine ausgedehnte verstärkte Pigmentierung und Verhornung der Haut. Meist tritt sie symmetrisch auf. Mediziner nannten sie früher "Schwarzwucherhaut", heute heißt sie Acanthosis nigricans. Mehrere innere Erkrankungen können die Hautveränderung auslösen. Ist die Verfärbung eher diffus verteilt, sprechen die Ärzte von Pseudoacanthosis nigricans. Diese Unterform betrifft besonders stärker pigmentierte Menschen mit höherem Körpergewicht und hat abgesehen von den Problemen durch die Fettleibigkeit meist keine krankhaften Ursachen.

Dreckiger-Hals-Syndrom

Gewebeprobe zur Diagnose

Acanthose beschreibt eine Verdickung der Stachelzellschicht in der Oberhaut, während nigricans "schwärzlich" bedeutet. Die Verfärbung kommt also daher, dass sich an den betroffenen Stellen viele pigmentierte Zellen gebildet haben. Ob die Haut tatsächlich auf diese Weise verändert ist, kann eine Stanzbiopsie zeigen. Dafür betäubt der Hautarzt zuerst das Gebiet mit einer Spritze, dann entnimmt er etwas Haut, die untersucht wird.

"Die Untersuchung ist nötig, weil eine Reihe anderer Hautkrankheiten ein ähnliches Hautbild verursachen kann", sagt Stockfleth. Dazu zählen großflächige Muttermale, Pilzerkrankungen, Pemphigus, Morbus Darier (Dyskeratosis follicularis) oder T-Zell-Lymphome, also bestimmte Formen der Leukämie. Auch ein atopisches Ekzem im Rahmen einer Neurodermitis kann bei dunkler Haut ähnlich aussehen.

Oft Probleme mit dem Insulinspiegel

Handelt es sich um eine Acanthosis nigricans, forschen die Ärzte nach, warum sich die Hautzellen in der Stachelzellschicht vermehrt haben. "Nicht immer finden wir einen Grund", erklärt Stockfleth. Aber oft stimuliert überschüssiges Insulin das Wachstum der Hautzellen. Ein erhöhter Insulinspiegel kann zum Beispiel ein Hinweis auf Diabetes Typ 2 sein. Oder auch auf eine Vorstufe der Zuckerkrankheit, die Insulinresistenz: Die Zellen der Muskulatur, der Leber und des Fettgewebes sprechen vermindert auf Insulin an, weshalb die Bauchspeicheldrüse umso mehr Insulin ins Blut abgibt. Eine weitere Ursache für einen erhöhten Insulinspiegel kann ein Insulinom sein. Dabei handelt es sich um einen Hormon-produzierenden Tumor der Bauchspeicheldrüse, der unkontrolliert Insulin freisetzt. Die Ärzte nehmen deshalb Blut ab, um Störungen des Zuckerstoffwechsels und andere Hormonstörungen aufzuspüren.

Tumoren ausschließen

Auch eine genetische Veranlagung kann der Grund für eine Acanthosis nigricans sein. In seltenen Fällen ist sie allerdings auch die Begleiterscheinung einer bösartigen Erkrankung, insbesondere von Tumoren des Magen-Darm-Trakts. "Aus diesem Grund ist die Suche nach einer möglichen Krebserkrankung meist ein fester Bestandteil der Untersuchungen", sagt Stockfleth. Erste Hinweise kann die Bestimmung von Tumormarkern im Blut wie CEA und Alpha-1-Fetoprotein liefern. Weiterführende Untersuchungen sind die Magen- und Darmspiegelung, ein Ultraschall des Bauchraums und Röntgenaufnahmen. Auch eine Lungenspiegelung und eine Bauchspiegelung kommen infrage.

Außerdem können Medikamente die Hautveränderung verursachen: "Vor allem Substanzen, die in den Fettstoffwechsel eingreifen", sagt Stockfleth. Dazu zählen zum Beispiel Kortikoide wie Cortison, Nikotinsäure, die Antibabypille und Fusidinsäure.

Therapie je nach Ursache

Die Behandlung der Acanthosis nigricans richtet sich nach der Ursache. Sind Medikamente der Auslöser, wird der Arzt sie wenn möglich austauschen. Liegt die Vorstufe einer Zuckerkrankheit vor, rät Stockfleth den Patienten, sich mehr zu bewegen, bewusster zu ernähren und dadurch abzunehmen. "Bildet sich daraufhin die Insulinresistenz zurück, stehen die Chancen gut, dass auch die Verfärbung abnimmt", erklärt der Experte. Ähnlich verhält es sich, wenn andere Ursachen beseitigt werden.

Bleiben die Hautveränderungen trotzdem bestehen, setzen Hautärzte von außen wirkende Mittel ein. Zinkhaltiger Puder kann die betroffenen Stellen austrocknen, salicyl- und harnstoffhaltige Cremes weichen sie auf, und niedrig dosierte Vitamin-A-Säure soll die Hautbereiche aufhellen. Wuchert die Haut stark und sieht warzenförmig aus, können Ärzte die betroffenen Stellen auch mit einem kleinen Eingriff abtragen. Allerdings bilden sich eventuell die Hautveränderungen schon nach ein paar Monaten wieder neu. Normalerweise übernehmend Krankenkassen die Kosten für den Eingriff. Wer auf Nummer sicher gehen will, stellt vorab einen Antrag.