Hausapotheke: Häufige Beschwerden lindern

Durchfall, Insektenstiche oder eine Erkältung: Es ist nützlich, für solche kleinen Notfälle hilfreiche Mittel im Haushalt zu haben. Drei Apotheker geben Tipps für die Ausstattung Ihrer Hausapotheke

von Barbara Kandler-Schmitt , 23.10.2018
Hausapotheke

Alles nötige drin? Besser die Hausapotheke regelmäßig überprüfen, auch auf abgelaufene Medikamente


Aus der verschnupften Nase entwickelt sich am Wochenende ein fiebriger Infekt. Tagsüber grummelt es schon im Bauch, nachts kommt dann der Durchfall. Niemand kann beeinflussen, wann eine Krankheit ausbricht. Was man aber tun kann: sich für Notfälle rüsten. Eine gut sortierte Haus­apotheke enthält Medikamente, die erst einmal Linderung verschaffen – egal zu welcher Uhrzeit und an welchem Wochentag. Ein gewisser Vorrat an Arzneien schafft ein Gefühl von Sicherheit. Und sollten die Mittel nicht oder nicht ausreichend helfen, gibt es immer noch die Notdienst-Apotheke.

Schnelle Hilfe bei Erkältung, Fieber oder Kopfschmerzen  

Nicht jedes Schmerzmittel eignet sich für jeden. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten. So dürfen Patienten mit Asthma keine Acetylsalicylsäure einnehmen. Bei Magengeschwüren sind Entzündungshemmer wie Diclofenac tabu, Menschen mit Leberschaden vertragen kein Paracetamol. 

Rezeptfreie Schmerzmittel nur kurzfristig einnehmen. Sind die  Beschwerden nach drei Tagen nicht weg, besser zum Arzt gehen.

Leben Kinder im Haushalt, braucht es Schmerzmittel in entsprechender  Dosierung und Darreichungsform (Saft oder Zäpfchen).

Die Hausapotheke kindersicher aufbewahren. Am besten eignet sich eine abschließbare Box.

Fieber nicht immer sofort senken. Es ist eine gesunde Abwehrreaktion des Körpers. Meist genügt es, viel zu trinken und sich auszuruhen. Auch lauwarme Wadenwickel verschaffen Linderung. Nur wenn das Fieber auf über 39 Grad steigt oder der Allgemeinzustand sehr schlecht ist, sind Medikamente sinnvoll. 

Die rektale Fiebermessung ist am exaktesten. Der Apotheker Patrick Witte empfiehlt digitale Fieberthermometer mit flexiblem Ende. 

Viele Erkältungsmittel sind ab Anbruch nur begrenzt haltbar. Das gebrauchte Nasenspray oder den angebrochenen Hustensaft vom vergangenen Herbst deshalb besser entsorgen. 

Auf einen Blick: Hausapotheke bei Erkältung

  • Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol. Sie senken zugleich auch Fieber.
  • Fieberthermometer  
Margrit Becker

Mittel aus der Hausapotheke bei Verletzungen und Stichen

Pflaster gibt es auch für Sensibelchen. Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach hautfreundlichen Varianten.  

Desinfizieren brennt immer so? Mit Präparaten, die den Wirkstoff Octenidin ­­enthalten, versorgen Sie Wunden sanfter. 

Bei stumpfen Verletzungen wie Prellungen und Quetschungen rät die Apothekerin Margrit Becker ihren Kunden, Schafschurwolle mit Arnika-Essenz zu besprühen. Kühlkompresse obendrauf – so lassen sich Blutergüsse und Schmerzen reduzieren.   

Kühlende Salben im Kühlschrank auf­bewahren. Das verstärkt den Effekt. Zum Beispiel bei Brandsalben für ­kleinere Verbrennungen oder Gele gegen Juckreiz nach Insektenstichen. 

Die Kinder sind mit Mückenstichen übersät? Tipp von Margrit Becker: Ein paar Tropfen des Antihistaminikums Dimetindenmaleat kurz vor dem Einschlafen ­können den Kleinen helfen, die Nacht zu überstehen. Außerdem berät sie ihre Kunden gerne zu alternativen Methoden, etwa anthroposophischen Arzneien.  

Rechtzeitig zum Arzt gehen. Sind Wunden sehr tief, verunreinigt oder bluten stark, besser nicht selbst daran herumdoktern. Das gilt auch für ­­Bisswunden und stark entzündete oder angeschwollene Insektenstiche.

Einmal im Jahr ausmisten. Prüfen Sie, ob in Ihrer Hausapotheke etwas fehlt und welche Medikamente noch haltbar sind. Wenn Arzneien komisch aussehen oder riechen, nicht mehr verwenden.

Auf einen Blick: Hausapotheke bei Verletzungen und Stichen

  • Verbandmaterial, darunter Pflaster, Mullbinden, sterile und kühlende Kompressen
  • Wunddesinfektionsmittel 
  • Wund- und Heilsalbe
Stefan G. Weidinger

Das sollte bei Magen-Darm-Beschwerden in die Hausapotheke

Magen-Darm-Infekte können zu großen Flüssigkeitsverlusten führen. Dem Körper fehlen dann mitunter Elektrolyte. Wer häufiger an Durchfall oder Erbrechen leidet, kann ein entsprechendes Ersatzpräparat bevorraten.

Die Bakterien müssen schnell den Körper verlassen. Infektiösen Durchfall deshalb nicht mit Loperamid behandeln. Der Wirkstoff hemmt die Bewegungen der Darmmuskulatur, Erreger werden langsamer ausgeschieden. 

Probiotische Bakterien oder Hefepilze empfiehlt der Apotheker Stefan Weidinger, um eine durch Erreger geschädigte Darmflora wieder aufzubauen. 

Besser abends einnehmen. Mittel mit Diphenhydramin oder Dimenhydrinat lindern Übelkeit und Erbrechen. Doch die Wirkstoffe können müde machen. 

Abführmittel nur kurzfristig nutzen. Zur längeren Anwendung eignen sich Stefan Weidinger zufolge Quellmittel mit Flohsamen, Macrogol oder Lactulose. Sie wirken aber nicht sofort, akute Probleme lassen sich damit nicht beheben.

Die Hausapotheke ist immer auch individuell. Nicht jeder hat zum Beispiel Sodbrennen. Wenn es oft auftritt, macht es Sinn, Medikamente zu Hause zu haben. Das gilt auch für andere Beschwerden wie etwa Hämorriden, Herpes oder Allergien.

Beipackzettel aufbewahren. Dann können Sie jederzeit die wichtigsten ­­Informationen zu Ihren Medikamenten nachlesen.

Auf einen Blick: Hausapotheke bei Magen-Darm-Problemen

  • Durchfallmittel wie gerbstoffhaltige Präparate oder Loperamid
  • Mittel gegen Verdauungsbeschwerden, unter denen Sie oft leiden – etwa Sodbrennen oder Verstopfung. Nervöse Magenbeschwerden sprechen gut auf pflanzliche Kombina­tionspräparate an.