Nagelbettentzündung: Therapie

Die Behandlung einer Nagelbettentzündung richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Sie umfasst entzündungshemmende und antiseptische (= Erreger abtötende) Bäder und Salben, Antibiotika, Anti-Pilzmittel oder chirurgische Eingriffe
aktualisiert am 20.04.2017

Eine Therapiemöglichkeit bei beginnender Nagelbettentzündung: Der Finger wird in entzündungshemmender Lösung gebadet

W&B/Winfried Fischer

Die Wahl der Therapie einer Nagelbettentzündung orientiert sich an dem Ergebnis der ärztlichen Untersuchung. Je nachdem, ob die Infektion durch Bakterien, Hefepilze oder Viren ausgelöst wurde, setzt der Arzt unterschiedliche Arzneimittel ein. Verläuft die Entzündung komplizierter, zum Beispiel mit einer eitrigen Einschmelzung des Gewebes, können auch operative Maßnahmen notwendig sein. Bei chronischen Nagelbettentzündungen ist es wichtig, verantwortliche Reizstoffe zu meiden oder die zugrundeliegende Erkrankung gewissenhaft zu behandeln.

Was hilft zu Beginn einer Entzündung?

Generell gilt: Entzündungshemmende Bäder und Salben wirken beruhigend und unterstützen den natürlichen Heilungsprozess bei einer Nagelbettentzündung. Oft helfen anfangs warme Bäder mit entzündungshemmenden Kräuterzusätzen wie Kamille, in denen Sie die erkrankten Finger oder Zehen zweimal täglich für jeweils 20 Miunten baden. Auch desinfizierende Lösungen oder Salben, die Jod oder andere antibakteriell wirkende Stoffe enthalten, können rasch helfen, vor allem wenn Bakterien die Ursache der Infektion waren.

Wichtig: Besprechen Sie immer zuerst mit Ihrem Arzt, welche Maßnahmen in Ihrem Fall am besten geeignet sind, einer Entzündung entgegenzuwirken. Experimentieren Sie nicht selbst herum und manipulieren Sie auch nicht im Nagelbereich.

Was ist zu tun, wenn die Entzündung fortschreitet?

Bei einer stärkeren Entzündung können mitunter auch antibiotikahaltige Salben notwendig werden. Ist eine bakterielle Entzündung bereits weiter fortgeschritten und geht mit geschwollenen Lymphknoten und / oder Fieber einher, verordnet der Arzt gegebenenfalls auch Antibiotika in Tablettenform.

Liegt eine Infektion mit Hefepilzen vor, setzt der Arzt Salben mit einem Anti-Pilzmittel ein. Herpes-Infektionen lassen sich gut mit Virostatika behandeln, die örtlich als Salbe aufgetragen werden.

Größere Eiterherde muss der Arzt unter örtlicher Betäubung vorsichtig aufschneiden, damit der Eiter richtig abfließen kann. Das kann bei einer Nagelbettentzündung bedeuten, dass er hierzu auch eine Öffnung durch den Nagel legen oder den Nagel entfernen muss. In der Regel legt der Arzt anschließend einen desinfizierenden Salbenverband an. Wundbehandlung und der Verbandswechsel erfolgen meist ebenfalls in der Arztpraxis. Ein entfernter Nagel wächst normalerweise innerhalb von ein paar Monaten wieder nach.

Vorsicht: Als Laie dürfen Sie nicht selbst versuchen, einen Eiterherd zu öffnen. Dies könnte zu einer gefährlichen Verschleppung der Bakterien in tiefere Gewebeschichten führen.

Da vor allem eine eitrige Nagelbettentzündung oftmals mit Schmerzen und einer eingeschränkten Bewegungsfreiheit des Fingers oder Zehs einhergeht, ist es oft notwendig, die betroffene Stelle zunächst ruhigzustellen, beispielsweise durch Hochlagern oder mithilfe von kleinen Schienen. Das gilt besonders nach einem chirurgischen Eingriff.

