Hausstaubmilbenallergie: Therapie

Reichen vorbeugende Maßnahmen nicht aus, kommt im Grunde nur eine Hyposensibilisierung als Therapie infrage. Dabei verabreicht der Arzt das Allergen in regelmäßigen Abständen, bis der Körper den Allergieauslöser toleriert

10.09.2013

Spezifische Immuntherapie: Der Arzt spritzt hierbei das Allergen (als Lösung), auf das der Patient allergisch reagiert, unter die Haut


Viele Menschen, bei denen eine Überempfindlichkeit gegenüber Hausstaubmilbenallergenen festgestellt wurde, haben keine Beschwerden. Sie bedürfen keiner Therapie. Wer allerdings unter Symptomen leidet, sollte Wohnung oder Haus möglichst von Milben befreien (siehe Kapitel Vorbeugen). Hilft dies nur unzureichend, kommt eine Hyposensibilisierung infrage.

Durch eine Hyposensibilisierung – auch spezifische Immuntherapie, Desensibilisierung oder Allergieimpfung genannt – lässt sich eine Allergie gegen Hausstaubmilben behandeln. Patienten können zu jeder Jahreszeit mit der Therapie beginnen, da die Allergie ganzjährig auftritt. Der Betroffene bekommt dabei das Allergen, welches seine Beschwerden verursacht, anfangs in sehr niedriger Konzentration verabreicht. Im Wochenabstand steigert der Arzt die Dosis bis eine "Erhaltungsphase" erreicht ist. Ab da wird die allergene Substanz alle vier bis sechs Wochen bei gleichbleibender Dosierung gegeben. Im Normalfall dauert die Hyposensibilisierung etwa drei Jahre.

Ziel ist, dass sich der Körper an die vermeintlich gefährlichen Stoffe gewöhnt und diese toleriert. Das Immunsystem bildet dann weniger IgE-Antikörper, die die allergische Reaktion auslösen, sondern andere schützende Antikörper.

Prinzipiell stehen zwei verschiedene Methoden zur Verfügung:

Subkutane Hyposensibilisierung oder subkutane Immuntherapie (SCIT)

Hierbei spritzt der Arzt die Allergenlösung anfangs wöchentlich unter die Haut (subkutan). Während dieser Anfangsphase steigert er die Dosis von mal zu mal, bis die Maximalmenge erreicht ist. Ab da ist nur noch alle sechs bis acht Wochen eine Spritze nötig (Erhaltungstherapie). Diese Form gilt als Standardmethode.

Sublinguale Hyposensibilisierung oder sublinguale Immuntherapie (SLIT)

Der Patient bekommt die Lösung mit dem allergen wirkenden Stoff nicht per Spritze verabreicht. Stattdessen ist das Allergen in einer speziellen Tablette oder Tropflösung enthalten, welche der Betroffene selbst unter die Zunge (sublingual) legt beziehungsweise tropft. Dieses Verfahren eignet sich zum Beispiel für Kinder oder Menschen, die keine Spritzen mögen. Allerdings sind die Allergentabletten bisher nur für die Gräserpollen-, aber noch nicht für die Milbenallergie verfügbar. Sie werden zur Zeit in großen Studien getestet und wahrscheinlich in ein bis zwei Jahren zur Behandlung der Milbenallergie verordnet werden können.

Da die Hyposensibilisierung in das körpereigene Immunsystem eingreift, eignet sie sich nicht für Menschen, die an einer Immunschwäche oder an einem bösartigen Tumor leiden. Auch wer schweres Asthma bronchiale hat, wenn eine Herz-Kreislauf-Krankheit vorliegt oder ein Patient sogenannte beta-Blocker einnimmt, muss er mit dem Arzt besprechen, ob eine spezifische Immuntherpie für ihn infrage kommt. Hat jemand eine Erkältung oder macht ihm eine Entzündung im Körper zu schaffen, dann sollte er mit der Therapie erst nach Abklingen der Beschwerden beginnen.

Unabhängig davon, ob ein Hausstauballergiker eine Hyposensibilisierung durchführen lässt oder nicht: Die wichtigste Maßnahme ist, das Allergen zu meiden (Allergenkarenz)!