Ist ein gestörter Nagelwuchs, zum Beispiel im Sinne eines eingewachsenen Nagels, für die Nagelbettentzündung verantwortlich, kann der Arzt den jeweiligen Nagel operativ verkleinern. Mitunter muss er die Nagelplatte auch vollständig entfernen. Dauerhaft wunde Druckstellen an den Füßen wird er mit entsprechenden Medikamenten behandeln. Hilft das nicht mehr, entfernt er krankes Gewebe. Wichtig ist dann, dass die Betroffenen weitere Druckstellen vermeiden durch behutsame Fußpflege und angepasstes Schuhwerk, im Fall von Fehlstellungen des Fußes auch orthopädisches Schuhwerk. Für Diabetiker etwa heißt es zudem, gewissenhaft auf eine gute Blutzuckereinstellung zu achten.

Wenn die Nagelbett-Entzündung bereits den Knochen und / oder das Knochenmark angegriffen hat, können weitere chirurgische Eingriffe nötig sein. In seltenen, besonders schweren Fällen, etwa bei Wundheilungsstörungen mit abgestorbenem Gewebe, ist die Amputation des jeweiligen Fingers oder Zehs erforderlich, um die fortschreitende Entzündung aufzuhalten.

Wie sind chronische Nagelbettentzündungen zu behandeln?

Dauerhaft entzündete Nagelbereiche lassen sich nur sanieren, wenn die Betroffenen die Auslöser meiden. Für Menschen, die viel aggressiven Stoffen umgehen müssen, bedeutet das, dass sie konsequent Schutzhandschuhe tragen und regelmäßig eine ausreichend fetthaltige Creme oder Salbe auf die Hände auftragen. Unter Umständen kann es sogar notwendig sein, den Beruf zu wechseln.

Menschen, die an Durchblutungsstörungen, einer Immunschwäche oder einem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) leiden, können viel bewirken, wenn sie den Therapievorgaben ihres Arztes gewissenhaft folgen. Je besser sie die Grunderkrankung im Griff haben, um so eher ist es möglich, Komplikationen aufgrund einer verzögerten Wundheilung zu vermeiden und chronische Verläufe einzudämmen. Für chronisch Kranke ist es besonders wichtig, Hände und Füße behutsam zu pflegen, Anzeichen für eine akute Entzündung ernst zu nehmen und gleich dem Arzt zu zeigen.

Ein gute Blutzuckereinstellung, gewissenhafte Fußpflege und ein gesunder Lebensstil helfen Diabetikern Nagelbettentzündungen und anderen entzündlichen Veränderungen an Fingern und Zehen vorzubeugen. Mehr zur richtigen Fußpflege bei Diabetes finden Sie hier: Fußpflege für Diabetiker von A bis Z.

Wer den Verdacht hat, dass seine Nagelprobleme mit der Einnahme eines bestimmten Medikaments zusammenhängen könnten, sollte mit seinem Arzt darüber sprechen. Trockene, rissige Haut an Fingern und Zehen ist zum Beispiel eine typische Nebenwirkung von Vitamin A-Abkömmlingen (= Retinoiden) zur innerlichen Behandlung von Schuppenflechte und Akne. Noch viel häufiger kommen Einrisse der Haut in der Nagelumgebung bei Menschen vor, die aufgrund einer Krebserkrankung bestimmte neuartige Medikamente, sogenannte EGFR-Antagonisten oder Tyrosinkinase-Hemmer, einnehmen. Bereits durch feine Risse der Haut können Krankheitserreger wie Bakterien, Hefepilze und Viren in das Nagelorgan gelangen. Um einer Nagelbettentzündung vorzubeugen, sollten Menschen, die diese Arzneistoffe erhalten, die Umgebung der Nägel an Fingern und Zehen konsequent einfetten.


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